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Interview: TAROT

Eher spontan und ohne Vorwarnung begaben wir uns im Hamburger Knust auf die Suche nach dem Tourmanager, um vielleicht doch noch einen kurzen Plausch mit der Band zu halten. Was wir bekamen, war ein bestens aufgelegter und ziemlich redseliger Marco Hietala, der uns während seiner Antworten nicht einmal in die Augen schaute. Der wird doch wohl nicht schüchtern sein?!

Anekdote noch am Rande: Ein Zettel im Backstagebereich liess neben den Zeiten für die Bands noch die Worte "today no interviews" erlauten. Dass das nicht auf dem Mist der Band gewachsen ist, zeigen die folgenden Zeilen und ein schickes Gruppenfoto.

Foto: Siegfried Wehkamp

Marco, du bist zurück in Deutschland, aber zum ersten Mal mit deiner eigenen Band Tarot. Wie fühlst du dich dabei?
Es ist wieder aufregender. Klar, als ich bei Nightwish eingestiegen bin, war das auch aufregend. Aber mit Tarot fangen wir ja quasi bei Null an und wissen gar nicht, ob die Leute die CDs mögen und ob überhaupt jemand zu den Shows kommt. Das ist richtig interessant.

Eure neue Plattenfirma Nuclear Blast hat euch kürzlich als die Urväter des finnischen Heavy Metal betitelt. Kommentar dazu?
Nun, wir sind fast so eine Art Dinosaurier-Band. Als wir anfingen, gab es eigentlich keine Metal-Szene in Finnland. Und als wir unseren ersten Plattenvertrag bekamen, konnten die Leute es überhaupt nicht glauben, dass Finnen so etwas überhaupt können. Jetzt nach über 20 Jahren weiss jeder auf der Welt, dass, wenn es um Heavy Metal aus Finnland geht, dann ist der auch verdammt noch mal gut (sagt er und zeigt dabei auf den Children Of Bodom-Kapu von Kollege Marco Zimmer). Ein Jahr nach uns kamen dann Stone, bei denen damals Roope Latvala spielte, der ja heute bei Children Of Bodom ist.

Ihr habt also den ersten Schritt gemacht.
Völlig richtig!

Ist es da nicht ein wenig schade, dass die Leute speziell hierzulande euch erst mehr Aufmerksamkeit schenken, seitdem du bei Nightwish bist?
Wenn ich das so sehen würde, sicher. Aber die Band Tarot war immer von einer gewissen schlechten Aura umgeben. Wenn was schief gehen konnte, dann ist es auch schief gegangen. Wir hatten damals auch nie die richtigen Möglichkeiten, wie Kontakte zu größeren Plattenfirmen oder Managements, die uns mal auf die Sprünge geholfen hätten.
Meine Arbeit bei Nightwish sorgt aber vielleicht dafür, dass sich mehr Menschen mit Tarot beschäftigen wollen. Was sie dann aber für eine Meinung von uns haben, hängt dann trotzdem von unserer musikalischen Qualität ab. Wenn sie uns mögen, werden sie kommen und bleiben. Wenn nicht, dann nicht.

Und die Qualität spricht wirklich für sich. Musikalisch gesehen seit ihr doch eigentlich eine Hard Rock Band, die ihren Sound mit einer amtlichen Heavy Metal Attitüde zelebriert.
Da könntest du wirklich recht haben. Obwohl ich sagen muss, dass Hard Rock ja normalerweise ein bisschen heiterer ist. Andere Bands achten immer darauf, wer wie am schnellstens spielen kann. Wir achten darauf, dass die Einheit stimmt und bauen uns darauf auf.

Eine kurze Frage für Leute wie mich, die eure musikalische Vergangenheit noch nicht kennen. Welche nennenswerten Unterschiede gibt es von eurer letzten CD "Suffer Our Pleasures" (2003) zum neuen Album?
Am meisten wohl im Bereich der Gesangs-Harmonien und die Grundatmosphäre ist etwas unheimlicher geworden. Es war zwar kein Vorsatz, aber das neue Album ist auf jeden Fall düsterer und heavier geworden. Im Prinzip haben wir aber genau da weiter gemacht, wo wir vor drei Jahren aufgehört haben.

Der zweite Sänger dürfte dann auch ein Grund für die Weiterentwicklung sein.
Klar! Als ich "Bleeding Dust" schrieb, war mir klar, dass ein zweiter Sänger einfach notwendig ist. Und dann merkte ich, dass wir eigentlich bereits zwei Sänger sind, denn Tommi ist seit gut zehn Jahren mit uns unterwegs und war immer bei den Live-Gigs tätig. Da habe ich ihn einfach gefragt und er hat sofort ja gesagt. Von da an konnten wir mehr Songs mit einem besseren Kontrast schreiben und wir haben uns ernsthaft gefragt, wieso zur Hölle wir das nicht schon früher gemacht haben.

Passend zum Start des Albums gibt es auch gleich ein Video zu "Ashes To The Stars". Was war denn deine Absicht mit dem Text und der Story im Video?
Es ist einfach eine verrückte Science-Fiction-Story. Der Astronaut, der mit seinem Schiff bis ans Ende des Universums fliegt. Der Regisseur Vesa Vainio kam dann beim Lesen des Textes auf die Idee, daraus einen kleinen SF-Film zu drehen, in der Art wie Stanley Kubrick's "2001". Ich wollte das erst nicht glauben, aber er meinte: "Klar machen wir das. Ich meine das völlig ernst!" Na dann, okay!

Für die Sänger unter unseren Lesern: Was ist das Geheimnis deiner Stimme? Was tust du für deine Stimme oder ist es einfach natürliches Talent?
Als ich so acht oder neun Jahre alt war und mein Bruder 13 oder 14, fing es an, dass wir unsere Eltern genervt haben, sie sollen uns endlich mal Scheiben von Rainbow, Deep Purple oder Black Sabbath kaufen. Und ich habe die Songs bei jeder Gelegenheit gebracht und sogar die Kinder auf dem Spielplatz verschreckt. Die dachten, ich wäre irre. Später in der Schule hatten wir dann unsere erste Schulband am Start und ich fing an Gitarre zu spielen. Doch ein Sänger fehlte und da hab ich das einfach gemacht. Die nächsten Jahre habe ich einfach damit verbracht, meine Scheiben zu Hause aufzulegen und mir dabei - mit dem Textblatt in der Hand - die Seele aus dem Leib zu singen. Das ging ein paar Jahre so. Später bin ich dann auf eine Musikschule gegangen. Da lernt man halt das ganze Drumherum mit Atemtechnik und vieles mehr. Doch die mochten meine Stimme da nicht sonderlich und entsprechend waren dann auch immer die Kritiken. Talent? Naja, man sollte schon ein gewisses Ohr für Musik haben. Aber das Wichtigste ist halt doch, dass man beständig bei der Sache bleibt.

Abschliessend, wann werden wir euch live wieder sehen? Die Festival-Saison steht ja vor der Tür.
Ja, die Plattenfirma nervt uns fast schon täglich damit, dass wir doch unbedingt ganz viele Festivals spielen sollen. Aber es ist noch nichts in trockenen Tüchern. Daher kann ich noch nichts sagen. Erstmal spielen wir im April/Mai die Earthshaker Roadshock Tour und dann werden wir weitersehen.


Das Interview führte Siegfried Wehkamp.
Hamburg, 06. Februar 2007