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Interview: AGATHODAIMON

AGATHODAIMON melden sich nach fünf Jahren mit ihrem fünften Album zurück - und das stärker als je zuvor. Grund genug für uns, mal genauer nachzuhaken. Sathonys (Foto, 2. von links) - seines Zeichens Bandmitbegründer und Gitarrist - beantwortete uns dazu ein paar Fragen.

Seit "Serpent's Embrace" sind einige Jahre vergangen. Was habt ihr in der Zwischenzeit gemacht?
Mal mehr, mal weniger intensiv mit der Band gearbeitet. Seit dem letzten Album gab es ja einige Besetzungswechsel, was für sich allein genommen schon einiges an Arbeit verursacht hat. Allein einen Nachfolger für Frank "Akaias" Nordmann (der nach Norwegen gezogen ist) zu finden, war bereits eine schwere Aufgabe. Als wir dann mit Jonas einen Ersatz fanden und bereits an "Phoenix" arbeiteten, stellte sich heraus, dass dieser leider nicht genug Zeit für die intensiven Vorbereitungen aufbringen konnte, insofern ging die Suche von vorn los. Letztendlich fanden wir mit Ashtrael einen Nachfolger, dazu kamen Jan Jansohn als neuer Gitarrist und Manuel Steitz am Schlagzeug sowie Till Ottinger am Bass, der ja nun schon seit ein paar Jahren dabei ist. Zwischenzeitlich wurde an Songs gearbeitet, die aber mitunter mehrmals wieder neu aufgerollt oder verworfen wurden. Einige Konzerte waren natürlich in der Zeit auch dabei, aber wieder richtig los ging es eigentlich erst Anfang letzten Jahres, da mit den neuen Mitgliedern auch wieder einiges an Engagement in die Band kam.

Was unterscheidet "Phoenix" von seinen Vorgängern?
Schwierige Frage, da sich eigentlich alle unsere Alben voneinander unterscheiden. "Phoenix" ist ein Mittelding zwischen Fortführung des letzten Albums und Neuanfang - allerdings nicht zwangsweise ein Wegweiser zum darauf folgenden Album. Mit der neuen Besetzung ist die langfristige Marschrichtung noch nicht festgelegt. Aus spieltechnischer Sicht sind die neuen Mitglieder eine große Bereicherung, was man der Scheibe sicher auch anhört. Von der Stilistik her ist die Bandbreite auf "Phoenix" eher in melodischere als brutale Richtungen ausgefallen, ich würde sagen es schwingt ein wenig Optimismus mit - keine positiven Schwingungen im eigentlichen Sinn, denn fröhliche Humppa-Melodien wären beispielsweise das Letzte, was ich mit Agathodaimon in Einklang bringen kann. Dennoch besitzt "Phoenix" eine gewisse Aufbruchsstimmung, einen Überschwang an Motivation, was zu einem gewissen Defizit an düsterer oder melancholischer Grundstimmung im Vergleich zu alten Alben geführt hat. Das war notwendig und ist stimmig, aber gleichzeitig auch für mich der Punkt, an dem ich für das kommende Album arbeiten möchte, denn rückblickend kam dieser Aspekt ein wenig zu kurz für mein Empfinden, hatte aber wie gesagt organische Ursachen. Soviel zur gefühlten Selbstkritik, denn die Stärken von "Phoenix" überwiegen. Sie liegen in dem Abwechslungsreichtum, der Virtuosität und der Vielfalt des Materials, die Erstauflage hat ja beispielsweise eine Spielzeit von über 72 Minuten, bietet also eine Menge Musik. Wir haben bislang für kein Album so akribisch im Vorfeld gearbeitet bzw. im Studio letztendlich so wenig abgeändert.

Was war der wichtigste Einfluss bei den Aufnahmen zu "Phoenix"?
Einen künstlerischen Einfluss könnte man wohl kaum nennen - auch wenn ich wieder die üblichen Kritiken gelesen habe, bei denen der klare Gesang mit den üblichen Genregrößen wie Dimmu Borgir oder sinfonische Keyboards mit Cradle Of Filth (gähn) verglichen wurden. Die Songs selbst sind in sich und untereinander sehr abwechslungsreich, von Aufbau, Stimmung, Länge, Intention, Groove und Aggressionspotential. Aus dem einfachen Grund, dass wieder alle Musiker am Entstehungsprozess von Musik und Texten beteiligt waren. Dadurch kommt eine große Bandbreite an musikalischen Vorlieben zum Tragen, was die künstlerische Vielfalt unterstützt. Das Ganze dann letztendlich in ein passendes Songkorsett zu pressen ist das Komplizierte daran.

Welche anderen Bands haben euch bisher musikalisch beeinflusst oder geprägt?
Da hat wohl jeder eigene Präferenzen - unser Gitarrist Jan steht beispielsweise sehr auf Jazz und melodischen oder Power Metal, Ashtrael auf Black Metal, Manuel ist als Schlagzeuglehrer ebenfalls musikalisch sehr breit gefächert, und bei mir wären es in erster Linie Bands wie Iron Maiden, Celtic Frost oder alte Emperor und Immortal.

Gab es in der Vergangenheit irgendwann mal einen Punkt, an dem das Fortbestehen der Band fraglich oder gefährdet war?
Den Punkt gab es zwischen dem letzten und dem aktuellen Album. Denn durch die ganzen Besetzungswechsel ging bei mir so langsam gewissermaßen die Luft aus. Man muss sich vorstellen, dass man jahrelang Energie in eine Sache investiert und einem das Schicksal, Außenstehende oder gar Mitmusiker ständig Stöcke zwischen die Beine werfen. Irgendwann fragt man sich, wozu man das Ganze dann eigentlich macht - aber durch die neuen Musiker kam glücklicherweise wieder eine Menge Motivation zurück.

Was können die Fans 2009 von euch erwarten?
Auf alle Fälle ein besseres Line-Up, als wir es bislang hatten. Wir haben noch ein paar schwache Gigs aus der Vergangenheit, die wir hoffentlich vergessen machen können. Deshalb werden wir uns auch verstärkt um Auftritte kümmern.

Warum sollte jeder euer neues Album kaufen?
Nun, der beste Grund ist natürlich, weil es ein wirklich gutes Album ist, in das wir viel Arbeit gesteckt haben. Es ist sicher nicht leicht, die Scheibe in eine Schublade zu pressen, geschweige denn, die Songs nach ein paar Durchläufen objektiv beurteilen zu können, denn dazu sind sie zu unterschiedlich und mitunter gar nonkonform. Obwohl vieles auf den ersten Blick nach typischem Strophe/Refrain-Schema klingt, ist auch einiges an progressiven Elementen aufzufinden - es ist auf alle Fälle ein Album mit Langzeitcharakter. Das wird bei den Reviews vermutlich nicht gerade förderlich sein, aber hoffentlich bei den Fans Anklang finden, denn deren Meinung ist uns im Endeffekt wichtiger, als die vom Soundcheck gebeutelten Kritikern, die einen Haufen CDs innerhalb eines kurzen Zeitraums bewerten müssen.
Deshalb werden wir auch auf unserer MySpace-Seite in den nächsten Wochen einiges an Hörproben bereitstellen, damit sich jeder einen eigenen Eindruck machen kann.


Das Interview führte Marco Zimmer (per Mail).