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Interview: INTO ETERNITY

Oldenburg, 17:15 Uhr - ich warte auf den Anruf von Tim Roth, seines Zeichens Gitarrist der kanadischen Multi-Metal-Truppe INTO ETERNITY, um mit ihm über das neue Album "The Scattering Of Ashes" zu plaudern.
Irgendwo in Kanada, gleicher Tag, 09:15 Uhr - Tim Roth ruft in Oldenburg an, um sein nächstes Interview zu geben.

Tim, euer neues Album ist nicht mehr ganz einen Monat von den Hörern entfernt. Was liegt bis dahin bei euch an?
Wir sind ab 01. September wieder in den Staaten auf der Gigantour mit Megadeth unterwegs. Und danach wird das Album richtig promotet.

In den fast zwei Jahren seit eurem letzen Deutschland-Abstecher (mit Kataklysm) seid ihr pausenlos unterwegs gewesen - bloss nicht hier. Warum?
Zwei Jahre? Ist das schon so lange her? Dabei hatten wir in diesem Jahr sogar über ein halbes Jahr Luft, die wir für das neue Album genutzt haben. Davor haben wir insgesamt sechs US-Tourneen gespielt und noch ein paar in Kanada dazu. Es war einfach keine Zeit, um wieder nach Europa zu kommen. Wir sind auch noch auf der Suche nach einem richtigen Management und einer Booking-Agentur, die sich dann um die entsprechenden Belange kümmert.

Wird Zeit, dass ihr endlich wieder in unseren Breitengraden erscheint. Bis dahin nehmen wir mit eurem neuen Album "The Scattering Of Ashes" vorlieb. Ein mehr als würdiger Nachfolger zu "Buried In Oblivion". Nach mehreren Durchläufen fehlen mir immer noch die Worte, also sag du uns etwas dazu.
Nach der Fertigstellung habe ich mir die Scheibe auch gut fünf Mal hintereinander angehört und ich fühlte mich sehr wohl dabei. Es passiert zwar eine Menge, was man erst mal verarbeiten muss, doch wir haben immer noch in jedem Song einen großen Refrain, der das Ganze trägt. Auf jeden Fall ist das neue Album definitiv technischer, als sein Vorgänger. Wenn wir bei den Rehearsals jetzt einen "Buried In Oblivion"-Song spielen, kommt das fast einer Erholung gleich.

Sicherlich ... naja, die Songs sind ja auch kürzer geworden und kommen dadurch schneller auf den Punkt. Da muss man sich mit seinen technischer Finessen schon sputen.
Genau, wir haben ja alles drin, was die Band ausmacht und sind dabei dieses Mal auch aggressiver zu Werke gegangen. Was die Länge angeht, hatte ich schon im Kopf, soweit wie möglich unter der 4-Minuten-Marke zu bleiben, ohne dabei dem Song seine Faszination zu nehmen.

Für einen Teil der Faszination dürfte euer neuer Sänger Stu Block maßgeblich mitverantwortlich sein. Der Typ ist ja der absolute Hammer und hebt speziell durch seine Halford-mäßigen-"höher als hoch"-Töne das Level nochmals an. Wo habt ihr den denn bitte aufgegabelt?
Den kennen wir schon länger. Er hat uns schon vor der letzten Europa-Tour gemailt, dass er liebend gerne dabei wäre. Da hatten wir bloß schon jemanden, der aber gleich nach der Tour wieder weg war.
Ich wusste, dass Stu singt, weil ich ihn mal hier in Regina (Saskatchewan/Kanada) mit seiner Band gesehen habe, die dann eine Coverversion von "Painkiller" gespielt hat. Das war echt irre und da wusste ich schon, dass ich gerne mit ihm zusammenarbeiten würde, habe ihn aber nie angesprochen. Der Kontakt zur Band ist allein durch ihn gekommen.

Dann seht bloß zu, dass ihr den Typen auch behaltet.
Das dürfte keine Schwierigkeit werden. Wir sind gute Freunde, er wohnt mit mir im selben Haus und er meint, er möchte das für immer machen. Ich bin mir sicher, dass er beim nächsten Album auch dabei ist.

Sieht nach einer guten Mannschaft aus. Wie lief denn das Songwriting ab? Tim Roth only?
Nein, kann man nicht so sagen. Okay, ich habe vielleicht 90% der Grundgerüste geschrieben. Aber wenn ich den ganzen Kram den Jungs im Proberaum vorgestellt habe, kam deren Input gleich mit dazu und die Songs sind so zusammen entstanden. Bei den Texten hat auch Stu seinen Anteil.

Apropos - soweit ich das raushören kann, trieft die Melancholie ja wieder an allen Seiten raus.
(fängt laut an zu lachen) Ich habe keine Ahnung, wovon du redest!

Genau das meine ich. Du bist doch ein verdammt lustiger Zeitgenosse. Also, wo kommt dann diese ganze Melancholie her?
Sie ist nun mal ein großer Bestandteil unser aller Leben. Du kommst von der Arbeit nach Hause, hast 'nen blöden Tag gehabt und schreibst dann einfach solche Texte. Der ganze Fantasy-Kram gibt uns einfach nichts. Nimm zum Beispiel "Severe Emotional Distress" - den Titel habe ich quasi aus dem Fernsehen. Ein Doktor benutzte den Ausdruck, als es um Jugendliche ging, die sich aufgrund von Problemen in ihrem Leben anfangen zu ritzen.

Zum Album-Titel "The Scattering Of Ashes" gibt es dieses Mal keinen Song. Was für eine Bedeutung hat der Titel dann song-übergreifend?
Im Grundtenor geht es natürlich um den Tod. Ich erinnere mich, als meine Mutter gestorben ist und sie verbrannt wurde, nahmen wir ihre Asche mit auf unsere Farm und verstreuten sie dort, weil das ihr Wunsch war.

Und das Cover-Artwork passt absolut und ist in einem schönen Blau gehalten.
Ja, das ist auch das Einzige, was ich Mattias (Noren) vorgegeben habe. Dass ich von dem orange/rot des Vorgängers weg und in eine dunklere Richtung wollte. Und ich finde, er hat einen Hammer-Job abgeliefert.

Das hat er in der Tat. Es ist bereits sein drittes Into Eternity-Artwork. Da passt es doch gut, dass Blau die Farbe der Treue ist, oder?!
Im Ernst? Cool, das macht richtig Sinn, denn in meinem Haus ist fast alles blau. Ist halt meine Lieblingsfarbe.

Abschließend - wo wir gerade bei Lieblingsdingen sind - kannst du bereits Deinen Lieblingssong vom neuen Album nennen?
Boah, das ist echt schwierig, weil ich immer noch zu tief in den Songs stecke. Also, "Severe Emotional Distress" bestimmt, auch weil wir dazu halt das Video machen. Aber sehr gut gefällt mir auch "Nothing", weil Stu dort zum ersten Mal auf der CD zeigt, was wirklich in ihm steckt. So etwas hat es bei uns noch nicht gegeben.

Ihr habt definitiv den nächsten Schritt in eurer Entwicklung gemacht.
Hoffentlich sehen das die Fans und die Presse genau so.

Ganz ehrlich? - da mache ich mir überhaupt keine Sorgen!


Das Interview führte Siegfried Wehkamp (telefonisch).
26. August 2006