Impressum Startseite
Reviews Interviews Live Specials Jobs

Interview: AMON AMARTH

Amon Amarth sind eigentlich sehr spassige Zeitgenossen, wenn man sie auf dem richtigen Fuss erwischt. Doch nach einer langen (länger als erwartet) Autogrammstunde in einem nahegelegenen CD-Center und dem schnell eingeworfenen Essen kam das Interview vor dem Gig in Georgsmarienhütte vielleicht doch etwas ungelegen?! Entsprechend reserviert, nachdenklich und wortkarg gab sich Gitarrist Olavi Mikkonen. Odin sei Dank taute er in den folgenden Minuten doch noch auf. Vielleicht hat es ihm ja doch Spass gemacht ...

Erstmal Gratulation zum neuen Album. Darf man sagen, dass es das beste Album bis dato ist?
Oh Gott ... klar ist es das Beste, aber bis dato? Ich weiss nicht. Wir haben eigentlich immer starke Alben abgeliefert. Aber wir sind momentan sehr zufrieden, denn wir haben verdammt hart dafür gearbeitet. Aber z.B. war "Fate Of Norns" nicht so gut wie "Vs. The World".

Und das sagst du als Musiker?
Ja! Dieses Mal fühlten wir, dass wir mehr Energie hineinstecken mussten. Wir brauchten einfach eine Art Revanche. Quasi uns selbst wieder zu toppen.

Tja, Mission gelungen. Sogar zwei schnelle Songs habt ihr wieder geschrieben. Überhaupt erinnert die Songzusammenstellung und die leicht eisige Atmosphäre im Sound und in den Melodien an euer Erstwerk "Once Sent From The Golden Hall". Kannst du das nachvollziehen?
Weiß ich nicht. So habe das noch nicht gesehen.
(Der folgende ratlose Gesichtsausdruck lässt mich wünschen, ich hätte diese Frage nie gestellt)
Vielleicht. Jeder hat halt seine eigene Meinung, wenn er das Album hört. Für mich sind es halt die neuen Songs, eine neue Zeit. Ich schaue nicht so oft zurück, um zu überlegen, ob das neue Album wie eines unserer älteren klingt. Na, und die schnellen Stücke ... bei "Fate Of Norns" waren einfach keine Ideen für solche Songs da. Dieses Mal schon.

Gut so.
Wenn wir uns die VÖ-Jahre euer Scheiben anschauen, fällt auf, dass es immer Schlag auf Schlag ging. Maximal zwei Jahre dazwischen. War da nicht mal der Bedarf einer kleinen Pause? (...und wieder dieses nachdenkliche Gesicht, also gebe ich ihm noch mehr zum Grübeln)
In den letzten Jahren war es immer ein Album-Tour-Album-Tour-Rhythmus.
Ich denke, so sollte es sein. Wenn du genug für ein Album getourt bist, wird es Zeit ein Neues aufzunehmen.

Also liegt es euch einfach im Blut und es gibt/gab keinen Druck von der Plattenfirma?
Nein, hat es nie gegeben. Außerdem, nach einiger Zeit willst einfach wieder "on the road" gehen und dazu brauchst du einfach neues Material.

Ihr seid also schon heiß darauf, immer wieder auf Tour zu gehen.
Auf jeden Fall. Live spielen, für die Fans spielen - das ist doch der Grund um in einer Band zu sein.

Danke für die Überleitung. Thema: Band. Amon Amarth wird immer mehr zu einem Beruf. Ihr habt eure Jobs aufgegeben und seid nun Vollzeitmusiker. Wie fühlt sich das an? Wird der Druck größer oder habt ihr genug Selbstbewußtsein dafür?
Ich denke nicht, dass der Druck größer wird ...

(der schläft mir gleich ein)
Immerhin lebt ihr ausschließlich von und für die Musik.
Das Einzige ist, dass es nun leichter ist, in einer Band zu spielen. Damals haben wir tagsüber gearbeitet, abends geprobt und dann gab es noch Familie und Ähnliches. Heute proben wir tagsüber und haben danach Zeit für alles Persönliche. Das ist perfekt. Und bei den Proben - ob nun für ein Album oder eine Tour - können wir uns viel besser konzentrieren. Vorher hatten wir quasi zwei Jobs, jetzt haben wir den Musik-Job behalten. Und wir können unsere ganze Energie hineinstecken.

Merkt man deutlich. Die Qualitätskurve zeigt ja immer noch nach oben. Hast Du nicht manchmal Angst, auf einmal keine Ideen mehr zu haben?
Nee. (jetzt wirkt er auf einmal aufgetaut) Nimm das neue Album. Es ist erstaunlich. Wenn ich das Album heute aufnehmen würde, würden einige Songs anders klingen. Nicht komplett anders, aber an einigen Stellen. Zumindest habe ich gemerkt, dass man einige Songs auch anders machen könnte und sie wären dadurch besser. Also nehme ich mir diese Ideen und benutze sie für das nächste Album. Das nächste wird dann besser, weil wir gelernt haben. Ja, das neue Album ist großartig, aber ich weiß, dass wir es besser können.

Dann hätte ich jetzt gerne mal eine kleine Einschätzung von dir. Seit eurer ersten EP sind nun zehn Jahre vergangen. Gib uns bitte zu jedem Release eine kleine Rückblende und vielleicht noch ein besondere Story, die dir dazu einfällt.
Auf geht's: "Sorrow Throughout The Nine Worlds"
Das war das erste Mal, dass wir Peter Tägtgren (Produzent) getroffen haben. Daraus hat sich eine tolle Freundschaft und eine langjährige Zusammenarbeit entwickelt.

"Once Sent From The Golden Hall" - der erste Longplayer.
Woran ich mich am meisten erinnere, ist, dass wir das Ding zweimal aufnehmen mussten. Es im Sunlight-Studio (u.a. Dismember, Entombed) aufzunehmen, war - so dachten wir - einfacher, da wir dann in Stockholm bleiben konnten um nach dem Studio nach Hause zu gehen. Peter ist mit seinem Studio ja weiter nördlich von Stockholm. Aber die Sunlight-Aufnahme war grottenschlecht. Also sind wir dann doch zu Peter gegangen und die Zeit dort geblieben.

"The Avenger"
(denkt lange nach) Jede Menge Partys. Im Supermarkt packt man sich ja normalerweise Essen in den Einkaufswagen. Wir hatten einen Wagen voller Alkohol. Das war echt eine wilde Zeit.

War das der Grund, warum das Album "The Crusher" so verdammt brutal war?
Bevor das Album überhaupt den Titel bekommen hatte, war dies bereits der Arbeitstitel, nur auf schwedisch. Und so haben wir diese Linie verfolgt und deswegen ist das Album so hart geworden.

Klar, so geht's auch. Und mit "Vs. The World" kam der Durchbruch.
Ja. Komisch daran ist, dass wir drauf und dran waren, uns aufzulösen (Bitte?). Wir waren müde vom ewigen Touren und dabei immer nur übers Ohr gehauen zu werden. Wir hatten die Schnauze vom Musik-Business voll. Der Arbeitstitel war eigentlich "The End" und im Gegensatz zu den anderen Alben sollte anstatt Feuer nur Asche zu sehen sein. So sind wir an das Album herangegangen. Dazwischen kam dann aber noch eine Tour, die uns die Augen geöffnet hat. Das verdanken wir den Fans.

Es hätte also 2002 alles vorbei sein können.
Ja.

Welch eine Schande.
Nun, über "Fate Of Norns" hatten wir ja schon etwas gesprochen. Du magst das Album nicht so sehr?!
Das Album ist gut. Es ist das Beste, was wir zu dem Zeitpunkt bringen konnten. Nach "Vs. The World" waren wir ewig auf Tour, 3x Europa, 3x USA, einene Menge Festivals. Und auf einmal war ein neues Album an der Reihe und das Studio schon gebucht. Durch die Tourneen gingen wir uns auch ziemlich auf die Nerven, genügend Songs waren auch nicht parat. Die Aufnahmen waren manchmal am Rande des Chaos. Und trotzdem kam durch das Album die Möglichkeit, unsere Jobs aufzugeben und mehr als Team zu arbeiten. Das war eine wahre Erleichterung. Aber ohne "Fate Of Norns" hätte es "With Oden On Our Side" nie gegeben. Man braucht etwas weniger Gutes um etwas richtig Gutes zu erschaffen.

Bei der Steigerung bin ich mal gespannt, wie dann das nächste Album klingen wird. Du hast gesagt, es soll besser werden.
Da treffen wir uns am besten in zwei Jahren hier wieder und reden dann darüber.

Klar. Über das neue Album haben wir nun gesprochen. Beim Titel stellt sich mir noch folgende Frage: Welche Band gewinnt das Rennen um den Titel "Wikinger des Jahres"? Unleashed, Amon Amarth oder neuerdings sogar Manowar?
(er grinst wirklich) Die richtigen Wikinger natürlich!

Du redest von euch?!
Muss ich das jetzt so direkt ausdrücken? Ist das nicht offensichtlich?

Okay, belassen wir es dabei und schicken dich jetzt in den wohlverdienten Interview-Feierabend mit etwas ganz anderem. In den ganzen Interviews, die du bereits gegeben hast, gab es da ein Thema zu dem man dich nie befragt hat, du aber gerne drüber reden würdest?
Hmm, niemand hat mich nach meiner neuen Katze gefragt. Sie heißt "Rune".

Ja, ist doch mal was anderes. Was ist denn das Besondere an ihr?
Sie ist einfach eine wunderschöne Katze. Tja, und da hat mich noch niemand nach gefragt.

Witzig, weil es wahrscheinlich niemand weiß. Aber wir treffen uns ja in zwei Jahren. Dann werden wir definitiv über sie reden.
Und über das neue Album.

Ja, wahrscheinlich auch.


Das Interview führte Siegfried Wehkamp.
Georgsmarienhütte, 03. November 2006