Impressum Startseite
Reviews Interviews Live Specials Jobs

Interview: JOB FOR A COWBOY

Über sieben Millionen Klicks auf MySpace für eine junge Band, die gerade mal eine EP ("Doom", 2005) und einen Longplayer ("Genesis", 2007) draußen hat, ist schon eine verdammt riesige Sache. Zumal die Herren, besser gesagt Jungs, von JOB FOR A COWBOY im Durchschnitt mal eben 20 Lenze zählen und sie im Rahmen der "New Xtreme"-Tour als zweite von drei Bands auf die Bühne dürfen und bei den englischen Dates sogar Headliner (!) sind.

An einem nasskalten Freitag Nachmittag nehmen mega-metal.de und Sänger Jonny Davy (Foto - Mitte) im Tourbus Platz, um die Situation mal genauer zu beleuchten.

So, wenn ich das richtig sehe, seid ihr zum ersten Mal hier in Deutschland?
Nee, es ist das zweite Mal (der denkbar schlechteste Einstieg in ein Interview: Nicht gemachte Hausaufgaben). Wir waren vor einem halben Jahr schonmal hier mit Unearth, Despiced Icon und Daath.

Das war aber vor der Veröffentlichung von "Genesis".
Genau. Die Tour war direkt davor.

Mit dem ersten Longplayer im Gepäck - also mit fast gar nichts - schon zum zweiten Mal hier: Wie sehen da eure Erwartungen aus?
Wir haben eigentlich gar keine Erwartungen. Für amerikanische Bands zum ersten Mal nach Europa zu kommen, ist fast so, als wenn man von vorne anfängt. Ein völlig anderes Land, wo die meisten Menschen die Band kaum kennen. Aber beide Male sind für uns echt gut gelaufen, speziell diese Tour hat uns ziemlich überrascht, weil wir ein Feedback bekommen haben, welches wir in dieser Form nicht erwartet hätten.

Als ich euer Debüt zum ersten Mal hörte, fiel mir sofort auf, dass ihr euch abseits des Metalcore/Death/Grind-Gemisches bewegt und sehr tief im amerikanisch-technischen Death Metal verwurzelt seid. Seht ihr euch auch selbst in dieser Tradition?
Ja, definitiv. Bei unserer EP waren wir zwar im Durchschnitt just 16 Jahre alt und haben bei den Songs viel zusammengemixt. Mit "Genesis" haben wir uns sehr viel weiter entwickelt, haben auch viel getourt, sind bessere Musiker geworden und haben einfach unsere Vorliebe zum traditionellen Death Metal ausgespielt.

Bands wie Iced Earth berufen sich in ihren Einflüssen auf Metallica oder Iron Maiden. Gehen eure Einflüsse auch so weit zurück?
Bei mir ist das etwas verquerer, weil meine Mutter ein riesiger Metal-Fan ist und ich mit Megadeth und Pantera aufgewachsen bin.

Deine Mutter?
Ja! Sie hört auch gerne Mercyful Fate und solches Zeug. Das war dann bei mir ein rebellischer Zug, dass ich mir halt Extremeres als das gesucht habe und Nile, Decapitated oder Cannibal Corpse hörte. Tatsache ist aber, dass ich einfach mit Metal aufgewachsen bin.

Welches war denn dann deine erste CD, die du dir zugelegt hast?
Also, die erste Death Metal-CD war "Amongst The Catacombs Of Nephren-Ka" von Nile. Als ich die zum ersten Mal hörte, habe ich mir vor Angst fast in die Hose geschissen. Ich habe die CD anfangs einfach nicht verstanden - jetzt aber schon.

Wie alt warst du da?
Fünfzehn.

Jesses. Nur für's Tagebuch - das höchste und niedrigste Alter in eurer Band?
Der Älteste ist 21 und der Jüngste ist noch 19.

Wo zur Hölle nehmt ihr die Zeit her, um dieses bereits hohe musikalische Level zu erreichen?
Keine Ahnung. Wir sind gleich angefangen zu touren. Unsere erste Tour war mit Cattle Decapitation und Misery Index und dann haben wir einfach weiter gemacht, uns immer neue Ziele gesetzt und an uns gearbeitet.

Trotzdem noch mal zur Frage. Woher nehmt ihr die Zeit? Ich meine, was ist mit Schule, Jobs etc.? Was passiert in eurem normalen Leben?
Das Touren ging eigentlich sofort los, als alle aus der Highschool raus waren. Wir haben alle unsere Jobs gekündigt. Einer hat in einem mexikanischen Restaurant gearbeitet, der andere war Schuhverkäufer und unser Drummer hat eine Filiale von Burger King geleitet. Wir haben einfach alles fallen gelassen und wollten einfach Musik machen.

Also verdient ihr nur durch die Musik euer Geld.
Naja, da wir alle noch bei unseren Eltern wohnen, müssen wir uns keine Sorgen um irgendwelche Rechnungen machen. Aber mit dieser extremen Musik verdient man ja auch keinen Haufen Geld.

Klar. Was anderes - in diesem jungen Alter, haben eure Eltern da nicht die Alarmglocken an, wenn ihr einfach so nach Europa zum Touren übersetzt?
Äh ... (schon jetzt sieht man seinen Augen an, was er gleich sagen wird) ... ich weiß nicht ... ich schätze, es ist ziemlich egal (sagt er so verhalten, als würden seine Eltern zuhören).

Okay, kümmern wir uns nicht um die Eltern, sondern um euch. Die Art, wie sich diese Band selbst aufbaut, ist interessant: Ein neuer Rekord bezüglich MySpace-Klicks in diesem musikalischen Bereich, das viele Touren ist ja die klassische Basisarbeit und mit nur einer EP schon auf Tour zu gehen, ist darüber hinaus ziemlich mutig. Stecken da irgendwelche Pläne hinter?
Also nach der EP hatten wir wirklich keine Ziele. Wir wollten nur auf Tour. Das ist das Erste, was man halt als Band will - live spielen. Mit dem Longplayer wollten wir uns halt als Musiker und Live-Performer verbessern, aber sonst ... ich weiß nicht ... die letzten anderthalb Jahre gingen so schnell rum und waren auch verdammt anstrengend. Wir haben einfach Vollgas gegeben und es läuft.

Und eure Plattenfirma steht ja voll hinter euch. Allein das riesige Backdrop mit dem Covermotiv von "Genesis" muss ja eine Menge gekostet haben.
Keine Ahnung wer das war, aber Metal Blade behandeln uns wirklich echt gut.

Hat es denn auch Anfragen von anderen Firmen gegeben?
Ja, hat es. Aber als Metal Blade vor der Tür stand, war klar wo wir hingehen würden. Die gehören zu unseren Top 2.

Und das Zweite?
Das wären dann Relapse.

Schön, da waren ja auch Nile, bevor sie zu Nuclear Blast kamen. Hoffentlich passiert euch das nicht. Nichts gegen die Bands dort, aber manchmal wirkt der ganze Apparat doch ziemlich auf Kommerz getrimmt. Was meinst du?
Ja, das habe ich in der Vergangenheit auch gesehen, speziell im letzten Jahr.

Aha. Wo denn? Beispiele?
Ähm, davon möchte ich gerne etwas abschweifen ...

Kein Problem. Dann noch mal zum Tourleben. Da ihr schon recht viel unterwegs ward, gibt es bis dato irgendwelche interessanten oder kuriosen Dinge zu berichten?
Ja, tatsächlich. Auf unserer letzten US-Tour mit Behemoth, Gojira und Beneath The Massacre haben wir uns den Bus mit Behemoth geteilt. Deren Guitar-Tech hatte seine Koje direkt neben mir und unserem Gitarristen Ravi. Eines Nachts wachte ich ziemlich betrunken auf und schlafwandelte. Und währenddessen habe ich gegen seine Kojen-Gardine uriniert. Das hat er mitbekommen, die Gardine aufgemacht und ich habe halt auch weiter gemacht (bäh!). Ich bin dann einfach wieder in mein Bett zurück. Den nächsten Tag habe ich mich entschuldigt - ich habe davon ja nix mitbekommen und hatte ein ziemlich schlechtes Gewissen - und das war es dann auch. Aber in der nächsten Nacht war Ravi bis oben voll und er schläft über dem Guitar-Tech, der dann wieder die Gardine öffnete, als Ravi sich aus seiner Koje heraus übergab.

Der geht wohl nie wieder auf Tour ...
Seid ihr eigentlich vor Weihnachten wieder zu Hause?
Ja.

Dann wird ganz klassisch Weihnachten gefeiert?
Genau, wir sind eine kleine Familie. Da feiern wir dann ganz normal.

Und eine Freundin wartet auch zu Hause?
Ja, die wartet auch auf mich.

Erzähl ihr bloß nicht, dass du auf der Reeperbahn hier in Hamburg warst.
Das ist aber auch ein verrückter Ort. Soeas gibt es bei uns definitiv nicht!


Das Interview führte Siegfried Wehkamp.
Hamburg, 07. Dezember 2007