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Interview: AXXIS

Improvisation ist alles.
Nachdem am heutigen Abend in Sachen Planung/Koordination irgendwie alles schiefläuft, findet auch mein Interview mit Axxis im Rahmen des Konzertes mit Helloween und Gamma Ray im Bremer Aladin nicht - wie eigentlich geplant - noch vor Konzertbeginn statt, sondern erst zur fortgeschrittener Stunde. Gamma Ray sind bereits mitten in ihrem Set, und ich werde zeitgleich backstage gelotst, wo ich auf einen bestens gelaunten Bernhard Weiß treffe, seines Zeichens Gründungsmitglied und Sänger bei Axxis.

Nach dem ganzen Chaos heute hat's ja nun doch noch geklappt.
Ja, sorry, keine Ahnung, was da wieder schiefgelaufen ist.

Du bist in den letzten Wochen im europäischen Ausland auf Promotour gewesen und hast Euer neuestes Axxis-Werk "Doom Of Destiny" vorgestellt. Wie waren die Reaktionen und welches Resümee ziehst Du abschließend?
Also das war für mich echt der Oberknaller! Sowas haben wir in der Größenordnung noch nie gemacht. Sonst war das immer mal in Holland, mal in Italien, mal in Frankreich, aber dieses Mal haben wir gleich ein paar Länder hintereinander genommen und ich habe die Reaktionen immer alle gleich mitbekommen, und das war wirklich schon überraschend. Also speziell Frankreich und Spanien dürfte ein ziemlicher Knaller werden, da bin ich mir ganz sicher, denn da haben wir mittlerweile schon eine sehr große Fanbase. Von daher ist so eine Promotour schon sehr geil, um in solchen Ländern schonmal "vorzufühlen". Wie gesagt, das haben wir in der Form jetzt zum ersten Mal gemacht und das war ein voller Erfolg!

Was eure Co-Sängerin Lakonia angeht, gab's in letzter Zeit diverse Meldungen, teils widersprüchlicher Natur.
Also eigentlich wollten wir bei diesem Album mit Lakonia gar nicht mehr zusammenarbeiten. Die Idee war ja nur, das einmal zu machen, quasi so als Schmankerl. Aber alleine jetzt schon durch die Tour mit Helloween und Gamma Ray wäre das für Lakonia jetzt nochmal der Knaller gewesen, weil wir ihren Namen bekannt machen wollen, da wir ja eine eigene Produktion mir ihr am Start haben. Teile vom neuen Album waren ja schon fertig, bevor wir beschlossen haben, wieder mit Lakonia zusammen zu arbeiten. Wir haben dann eben ein paar Sätze aus den Aufnahmen wieder herausgeschnitten und mit ihr neu aufgenommen. Der eigentliche Grund, warum sie auf "Doom Of Destiny" überhaupt mitsingt, ist diese Tour …

… die sie kurzfristig abgesagt hat.
Ja, und da sind wir auch sehr enttäuscht drüber. Sie macht jetzt eine Logopäden-Ausbildung, aber das hätte sie uns eigentlich auch mal früher sagen können. Zwei Tage nach dem Mastern der CD kam sie an und sagte: "Die haben mich genommen!".

Als Ersatz habt ihr jetzt die Magica-Sängerin mit dabei.
Genau. Die Band kannten wir vorher gar nicht. Die wurde uns von Frankreich aus empfohlen, weil die da wohl schon recht bekannt sind. Wir haben das dann halt mal ausprobiert und das hat alles perfekt geklappt.

Auf dem neuen Album findet sich erstmals ein deutschsprachiger Titel. Wie kam es denn dazu? Ist das sowas wie ein schon lang gehegter Wunsch?
Ja, das war ein Wunsch. Ich habe ganz früher sowieso deutsche Texte gemacht, weil ich aus der Punk-Szene komme. Und da funktioniert das auch, aber im Metal-Bereich, ich weiß ja nicht, da ist das irgendwie "komisch". Ich hab ja letztes Jahr dieses "Prometheus Brain Project" gemacht, wo ich als Sänger und Schauspieler war, und da habe ich eben den Walter Weyers kennengelernt, der hammermäßige deutsche Texte schreibt, bei denen ich immer eine Gänsehaut bekomme und den habe ich dann gefragt, ob er nicht mal einen Text für uns schreiben möchte. Naja, und so entstand dann eben "Engel aus Hass". Obwohl wir anfangs ein bisschen skeptisch waren, weil der Text irgendwie ziemlich "böse" ist, was ja eigentlich so gar nicht zu uns passt,

Ihr habt seit ein paar Monaten einen neuen Gitarristen. Du musstet also wieder mal einen Besetzungswechseln hinnehmen.
Ja, das stimmt zwar, aber weißt Du, wenn man 20 Jahre lang Musik macht und nach sieben Jahren geht dann der Gitarrist, weil er etwas Neues machen möchte, dann spricht immer gleich jeder von Besetzungsproblemen.

Das habe ich so jetzt aber nicht gesagt ...
Nein, Dich meinte ich damit jetzt auch nicht! (lacht)

Wenn man von Axxis spricht, spricht man dann automatisch nur von Bernhard Weiß und Harry Oellers, oder in wie weit sind auch die anderen Bandmitglieder in Entscheidungen usw. eingebunden?
Immer und überall! Und das hört man ja auch an den Platten, die alle unterschiedlich klingen, weil jeder da irgendwelche Einflüsse mit einbringt. Teilweise könnte man echt denken, das ist immer wieder eine ganz andere Band. (grinst)

Kommen wir mal zur laufenden Tour mit Helloween und Gamma Ray. Ein paar Termine habt ihr nun schon hinter Euch, wie ist es bisher gelaufen?
Hammergeil! Wir waren ja z.B. in Italien schonmal mit Helloween auf Tour, und von daher kannte man uns da schon. Aber Du hast ja vorhin sicherlich auch mitbekommen, was für eine tolle Stimmung hier herrscht! (ja, allerdings!)

Trotz der ganzen Termine habt ihr euch an den vereinzelten freien Tagen immer noch irgendwo und irgendwie eigene Headlinershows eingebaut.
Ja, weißt Du, an so einem "day off" hängt man sowieso nur den ganzen Tag ab und ich bekomme dabei immer eine Krise, deswegen haben wir uns gesagt, egal welcher Club, hauptsache wir können spielen. Und das ist echt supergeil. Wir waren z.B. vorgestern in München, das war zwar nicht der größte Club, aber der war ausverkauft, und wir hatten Spaß und was zu tun! Ich singe jetzt seit drei Wochen jeden Abend. Die erste Show nach einem "day off" ist immer der blanke Horror. Da fängt man mit der Stimme wieder bei Null an!

Erzähle doch mal bitte eben kurz und knapp, wie Du aus heutiger Sicht Eure vergangenen Studioalben siehst oder bewertest.
Ja, gerne!

Kingdom Of The Night (1989)
Das ist bis heute immer noch mein Lieblingsalbum, weil damit auch alles anfing.

Axxis II (1990)
Das war das Album, das am schnellsten fertig werden musste. Für mich klingt das heute teilweise immer noch, als wäre das noch gar nicht fertig. Deswegen gab's auch ein paar negative Reaktionen. Aber dabei haben wir auch viel gelernt.

The Big Thrill (1993)
Das war unsere erste Amerika-Erfahrung. Die Recording-Session war ein Graus!

Matter Of Survival (1995)
Da kam gerade die Grunge-Zeit auf. Die Welt hatte so ein bisschen ihre Orientierung verloren und wir irgendwie auch.

Voodoo Vibes (1997)
Das war quasi unser "Kiss Of Death" bei der EMI. Das war unser letztes Album, das wir für die EMI machen mussten. Eigentlich ist das ein geiles Album, aber es hätte nicht Axxis draufstehen dürfen. (grinst)

Back To The Kingdom (2000)
Das war quasi unser kleines Comeback und auch das erste Mal, wo wir angefangen haben, selbst zu produzieren.

Eyes Of Darkness (2001)
Das war eine interessante Erfahrung, weil wir da das erste Mal mit neuen Sounds gearbeitet haben. Das war für uns als bekennende Analog-Fans die erste digitale Produktion.

Time Machine (2004)
Spätestens da wussten wir dann, wie man produziert und wie man an die ganze Sache heranzugehen hat. Das war sowas wie der Einstieg von Axxis in die Neuzeit.

Paradise In Flames (2006)
Ein Album, das uns und Lakonia sehr weit nach vorne gebracht hat. Das ist einfach ein wunderbares Album.

Nächstes Jahr steht ein Jubiläum ins Haus: 20 Jahre Axxis!
(kurzes Nachdenken - dann erstaunt) Stimmt … Du hast Recht … obwohl … nee, warte mal, eigentlich ja erst 2009, weil unsere erste Scheibe auch erst 1989 rauskam. Obwohl 2008 eigentlich schon korrekt wäre. Aber das Jubiläum steht trotzdem erst 2009 an.

Ein erster Vorgeschmack darauf dürfte vielleicht schon der Auftritt nächstes Jahr in Wacken sein!?
Ja! Wir haben jahrelang darum gekämpft, dass wir in Wacken spielen können, und nun hat uns der Holger (der Veranstalter) eingeladen! Das wird dann natürlich eine tolle Best Of-Show geben, denn wir haben ja ein sehr umfangreiches Repertoire.

Perfekte Gelegenheit für die Aufnahme einer DVD!
Stimmt. Und ich weiß wohl, dass die Wacken-Leute eh alles mitfilmen. Vielleicht kann man sich da ja mal irgendwie kurzschliessen. Wir selber haben mittlerweile soviel Material, dass wir uns gar nicht trauen, eine DVD zu machen, weil das alles sauteuer ist. Vor allem das Digitalisieren der ganzen alten VHS-Tapes.

Gibt es abschließend noch irgendetwas, das Du gerne mal loswerden möchtest, aber was Dich noch niemand gefragt hat?
Eigentlich nicht, nein. Ich wurde wirklich schon fast alles gefragt. (grinst)


Das Interview führte Marco Zimmer.
Bremen, 02. Dezember 2007