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Interview: MOB RULES

Kurz vor dem Auftritt von MOB RULES im Rahmen der Releaseparty zum neuen Album "Ethnolution A.D." im Wilhelmshavener Pumpwerk, trafen wir uns mit Gitarrist Matthias Mineur und Sänger Klaus Dirks zu einem kleinen Gespräch.

Euer neues Album "Ethnolution A.D." ist genau heute erschienen. Ist das eigentlich Euer erstes Konzeptalbum?
Klaus Dirks: Nein, in dem Sinne nicht. Das ist halt ein wenig anders. Es ist ja nicht das ganze Album ein Konzeptalbum, sondern nur die erste Hälfte. Es dreht sich dabei halt um verschiedene Phasen der Menschheitsgeschichte, ethnologische Entwicklungen, wie z.B. Menschen untereinander mit sich umgehen, dann gibt's halt einen Song, der von den Anfängen des Rechtsradikalismus handelt, dann gibt's einen Song über den Heiligen Krieg und endet halt auch mit einem Song, der von einem Selbstmord-Attentäter handelt, der sein Unwesen treibt, was ja mittlerweile auch schon hier in Deutschland Einzug gehalten hat.

Mal angenommen, irgendjemand kennt Euch noch nicht. Wie würdet Ihr demjenigen Euren Sound beschrieben?
Matthias Mineur: Also wir sagen ja immer, wir machen eine Mischung aus Melodic Metal, Hardrock und Progressive Metal, aber auch mit leicht symphonischen Ansätzen. Das variiert von Album zu Album. Das neue ist jetzt ein bisschen progressiver geworden. Es gab auch eine Scheibe, die hieß "Hollowed Be Thy Name", die war meines Erachtens ein bisschen mehr Power Metal. Wir variieren immer genau so, wie wir auch innerhalb eines Album eine große Bandbreite anbieten, allerdings ohne, dass wir dabei diese typischen Mob Rules-Elemente, also immer alles auf den Gesang zugeschnitten, vernachlässigen. Das ist immer die Sache, um die sich alles dreht. Es ist immer melodisch. Das sind so die Grundelemente bei Mob Rules, je nachdem, wie gerade die Stimmung innerhalb der Band ist, also musikalisch gesehen, und was wir gerade selber für Vorlieben hatten. Die neue Scheibe ist ein bisschen mehr von Bands wie Dream Theater und Queensryche beeinflusst …

… womit Du mir jetzt schon die nächste Frage nach Euren musikalischen Einflüssen vorwegnimmst.
Matthias: … Savatage …
Klaus: … ein bisschen Iron Maiden ist sicherlich auch dabei …
Matthias: … ein bisschen Helloween vielleicht auch … aber mittlerweile ist es so, dass wir das Gefühl haben, dass das zwar Sachen sind, die uns früher mal beeinflusst haben, aber der Mob Rules-Sound ist über die letzten Jahre auch so eigenständig gewachsen, dass man einfach nicht mehr sagen kann, das klingt nach diesem oder nach jenem. Wir haben den Eindruck, es klingt einfach nach Mob Rules.

Ihr habt Euer neues Album wieder im Soundgarten Studio in Oldenburg aufgenommen … wie eigentlich jedes Mal!?
Klaus: Ja, zum vierten Mal jetzt.

Hat das irgendeinen bestimmten Grund?
Klaus: Also erstmal aufgrund die zentralen Lage für uns. Wir nehmen die Sachen dort auf und veredelt wird das dann im Bazement Studio (in Hünstetten).
Matthias: Es kommt dazu, dass wir unsere eigenen Produzenten sind, wir sind also nicht nur die Komponisten, sondern wir produzieren die Scheiben auch selber. Das Soundgarten Studio kann man eben mieten, ohne dass man dazu auch gleichzeitig einen Toningenieur mieten muss - und das ist ideal für uns. Wir mieten die Räumlichkeiten, wir mieten zum Teil das Equipment, aber zum Teil bringen wir das auch selber mit, weil wir auch einiges an Studio-Equipment selber haben und produzieren die Scheibe da dann selber. Das hat sich über die Jahre so entwickelt und mittlerweile auch bewährt.

Es gab ja in Eurer Bandgeschichte das erste Mal nun auch zwei Besetzungswechsel. Wie kam es denn dazu?
Klaus: Also der Sven Lüdke, der Leadgitarrist, ist ja nun schon seit zwei Jahren in der Band, aber er ist nun halt kompositorisch das erste Mal mit dabei. Und die beiden "alten" Mitglieder sind halt einfach ausgeschieden. Die haben halt aufgehört Musik zu machen.
Matthias: Das hatte auch einen sehr triftigen Grund: Die haben beide geheiratet und Kinder bekommen und eine Band wie Mob Rules lässt sich nunmal nicht so nebenbei machen. Das deutete sich auch schon länger an. Die waren immer hin- und hergerissen, zum einen, möglichst viel Zeit mit ihren Familien haben zu wollen und dann dieser Anspruch, bei uns die Sache auch ernsthaft zu betreiben. Das war abzusehen, dass die sich für eine Seite entscheiden mussten. Und sie haben sich für die richtige Seite entschieden, nämlich für ihre Familien. Also wir konnten das gut nachvollziehen, denn man lässt natürlich nicht seine Frau und sein Kind für eine Band im Stich. Aber die Trennung war in aller Freundschaft, wobei man allerdings auch schon im Vorfeld merkte, dass die Entscheidung mehr als fällig war und auch getroffen werden musste.
Klaus: Also der Oliver Fuhlhage (Gitarrist bis 2004) hat halt vor zwei Jahren aufgehört. Die Aufnahme zur DVD war halt sein letzter Auftritt, und der Thorsten Plorin hat halt noch ein Jahr drangehängt, wollte es noch mal wissen, und hat dann gesagt, es geht nicht mehr, obwohl es von den Umständen her eigentlich eher anders herum hätte laufen müssen.

Um nochmal auf Thema Songwriting zu kommen. Wer macht das bei Euch genau, macht ihr das alles gleichermassen?
Matthias: (wie aus der Pistole) Ja, alle gleichermassen zusammen!
Klaus: Wobei man auch sagen muss, wir machen in allen Angelegenheiten alles zusammen, also auch was das Geschäftliche angeht.
Matthias: Und das Organisatorische.
Klaus: Jeder hat natürlich, auch was das Musikalische angeht, seine Stärken, aber letztendlich wird vom Konzept her alles zusammen entschieden. Es macht halt jeder das, was er am besten kann und arbeitet die Sachen dann halt so aus.
Matthias: Wir sind, was das angeht, auch noch eine richtige Band. Wir bestehen nicht aus Leuten, wo der eine zu Hause am Computer sitzt und vor sich hinwerkelt, dann mal ein mp3-file sonstwo hinschickt und dann wird darüber diskutiert, sondern wir treffen uns regelmässig mehrmals in der Woche im Proberaum und dann wird an allem, was ansteht, gearbeitet. Das ist immer eine ganz mühsame Geschichte - das kannst Du Dir ja sicherlich vorstellen, wenn da sechs unterschiedliche Geschmäcker an Ideen herumzerren ... aber das Entscheidende ist halt, dass wir am Ende ein Ergebnis haben, mit dem alle glücklich sind. Wir haben nun mal nicht nur einen einzigen Songwriter und das ist auch ein Vorteil…
Klaus: Der Vorteil ist auch, du hörst unseren Scheiben einfach an, dass da immer verschiedene Ansätze vorhanden sind. Es gibt halt viele Bands, wo es maximal zwei Schemen gibt, wie die Songs gestrickt sind, und bei uns ist es halt so, dass es immer drei oder vier sind … dass man also z.B. erst den Text hat und dann die Musik drumherum baut, oder dann hast Du nur das Riff und baust den Rest drumherum.
Matthias: Manchmal haben wir nur einen Refrain und entwickeln da dann die Strophen dazu …
Klaus: … oder nur eine Strophen-Melodie oder es kommt auch mal vor, dass wir uns im voraus schon sagen, wir möchten mal irgendwas ausprobieren, eine gewisse Stimmung oder einen gewissen Ausdruck haben. Und ich finde eben, genau das hört man unseren Alben auch an.

Ihr startet beginnend mit dem heutigen Konzert eine kleine Tour, dann kommen noch ein paar Gigs im Vorprogramm von UFO. Wie sind dann so die zukünftigen Pläne, auch für's nächste Jahr?
Matthias: Das ist jetzt erstmal der erste Teil der Tour. Wir werden im November/Dezember noch eine Reihe von Sachen spielen. Es kommen jetzt, wo die Scheibe raus ist, noch laufend Angebote rein. Dann werden wir um Weihnachten herum die übliche Pause machen, wo jeder auch mal für drei Wochen die ganze Band-Geschichte aus dem Kopf bekommt und dann werden wir im Januar/Februar 2007, bis in den März hinein, den zweiten Teil der Tour spielen. Da gibt's auch schon die ersten Planungen und es zeichnet sich gerade ab, dass wir diesmal vielleicht auch erstmals nach Süd-Europa kommen. Wir haben ja schon öfter in Frankreich gespielt, in der Schweiz, in Österreich, in Belgien und in Holland - da waren wir schon mehrmals. Aber wir waren noch nie in Italien oder Spanien … und in England waren wir auch noch nicht. Und die neue Scheibe scheint jetzt eine zu sein, die gerade auch im Ausland auf große Resonanz stösst. Es gibt momentan halt eben Planungen, dass wir Anfang nächsten Jahres in Italien oder Spanien spielen können.

Wenn Ihr mal so in Richtung Zukunft schaut, wo seht Ihr die Band z.B. in fünf oder gar in zehn Jahren?
Matthias: (überlegt) Weißt Du ... das ist eine Frage … mich hat letztens ein Journalist gefragt, wenn er eine Fee wäre und er könnte mir einen Wunsch erfüllen, was denn dann mein größter Wunsch wäre. Da habe ich ihm gesagt, mein größter Wunsch ist immer der nächste Schritt. Und das planen wir auch. Ich kann Dir sagen, wo die Band im nächsten Jahr ist und ich kann Dir vielleicht auch sagen, wo die Band mit der nächsten Scheibe ist.

Also immer einen Schritt weiter.
Matthias: Ja, und das haben wir auch schon immer so gemacht. Wir haben nie gesagt, wir wollen irgendwann mal das oder das erreichen. Wir sind jetzt hier und der nächste Schritt ist der oder der. Und wir haben bisher in jeder Hinsicht Glück gehabt.
Klaus: Der Weg ist das Ziel, oder wie sagt man so schön?
Matthias: Genau, der Weg ist das Ziel, und wir hatten das Glück, dass wir bisher immer, bei den Plattenfirmen, bei den Verkäufen, bei den Besucherzahlen und bei der Bühnenshow, einen Schritt nach dem nächsten machen konnten. Wir haben nie einen Schritt zurück gemacht, aber haben auch nie drei Schritte auf einmal - und das seit 1999t.
Klaus: Und das wird halt wieder so sein, wenn die Promo, die Gigs, und die Festivalgeschichte abgeschlossen ist, dann werden wir uns wieder zusammensetzen und werden überlegen, was wir als nächstes machen, wie wir das nächste Album angehen und so. Dann werden wir uns auf gewisse Eckpunkte einigen und dann wird zusammengearbeitet.
Matthias: Wir sind da auch ganz pragmatisch. Also zu sagen, dass wir vielleicht in zehn Jahren die Grösse von Iron Maiden haben, glauben wir nicht, und werden wir auch nicht. Aber vielleicht haben wir in zwei Jahren eine Größe erreicht, dass wir z.B. in Süd-Europa eine Headliner-Tour spielen können. Und das ist auch gar nicht mal unrealistisch. Das ist unser Ziel. Was in zehn Jahren vielleicht dabei herauskommt, weiß man nicht. Aber unser Ziel ist es ganz klar, mit dieser Scheibe im Ausland zuzulegen. In Deutschland ist der Markt ganz gut für uns, in Frankreich und Österreich auch, aber es gibt halt Länder, wo wir zulegen können und wollen und das ist ganz klar das Ziel. Und das geht bei uns auch immer ganz viel über die Live-Auftritte. Wir merken das immer, dass in jedem Land, in dem wir gespielt haben, die Verkäufe nach oben gehen und dann sollen wir da auch sofort wieder spielen. Man muss uns erstmal live gesehen haben, und dann wollen die Leute uns auch wieder sehen, und darauf zielen wir ab.

Welche aktuelle CD sagt Euch persönlich denn gerade am meisten zu?
Matthias: Ich persönlich finde die neue Angra ("Aurora Consurgens") toll. Ich mag Angra sowieso total gerne und im Gegensatz zu vielen anderen, finde ich die Band besser, seit der neue Sänger da ist. Hast Du die schon gehört?

Ich glaube, ein oder zwei Songs auf irgendeinem Sampler ...
Matthias: Ich finde die toll. Ich bin sowieso Angra-Fan, und das ist momentan die Scheibe, die ich privat zu Hause am häufigsten höre.
Klaus: Bei mir ist das die letzte Iron Maiden ("A Matter Of Life And Death"). Die ist richtig geil, weil die auch so schön progressiv ist. Mit dem Sound muss man sich natürlich erst so ein bisschen anfreunden - das hätte ich natürlich etwas anders gemacht - aber wenn man sich da erstmal reingehört hat … also von den Songs her, ist die richtig klasse.
Matthias: Vor allem, dass so eine Bnad nach so vielen Jahren noch so eine Scheibe rausbringt, die noch mal richtig überrascht. Da kommt dann ein Album, mit dem man in der Form gar nicht gerechnet hat, und das bei Iron Maiden, wo du denkst, Du wirst die Scheibe kennen, weil Du alle Scheiben davor auch schon gekannt hast, und dann bringen die eine Scheibe raus, mit der die Leute echt noch verblüfft wurden. Das ist schon geil.

Abschliesende Frage: Was hat eigentlich Euer Bandname für eine Bedeutung und wie seid Ihr darauf gekommen?
Matthias: Also die Vorgeschichte ist die, als wir einen Bandnamen gesucht haben, da gab es eine Band, die hieß Lynch Mob, von George Lynch, dem ehemaligen Dokken-Gitarristen. Und ich hatte mir mal auf einem Konzert von denen eine Kappe gekauft, und da stand halt drauf "Lynch Mob Rules!". Und die hatte ich dann auch beim Proben auf. Als wir dann auf der Suche nach einem Bandnamen waren, und so am Diskutieren sind, meinte unser Schlagzeuger auf einmal … Mob Rules ... ist doch auch ein geiler Name. Und dann haben wir gedacht, ja, das stimmt! Wir wollten auch was haben, was eine Bedeutung hat - und Mob Rules = der Pöbel regiert … alle Macht dem Volke - fanden wir als Motto ganz geil. Und so ist das entstanden. Die ersten Jahre, also bis zu unserem ersten Plattenvertrag haben immer alle geglaubt, wir wären eine Black Sabbath-Coverband, weil es ja eben die "Mob Rules"-Scheibe von Black Sabbath gibt, aber das hat sich dann auch zum Glück erledigt, als unsere erste Scheibe raus war.

Das Interview führte Marco Zimmer.
Wilhelmshaven, 20. Oktober 2006