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Interview: BOLT THROWER

Großer Gott, was soll man noch über BOLT THROWER erzählen?! So ziemlich jeder beinharte Metal-Fan kennt sie, liebt ihre Scheiben, ist überglücklich, dass Original-Frontgaul Karl Willets wieder dabei ist und freut sich noch mehr über extrem niedrige Gig- und Merchandisingpreise, da die Band alles selbst in die Hand nimmt.
Wo soll man denn dann bei einem Interview beginnen?

Wenn ich in den Duden schaue und nach Begriffen wie Konstanz oder Beständigkeit suche, werde ich wohl den Namen Bolt Thrower finden. Kritiker würden sagen, es klingt alles gleich. Eure Fans wissen, dass es nicht so ist.
Kannst Du überhaupt erklären, wie ihr es schafft, diesen hohen Qualitätsstandard über die ganzen Jahre zu halten?
Barry Thompson: Vor Jahren kamen Kritiker zu uns und sagten eben: "Eure Alben klingen alle gleich." Und wir antworteten: "Ja, vielen herzlichen Dank!" Denn es ist genau das, was wir wollten. Wir wollten wie Bolt Thrower klingen. Wenn du nach dem nächsten ultra-populären Trend suchst, musst du woanders suchen, weil Bolt Thrower auch immer Bolt Thrower-Musik machen.
Das liegt daran, dass, als wir jünger waren, unsere Lieblingsbands alle auf einmal Mist machten. Sie veränderten ihren Musikstil und waren nicht mehr die, die sie ursprünglich waren. So wollten wir nicht sein. Wenn wir uns verändern würden, würden wir einpacken.

Das passt zu dem, was ich auf Eurer aktuellen CD entdeckt habe. Ist Dir aufgefallen, dass Ihr dezent alte Sachen wiederholt? Wenn man z.B. die Songs "Those Once Loyal" und "IVth Crusade" vergleicht - die ähneln sich doch recht stark in Sachen Songwriting und Aufbau.
Das ist möglich. Ich würde sagen, dass es gewisse Formeln für das Songwriting gibt, die sich halt ähneln. Aber irgendwie sind alle glücklich. Wenn Du ein zweites "Reign In Blood" kriegen könntest, würdest Du es nehmen?

Ja!
Siehst Du! Wir suchen doch alle nach unserem "Reign In Blood". Und wir wollen einfach konsequent bleiben und gute Qualität abliefern. Deswegen kommen unsere Alben auch nicht jedes Jahr raus. Wir veröffentlichen erst, wenn das Album wirklich fertig ist. Wir sind ein Alptraum für jede Plattenfirma.

Und Ihr hattet erst zwei. Earache und Metal Blade.
(lacht) Aber sie hassen uns alle. Sie wollen immer mehr und mehr und wir machen das nicht so. Für uns erscheint das einfach nicht richtig.

Nicht richtig - gutes Stichwort. Wie sucht Ihr die "richtigen" Songs für Eure Live-Sets aus? Und wie viele Streitereien hat es deswegen schon gegeben?
Ja, das sind immer die größten Diskussionen, die wir haben, weil jeder halt seine Favoriten hat. Wichtig ist aber auch, die Songs so auszusuchen, dass das Set flüssig rüberkommt. Dann die Frage, was die Fans hören wollen. Und wenn ein neues Album da ist, soll das natürlich auch vernünftig vorgestellt werden. Ist gar nicht so einfach.

Welches ist denn Dein Lieblings-Bolt Thrower-Song ?
Ähm ... (die Frage war jetzt wohl zu schwierig) ... ich glaube, den habe ich noch gar nicht geschrieben ...

Und vom aktuellen Album?
"Anti-Tank"! Ohne jeden Zweifel. Der Song ist Bolt Thrower pur!

Mal abgesehen von den erfolgreichen Touren zum neuen Album werdet Ihr außer auf dem Rock Hard-Festival auf keinem anderen Festival dieses Jahr spielen.
Es hat immer finanzielle Barrieren gegeben und auf den großen Festivals kannst du ja nicht mal die Fans richtig sehen. Die sind meistens weiter weg hinter einer Absperrung und das Licht ist ja nur bei uns auf der Bühne. Das ist irgendwie nicht so unser Ding.
Das Rock Hard hat uns seit Beginn von Bolt Thrower immer gut behandelt und es ist auch eine Wiedergutmachung für unsere unvorhergesehene Absage in 2003.

Habt Ihr Euch das Amphitheater auch vorher angeschaut? So wie Ihr Euch auch über alle anderen Gigs und Clubs vorher informiert?
Wir haben Videos vom Amphitheater gesehen und Jo (Jo Bench/bass) ist auch dort gewesen, um es sich vorher anzuschauen. Es ist traumhaft da. Das Preis/Leistungsverhältnis stimmt und wir spielen auf dem Samstag als Co-Headliner. Das ist exzellent!

Was meinst Du, wie lange Ihr Bolt Thrower noch durchziehen könnt?
Ich weiß nicht. Solange es sich noch gut anfühlt. Ich will da keinen Zeitrahmen drüberlegen. Ich nehme es einfach Tag für Tag und Jahr für Jahr. Ich hätte ja nicht mal gedacht, dass es jetzt schon 20 Jahre halten würde. Und es läuft ja immer noch verdammt gut. Ich hoffe, wir machen es noch lange, so dass unsere Kinder irgendwann übernehmen können.

Das passt zum derzeitigen Generationswechsel, der in der Szene stattfindet.
Ja, das stimmt. Es sind derzeit viel mehr jüngere Fans bei unseren Shows. 16-jährige, die noch nicht mal auf der Welt waren, als wir schon Alben veröffentlicht haben.
Das erinnert mich an einen Jungen, der zu einer unserer Holland-Shows kam. Er brachte seinen Vater mit und erzählte mir, dass dieser uns schon vor 16 Jahren gesehen hat. Hey, da standen Vater und Sohn mit Bolt Thrower-Shirts vor mir. Wow! Da habe ich gesehen, dass wir es quer durch die Generationen geschafft haben.

Ergo - Schlacht gewonnen! Wie eigentlich immer bei Bolt Thrower.


Das Interview führte Siegfried Wehkamp.
Bremen, 23. April 2006