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Interview: THE VISION BLEAK

Trotz einer recht stressigen Anreise vom tiefsten Süden Deutschlands in den hohen Norden - Abfahrt war um 4 Uhr morgens - nahm sich Markus Stock die Zeit, mir für ein paar Fragen Rede und Antwort zu stehen.

Kommen wir zu Beginn erstmal auf die Musikrichtung von The Vision Bleak zu sprechen. Man liest ja alles Mögliche, von Düster Rock über Gothic Rock und -Metal bis hin zu Death Metal. Ihr habt mal gesagt, dass ihr mit dem Begriff Gothic Rock/-Metal nichts zu tun haben wollt. Wie würdest Du das also bezeichnen?
Also generell finde ich erstmal eine Kategorisierung von Musik irgendwie blöd. Wenn wir danach gefragt werden, dann sage ich immer, dass das Horror Metal ist, weil auf der einen Seite eben diese Thematik mit der Horror-Literatur steht, und die andere Seite eben auf einem Metal-Fundament basiert. Und das ist das, was uns wichtig ist.

Auch wenn sicherlich so langsam die Fragen bezüglich Empyrium nerven werden …
Naja, nun ist ja aber auch eine neue Empyrium-CD rausgekommen, also eine Best Of …

Okay, dann gestatte mir eine Frage zu dem Thema: Du hast mal gesagt, dass Empyrium und The Vision Bleak zwei ganz klar getrennte Dinge sind, die nichts miteinander zu tun haben und andererseits hab ich in einem Interview gelesen, dass diese beiden Bands inhaltlich sehr ähnlich sind, und sich nur in der äusseren Form unterscheiden. Wo genau liegt denn der Unterschied?
Ganz einfach, Empyrium war ganz ruhige Musik, viel mit Akustik-Gitarren, wo es auch mehr um die Stimmung ging. Bei The Vision Bleak gibt's natürlich auch Stimmung, aber das soll auch live funktionieren und einfach auch eine gewisse Energie ausstrahlen. Und das war bei Empyrium eben nicht so. Empyrium war reine Stimmungsmusik und The Vision Bleak ist auf der einen Seite natürlich auch stimmungsvoll, aber es soll auch eingängig sein und live Energie produzieren.

Du hast mal gesagt, dass man Qualität nicht auf einer Skala zwischen eingängig und uneingängig findet. Kann man die Musik von The Vision Bleak trotzdem als eingängige Qualität bezeichnen?
Das hoffe ich doch! Und vor allem soll das natürlich immer auch alles live funktionieren. Also wenn Du da so einen 20-Minuten Song spielst, dann ist das für die Musiker sicherlich toll, aber die Leute haben da halt eben nicht so viel von. The Vision Bleak soll auf der einen Seite live funktionieren, die Leute mitreissen, aber es soll auch eine gewisse Feinheit in den Kompositionen vorhanden sein. Wir machen ja nun beide schon sehr lange Musik, ich hab selber auch ein Studio und da lernt man jeden Tag etwas mehr, und diese Erfahrung schlägt sich dann auch beim Arrangieren nieder. Und natürlich ist uns die Qualität sehr wichtig, also nicht irgendwelche 08/15-Texte zu schreiben, sondern solche, die auch wirklich was bedeuten und poetisch geschrieben sind.

Was euch bei euren Songs wichtig ist, ist ja zum einen die Atmosphäre, dann soll die Musik eine Geschichte erzählen, ausserdem soll im Kopf des Hörers ein Film ablaufen und die Musik soll mitreissen. Läuft man bei soviel Anspruch nicht Gefahr, dass das Ergebnis hinterher vielleicht zu überladen wirkt?
Das denke ich nicht. Da muss man halt einfach seinem Gefühl folgen. Wir machen uns da nie Gedanken, wie das beim Publikum ankommen wird. Wenn man beim Komponieren oder beim Einspielen merkt, der Song berührt mich, dann ist das ein guter Song. Und dann ist das schon automatisch gegeben, dass das eine mitreissende Komponente hat und eine gewisse Eingängigkeit.

Ihr legt viel Wert darauf, dass die Texte, die Musik, das Layout, eben alles zusammen sowas wie ein Gesamtkunstwerk bildet. Du hast mal kritisiert, dass viele andere Bands aus Gründen der Effekthascherei lediglich irgendwelche Klischees erfüllen. Das klingt fast so, als würde es nicht sehr viele Bands geben, die du bewunderst oder einfach nur gut findest!?
Also ich hab nun keine Bands, die ich total verehre. Aber es gibt halt Bands, die ich wirklich gut finde. Norwegischen Black Metal mag ich gerne. Ulver zum Beispiel machen wirklich gute Musik. Die ersten drei Alben von denen waren konzeptionell unglaublich geschlossen. Das ist mir immer sehr wichtig, dass das ein gewisses Konzept hat. Viele Bands schreiben einen Song, schreiben dafür dann den Text, das machen die dann zehn Mal und packen das dann aufs Album. Sowas war nie meine Herangehensweise. Ich mache mir vorher immer schon Gedanken, was soll da hinterher bei rauskommen. Also nicht einfach anfangen, Songs zu schreiben, und dann könnte dies passen, und dann könnte jenes passen, mir ist es wichtig, dass das alles in sich stimmig ist.

Welche CD liegt denn gerade bei Dir im CD-Player?
Lass mich mal überlegen, was ich mir zuletzt gekauft habe (überlegt) … ich sauge in letzter Zeit wahnsinnig viel Musik bei iTunes, vor allem viele alte Death Metal Klassiker, Morbid Angel und so.

Kommen wir mal zum Thema Horrorfilm. Wenn ihr einen machen würdet, wer wäre da euer Wunschregisseur?
In der heutigen Zeit ist das schwierig. John Carpenter hat früher wahnsinnig gute Sachen gemacht, macht aber mittlerweile nur noch einen Haufen Scheisse, wenn man das mal genau nimmt …

… Tim Burton vielleicht?
Ja, Tim Burton! Sleepy Hollow kommt zum Beispiel schon sehr Nahe an die alten Sachen heran, mit der gewaltigen Atmosphäre und so.

Und wenn ihr die Musik zu diesem Film nicht machen könntet oder dürftet. Wer sollte dann dafür verantwortlich sein?
Sehr gute Frage … also John Carpenter ist nun auch ein wahnsinnig guter Filmkomponist …

… also dann doch eher ein typischer Filmkomponist und keine Metalband. Es gab ja schon häufiger mal diese Diskussion "Der Herr der Ringe" und Blind Guardian ...
Das ist eine grausame Idee! Weil sowas mit dem Filmkontext gar nicht zusammenpasst. In einem Film soll ja die Musik keine Priorität haben, sondern sie soll nur die Szenen untermalen. Und ein Heavy Metal-Song ist dann schon sehr aufdringlich auf eine gewisse Art und Weise. Es gibt wahnsinnig viele gute Filmkomponisten. Ob es ein Hans Zimmer ist, der mir persönlich zwar ein bisschen zu bombastisch ist, aber der macht auch sehr gute Sachen. John Carpenter hat sehr unaufdringliche Musik gemacht, die aber perfekt mit den Bildern funktioniert hat, und das finde ich einfach sehr beeindruckend

Deiner Meinung nach, ist es ja so ziemlich das erbärmlichste für einen Künstler, den Erwartungen der Leute zu entsprechen. Mal andersrum gesagt, wenn das, was ihr macht, genau das ist, was die Leute auch wollen, dürfte das sicherlich kein Problem darstellen, oder?
Nein, das ist überhaupt kein Problem! Darum geht's ja eben. Man freut sich ja über positives Feedback. Aber wenn man Musik nur noch macht, um andere Leute glücklich zu machen, und sein eigenes Kreativsein dadurch verleugnet, dann verliert man seine Integrität. Und das ist etwas, was mir sehr wichtig ist. Die Priorität für mich ist, wenn ich für mich weiss, dass das was mir gemacht haben wahnsinnig toll ist, dann ist das genau das, was ich will.
Und da gibt's dann auch keine Vorschriften, dass zum Beispiel die Plattenfirma sagt, es muss jetzt in diese oder jene Richtung gehen?
Nein, überhaupt nicht. Da haben wir keinerlei Vorgaben.

Kommen wir mal zum Thema Tournee. Letztes Jahr seid ihr mit Helrunar auf Tour gewesen. Liegt dieses Jahr etwas Ähnliches an?
Auf jeden Fall! Also im Sommer sind wir schon für mehrere Festivals gebucht …

… dazu komme ich gleich noch …
… und eine Tour ist auf jeden Fall auch geplant.

Was die Festivals angeht, seid ihr nun schon fast überall gewesen, M'era Luna, Summer Breeze, WGT, With Full Force und dieses Jahr hat's dann nun endlich mit Wacken geklappt. Das dürfte dann wohl euer bis dato grösster Auftritt werden…
Ja, das ist bis jetzt das Grösste.

Habt ihr da schon irgendwas geplant, also dass ihr da z.B. irgendwas Grosses auffahrt?
Das Problem ist, wir haben ja schonmal auf dem With Full Force mit 13 Mann gespielt, also mit einem kleinen Orchester und so. Aber wenn du auf so einem grossen Festival kein Headliner bist, dann kannst du das vergessen, weil du einfach Null Zeit hast. Du wirst da auf die Bühne geschickt und spielst halt.

Wie sieht's mit einem neuen Album aus? Ist da schon was geplant bzw. in Arbeit?
Ja. Also jetzt im Januar legen wir da noch mal Feinschliff an die Songs an, werden also an der Vorproduktion noch weiter feilen und dann werden wir wohl so Mitte Februar mit den Aufnahmen beginnen.

Und die Veröffentlichung erfolgt dann im Sommer?
Ja, ich hoffe mal noch vor den Sommerfestivals. Also es wäre gut, wenn es vorher noch rauskommt, aber unter Druck setzen wir uns da nicht.

Kannst Du zu dem Album schon was verraten? Wird das ähnlich wie bei Carpathia wieder eine Story, die sich durch das ganze Album durchzieht?
Nein, das wird es nicht, das weiss ich schon genau. Also textlich bin ich mir zwar noch nicht bei allen Songs schlüssig, aber es werden mehr so Spuk-Geschichten aus der ganzen Welt, wenn man's mal ganz platt sagt (grinst).

Und musikalisch?
Musikalisch wird's nochmal ein bisschen härter, aber trotzdem auch melodischer und gitarrenlastiger, also mit vielen Lead-Gitarren.

Eine Sache noch zum Schluss: Live auf der Bühne seid ihr zu Fünft ...
Ja, zu Fünft.

Wer sind denn die drei anderen, kennt man die, spielen die sonst in irgendwelchen bekannten Bands?
Die spielen alle noch in anderen Bands, aber in eher unbekannten. Der Drummer spielt zum Beispiel in einer richtigen Heavy Metal Band.


Das Interview führte Marco Zimmer.
Wilhelmshaven, 06. Januar 2007