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Interview: ANAAL NATHRAKH

Für die einen ist es nur purer Krach, für die anderen der perfekte Soundtrack für die Apokalypse. Wie auch immer ist das neue Anaal Nathrakh-Album "In The Constellation Of The Black Widow" ein Brocken, den man erst mal verdauen muss und dafür auch belohnt wird. Die Formel dafür scheint denkbar einfach - so scheint es, wenn man die folgenden Antworten von V.I.T.R.I.O.L. (im "normalen" Leben als Sänger Dave Hunt von Benediction bekannt) so liest.

Herzlichen Glückwunsch zu eurem neuen wundervollen Output zum Ende der Welt. Würdet ihr zustimmen, dass die Band einen großen Schritt nach vorne gemacht hat und dabei immer noch nicht am Ende ihrer Möglichkeiten ist?
Danke schön! Ende der Möglichkeiten? Fuck no! Ich kann zwar die Zukunft nicht vorhersagen, also weiß ich nicht, was wir tun oder nicht tun werden. Aber egal was wir tun - nicht weil wir die Möglichkeiten ausgereizt haben.
Ein großer Schritt? Kommt drauf an, wie du es meinst. Unser Ziel war nicht wirklich, eine massive Veränderung im Gesamtsound, sondern mehr das verdammt noch mal bis dato beste Beispiel unserer Arbeit zu machen. Natürlich ist ein Fortschritt vorhanden, aber die Hauptbemühung liegt in der Verfeinerung. Und wenn ich so im Internet herumschaue, lese ich, dass viele Fans erst mit dem letzten Album ("Hell Is Empty ... And All The Devils Are Here" - 2007) auf uns gestoßen sind, oder gerade die neuen Preview-Songs cool fanden. So lange wir uns treu bleiben und keine Fans zurücklassen - was offensichtlich nicht passiert ist - können wir genau so weitermachen wie bisher. Das bereitet eine gute Basis für Veränderungen in der Zukunft. Aber jetzt kümmern wir uns erst mal um dieses Album. Wir sind davon überzeugt, dass es das beste ist, was wir bis jetzt zustande gebracht haben und darauf sind wir sehr stolz!

Seid ihr euch eigentlich darüber im Klaren, dass ihr vielleicht nur einen Steinwurf davon entfernt seid, ein wirkliches Alltime-Classic-Album zu kreieren? (Ich zitiere ihm dafür noch mal den letzten Absatz unseres Reviews)
Das ist wirklich sehr nett von dir, aber leider machen wir keine Alben, nur um gute Noten zu bekommen. Das ist jetzt auch nicht böse gemeint, sondern es ist einfach komplizierter und subjektiver. Lassen wir einfach mal die Tatsache außen vor, dass wir es nicht tolerieren, von anderen gesagt zu bekommen, was wir zu spielen haben. Du sprachst das chaotische Element an - was uns betrifft, es gehört zu Anaal Nathrakh. Und eine Menge Fans werden da zustimmen. Und du nanntest die Gesangs-Verzerrung - nun, das ist etwas anders. Es klingt nicht verzerrt, weil wir Verzerrung benutzten, sondern wir fanden ein altes Mikrofon wieder, welches wir auf unserem ersten Album benutzt hatten. Bezogen auf dessen Qualität ist es, naja, also ... es ist Müll. Deswegen klingt es öfter verzerrt, weil ich halt so laut singe. Aber es hat den Sound, den wir für die Band so lieben.
Fakt ist, wir machen Musik, die für uns gut klingt. Deswegen gibt's du uns wahrscheinlich 9 anstatt 10 von 10 Punkten. Und deswegen sind wir für manche die beste Band der Welt - eine Ehre für uns. Aber wir sind die einzigen Menschen, die wir versuchen zu befriedigen - anders würde es nicht funktionieren.

Ist der Song "Oil Upon The Soil Of Lepers" vielleicht ein kleiner Seitenhieb auf die Emo/Extreme/Core/was-auch-immer-Nachahmer-Szene? Die Songstruktur, die Rhythmen, ja fast alles klingt danach … nur irgendwie erwachsener und mächtiger.
Aber nimm die Frage nicht zu ernst, denn der Song ist genauso geil, wie alle anderen auch ...

Nein, so ist es nicht gemeint. Es ist einfach ein Song mit veränderter Geschwindigkeit, um dem Album ein bisschen mehr Abwechslung zu geben und zu vermeiden, nur einen Riesenhaufen Blastbeats zu haben. Wir hören auch keine Art von Musik, die du genannt hast, also wüsste ich auch gar nicht, wie sich so was anhören müsste. Im Endeffekt interessiert mich das auch nicht - es ist ein Song mit einem fiesen Headbanging-Beat, Ende der Fahnenstange. Zusätzlich passt es zu Zeitgeist's Stil (siehe nächste Frage) - es ist richtig gut geworden.

Wer ist denn auf der neuen CD zu hören? Und wer gehört aktuell zu eurem Live-Line Up?
Auf der CD sind es fast nur Mick und ich. Zeitgeist Memento (von der mexikanischen Extrem Metal Band Repvblika) hat die meisten Vocals in "Oil Upon The Soil Of Lepers" und ich nur die Refrains eingesungen. Unser langjähriger Partner Ventnor gab wieder ein paar Soli zum Besten.
Das Live-Line Up ist ziemlich stabil - Mick und ich, Ventnor an der zweiten Gitarre, Misery (Mick's Bruder - auch Lead-Gitarrit bei Mistress) am Bass und Steve an den Drums (der spielt bei Theoktony und jetzt auch bei Detrimentum). Vielleicht gibt's auch mal ein paar Gastauftritte, beispielsweise wenn Shane (Embury - Napalm Death-Bassist) gerade da ist, kommt er mal für ein oder zwei Songs dazu.

Ihr spielt auf dem diesjährigen Summer Breeze-Festival. Was ist mal mit einer Deutschland-Tour? Es wäre mal Zeit dafür.
Yeah, Summer Breeze sollte interessant werden. Ich glaube, wir haben noch nie bei euch gespielt, aber es scheint, dass das Festival ziemlich etabliert ist. Eine gute Möglichkeit für unser Deutschland-Debüt. Aber um ehrlich zu sein, im Moment will ich nur auf die Bühne - scheiß drauf, wo! Ich will mir nur endlich mal wieder Luft machen können. Bei euch kann ich zusätzlich meine Deutschkenntnisse vertiefen. Ich mag euer Land. Ich fühle mich da schon wie zu Hause. Tour? Keine Ahnung - aber Summer Breeze ist ein guter Ansatz.

Was sollen die Texte dem Zuhörer sagen?
Was passiert "In The Constellation Of The Black Widow"?

Die Texte beabsichtigen nicht, dem Zuhörer etwas sagen zu wollen, sie sollen ihm etwas zeigen - der Unterschied ist, dass ich niemandem vorschreibe, was er denken soll. Wir sind interessanter, wenn wir dem Hörer eine Atmosphäre bieten, ihm ein gewisses Gefühl vermitteln. Es ist sehr wohl möglich, dass, wenn man die Dinge aus unserer Sicht betrachtet, man vielleicht anfängt, etwas anders zu denken. Aber wenn das eintritt, hat es doch nichts mit uns zu tun. Ich lasse mir nicht gerne sagen, was ich denken soll und genau das Gleiche will ich auch nicht bei anderen versuchen. In der Konstellation mit der schwarzen Witwe ... stirbt jeder. Es ist kein wirkliches Konzept in dem Album, aber viele Themen beziehen sich auf die Menschheit und wie verflucht grausam sie ist. Vielleicht ist es eine stumpfe, unreife Art es zu betrachten, aber glaub mir, die Idee ist weitaus komplizierter, vielschichtiger und faszinierender. Macht, Herrschaft, Gedanken über religiöse Symbole, die eigentliche Natur der Menschheit und so weiter. Und verdammt viel entsetzliche Grausamkeit.

Mir persönlich gehen die Witze über euren Bandnamen langsam auf die Nerven, hauptsächlich ja wegen der Ähnlichkeit mit dem Wort "anal".
Also wo kommt dieser Name ursprünglich her und was bedeutet er?

We love spending time taking young pigs and blasting their back gates off their hinges.


Das Interview führte Siegfried Wehkamp (per Mail).