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Interview: VOLBEAT

Direkt nach dem VOLBEAT-Auftritt im Bremer Tower ergab sich Dank eines zuvorkommenden Tourmanagers doch noch ein Interview, welches wir mit einem glänzend aufgelegten Michael Poulsen führen durften - und ihn mit der einen oder anderen obskuren Frage zum Schmunzeln brachten.

Michael, nach einer grandiosen Debüt-CD und dem vielversprechenden ersten Deutschland-Auftritt auf dem diesjährigen Rock Hard-Festival - was hat sich seitdem bei euch getan?
Wir haben sehr viel live gespielt. Viel in und außerhalb Dänemarks und nun haben wir ja unsere erste Europa-Tour, die ziemlich gut läuft. Alles läuft sehr glatt ab und das Publikum ist echt super. Das Feedback ist wirklich gut und die CD-Verkäufe können sich auch sehen lassen.

Die Reaktionen auf eure CD waren aber auch erstaunlich gut. Hast du das erwartet?
Nein, nicht wirklich. Die Verkäufe der Demo-CD waren sehr überraschend und dementsprechend wurde um unsere erste CD dann auch eine Art Hype gemacht. Doch als wir im Studio waren, haben wir uns keine Gedanken über irgendwelche Erwartungen gemacht. Wir sind aber sehr glücklich mit der jetzigen Situation.

Purer Rock'n Roll! Nicht denken - nur machen!
Genau, so soll es doch auch sein!

Dann steige ich mal direkt in das Thema Musik ein. Unter den ganzen Reviews fand ich folgendes Zitat: "Metallica hätten Michael Poulsen für das "(Re-)Load"-Songwriting anmieten sollen."
Da stellt sich die Frage - ganz objektiv - wie fühlt es sich an, mit Metallica's quasi schwächster musikalischer Periode verglichen zu werden?
(lacht laut los) Also ehrlich gesagt mag ich die beiden Alben sehr gerne. Ich weiß, dass es viele Leute gibt, bei denen das nicht so ist, aber für mich ist dieser Vergleich ein großes Kompliment.

Ein neues Album steht für Ende Februar auf dem Plan. Wie ist dort der Stand der Dinge?
Eingespielt, gemixt und gemastert. Kommt auch wieder bei Mascot Records raus und heißt "Rock The Rebel/Metal The Devil".

Treffender geht es eigentlich nicht mehr. Wie fällt das Album denn im Vergleich zum Debüt aus?
Ähnlich. Wir haben mit Jacob Hansen (u.a. Mercenary) den gleichen Produzenten und musikalisch haben wir den roten Faden weitergeführt. Das Songwriting ist einfach besser geworden und dieses Mal ist das Material noch melodiöser.

Noch mehr?
Ja. Der Stil hat sich aber kaum verändert. Man könnte es sogar "Part 2" des ersten Albums nennen.

Und dabei wollen die meisten Musiker doch so etwas immer vermeiden. Egal.
"The Strength/The Sound/The Songs" ist in meinem Augen ein Album, welches jeder Mensch zumindest einmal in seinem Leben gehört haben sollte (worauf ich ein ungläubiges "okay“ bekomme). Welches Album/welche Alben würdest du auch auf diese Reihe stellen?
Boah, das ist hart! Es gibt doch so viele gut Sachen. Das ist jetzt echt gemein. (nach langem Überlegen) Wahrscheinlich "Back In Memphis" von Elvis Presley.

Das musstest du ja auch sagen, weil er wahrscheinlich gerade zuhört.
Genau, das hoffe ich.

Zum Thema Elvis komme ich gleich noch. Bleiben wir noch kurz aktuell. Du kommst ursprünglich vom Death Metal (Poulsen spielte bei den Dänen Dominus) und verehrst Elvis. Welche aktuellen Metal-Bands hört ein Mann wie du heutzutage?
Gar keine!

Hä? Du lebst doch nicht nur in der Vergangenheit.
Quatsch. Ich mag z.B. Hatesphere und Raunchy, mit denen wir gerade unterwegs sind.

Oder anders - welches war die letzte Metal-CD, die du dir gekauft hast?
Oh man, du kannst Fragen stellen. (aus dem Hintergrund fragt jemand, ob MUSE noch Metal sei. Ohne Kommentar ...) Ich kaufe zwar eine Menge CDs im Monat, aber die letzte aus dem Metal-Bereich war wohl die neue Slayer. Die ist echt gut. Die zwei/drei Scheiben davor waren meiner Meinung nach doch etwas schwach, deswegen habe ich sie auch lange nicht gehört, aber die Neue ist der Hammer.

Kommen wir noch mal zurück zu Elvis. Jetzt wird es etwas verrückt. Ende Juni brachte MTV in der Sendung "MTV Masters" ein Special über die großen Mythen in der Musik, bezüglich unterschwellige Botschaften, tragische Todesfälle, usw. ... (er guckt schon komisch) ... und hier kommt der Knaller: Dort zeigte man uns ein Medium, welches im Kontakt zu Elvis steht ... (er schaut noch ungläubiger) ... und dieses Medium sprach mit der Stimme von Elvis folgende Sätze: "Ich werde wieder auferstehen. Dies passiert in der Zeit bis 2010. Ihr werdet mich an meiner Stimme erkennen, an ähnlicher Musik, aber das Outfit wird anders sein." ... (sein Blick verrät, dass ich die nächste Frage am besten nicht stellen sollte)
Also, wieso muss ich gerade DICH anschauen?
(alle brechen in schallendes Gelächter aus)
Oh man, du bist echt spitze!

Das ist kein Scherz. Ich habe das nicht erfunden.
Ist schon okay, aber behalt es für dich. Erzähl bloß keinem davon.

Ehrensache.
Aber zurück in der Realität hattest du ja die Chance bekommen, mit Elvis' originalen Begleitmusikern zu singen. Davon musst du jetzt einfach noch erzählen. Wie war es? Wie fühlst du dich damit?
Hey, da ist mein größter Traum in Erfüllung gegangen! Ich habe mit Volbeat schon einige tolle Sachen erlebt, aber das toppt einfach alles!

Und wie bist du da rangekommen?
(mit einem traumhaften Augenzwinkern) Wieso? Ich bin es doch. Ich bin Elvis!
Ich war lange Jahre Mitglied im größten Elvis-Fanclub und der Veranstalter dieser "Elvis-Tour" kannte mich und meine Arbeit mit Volbeat schon. Der hat mich dann angerufen und mir das Ganze näher erläutert. Man wollte gerne für jede Station der Tour einen kleinen Gastauftritt haben. Und so kam es, dass ich drei Songs ("Suspicious Minds", "Little Sister", "Don't Be Cruel") mit diesen Jungs gesungen habe. Die waren alle so nett, so bodenständig und hatten ein Menge aus den alten Tagen zu erzählen. Nach der Show bin ich erst mal aufs Örtchen gegangen und habe mir die Seele aus dem Leib geheult. Das war wahrscheinlich der schönste Moment in meinem Leben. Später kamen die Musiker noch zu mir, haben mir gratuliert, mir gesagt, dass ich eine sehr kraftvolle Stimme habe. Ich konnte einfach nur Danke sagen.

Man konnte förmlich spüren, wie Michael in diesem Moment innerlich noch einmal Freudentränen vergoss. Hätte ich wahrscheinlich auch. Dieser Auftritt existiert übrigens auf Video und ich hoffe, dass das Ganze irgendwann mal für die Öffentlichkeit zu sehen ist. Ich bin definitiv beeindruckt!


Das Interview führte Siegfried Wehkamp.
Bremen, 30. November 2006