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Interview: BEISSERT

Das zweite BEISSERT-Album "The Pusher" ist etwas Erstaunliches. Es beinhaltet so viele Stile und Schubladen, dennoch bleibt es ungemein homogen, als wäre dieser Mix das Normalste der Welt. Ob es auch einen Menschen gibt, auf den solche Eigenschaften zutreffen?

Guten Tag, Beissert mein Name!
Den wünsche ich auch. Wie geht es dir?
Ich habe gerade Feierabend.
Schon mal etwas. Dann bist du gerade nach Hause gekommen.
Nee, ich bin gerade aus dem Büro raus und stehe hier unter einer Brücke an der Straßenbahnhaltestelle und hier ist übelster Wind, da würde man sonst kein Wort verstehen.

Dann lass uns mal gleich in die Vollen gehen. Meine letzten Worte im Review waren: "Was sind Beissert am Ende: Zu freizügig für den Headbanger, zu intelligent für den Pit-Prollo, zu hart für die Studenten?"
Na, alles! Das trifft es genau. So sehen wir uns aber selber auch. Gerade live sieht man ja die Reaktionen von den Leuten. Auf der einen Seite ist das schon lustig, wenn die mit fragendem Blick da stehen und auf der anderen Seite freut man sich auch, wenn es mal einen Moshpit gibt.

Da stellt sich erst mal die Frage, wie zur Hölle man auf so einen Stil kommt. Habt ihr so unterschiedliche Präferenzen in der Band oder war es einfach nur ein Kasten Bier und auf geht's?
Nee nee. Also ich habe schon Musik gemacht, seit ich 15 bin. Dann hatte ich ja mit dem Schlagzeuger zusammen Gorilla Monsoon ins Leben gerufen. Da haben wir erst mit ordentlich Drogen und Alkohol das erste Jahr gar nix gemacht. Dann hatte ich mich da mit einem etwas in die Haare gekriegt und habe erst mal eine Kneipe aufgemacht, weil ich mich einfach nicht mehr rumärgern wollte. So nach zwei Jahren ohne Musik habe ich mich dann öfter mal mit dem DJ aus der Kneipe unterhalten, der rein zufällig Bass spielte und mit dem Türsteher, der von sich behauptet hat, Gitarrist zu sein. Naja, und da haben wir es einfach mal probiert. Wenn da halt drei Leute sind, die nicht aus der selben Szene kommen, passiert das halt automatisch. Und wenn man sich dabei nicht selbst limitiert und einfach zulässt, was man selbst gut findet, dann läuft das so. Dann muss man sehen, wie man damit zu Recht kommt.

Daher rührt dann wohl auch der Terminus "Saxon:Blood:Rock" - wie kommt man auf so eine Bezeichnung?
Um sich eben diesen ganzen Kategorisierungen zu entziehen. Wenn ein Konzertveranstalter sein Plakat macht, dann steht da schon öfter mal ganz grauseliges Zeug. Ich habe ja nun auch schon für einige Fanzines geschrieben, um zu wissen, wie dankbar die Leute solche Sachen annehmen, damit sie sich nichts selbst ausdenken müssen.

Ward ihr denn auch schon mal Metalcore?
Och, wir waren eigentlich schon alles. Von Rock 'n Roll bis Metalcore. Das liegt bestimmt an den Refrains.

Und die sind in "Songs Of Wolves Witches, War And Wrath" (O-Ton: Presse-Info). Was steckt dahinter? Alles nur Spaß?
Nee, das ist überhaupt kein Spaß! Da bin ich auch etwas pikiert, wenn man uns mal vorwirft, wir würden alles eher ironisch meinen und das von der witzigen Seite her nehmen. Und dann stand noch irgendwo, dass wir mit den Apokalyptischen Reitern zu vergleichen seien.

Autsch! (der Vergleich hinkt wirklich gewaltig)
Ja, da hat man dran zu knabbern.
Ich denke, im Endeffekt sind es Black Metal-Texte. Das hängt eigentlich davon ab, was ich gerade so lese und dieses Mal war es eben mehr satanistisches, okkultes Zeug. Wölfe und Hexen usw. eben.

Da seid ihr aber bei Agonia Records in verdammt guter, schwarzer Gesellschaft. Habt ihr mit eurer Musik da noch einen Sonderstatus beim Chef?
Na klar! Ich bin selbst seit Langem Agonia-Fan und dann hat der uns angeschrieben. Das war schon echt ein Ding. Ich hatte das auch nicht vermutet, weil bei den Polen muss man ja sagen, die sind ja teilweise ganz schön krass drauf bei Konzerten.

Unsere Agonia-Erfahrungen belaufen sich bis dato ja auf entweder richtig gut oder richtig grottenschlecht.
Also der Philipp, mit dem ich wirklich im engeren Kontakt stehe, hört auch schon mal Bruce Springsteen. Ich hoffe, wir schaden jetzt mit Beissert nicht seinem Ruf.

Der kleinste gemeinsame Nenner mit der Black Metal-Lastigkeit des Labels dürfte dann wohl die Entschlossenheit sein, sein Ding einfach durchzuziehen, egal was kommt.
Man soll ja eh nie auf andere hören. Obwohl ich in der Band ja selbst eigentlich nur mehr Passagier bin.
Nimm z.B. unseren Gitarristen. Der befasst sich quasi gar nicht mit Musik, hört auch keine Musik. Der möchte einfach nur gut Gitarre spielen. Da kann ich mir natürlich das Beste rauspicken, wenn er mal aus der Hüfte raus so vierzehn Riffs schießt und ich sag dann nur "das Dritte und das Fünfte" und dann schauen wir mal, was daraus wird.

Da muss ich dann trotzdem nochmal auf das Thema "Spaß" kommen. Im Refrain von "Yggdrasil" singst du ja mit einer recht fröhlichen Melodie die Worte "I'm Hanging Lonely On A Tree." In der Konstellation kommt mir natürlich sofort die Szene zu Monty Python's "Always Look On The Bright Side Of Life" in den Sinn.
Das Motiv ist ja ähnlich. Da gab es ja Odin, der da an dieser Weltesche hängt, um die Weisheit zu erfahren und sein Auge opfern musste. Wenn wir das Drumherum ein wenig wegnehmen, ist das das Selbe wie Jesus. So, und da gibt es ein Buch "American God". In dem geht es um die Einwanderer nach Amerika, die halt alle ihre Götter mitbringen und dort verkümmern ließen. Um stark zu sein, braucht ein Gott eben Menschen, die an ihn glauben, und ihm auch Opfer bringen. Aber die Götter in Amerika sind Transportwesen, Energieversorgung und Fernsehen. Und diese neuen Götter haben den alten das Wasser abgegraben. Und darum geht's in dem Lied, dass er da an dem Baum hängt, allein und zurück gelassen.

Jetzt mal in die Zukunft geblickt. Klar wollt ihr euch jetzt auf dem Live-Sektor breit machen. Da stehen euch mit der Mischung ja einige Türen offen.
Ja, man kann eigentlich mit allem zusammen spielen, auch wenn es nicht unbedingt immer passt.

Habt ihr denn da vielleicht ein paar Wunschkandidaten? So dass ihr vielleicht mit dem Publikum ein bisschen besser klar kommt?
Das wird schwierig. Also bei Agonia hätte ich wahrscheinlich Schiss vor den meisten.
Also Nachtmystium könnte ich mir sehr gut vorstellen. Aber ehesten sind wir wohl noch an den ganzen Stoner Rock Bands dran. Oder C.O.C. könnte auch gehen.

Crowbar oder Life Of Agony würden aber doch gut gehen.
Na, Crowbar sind mir zu doof und Life Of Agony sind mir irgendwie zu schwul.

Zum Abschluss erzähl noch mal kurz was zum aktuellen Pressefoto (siehe oben) - war das ein Take?!
Nee. Also unser Fotograf - ein guter Kumpel von uns - hat so eine übelst teure Kamera und ich hatte echt Schiss, dem das Wasser da direkt auf die Kamera zu klatschen. Am Ende hat die ganze Kneipe geschwommen.


Das Interview führte Siegfried Wehkamp (telefonisch).