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Interview: PRIMORDIAL

Iren sind schwierig. Und das ist nicht mal negativ gemeint. Aber eines ist sicher: Beim nächsten Interview mit dem Pagan-Unikat PRIMORDIAL werden ganz andere Themen angesprochen. Vielleicht können wir Sänger Alan A. Nemtheanga dann mehr als ein Grinsen abverlangen. Auf der Heidenfest-Tour beim Gig in Dortmund war das gar nicht so einfach.

Alan, die Veröffentlichung eures aktuellen Albums "To The Nameless Dead" liegt fast genau ein Jahr zurück. Was ist in diesem Jahr so passiert? Viele Höhen und Tiefen?
Hauptsächlich Höhen.

Dann sind Primordial also auf ihrem aktuellen Höhepunkt?
Ja, in gewisser Weise schon. Der Weg hat schon stetig nach oben geführt. Was aber auch mit dem Pagan-Zeug zusammenhängen könnte, was ja aktuell angesagt ist. Es war aber ein interessantes Jahr.

Was würdest du speziell hervorheben wollen?
Mit der Festival-Saison waren wir in einigen Ländern, wo wir noch nie vorher waren und wo man wahrscheinlich nie Notiz von uns genommen hätte. Das Tuska Festival, Hole In The Sky, sogar auf dem Sweden Rock haben wir gespielt. Das waren einfach mal andere Sachen. Mit den letzten Alben sind wir immer in Deutschland gut angekommen und vielleicht noch Holland und Belgien. Aber jetzt ist es mehr geworden. Genau wie mit dieser Heidenfest-Tour.

Da habe ich mir schon Sorgen gemacht, ob die Musik von Primordial denn zum "Image" dieser Tour passen würde.
Naja, passen tut es nicht wirklich. Aber das war genau der Punkt.

Also geht es euch trotzdem noch gut damit.
Es stört mich überhaupt nicht. Der Punkt ist, dass wir es uns mit unseren momentanen Lebenssituationen nicht leisten können, mehr als zwei Wochen auf Tour zu gehen. Aber das Timing stimmte hier, die Organisation ist super. So war die Überlegung, ob wir nun unsere eigene Tour machen und es kommen pro Abend vielleicht ein paar Hundert, die genau wissen, was sie wollen oder wir nehmen die Chance, die musikalisch ja nicht ganz passt und versuchen mal ein paar neue Fans zu überzeugen (heute Abend waren rund 3.200 davon anwesend).

Da kommt mir wieder euer diesjähriger Wacken-Auftritt in den Sinn, wo du nicht gerade zufrieden damit warst, die erste Band um elf Uhr auf der Party Stage zu sein. 2005 war es kurz vor Mitternacht im Zelt und davor ward ihr auch schon zwei Mal dort. Mangelnder Respekt?
Ich habe auch gedacht, dass wir dieses Mal besser dran wären und wohl einen Platz auf einer größeren Bühne bekommen würden. Da sind Bands, die vielleicht gerade zwei Jahre auf der Mattscheibe sind und die spielen zur besten Zeit auf der Hauptbühne. Das ist ganz böses Glück. Und es kommt mir manchmal wie eine Lotterie vor, wo die Namen aus einem Hut gezogen werden. Vielleicht sind die Veranstalter selbst nicht mal wirklich Schuld dran. Aber eines ist sicher, es nervt, wenn du Heavy Metal morgens um elf spielen musst. Denn dann ist man seit acht Uhr auf den Beinen.

Apropos auf den Beinen in Wacken. Ich habe dich des Öfteren mit Gaahl von Gorgoroth über das Gelände laufen sehen. (er lacht kurz) Ich weiß, was du jetzt denkst, aber das ist nicht meine Frage. Sondern, ob du über sein Outing überrascht warst?
Nein, keinesfalls. Ich kenne ihn nun schon seit einigen Jahren und habe ihn immer als sehr höflichen Menschen erlebt. Aber es war schon zu sehen, dass er eben nicht an Frauen interessiert war. Im Endeffekt ist das egal - Rob Halford ist ja auch homosexuell.
Aber interessant ist es schon, dass speziell seit diesem Gig in Polen (wo es Ärger mit der Justiz gab, weil die sich aufgrund der Bühnenshow derbe ans Bein gepinkelt fühlte) die Band eigentlich konstant in den News war. Überleg mal, drei oder vier Jahre zuvor hätten Gorgoroth niemals Wacken headlinen können und wären auch nicht in einer Verkaufsliga mit Immortal oder Satyricon. Ein bisschen kommt mir das eher wie ein kleiner Medien-Zirkus vor.
Ich bin aber sehr verwirrt über die Reaktionen auf sein Outing, besonders aus dem osteuropäischen Raum.

Es soll sogar Morddrohungen gegeben haben. Gegen Menschen aus Gaahls nichtmetallischem Umfeld.
Davon weiß ich zwar nichts, aber dazu fällt mir auch nichts mehr ein.

Dann habe ich abschließend noch etwas ganz Anderes hier für dich. Ich habe ein kleines Buch namens "Weisheiten aus Irland" zu Hause und alle Sprüche übersetzt. Eigentlich kommt es aus einem "Schickimicki-Laden". Da wäre es doch mal interessant, was davon so alles wahr ist.
Wenn es also einer wissen sollte, dann wäre ich das wohl ich, oder?! (er lacht ... er lacht wirklich!)

Schau doch einfach mal alles durch und ...
... und ich sage dir dann, ob das Blödsinn ist, oder nicht.

Genau. Oder vielleicht findest du sogar etwas, was für dich persönlich wertvoll ist.
(nach dem Lesen und einigen Schmunzlern) Also die Ersten hier sind eher so neuzeitlicher Hippie-Krams. Aber der hier "Nimm dir die Zeit zu denken, denn es ist die Quelle für Stärke" - das sticht schön hervor.

Was ist mit "Allein sein ist besser als schlechte Gesellschaft"?
Das ist verdammt noch mal wahr. Und es passt sogar gut zum Leben auf Tour. Da muss man sich auch seinen Platz suchen, wo man sich zurückziehen und seine Ruhe haben kann. Wenn man den ganzen Tag Menschen um sich hat, ist irgendwann Zeit zum ausklinken.
(liest weiter) "Turn your face to the sun and your back to the storm"

Klingt ähnlich wie die erste Zeile aus eurem "The Golden Spiral".
Ja, stimmt. Es sind einige interessante Sprüche dabei. Ich habe zwar nie jemanden gehört, der genau diese Sätze gesagt hat, daher könnten sie auch aus Gedichten oder Ähnlichem sein.

Du kannst die Übersetzungen gerne behalten. Als "Verbindung" zur Heimat.
Ich werde das im Tourbus an die Wand hängen. Dann haben wir für jeden Tag einen Spruch.

Tue jeden Tag eine gute Tat ...
... und manchmal auch eine Schlechte.


Das Interview führte Siegfried Wehkamp.
Dortmund, 08. November 2008