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Interview: GOATWHORE

Lerne: Niemals einen selbstbewußt auftretenden Sänger direkt nach einem aufheizenden Gig interviewen. Ben Falgoust von GOATWHORE (2.v.re.) ist nicht nur ein baumlanger, sehr freundlicher Kerl, sondern offensichtlich auch voll in seinem Element, wenn es darum geht, sich mitzuteilen. Auch wenn er sich zum Teil gerne wiederholt. Nicht nur auf der Bühne ein Orkan!

Ben, ich weiß zwar nicht ob ich dir Grüße ausrichten soll, aber im Dezember sprach The Black Dahlia Murder's Trevor mit mir über dich, da du ihm einige tolle Tipps bezüglich Stimmband-Training gegeben hast.
Cool. Ja, Trevor ist echt ein toller Typ. Die Band ist ein Hammer. Wir haben in den Staaten schon öfters mit denen getourt und es war immer Killer.

Wo wir schon beim ersten Thema sind. Ihr solltet ja eigentlich schon im Mai 2007 mit Marduk und einigen anderen bei uns gewesen sein. Was ist passiert?
Es gab da ziemliche Problem mit der Firma Metalysee. Bei denen ist irgendwie alles zusammengebrochen. Ich weiß nur noch, dass wir das erst drei Tage vor Tourstart erfahren haben. Keine genauen Gründe, nur dass etwas mit der Firma schiefgelaufen ist und deswegen wurde die Tour komplett gecancelt. Gott sei Dank haben wir es jetzt endlich hierher geschafft.

Genau, eure erste Europa-Stippvisite. Wie gefällt es dir bis jetzt?
Gut. Es ist gut.

Mal abgesehen von dem heutigen Auftritt.
Naja, wir spielen zu Hause auch Shows für 50 oder 60 Leute. Klar, manchmal ist es auch mehr. Aber man kann ja nicht immer nur exzellente Shows haben. Das haben die ganz großen Bands schließlich auch nicht.

Man kann zwar nicht alles kennen und mögen, aber manchmal sehe ich auf der Bühne eine Band, die mir wirklich gefällt, sich redlich müht und trotzdem kommt vom Publikum fast gar keine Action zurück. Vielleicht bin ich da zu engstirnig, aber ich fühle in solchen Moment eine Art Verantwortlichkeit für ...
(rums! Er fällt mir sehr sympathisch ins Wort) Weißt du, wie ich das sehe? Wir stehen da auf der Bühne und haben Spaß an dem, was wir tun und ja, es ist öfters kaum Bewegung im Publikum. Aber es ist ja auch unser erstes Mal hier. Das verstehen wir. Solange die Leute nicht den Raum verlassen, haben wir ihre Aufmerksamkeit. Vielleicht hören sie uns ja auch zum ersten Mal. Also saugen sie erst mal alles in sich auf und - hoffentlich - kaufen dann eine CD oder ein Shirt oder kommen zu einer anderen Show wieder.

Eure aktuelle dritte CD ("A Haunting Curse") ist auch schon ziemlich lang her. Was ist denn seit dem so passiert?
Wir haben verdammt viele Tourneen in den Staaten gespielt. Leider ist die Marduk-Tour hier ja geplatzt. Da die CD dann auch immer älter wurde, wollten wir es eigentlich darauf beruhen lassen und auf die Nächste warten. Doch dann kamen Immolation an und meinten, sie müssten uns unbedingt mit nach Europa nehmen. Hier nach kommt auch nichts mehr. Bei uns haben wir von Tour zu Tour mitunter acht Mal in der selben Stadt gespielt.

Und die Leute kommen immer noch?
Yeah! Und bei sowas stellen wir dann auch für jede Tour unsere Setlist um, so dass die Leute auch noch etwas Besonderes erleben, auch wenn sie uns schon öfters gesehen haben.
So etwas wollen wir hier natürlich auch versuchen.

In wie weit hilft euch da das Internet? MySpace ist ja das große Ding. Es werden ja sogar Bands dort gehypt, bevor sie überhaupt etwas veröffentlicht haben.
Also, wir haben uns da eher selbst aufgebaut. Es ist auf jeden Fall etwas Gutes für Bands. Klar gibt es immer welche, die ohne Ende gehypt werden, obwohl sie es eigentlich nicht verdienen. Das ist so eine Sache im Leben - der Böse kriegt den Kuchen, der Gute die Krümel.
Da es aber auch noch genügend Menschen ohne Internet - aus welchem Grund auch immer - gibt, sind die Shows doch wieder wichtig, um sich eben richtig einen Namen zu machen.

Musikalisch merkt man ja, dass ihr vielen klassischen Extrem-Bands Tribut zollt. Besonders fiel mir im Song "Forever Consumed Oblivion" die Textpassage "These Revelations Will Bring Sacrifice" mit dem Echo am Schluß auf. Sehr ähnlich ist das in dem Morbid Angel Song "Rebel Lands" zu finden. Findet dort eine Art Verbeugung euerseits statt?
Ja, klar. Wir haben so viele Einflüsse aus dem klassischen alten Zeug, wie Venom, Celtic Frost oder danach auch Morbid Angel. Das geht auch bis zu Discharge und Motörhead. Und manchmal geht das gar nicht um die eigentliche Musik, sondern wie hier um Gesang, den wir halt auf der Bühne etwas besser rüber bringen können, weil Sammy (Duet - Gitarre) ja auch was übernimmt.
Einflüsse kann man sich auch von anderen Seiten holen, so wie z.B. Sachen aufgenommen wurden. Wenn der Engineer mit irgendeiner Platte ankommt und sagt: "Ihr mögt die Musik vielleicht nicht, aber hört euch mal die Snare hier oder die Gitarre da an. Hört ihr, was die da transportieren?" So etwas kann dich auch beeinflussen.

Ich schätze mal, dass die meisten, die euch kennen, erst durch eure dritte CD aufgrund der Zusammenarbeit mit Metal Blade kennengelernt haben. Wie sehen denn für den Unwissenden die Unterschiede zu den ersten beiden CDs aus ("The Eclipse Of Ages Into Black" -2000 und "Funeral Dirge For The Rottin Sun" -2003).
Bei der ersten ... das war eben der Anfang. Da hörte man die Einflüsse noch etwas deutlicher raus. Sie sind noch nicht so mit dem Gesamtsound verschmolzen. Bei der zweiten CD haben wir quasi einen Gang runtergeschaltet. Sammy hatte persönliche Probleme, ich hatte einen schweren Unfall (2002 war er nach einen Crash abwärts der Taille bewegungsunfähig und stand nach mehreren OP's und intensiver Physiotherapie im Sommer 2003 wieder mit Krücke und Gips auf der Bühne), da habe ich schon einiges obskures Zeug geschrieben. Es hatte alles eine etwas dunklere Stimmung. Und jetzt ist eigentlich alles, was uns ausmacht drin. Immer brutal bis ins Mark, viel Blast oder auch Midtempo-Sachen wie "Alchemy Of The Black Sun Cult".

Was ziemlich nach alter Hardcore-Schule klingt.
Das ist lustig, dass du das sagst. Denn Hardcore aus meiner Jugendzeit ist schon etwas anders als das, was man heutzutage darunter versteht. Heute sind das Bands wie Hatebreed oder Terror. Wenn wir (schaut mich dabei an - als wenn ich dabei gewesen wäre ... aber Danke) von Hardcore reden, geht es noch um z.B. Agnostic Front, Corrosion Of Conformity zu ihrer Hardcore-Zeit oder auch D.R.I. - es geht halt weiter zu den Anfängen zurück.

Darf ich bei der Gelegenheit fragen, wie alt du bist?
35.
Und ich gehöre nicht zu den Menschen, die sich unbedingt neuen Bands verschließen. Ist doch cool, wenn es frische Bands gibt, die das Vermächtnis der alten Zeiten weitertragen.

So wie die NWOOSTM (New Wave Of Old School Thrash Metal), die in den Staaten zur Zeit die Runde macht. Ist es vielleicht nur normal, dass sich das Rad immer weiter dreht und gewisse Ären immer wiederkommen?
Ja, natürlich. Wir machen ja genau das Gleiche. Nicht, dass wir uns jetzt mit Celtic Frost messen würden, aber wir nehmen etwas aus der Zeit und wandeln es für das Jetzt um. The Black Dahlia Murder machen das auch so. Wir zeigen den jüngeren Fans damit, von welchen Bands wir beeinflusst wurden und so haben sie quasi die Möglichkeit, sich damit auch zu befassen.


Das Interview führte Siegfried Wehkamp.
Osnabrück, 26. März 2008