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Interview: BONE GNAWER

Unkraut vergeht nicht - im Falle von Kam Lee würde ich zwar nicht von Unkraut reden, doch obwohl der einstige Massacre-Frontmann und Erfinder der Death Metal-Vocals nie zu den ihm zustehenden Ehren gekommen ist, steht er immer noch voll im Saft und liefert mit seiner neuen Band BONE GNAWER endlich wieder ein amtliches Lebenszeichen ab. Wir befragten einen Mann, der sich ehrlich, hart aber fair gibt.

(Das Foto zeigt ihn beim 2008er Gig in Wacken mit Massacre.)

Kam, es sieht so aus, als hättest Du nach dem Gig in Wacken 2008 wieder Feuer gefangen. Doch neben Massacre und Denial Fiend sind nun Bone Gnawer die ersten, die die Welt mit einer leckeren Schlachtplatte beehren. Wie kam es dazu? Und sind Bone Gnawer nun die Priorität?
Bone Gnawer sind nun meine Hauptband. Auch wenn die neidischen ex-Mitglieder das gerne anders sehen, aber kein Denial Fiend und jetzt auch kein Massacre mehr.
2008 wurde ich von Rogga Johansson (u.a. Ribspreader, Paganizer) angesprochen, bei einem Projekt namens Revolting mitzuwirken, aber ich bin dort wieder ausgestiegen, während er das Projekt zu Ende gebracht hat. Trotzdem wollten wir gerne weiter zusammenarbeiten und so entstand Bone Gnawer. Die Grundidee war, aus der Band eine eben solche zu machen. Eine reale Band, die nicht nur Platten aufnimmt, sondern hoffentlich auch auf Tour geht.

Sprechen wir über die Texte: Was ist so faszinierend am Thema Kannibalismus? Beziehst du dich auch auf reale Fälle?
In meiner Freizeit studiere ich gerne die Fälle von realen Serienkillern und Kannibalen - sehr viele von den Texten haben eine lose Basis auf Fällen von Menschen, die auf den Kannibalismus zurück fallen. So wie Albert Fish, Ed Kemper, Jeffery Dahmer, Ed Gein, Andrei Chikatilo und Armin Meiwes. Andere Texte wurden einfach von Horrorfilmen inspiriert, die aber trotzdem ein ernsthafte Thema zugrunde haben.
Ich finde den "dunklen Humor" im Kannibalismus einfach lustiger, als die meisten schwarzen Komödien, deswegen wollte ich einfach über dieses kontroverse Thema schreiben. Für mich ist es spaßig, darüber zu singen, wie jemand für ein Bar-B-Que auf irgendeinem hinterwäldlerischen Grill eines mutierten Rednecks vorbereitet wird.

Wir dürfen mal annehmen, dass du natürlich ein großer Horrorfilm-Fan bist. Kannst Du uns deine Lieblingsfilme nennen?
Das ist einfach:

Texas Chainsaw Massacre (Original)
Evil Dead
Cannibal Holocaust
Dawn Of The Dead (Original)
Zombi (Fulci)
City Of The Living Dead (Gates Of Hell)

Ich bin ein Horrorfilm-Freak. Ich mag vieles aus den 70ern und 80ern, stehe den neuen Sachen heute aber genauso offen gegenüber. Die Franzosen haben in den letzten Jahren ein paar wirklich gute Horrorstreifen veröffentlicht - wie High Tension, Inside, Martyrs, Frontiers ... diese Filme sind wirklich extrem und einfach nur brutal und blutig. Aber mit einer richtig guten Story dabei. Es geht nicht auf Teufel komm raus um den Gore-Faktor, sondern beinhaltet große Stories, die provozieren und zum Nachdenken anregen.

Mit Bone Gnawer fährst du weiterhin die Old School Schiene - ist Kam Lee also in den 80ern/90ern hängengeblieben oder hast du auch ein paar Favoriten in der Gegenwart? Wenn ja, warum?
Ich glaube nicht, dass ich in der Zeit hängengeblieben bin. Mit Bone Gnawer machen wir nur die Musik, die wir eigentlich immer gemacht haben. Es wäre auch falsch, wenn wir versuchen würden, den Sound der neuen Bands zu kopieren - dann wären wir nämlich falsch und Poser. Würden mich die Leute dennoch respektieren, wenn ich mit einer Band um die Ecke komme, die nach Waking The Cadaver oder Job For A Cowboy klingt? Hell NO! Menschen haben gewisse Erwartungen an einen Künstler, und wenn der sich zu weit von seinen Wurzeln weg bewegt, dann verliert er Fans, Freunde und auch Respekt.
Ich sage aber nicht, dass sich ein Künstler auf irgendeinen Sound limitieren muss. Wenn er/sie herumexperimentieren möchte, dann bitte in einer anderen Band. So mache ich das auch - ich habe einige Projekte am Laufen. Eine davon ist sogar eine Horrorpunk/Psychobilly-Band mit Namen Cryptidz.
Ich fand es immer komisch, wenn Bands versucht haben, ihren Stil mit jedem weiteren Album zu ändern. Als wären sie sich nicht sicher mit sich selbst. Das zeigt mir eigentlich nur ihre Unsicherheit.
Auch selbst mir ist das passiert. Massacre ist das beste Beispiel, als Rick Rozz 1994 die Band wieder zusammenstellen wollte und mich für das "Promise"-Album zurückholte. Ich war nicht gerade glücklich mit der neuen Ausrichtung und letztendlich bin ich dann wieder gegangen. Bei Denial Fiend war es im Prinzip das Gleiche.
Und auf menschlicher Ebene ist es doch genau so. Wieso soll ich bei einer Person bleiben, bei der ich mich schlecht fühle? Ich bleibe bei niemandem, der mich runterzieht oder mir Kompromisse abringen will, um sein Ego aufzupolieren. Das bin nicht ich!
Es gibt eine Menge neuer Bands, die ich mag. Aber sie haben alle diesen Old School Touch: Avulsed, Alter Of Giallo, Machetazo, Grusome Stuff Relish, Fondlecorpse, Feral, Fleshcrawl, Hail Of Bullets, Cardiac Arrest, Hate Ammo, The Bereaved, Paganizer, Ribspreader, Deathbreath und einige mehr.
Was ich am liebsten höre, kommt aber aus Schweden: Entombed, Grave, Dismember, Unleashed, General Surgery, usw. - für mich kommt der beste Death Metal aus Schweden.
Und genauso mag ich immer noch Asphyx, Pentacle, Benediction und Bolt Thrower ... Carcass ist immer noch eine meiner All-Time-Favourites, genau wie Impetigo!

Nach 20 Jahren voller Death Metal-Vocals klingt deine Stimme immer noch kraftvoll und überzeugend. Wie bist du mit "deinem Instrument" all die Jahre umgegangen? Unterricht, Warm-Ups - oder bist du quasi gesegnet mit deiner Stimme?
Ich bin nicht gesegnet - ich bin eher verflucht - haha! Ich hatte nie Unterricht oder sonstiges! Gar nix! Ich habe ja den "Death-Growl" erfunden. Als Erster habe ich damals 1984/85 dieses tiefere gutturale Growlen eingesetzt. Als ich bei Massacre anfing, wollte ich einfach tiefer gehen, als die anderen zu der Zeit (Chuck Schuldiner - Death/Jeff Becerra - Possessed/Troy Dixler - Devastation), die ja alle deutlich höher lagen.
Es ist einfach meine natürliche Stimme. Daher ist es auch keine große Anstrengung, so zu singen und ich ruiniere mir auch nichts. Viele andere Sänger übertreiben es einfach mit dem brutal klingen und noch tiefer gehen. Damit machen die sich nur den Kehlkopf kaputt und das kann im schlimmsten Fall sogar zu Kehlkopfkrebs führen.


Das Interview führte Siegfried Wehkamp (per Mail).