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Interview: SUPERBUTT

Wer dem Crossover der 90er immer noch eine kleine Träne nachweint, dem sei das vierte Album "You And Your Revolution" der ungarischen Jungs von SUPERBUTT wärmstens ans Herz gelegt. Wir hakten bei Sänger András Vörös nach, wie denn so die Welt eines "Superpopos" aussieht.

Auch wenn ihr erst mit Beginn des neuen Jahrtausends angefangen habt, klingt eure Musik nach "etwas zu spät". Also, wie kam es dazu, diesen Crossover-Sound wieder ans Tageslicht zu bringen?
Die Antwort ist einfach: Weil wir es geil finden. Wir haben uns nie große Gedanken darum gemacht. Das ist einfach das Ergebnis unserer Zusammenkünfte im Proberaum. Und nach der Methode arbeiten wir immer noch. Mir ist es auch herzlich egal, ob wir nun trendy oder sonst was sind. Wir sind einfach zu hässlich und ich selbst eh viel zu alt, als dass wir uns in eine werbewirksame Band verwandeln lassen würden, um Musik zu machen, die der Durchschnitts-Teenie hört. Abgesehen davon, welchen Grund gäbe es dafür? Trends kommen und gehen und wir sind keine Band, die damit ihren Lebensunterhalt verdient. Sie ist die Quelle für Abenteuer, Spaß und Selbstverwirklichung. Und wenn diese Musik dazu der Schlüssel ist, dann soll es so sein. Alles, was wir brauchen, ist der Spaß daran, unsere Songs live auf der Bühne zu performen. Da das der Fall ist, sind wir nur happy!

Der Albumtitel "You And Your Revolution" schreit ja nach Ironie. Wer ist es, dem ihr da fröhlich entgegenlacht?
In erster Linie uns selbst. Es geht soviel Bockmist in der Welt vor sich und da kann man ganz schnell ziemlich sauer oder verbittert werden. Und du kannst es nicht ändern. Klar kann man immer wieder zumindest versuchen, das zu ändern, aber meistens bist du dazu verdammt, zu scheitern - was bleibt da noch, als dir selbst ins Gesicht zu lachen. Ich kann die Menschen schon hören: "Oh ja, da bist du ja der mit dieser tollen Revolution. Jawoll, ich weiß, du bist derjenige, der der Welt Frieden, Freiheit und Einigkeit bringt. Klar man, viel Spaß, versuch's weiter!"

Das Video zu "Figure" ist sehr professionell gemacht, aber ich finde einfach keinen Bezug zu den Texten. Ich bitte um etwas Schützenhilfe. Wo besteht der Zusammenhang?
Ehrlich?! Keine Ahnung. Da frag mal den Regisseur. Er ist ein Freund von uns und kennt sich mit dem Filmemachen aus. Als wir eines nachts wieder zusammensaßen und über einen möglichen neuen Clip quatschten, sagte er plötzlich: "Oh, ich habe seit Langem diese Idee, von diesem Typen der ein glückliches Leben mit seinem Hausschwein lebt und plötzlich klopft sein böses Selbst an seiner Tür, prügelt ihn windelweich und dann dreht sich die Geschichte zurück zu sich … ihr wärt perfekt dafür. Wollt ihr das nicht machen?" Ich sagte ja, klingt interessant. Und es stimmt. Die Story hat herzlich wenig mit den Texten zu tun. Obwohl, wenn ich müsste, könnte ich mit einer Art Erklärung kommen, um irgendeine Art Verbindung zu bekommen. Das wäre dann aber wohl totaler Bullshit, also lasse ich es lieber.

Wie fühlt es sich an, Stars im eigenen Lande zu sein? Erkennt man euch auf der Straße? Wird eure Musik oft im Radio gespielt? Gib uns mal einen kleinen Einblick.
Haha, du bringst mich zum Lachen! Klar, wir sind eine semi-underground Rock Band, die ein gewisses lokales Following hat, aber Stars?! Also bitte! Nein, unsere Songs waren nie im Radio (außer vielleicht ein paar nächtliche Metalshows) und obwohl einige unserer Videos mal bei MTV oder Viva liefen, das Aktuelle - nach dem du gerade fragtest - wurde quasi verbannt. MTV hat es ein Mal auf Headbanger's Ball gespielt und das war's. Wie bereits gesagt, wir verdienen mit Superbutt nicht unseren Lebensunterhalt, wir haben alle reguläre Jobs (die aber alle was mit Musik zu tun haben, so dass wir die Freiheit geniessen, auf Tour gehen zu können oder Tage frei zu nehmen, wenn wir Proben möchten oder andere band-bezogene Sachen erledigen - und zwar quasi zu jeder Zeit) und uns geht es gut damit. Klar, könnten wir manchmal ein bisschen mehr Geld gebrauchen, aber Kreativität kann einen Mangel an Finanzen gut wett machen. Aber zurück zur Ausgangsfrage - ja, es passiert uns auch (wie wohl jeder anderen Band), dass die Leute nach der Show zu uns kommen für Fotos oder Autogramme. Aber selbst das bedeutet jetzt nicht die Welt. Es bedeutet nur, dass du einen tollen Abend mit dem Publikum hattest und einige möchten davon ein Souvenir haben. Ein richtiger Star zu sein, dass man von Bodyguards vor verrückten Fans geschützt werden muss, die eh nur ein Bild von dir kennen und keine Ahnung von der wirklichen Person haben, wäre die traurigste und einsamste Sache der Welt. Ich danke Gott, dass wir da nie hinkommen werden.


Das Interview führte Siegfried Wehkamp (per Mail).