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Interview: ATHORN

Mit "Phobia" ist ATHORN aus dem niedersächsischen Hannover ein ganz starkes Debütalbum gelungen. Grund genug für uns, mal etwas genauer nachzuhaken.

2008 gegründet, 2009 eine selbstproduzierte EP veröffentlicht, und nun - 2010 - euer Debütalbum via AFM Records. Das ist eine beachtlich schnelle und steile Entwicklung. Wie habt ihr diese letzten zwei Jahre erlebt? Was gab es da für Höhen, Tiefen, Wendepunkte?
Das stimmt, es ging schon alles recht schnell vonstatten bei uns. Obwohl "schnell" natürlich immer sehr relativ ist und hinter dieser augenscheinlich kurzen Zeit sehr viele Jahre des Musizierens - auch vor Athorn - stecken. Ursprünglich zusammengefunden haben wir uns, weil wir einfach die Art Musik machen wollten, auf die wir Lust haben. Eben so, wie das bei vielen Bands der Fall ist. Die Freude an der Musik stand stets im Vordergrund und alles, was dann passierte, war umso schöner für uns. Was gibt es Besseres, als genau das zu tun, was einem Spaß macht und wenn dann noch jemand Außenstehendes Gefallen daran findet, perfekt! Unser Werdegang ist dabei ein positiver und durchaus angenehmer Nebeneffekt, und genau so haben wir das erlebt.
Höhen und Tiefen bleiben natürlich in einer Band nie aus, wobei es keine wirklichen Wendepunkte in der Bandgeschichte gab. Wir bestehen immer noch aus der Urbesetzung und machen alle genau die Musik, die wir spielen wollen.
Jeder hat seine Lieblingsparts (seine Höhen), seine "meine-Idee-fand-ich-besser"-Parts (seine Tiefen) und die "das-klingt-jetzt-mal-viel-geiler-als-ich-vorher-dachte"-Parts (seine Wendepunkte).
Natürlich hatten wir auch recht günstige Vorraussetzungen. Wir waren in der Lage, unsere EP und auch unser späteres Album im eigenen Studio zu produzieren und jene den richtigen Leuten zukommen zu lassen. Somit konnten wir innerhalb kürzester Zeit größere Veranstaltungen, im Rahmen von lokalen Festivals, spielen.
Als der Deal mit AFM zustande kam, befanden wir uns gerade im Songwriting-Prozess für unseren Longplayer "Phobia" und waren somit kaum in der Lage, einen Blick aus dem Studio zu werfen. Das war aber auch gar nicht notwendig, da unsere Managerin Sandra Eichner einen sehr großen Teil zu unserer Entwicklung beigetragen hat. Es ging also alles Hand in Hand.

Eure Musik wird als "Symbionic Metal" beschrieben, was vermutlich ein Wortspiel aus "Symbiose" und "Symphonic" sein soll. Und in der Tat entdeckt man auf eurem Album eine Vielzahl von verschiedensten Einflüssen, die sich erstaunlich perfekt und harmonisch in das Gesamtkonzept einfügen. War diese Richtung, insbesondere was die musikalische Vielfalt angeht, eurer erklärtes Ziel oder wie kam es dazu?
Ja, das siehst du ziemlich richtig, aber eher Ersteres. Die Tatsache, dass wir alle aus unterschiedlichen Bereichen des Metal kommen, sorgt für die Vielzahl an unterschiedlichen Einflüssen und ist quasi das Fundament dieser Band.
Denn eines wollten wir alle niemals, uns limitieren, indem wir uns auf eine feste Richtung einschränken. Es gibt so viele verschiedene Arten von guter Musik und die versuchen wir zu kombinieren. Thomas und Tobi (Bass & Gitarre) sind unsere Düsterjungs und fühlen sich im Doom-, Death- und Black Metal zu Hause. Stefan (Lead Gitarre) kommt eher aus der Melodic Metal Ecke, während Sören (Drums) eher progressiverer Natur ist. Und Carsten (Vocals) ... tja, der mag halt Metal allgemein und hat seine Vielseitigkeit auch auf diesem Album unter Beweis gestellt. Man kann also nicht sagen, dass wir es bewusst darauf angelegt haben, so zu klingen, wie wir klingen. Es ist einfach eine Kombination aus unseren völlig verschiedenen Wurzeln und die Mischung scheint das Geheimnis von Athorn zu sein. Eben eine Symbiose verschiedener musikalischer Stile und verschiedener menschlicher Einflüsse in einer Band.

Welches sind eure musikalischen Vorlieben und Einflüsse? Ich höre auf "Phobia" z.B. hier und da Nevermore oder Iced Earth heraus.
Wie bereits erwähnt, ist es schwierig bzw. unmöglich, genaue musikalische Einflüsse zu benennen. Da jeder von uns andere Musik hört, steckt sicherlich von so ziemlich allen guten Bands etwas in unserer Musik. Die Richtung von Nevermore ist natürlich unserer schon ähnlich, aber beeinflusst werden wir auch von Bands wie Cynic, Death, manch einer mag Behemoth, Satyricon, Dimmu Borgir, Immortal, Candlesmass, Primordial, Amon Amarth, In Flames, Dark Tranquillity, Edge Of Sanity, Dan Swanö, Bloodbath, Opeth, Metallica, Pantera, Testament, Metal Church, Overkill, Soilwork, Killswitch Engage, Machine Head, After Forever, Epica, The Gathering, Katatonia, Fates Warning, Iced Earth, Dream Theater, Spock's Beard, Morgana Lefy, Evergrey, Threshold, Symphony X, W.A.S.P., Tool, Mudvayne, Accept, Guns 'N Roses, Richie Kotzen, Poison, Flyleaf, Extreme, Pearl Jam, Alice In Chains, Faith No More, Soundgarden … natürlich nicht alles von jeder Band, aber sicherlich fließt von allem irgendetwas mehr oder wenig mit ein. Damit könnten wir ein ganzes Interview beantworten, nur mit Bands aufzählen, die uns irgendwie mehr oder weniger beeinflussen. Es gibt einfach so viele unterschiedliche Einflüsse, dass nur eine Symbiose das irgendwie kombinieren kann.

Es ist ziemlich erstaunlich, wie ausgereift, "rund" und musikalisch hochwertig "Phobia" klingt, wenn man bedenkt, dass es sich hierbei um euer Debütalbum handelt. Habt ihr vorher in anderen Bands gespielt oder wie ist dieses hohe technische und spielerische Niveau zu erklären?
Wir sind alle keine unbeschriebenen Blätter. Carsten war ja schon bei Galloglass und Human Fortress am Sprachrohr vertreten. Sören und Thomas spielten bei der Hannoveraner Thrash-Metal Institution Cripper und hatten diverse andere Bands und Tobi deathmetallte bei Zelyon.
Ansonsten machen wir ja alle schon unser Leben lang Musik, nur eben nicht in dieser Konstellation.

"Phobia" befasst sich thematisch mit menschlichen Ängsten und Phobien. Geht es dabei um reale und konkrete Ängste aus eurem Leben, bzw. wie sieht das textliche Konzept aus?
Natürlich steckt in jeder Produktion etwas Persönliches. Aber man muss dazu sagen, dass es am Anfang der Produktion noch gar keinen Song mit dem Namen "Phobia" oder gar ein Konzept jeglicher Art gegeben hat. Die Texte entstanden erst relativ spät. Bei Athorn stehen meist erst die musikalischen Grundgerüste, auf die dann der Text gelegt wird. Das Konzept hinter "Phobia" entstand also mehr oder weniger zufällig. Als es absehbar wurde, dass sich alle Texte mehr oder weniger um das Thema Phobien und menschliches Fehlverhalten drehten, lag es natürlich nahe das Konzept weiter zu verfolgen.

Wie sehen eure Zukunfts- und Tourpläne aus?
Wenn unser Album jetzt am 17.09.2010 erscheint, werden wir Genaueres wissen. Der Plan ist natürlich, das aktuelle Album zu betouren. Das ist uns nach der langen Studioarbeit wichtig. Wir sind natürlich unglaublich gespannt auf die Reaktionen. Natürlich könnte man sagen - "nach dem Album ist vor dem Album" - und es stehen ja auch schon Gerüste neuer Songs, an denen wir arbeiten. Dennoch wollen wir erstmal ein paar tolle Gigs spielen. Vielleicht ist ja nächstes Jahr auch das eine oder andere größere Festival drin. Wer weiß.


Das Interview führt Marco Zimmer (per Mail).