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Interview: MAROON

Eher kurzfristig kreuzt die mega-metal.de-Belegschaft am 15. Januar 2008 beim Maroon-Gig in Hamburg auf. Mit unserer ebenso spontanen Interview-Anfrage haben wir dann trotzdem noch Glück, ist doch mit Bassist Tom-Eric Moraweck zumindest ein Mitglied gerade vor Ort. Zwischen Theke und Merchandise finden wir uns zum entspannten Smalltalk ein.

Tom-Eric Moraweck (rechts) im Gespräch (Foto: maz)

Das Thema Maroon kommt ja so langsam richtig ins Rollen. Spätestens seit eurem Einstieg bei Century Media.
Mit 'ner größeren Firma ist halt immer mehr machbar.

In wie weit macht sich das bemerkbar? Gibt es jetzt auch Bands, die euch dabei haben wollen?
Naja, hauptsächlich können wir dadurch mehr live spielen und so werden dann andere auf uns aufmerksam.
Aber durch Werbung sind wir natürlich schon fast in jeder Zeitung drin. Das bringt schon was.

Böse Zungen behaupten, dass Century Media mehr "futuristischere" oder zukunftsweisendere Bands im Stall hat. Wie fühlt ihr euch in dieser Gesellschaft?
Keine Ahnung, wer da jetzt so ist. Ich kenn die halt noch von früher mit Unleashed und so. Aber eigentlich ist mir das egal.

Es werden ja schon Diskussionen geführt, ob eine Band wie Arch Enemy nun noch Death Metal sind oder nicht. Ist so etwas heute noch wichtig?
Nö, für mich nicht. Für mich ist das alles nur Metal und fertig. Eine grobe Richtung ist schon gut, denn sonst liest jemand was von Maroon, weiß aber nicht, welche Musik wir machen. Ich habe bloß das Gefühl, dass diese Einteilungen immer schlimmer und kleiner werden.

Was wohl auch an Grenzerweiterungen liegt. Irgendwann kam das Mittelalter dazu, dann dies, dann das, dann die erste Frau - wann kommt die bei euch?
(breit grinsend) Nee. Ich glaube nicht, dass die irgendwann mal kommt.

Was anderes: Ich habe euch Ende Dezember in der ARD-Sendung "Polylux" gesehen zum Thema "Rausch". Als Metal-Band mit Straight Edge-Mitgliedern ein super Gegenbeispiel zu den Vorurteilen gegen die Szene.
Die wollten das ja auch etwas überspitzt machen. Bloß nach der Stunde Drehzeit sind nur zwei Minuten übrig geblieben, die dann gesendet wurden.

Wie sind die denn auf euch gekommen?
Wir waren mit diesem Straight Edge Ding ja auch schon bei RTL2 und beim ZDF. Die werden sich das wohl untereinander zugespielt haben. Angefangen hat das Ganze mal mit dem Spiegel. Die hatten einen Bericht über "harte" Jugendliche und halt auch Metalfans, die auch keine Drogen nehmen und nicht trinken. Das scheint für die ein echtes Phänomen zu sein. Da sind wir halt mit rein geraten und seitdem kamen immer wieder Fernsehsender auf uns zu, die auch was zu dem Thema bringen wollten.

Für uns Unwissende: Ihr lebt alle Straight Edge - ergo, keine Drogen, kein Alkohol. Wie weit geht das noch? Danach wird man Vegetarier?
Wir sind alle Veganer.

(Au - Fettnäpfchen) Wir haben vorhin darüber gewitzelt, dass ihr wohl die erste Band seid, die uns zum Interview eben kein Bier anbietet.
Ihr könnt gerne eins haben.

Nee, ich muss ja noch fahren.
Dann kriegste auch keins. Das ist vernünftig.

Und gesünder. Wie lebt es sich denn so mit diesen persönlichen Vorgaben?
Bei beiden Sachen - Straight Edge und Veganismus - habe ich einfach irgendwann festgestellt, dass ich das halt alles nicht brauche und jetzt läuft das einfach so mit. Ich denke auch nicht jeden Tag darüber nach. Ich lebe jetzt seit zehn Jahren vegan und damals war es ja noch nicht so verbreitet.

Was sagt dein Arzt dazu? Bist du immer noch kerngesund?
Ja, das ist alles okay. Der musste sich aber auch erst mal belesen. Das ist immer der Trugschluss. Allgemeinärzte haben ja nicht wirklich viel Ahnung von Ernährung.

Und wie geht euer Umfeld damit um, wenn ihr z.B. im Restaurant oder privat zu Besuch seid. Wer hat da mit wem mehr "Probleme"?
Ich denke, wir sind umgänglicher, weil wir eben in der Minderzahl sind. Früher bei Familienfeiern musste man sich schon mal einen doofen Spruch anhören. Aber ich finde das ist Hohn. Es ist ja nicht schlimm, nichts zu trinken. Aber wir müssen schon toleranter sein. Ich freu mich natürlich jetzt über das Nichtrauchergesetz, weil das auch für die Konzerte viel angenehmer ist. Wenn im Club geraucht wird, tränen uns fast die Augen und für André's Stimme ist das ja pures Gift. Aber ich bin nicht jemand, der sich jetzt darüber aufregt. Im Endeffekt ist es nicht mein Problem.

Zum Schluß doch noch mal zur musikalischen Seite. Was liegt in naher Zukunft für euch an?
Oh, das ist gerade heute bestätigt worden. Wir gehen Anfang März für vier Wochen als direkter Support von Chimaira auf Tour.

Sehr schick. Auch hier in Deutschland?
Vier bis sechs Dates werden dabei sein und der Rest dann drumherum.


Das Interview führte Siegfried Wehkamp.
Hamburg, 15. Januar 2008