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Interview: BLACK LOTUS

Das liebe ich an dieser Arbeit ... die kanadischen BLACK LOTUS, deren Musik hierzulande wohl noch relativ unbekannt sein dürfte, mich aber richtig von den Socken gehauen hat, strapazieren ihre Telefonrechnung und rufen in good old Germany an, um ein Interview zu geben. Ich freue mich auf jeden Fall riesig auf meine Gesprächspartner - Sänger Jasper v. d. Veen (Foto, links) und Drummer Craig Stewart (3. von links), die mich logischerweise (bei 8.15 Uhr Ortszeit in Victoria) mit einem netten "Good Morning" begrüßen.

Schön, dass ihr den Anruf einrichten konntet.
Euer neues Album "Harvest Of Seasons" ist seit dem 01. Oktober 2008 draußen. Was hat sich seitdem bei Black Lotus getan?
Jasper: Erst mal haben wir einen neuen Gitarristen. Sein Name ist Adam Angus. Dann haben wir im Oktober - als CD-Release-Party - einen Gig gehabt, der ein großer Erfolg war. Aktuell schreiben wir an neuen Songs und am 21. Februar steht das nächste Konzert an.

Live ist das ja nicht unbedingt viel ...
Jasper: Wir spielen nicht unbedingt viele Shows.

Hat das einen besonderen Grund?
Jasper: Wir spielen gerne Shows mit Bands, die vom Sound gut zu uns passen. Wir könnten hier zig Shows spielen, aber wir sind hier nun mal auf einer Insel. Da kann man nicht so oft auftreten, sonst haben dich die Leute bald satt.
Craig: Bei uns soll alles schon etwas Spezieller sein. Wir wollen nicht jedes Wochenende hier irgendwo spielen, sonst sind wir bald überflüssig. Unsere Shows sollen etwas Besonderes bleiben.

Der Fan von heute braucht immer wieder Vergleiche. Welche Bands müssten auf einer Favoriten-Liste stehen, damit Black Lotus auch drauf sind?
Beide: Alte Borknagar, alte Ulver, Kvist, Enslaved, Obtained Enslavement auch. Hauptsächlich also klassische, atmosphärische Norwegen-Bands. Und Primordial natürlich auch.

Dann habt ihr mit der aktuellen Pagan-Welle wohl weniger am Hut, gegen die die genannten Bands und ihr ja wesentlich "erwachsener" erscheint.
Jasper: Da stimme ich zu. Da gibt es so viele Bands, bei denen es um Trolle oder sowas geht. Da sind zu viele Mittelalter-Aspekte drin. Das macht zwar Spaß, kann aber ganz schnell sehr "cheesy" werden.
Craig: Da ist einfach zu viel Fantasy drin und verliert einfach schnell seinen Charme. Sehr eindimensional.

Für euch muss die Musik und die Atmosphäre, die transportiert wird, entsprechend ernsthafter sein.
Jasper: Da hängt natürlich immer von der Band ab, in der man spielt. Für Leute, die mehr auf den Spaßfaktor achten, ist das okay. Aber bei Black Lotus hörst du sofort, dass es ernsthafter zur Sache geht. Die Musik ist sehr vielschichtig. Da gehen wir natürlich auch viel bedachter an die Texte ran. Und die Einstellung ist anders. Man sollte wissen, wo das Herz ist.

Als die Band begann, was war da die musikalische Absicht?
Craig: Das fing alles mit Lindsay (A. Kerr - Gitarre) und Jasper damals in den Niederlanden an.
Jasper: Genau. Lindsay hatte seinerzeit bereits Songs in ihrem Stil für Black Lotus geschrieben und wir haben einfach gejammt. Ich habe damals noch Schlagzeug gespielt. Es wuchs zu etwas heran, was - als wir wieder in Kanada waren - nach mehr verlangte. Es mussten mehr Leute her, mit denen wir den Sound der Band weiter entwickeln konnten. Craig war dann der Erste, der zur Band stieß.
Craig: Jasper und ich hatten davor schon zusammen geprobt und Lindsay brachte mich zum Schlagzeug-Posten. Dazu muss man aber wissen, dass Victoria eine ziemlich kleine Auswahl an Musikern hat.
Ich hörte mir das an, was die beiden bereits geschrieben hatten und es war genau der Stil, den ich auch spielen wollte. Es lief einfach gut.

Sprechen wir über das Album "Harvest Of Seasons". Etwas sagt mir, dass "October Rust" von Type O Negative zu euren Lieblingsalben zählt. Musikalisch zwar nicht vergleichbar, aber die herbstliche Atmosphäre ist sehr ähnlich.
Craig: Wirklich? Also, "Bloody Kisses" hatte einen großen Einfluss auf mich, weil es das Einzige ist, das ich besitze. Aber das ist nicht gerade ein großer Einfluss hier.
Jasper: Ich habe "October Rust" seit Jahren nicht mehr gehört, aber es ist ganz klar ein großes Album. Aber vielen Dank, dass du es erwähnst. Jetzt möchte ich es mir gerne mal wieder anhören.

Bleiben wir beim Albumtitel "Harvest Of Seasons" - welches ist denn eure liebste Jahreszeit?
Jasper: Definitiv der Herbst.
Craig: Es wechselt immer zwischen Herbst und Winter. Das ist die Zeit, wo ich mich mit meiner Umgebung am wohlsten fühle.
Jasper: Genau. Die Dinge verlangsamen sich. Die Farben werden wunderschön. Die beste Zeit um nicht unbedingt mit Mantel und Schal rausgehen zu müssen (bitte?? Kanadier sind da einfach mehr abgehärtet). Sicherlich haben wir lange verregnete Tage, aber jedes Mal, wenn die Sonne hier in Victoria rauskommt, wird es einfach ein wunderschöner Tag. Eine schön melancholische Jahreszeit.

Über die sich gut schreiben lässt. Steckt hinter den Texten eine Art Konzept über die Natur? Oder muss es mehr zur Musik passen?
Jasper: Von beidem etwas. Als Erstes kommt die Musik, wenn ich mit dem Schreiben anfange. Die Natur ist ganz klar der Haupteinfluss. Vielleicht ist es ein Klischee, aber wir leben hier in einer solch schönen Umgebung. Das inspiriert immer wieder.

Steckt dahinter vielleicht sogar eine Botschaft, die ihr vermitteln möchtet?
Jasper: Ja, doch. Viele Menschen nehmen ihre Umwelt als selbstverständlich hin. Man sollte die Natur um sich wirklich mehr zu schätzen wissen. Einfach mal Autos und massive Gebäude vergessen und darüber nachdenken, woher dieser Planet eigentlich kommt. Denn egal, wie mies wir unseren Planeten behandeln - die Natur wird immer zurückkommen und sich ihr Eigen zurückerobern.
Craig: Vergiss niemals, dass die Natur doch immer die stärkere Kraft sein wird.

Kommen wir noch kurz auf euren neuen Gitarristen zu sprechen ... oder anders herum: Cameron ist nicht mehr dabei und mir viel auf, dass beim Vergleich des Bandfotos im CD-Booklet mit dem Selben auf der Homepage sein "Helloween"-Shirt "geschwärzt" wurde.
(schallendes Gelächter aus Kanada)
Das war aber nicht der Grund, dass er nicht mehr dabei ist, oder?!
Craig: Es war einfach ein so farbenprächtiges Shirt und das passte überhaupt nicht zum Grundtenor des Fotos. Einfach aus ästhetischen Gründen. Und es ist auch kein Seitenhieb in Richtung Helloween - in keinster Weise. Auch nicht in Cameron's Richtung. Der Grund war, dass er einfach weiterkommen wollte. Er wollte gerne Drums in einer Band spielen, die er auch gefunden hat und das nahm immer mehr Zeit in Anspruch, so dass seine Planung nicht mehr so ganz mit unserer überein war. Es gab keine Diskussionen oder Ärger. Es kam zwar etwas unerwartet und plötzlich, aber wir wünschen natürlich alles Gute für die Zukunft. Er hat seinen Beitrag zu Black Lotus geleistet und das war gut.
Jasper: Er ist auch etwas jünger als wir. Wir konzentrieren uns sehr auf die Musik, die wir schreiben. Und er wollte immer gerne mehr live spielen und Party machen.
Craig: ... was wir ja alle wollten, als wir jünger waren.

Ein kurzer Kommentar zum neuen Gitarristen Adam Angus.
Jasper: Wir kennen ihn schon seit Jahren und haben auch schon mit ihm in Bands gespielt. Glücklicherweise ist er gerade wieder aus Vancouver hier her gezogen. Das passte. Unsere Musik ist auch sein Stil, er hat die Songs ziemlich schnell gelernt und hat auch schon neues Material geschrieben. Es ist nicht leicht, jemanden zu finden, der dann auch noch die gleiche Musik mag.

Würdet ihr sagen, dass Black Lotus in eurer Umgebung die einzige Band mit diesem Stil ist?
Craig: In Bezug auf leicht folkischen, epischen Black Metal mit Keyboards - ja! Ich kenne hier keine Band, die so klingt. Das heißt aber nicht, dass es hier keine Bands gibt. Death oder Black Metal gibt es schon, aber so wie wir ist keine, glaube ich.

Habt ihr den Wunsch irgendwann in Europa zu spielen?
Beide: Absolut! Ohne jeden Zweifel!

Was könnten die Leute denn bei euren Live-Shows erwarten? Ein paar wenige Fotos auf eurer MySpace-Seite zeigen ja nur einen Bruchteil, wie den Mikroständer aus Holz! Gibt es etwas wie ein Bühnenkonzept?
Craig: Wir hatten kürzlich bei einem Auftritt eine Art Slide-Show im Hintergrund, die zusammen mit dem etwas dunkleren Licht eine wirklich schöne Atmosphäre kreiert hat. Das würden wir gerne wieder machen.
Jasper: Ich glaube aber, dass ich meinen Mikro-Ständer nicht mit nach Europa nehmen darf.

Ich schätze, dass es noch schwieriger wird, das Ding wieder nach Kanada zu kriegen.
Craig: Dann bauen wir bei euch einfach einen Neuen!


Das Interview führte Siegfried Wehkamp (telefonisch).