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Interview: GALAR

Das norwegische Duo GALAR hat mit seinem zweiten Album "Til Alle Heimsens Endar" ein sehr spezielles Stück Black Metal erschaffen, welches trotz des Attributes "Folk" eher für Fans von Borknagar und Vintersorg interessant sein sollte. Die Qualität spricht für sich - und Marius Kristiansen (Screams, Gitarre, Bass) mit uns.

Hand aufs Herz - sind Galar der kleine norwegische Bruder von Vintersorg? Zumindest ist die musikalische Rezeptur ähnlich. Und selbst wenn nicht - wo lag eure musikalische Absicht?
Ja, die Rezepturen sind nicht allzu verschieden, da beide Bands ähnliche Kombinationen verwenden: Screaming und Clean Gesang, schnelle und langsame Parts, usw. Als Songwriter wird man immer von anderen Musikern oder Bands beeinflusst - und wenn es auch nur unbewusst ist. Daher verwundert es mich nicht, dass du den Vergleich zu Vintersorg ziehst. Ich habe die Band über die letzten Jahre immer wieder gehört. Ich denke aber, wir tendieren doch noch etwas mehr dazu, die dunkleren Aspekte zu erkunden und uns mehr gen Black Metal anzulehnen - im Vergleich zu Vintersorg.
Aber wie auch immer - die Absicht hinter Galar war nie, ähnlich wie Vintersorg oder welchen Bands auch immer zu klingen. Wir wollten die Musik immer so, wie wir sie am liebsten mögen und dabei trotzdem eine gewisse Eigenständigkeit entwickeln. Und ich glaube, wir haben das speziell mit unserer aktuellen CD ganz gut hinbekommen, indem wir solides Songwriting mit klassischen Instrumenten verbinden, so wie das Grand Piano, das Fagott oder die Violinen. Abgesehen vom Fagott, werden diese Instrumente ja auch von anderen Bands benutzt. Unsere Umsetzung hat aber eher etwas mit klassischer Musik, als mit Folk zu tun. Das macht dann schon die Eigenständigkeit aus.

Das Wort "Folk" - welches auch zum Beschreiben eures Sounds verwendet wird - impliziert oft "Fröhlichkeit" bei den Zuhörern. Hast du diese Erfahrung auch schon gemacht, dass Leute sich nicht mit eurer Musik befasst haben, weil sie eh was Anderes erwarten?
Ich mag diese Art der Kategorisierung der Plattenfirmen nicht. Wegen der klassischen Instrumente und dem klaren Gesang werden wir gleich in die Viking oder Black/Folk Metal-Ecke gedrückt. Das Letztere passt mir da noch am Ehesten. Der Grund, warum ich damit nicht so konform gehe, ist, dass man mit Kategorien auch gleich etwas assoziiert, obwohl sogar innerhalb einer Richtung riesige Unterschiede bestehen. Nimm Finntroll oder Ensiferum, die klingen nun wirklich nicht wie Galar. Aber alle drei Bands werden in den Viking/Pagan/Folk-Topf geworfen. Ich selbst habe noch nicht diese Erfahrung gemacht, dass Leute uns wegen der Label-Beschreibung gemieden haben, weil sie o.g. Bands nicht mögen (die ich übrigens für sehr gut halte). Aber hey, so läuft das eben.

Die Musik von Galar klingt schon ziemlich eigentümlich - positiv gemeint natürlich - doch zugleich eigenständig und sehr offenherzig. Kann man das über die Menschen hinter der Musik auch sagen?
Bei mir passt diese Charakterisierung wirklich sehr gut, haha! Klar, versuchen wir offenherzig zu sein und eben nicht so engstirnig. Eigentümlich, wie du sagtest, eigenständig, aber trotzdem speziell, höflich, talentiert, sexy, intelligent, witzig, charmant mit gesunden Werten. Nein, ernsthaft - ich tue mich schwer damit, mich mit positiven Eigenschaften zu beschreiben. Offenherzig zu bleiben - musikalisch und menschlich - so entwickelt man sich doch, oder nicht? Also ja, nach diesen Eigenschaften streben wir.

Wäre eine Livepräsentation des Galar-Materials möglich? Habt ihr euch darüber schon mal Gedanken gemacht?
Möglich ist es auf jeden Fall. Ob es was wird, ist bis dato nicht klar. Aber wir arbeiten derzeit an der Zusammenstellung eines Bühnen-Line-Ups. Den Rest wird die Zeit zeigen.


Das Interview führte Siegfried Wehkamp (per Mail).