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Interview: THE BLACK DAHLIA MURDER

Direkt im Anschluß an das Interviews mit Job For A Cowboy, ist es an der Zeit sich dem Headliner THE BLACK DAHLIA MURDER zu widmen. Sänger Trevor Strnad mag zwar auf der Bühne eine durchgeknallte Rampensau sein, abseits der Bühne zeigt sich der 26-jährige aber sehr freundlich, gesprächsfreudig und so gar nicht Metal - mit knallroter Winterjacke und dicker schwarzer Hornbrille. Bis hier hin schon mal kultverdächtig.

Trevor, jetzt habe ich endlich mal die Möglichkeit, eure Show in einem Club zu sehen. In Wacken war es ja bei euch auch verdammt voll.
Ja, das hat uns auch ganz schön überrascht. Wir waren die erste Band on stage und hatten keine Ahnung, was uns da erwartet. Wir waren echt nervös, weil Wacken ja wohl das prestigeträchtigste Festival ist, auf dem man derzeit auftreten kann. Es war uns eine Ehre, dort zu spielen und auch vor so vielen verschiedenen Metalheads.
Ich freue mich jetzt, nächstes Jahr wieder hinzufahren und mir Carcass und At The Gates anzuschauen. Das muss ich unbedingt sehen.

Hältst du die At The Gates-Reunion für glaubhaft, da sie immer vehement verneint wurde. Da hat das Argument Geld wieder kräftig zugeschlagen, oder?
Weißt du, ich bin ja selbst Musiker und sehe, wieviel Geld ich mit dieser Art Musik verdiene. Und von daher kann ich deren Standpunkt voll verstehen, dass sie es jetzt doch tun. Wir verdienen ja gerade mal so viel, dass wir unsere Miete bezahlen können. At The Gates hatten damals noch nicht mal den richtigen Durchbruch geschafft und heute weiß jeder Metalhead, wer sie sind, auch in den Staaten, wo es einige At The Gates-Bastarde gibt. Selbst wir gehören zu der Bewegung.

Neben euch fallen mir da noch The Absence ein. Wie kommt es denn, dass die NWOSDM bei euch seit ein paar Jahren so angesagt ist?
Weil es verdammt noch mal gut ist!

Ach nee!
Klar. Es ist ja quasi noch Death Metal, also ist es vom Grund her extrem hart. Aber der Melodiefaktor, der auf Iron Maiden zurückführt, macht das Songwriting einfach um ein Vielfaches kraftvoller. Das ist ja auch unser Anliegen - Songs zu schreiben, an die man sich erinnert.

An euch wird man sich mit Sicherheit erinnern. Ihr seid nun schon ein paar mal in Deutschland live tätig gewesen. Sind wir also ein guter Gastgeber?
Yeah! Jedes Mal, wenn wir wieder hier sind, wird es immer besser. Europaweit gesehen haben wir hier am schnellstens Fuß gefasst.

Das hört man doch sehr gerne.
Dann mal Hand aufs Herz. Was ist für dich das Beste und das Schlimmste hier?
Auf jeden Fall ist es schwierig mit der Sprache. Wenn wir etwas brauchen, was wir nicht haben und dann versuchen es zu bekommen, das kann manchmal wirklich schwierig sein. Aber was soll's, ich liebe es. Raus in die Welt zu gehen und so viele verschiedene Menschen zu treffen, die auf die gleiche Musik abfahren. Als ich aufwuchs, glaubte ich, der Einzige zu sein, weil ich niemand anderen kannte, der diesen Kram hört. Ich mag es einfach, zu sehen, wie gut Metal weltweit läuft. Es ist auch für uns inspirierend. Hier wird der Metal noch ganz anders behandelt, als in den Staaten - viel besser!

Komisch. Und ich dachte immer, dass es bei uns schon schlimm wäre.
Ich sage dir, bei uns ist es schlimmer. Selbst solche Shows wie Summer Breeze bekommst du bei uns nicht auf die Reihe.

Ich habe mal gehört, dass die größten Festivals in den Staaten ihr Maximum bei +/- 8.000 Zuschauern erreichen. Stimmt das wirklich?
Ja, das kommt hin. Okay, das Größte ist natürlich das OzzFest, aber das ist ja auch schon eine Gemeinschaftsarbeit. Wir hatten ja das Glück auch da spielen zu können.

Wie habt ihr das denn geschafft?
Wir haben einfach eine Stange Geld bezahlt. Aber das war es wert und die Presse war gut. Wir spielen schließlich verdammt extreme Musik und werden in den Artikeln neben diesen ganzen "Fashion Bands" genannt. Wir haben also genau soviel Presse bekommen, wie die. Das hat doch was. Außerdem waren wir die Einzigen dort, die kräftig geblastet haben. Ansonsten waren da noch The Haunted und auch In Flames.

Schönes Thema. Mit meinem Kollegen (ganz liebe Grüße an Marco) habe ich einen inoffiziellen Disput. Er mag mehr In Flames und ich mehr Dark Tranquillity. Was sagst du als quasi "Nachwuchs" dazu?
Ehrlich gesagt, mag ich schon beide. Von Dark Tranquillity mag ich ausnahmslos alles, doch bei In Flames nur die alten Sachen. Die waren göttlich. Als sie angefangen haben zu singen, war es das für mich. Eine Band, die vorher nicht singt, sollte auch nicht später damit anfangen (das war bei Dark Tranquillity aber auch so?!). Mikael von Dark Tranquillity ... ich liebe seine Stimme. Er hat dieses gewisse Knistern in der Stimme. Ich durfte ihn auch mal interviewen. So ein netter Typ. Immer gut gelaunt.

Wie bei euch. Das Bandmotto: Party all the time?
Spaß haben. Es macht Spaß in einer Band zu sein und rumzukommen. Wir lieben nunmal Metal und das spricht auch schon für sich. Leder und Make-up würden mir sowieso nicht stehen. Es geht einfach nur um die Musik. Aber selbst im Metal gibt es ja gewisse Erwartungen, wie man auszusehen hat und wie nicht.

Du nimmst mir die Worte aus dem Mund. Es hat doch mit Sicherheit einige Beschwerden bezüglich eures Outfits gegeben.
Ja, in den Anfangstagen ziemlich viel. Und ich glaube, dass viele Menschen uns mögen würden, wenn sie nur unsere Musik kennen würden. Ich weiß, dass wir so beurteilt werden. Wir sind ja nicht blöd. Jeder, der uns keine faire Chance gibt, weißt du ... es geht doch einfach nur um die Musik. Ist doch egal, ob ich fett bin. Ich stehe jedenfalls nicht auf der Bühne und mache mich besser, als das Publikum vor mir. Mir geht es um die Gemeinschaft. Ich rede gerne mit den Leuten nach der Show, weil es einfach toll ist, dass sie gekommen sind.

Und es werden immer mehr.
Abschließend würde mich noch was ganz anderes interessieren. Warum zum Henker hast du dir "Heartburn" ("Sodbrennen") auf deinen Bauch tätowieren lassen?
(er schaut mich ungläubig an) Du weißt aber, was das heißt ...

Ja, deswegen frage ich ja.
(sein Gesicht wird knallrot) Weil ich es immer und immer wieder bekomme.

Dann hätte ich da einen guten Rat für Dich. Probier mal einen Löffel voll Zucker.
Zucker?

Genau. Im Mund etwas verflüssigen und dann ganz einfach runterschlucken.
Das ist ja geil. Das werde ich definitiv ausprobieren. Mir hat mal jemand gesagt, ich soll Essig trinken. Da nehme ich doch lieber den Zucker.

Ich hoffe es hilft.
Werde ich spätestens heute Abend merken.


Das Interview führte Siegfried Wehkamp.
Hamburg, 07. Dezember 2007