Impressum Startseite
Reviews Interviews Live Specials Jobs

Interview: FEAR MY THOUGHTS

Kurz vor dem Auftritt von Fear My Thoughts im Umfeld der Tour mit Kataklysm, stand mir Gitarrist Patrick Hagmann für ein kleines Gespräch zur Verfügung.

Euer neues Album ist gerade erschienen. Die Scheibe ist ein wenig ungewöhnlich ausgefallen, unter anderem ungewöhnlich progressiv. Auch das Rock Hard Magazin hat geschrieben, dass ihr mit der Scheibe alles andere als auf Nummer sicher gegangen seid. War das nicht ein bisschen riskant, dieses Werk als Debütalbum bei Century Media abzuliefern?

Also direkt geplant hatten wir das natürlich nicht, das ist halt einfach so dabei herausgekommen. Wir hatten aber eigentlich schon auf allen Alben auch progressive Parts, also ein bisschen was Anspruchsvolleres. Wir sind im Grunde zu unseren frühen Anfängen zurückgekehrt, also zu unseren ersten beiden Alben bzw. EP's, aber eben mit weitaus besseren technischen Möglichkeiten und einer entsprechenden Produktion. Es gehört eigentlich zur Natur unserer Bands, dass wir immer nur genau unser Ding machen. Wir haben auch zu Century Media gesagt, als die uns gefragt haben, ob wir zu ihnen kommen wollen, dass wir zwar gerne kommen würden, dass wir aber für nichts garantieren können und es darf niemand ein "Hell Sweet Hell - Part 2" erwarten, weil wir uns halt nicht wiederholen wollen.

Die Metalcore/Hardcore-Elemente sind aus eurer Musik ja nun fast gänzlich verschwunden. Ist die Richtung, die ihr jetzt auf dem neuen Album "Vulcanus" eingeschlagen habt, die Richtung, in die es in Zukunft gehen soll?
Naja, also ich muss ja sagen, dass ich die immer und überall angesprochenen Metalcore-Elemente nie so wirklich gesehen habe …

Ich habe etwas von Radiohead-Einflüssen gelesen?
Also Radiohead mag bei uns in der Band fast jeder. Das hört man zwar nicht beim Riffing, aber bei den atmosphärischen Parts, wie ich finde, schon.
Aber wir sehen oder sahen uns eigentlich auch nie so im Metalcore-Bereich, eher so in der Ecke von Unearth …

Wobei das ja aber auch schon wieder so ein leicht grenzwertiger Fall ist.
Ja, okay, aber wir sind alle mit anderer Musik unterwegs und nicht mit Metalcore. Also wenn du nun fragst, in welche Richtung es gehen wird … hmm … das kann man bei uns nie genau voraussagen, aber ich denke mal, Metalcore wird's nicht werden (lacht).

Ihr habt eurem neuen Album einen Song mit Schmier und Mike von Destruction aufgenommen. Passenderweise hatten Caliban auf ihrer letzten Scheibe Mille von Kreator als Gast dabei. Zufall?
Also Destruction sind in der Ecke, aus der wir kommen, genauso eine Institution, wie es Kreator im Ruhrgebiet sind. Ausserdem proben Destruction im Proberaum von unserem Schlagzeuger. Das heisst, wir kennen uns alle gut und sind befreundet, und Schmier hat sich eben halt angeboten, auf unserer Platte mitzumischen, weil er uns halt mag und auch häufiger mal bei unseren Shows ist. Und da hab ich natürlich gesagt "ja, klar, geil!". Für mich persönlich ist da so ein bisschen ein Traum in Erfüllung gegangen. Aber mit der Caliban-Sache, okay, ich wusste, dass Mille dabei war, aber das war gar nicht so in unseren Köpfen drin, also war das dann doch eher zufällig, weil das eben auch von Destruction aus kam.

Ihr seht euch also auch nicht in einem Topf mit Caliban, Heaven Shall Burn, Maroon & Co.?
Nein. Also wir sind mit den Bands befreundet, wir spielen auch öfter mal mit denen und haben ja nun auch eine gemeinsame Lifeforce-Vergangenheit. Wir waren schonmal mit Caliban auf Tour, auch schon mal mit Neaera, aber - und das wissen die Bands auch - mit dem Sound können wir, also rein geschmacklich, nicht viel anfangen. Dennoch schätzen wir natürlich die Bands. Heaven Shall Burn oder Maroon sind wirklich coole Live-Bands. Neaera auch. Aber ich kann mir die Scheiben von denen nicht anhören.

Was sind denn für Dich aus musikalischer Sicht der grössten Einflüsse?
Sehr viele 60er und 70er Jahre Sachen. Oder auch sowas wie Mastodon finde ich klasse. Die transportieren da irgendwie was ganze Eigenes, mit dem, was die da kreiert haben, und was man auch mit keiner anderen Band vergleichen kann. Und ansonsten halt viel Led Zeppelin, Pink Floyd, King Crimson, Deep Purple, Amon Düül. Also eigentlich keine Bands, die ich jetzt gerade erst entdeckt habe, sondern welche, die mich schon länger begleiten.

Kommen wir mal zur Tour mit Kataklysm. Auf dem Tourplan habe ich gesehen, dass ihr in 24 Tagen auch 24 Shows spielt, ohne einen einzigen "day off", und das alles in halb Europa verstreut. Wie übersteht man denn sowas? Vielleicht mit besonders viel oder besonders wenig Alkohol?
Das ist eine gute Frage. Das ist eigentlich Wahnsinn. Und es fliesst auch verdammt viel Alkohol (lacht). Wir denken morgens oft, also heute mal nicht, und dann am Abend geht's dann doch wieder los (grinst). Also ich bin jetzt nun nicht unbedingt der Typ, der sich jeden Tag volllaufen lässt, da gibt es bei uns andere (grinst). Wir waren ja auch mal bei der X-mas-Tour mit dabei, unter anderem mit Exodus, und da waren eigentlich alle fünf Bands inklusive der Crew irgendwie krank, ausser mir. Keine Ahnung warum, aber ich jedenfalls nicht. Aber auf dieser Tour hält sich das eigentlich auch eher in Grenzen. Das geht auch fast gar nicht. Du hast jede Nacht nur so drei bis max. fünf Stunden Schlaf, dann noch diese ganzen Klimaschwankungen, mal arschkalt, dann wieder tropisch heiss … also ich will mich jetzt nicht beschweren, aber das ist schon ein ziemlich harter Brocken.

Heute ist der letzte Termin in Deutschland, dann folgen noch ein paar Termine in Österreich und der Schweiz und dann habt ihr verdammt viel von Europa gesehen. Kannst Du mal ein paar Eindrücke schildern?
Also wir waren ja nun schon zwei oder drei Mal in Osteuropa, in Budapest und so, und waren jetzt auch in Prag. Da kennt man uns schon, aber wir waren jetzt z.B. zum ersten Mal in Kroatien und Slowenien. Man muss schon sagen, die Leute in Osteuropa sind echt nicht so verwöhnt, und die nehmen Bands viel enthusiastischer auf, als die Leute in Zentraleuropa, wo man nun auch fast mehrmals die Woche zu irgendeinem Konzert gehen kann. Aber es ist natürlich auch trotzdem schön, in Deutschland Konzerte zu spielen. Also manche Städte waren halt echt super von der Reaktion her. Karlsruhe z.B., weil wir ja auch von da unten kommen, München war genial, Berlin war super. Im Norden war es da schon etwas verhaltener. Nun waren wir auch noch nicht so oft im Norden, obwohl wir eigentlich sehr viel spielen, aber eben eher in der Mitte und im Süden. Hamburg und Hannover waren okay, Flensburg war nun nicht so pralle.

Wenn dann die Tour am kommenden Wochenende vorbei ist, wie geht's bei euch dann weiter?
Erstmal ein bisschen Pause ... obwohl ... in zwei Wochen haben wir schon wieder das nächste Konzert. Also eigentlich geht das nahtlos gleich weiter. Aber eine richtige Tour kommt wohl erst wieder Ende des Jahres, und im Sommer dann halt ein paar Festivals, With Full Force, Summer Breeze, Summer Blast, Earthshaker, und eventuell noch das Metalcamp in Slowenien, aber das ist noch in der Mache. Und dann werden wir auch so langsam mit dem Songwriting für die neue Platte anfangen. Hört ja nie auf, die ganze Arbeit (lacht).


Das Interview führte Marco Zimmer.
Osnabrück, 22. Januar 2007