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Interview: FORTÍD

Ein Mann - eine Mission. Einar Thorberg alias Eldur beendet mit seinem neuen FORTÍD-Album "Völuspá Part III: Fall Of The Ages" die Trilogie über eine der wichtigsten Ásatrú-Literaturen. Und die Musik soll für sich wirken. Begegnet man ihm aber auf menschlicher Ebene, dürfen es auch gleich ein paar Worte mehr sein. Eine schöne Erkenntnis.

Zwischen der Fertigstellung der Aufnahmen bis zur endgültigen Veröffentlichung von "Völuspá Part III: Fall Of The Ages" liegt mehr als ein Jahr. Was hat da so auf die Bremse gedrückt?

Die Suche nach dem richtigen Label, Verzögerungen beim Artwork, weitere Verzögerungen bei meinem Umzug und schlussendlich hat das Label auch noch den Vertrieb gewechselt. Das sind so ziemlich alle Hauptgründe.

Verglichen mit den ersten beiden Teilen - welches sind die gravierendsten Veränderungen beim dritten Teil?
Definitiv die Produktion. Musikalisch bin ich mir sehr treu geblieben, bis auf ein paar kleine Schnitzer.

Und wo wir schon bei mehreren Teilen sind - Konzept-Alben haben oftmals das Problem, dass die Musik dem Konzept folgen muss. Ist dir das auch passiert, dass du z.B. die Musik ändern musstest, weil sie nicht zu den Texten passte?
Ja, während des Prozesses habe ich 2-3 Songs geschrieben, die quasi gar nicht zu den Texten passten. Alles in allem, hätte ich alle Songs genommen, die ich während der gesamten Zeit verworfen habe, würde ich jetzt wohl ein paar mehr Alben an Material haben.

War dein Umzug nach Norwegen nur wichtig, damit Fortíd es endlich auf eine Bühne schaffen oder gab es noch andere Gründe?
Nein, es war der einzige Grund. Um eine aktive, ernsthafte und hingebungsvolle Band zusammenzustellen.

Für den Standard-Touristen (z.B. Deutsche) sehen Island und Norwegen ziemlich gleich aus: Kalt, hauptsächlich dunkel und jede Menge an wundervoller Natur. Was vermisst du an deinem Heimatland am meisten? Vermisst du eventuell sogar etwas nicht?
Ich vermisse meine Familie und meinen Sohn. Das sind die einzigen Schwierigkeiten seit meinem Umzug. Die Natur von Island und Norwegen ist für mich unterschiedlich, aber beide haben ihre Höhen und Tiefen. Zumindest habe ich keine Depressionen mehr, so wie in Island. Ich bin sicher, das hat etwas mit der fehlenden Sonne zu tun. Im Winter sieht man die tage- ja manchmal wochenlang nicht. Und dauernd fegt dir der Wind um die Ohren und will dich von der Straße fegen. Obwohl - so sagte man mir - ist es weiter oben in Norwegen ja auch.

Die ersten beiden Fortíd-CDs kamen über No Colours Records. Das Label hat einen einschlägigen Ruf in Bezug auf rechte Gesinnung. Doch wie kam es zu dieser Zusammenarbeit? Wer kontaktierte wen? Sahen No Colours vielleicht etwas in deiner Musik, was ihrer Mentalität entsprach? Und vor allem, wie hast du herausgefunden, dass es gesünder ware, das Label zu verlassen?
Nun, zuerst mal ist es mir scheißegal, welche Statements zu diesem Fall abgegeben wurden und nein, ich habe anfangs wirklich nichts davon gewusst. Die Zusammenarbeit mit No Colours hatte nichts mit politischen Meinungen zu tun. Auch nicht, als ich dort weg bin. Sie mochten meine Musik und ich dachte zu der Zeit, sie wären ein gutes Label. Später wusste ich es besser und mein Weggang hatte hauptsächlich mit dem schlechten Vertrieb und der schlechten Promotion zu tun. Dass das Auswirkungen ihrer politischen Sichtweise sind, kam mir dann auch gerüchteweise zu Ohren. Aber zeitweise war die Arbeit ok. Menschen haben halt ihre Meinung von Menschen. Wir reden hier von Metal. Da geht alles.


Das Interview führte Siegfried Wehkamp (per Mail).