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Interview: GORTHAUR'S WRATH

Die kroatische Extrem Metal Band GORTHAUR'S WRATH findet ihren Weg im Rahmen des von uns mit präsentierten Metalbreed-Festival zum ersten Mal nach Deutschland. Zwölf Jahre seit der Bandgründung sind auch eine sehr lange und beschwerliche Zeit, wie uns Fronter Morbid eindrucksvoll beschreibt.

Zuerst einmal - herzlichen Glückwunsch zu eurem ersten Deutschland-Auftritt am 24. Oktober 2010 beim Metalbreed-Festival in Hamburg. Was erwartet das Publikum, wenn ihr die Bühne entert?
Erst mal vielen Dank! Zu erwarten ist einfach pure Energie und eine tödliche Dosis Hass.

Euer Demo "Ritual IV" von 2009 wurde komplett Dissection's Jon Nödtveid gewidmet, der sich ja 2006 entschloss, diese Welt zu verlassen. Gab es eine persönliche Verbindung zu ihm oder fühlt ihr euch nur im Geiste mit ihm verbunden? Und wie geht ihr mit dem um, weswegen er ins Gefängnis musste?
Ich habe Jon nur ein Mal bei einer Dissection-Show in Slowenien getroffen und er hat mich sehr beeindruckt - auf der Bühne und auch danach, als ich ihn backstage traf. Er war einer der Letzten, wenn nicht sogar einer der seltensten Menschen, die genau für das einstanden, was sie sagten - im Gegensatz zu so manch anderen Personen da draußen.

Morbid - du bist das letzte verbliebene Gründungsmitglied der Band und speziell zwischen 2002 und 2009 hat es offensichtlich nur Line Up-Wechsel gegeben. Das wirft zwei Fragen auf:
1. Viele Wechsel bedeuten - es gibt genügend Musiker in eurem Land, von denen du aussuchen kannst?
2. Viele Wechsel bedeuten - es gibt nicht genügend Musiker, die diese Art von Musik spielen?
Es bedarf deiner Aufklärung.
Eine wirklich interessante Frage! Und es wäre mir echt lieber, wenn die erste Option der Wahrheit entspräche, doch leider trifft die zweite zu.
Unsere Heimatstadt Rijeka ist bekannt dafür, eine Rock City zu sein. Aber wenn es um extremen Metal geht, sind die Leute rar gesät, die sich ernsthaft damit befassen. Der Hauptgrund ist, dass es wirklich schwierig ist, Musiker mit der nötigen Hingabe und dem entsprechenden Verständnis zu finden. Für mich ist es zu einer Art Lebensaufgabe geworden, solche Leute zu finden.
Acht Jahre sind ins Land gezogen, davon sechs Jahre im Studio, doch das Ergebnis ist genau das, was ich von Anfang an im Sinn hatte. Der ganze Prozess war extrem schwierig in mentaler und körperlicher Hinsicht, und es hat mich eine Menge Zeit, Energie und persönlicher Opfer gekostet, bis ich zum finalen Abschluss kam. Das war dann "Ritual IV" und es war jeden Tropfen Blut, Schweiß und jede Träne wert.

Wie schwer ist es als Black Metal Band in Kroatien, sich als Mensch und als Band zu entwickeln? In Bezug auf Probleme mit Kirche, Ämtern, usw., und wie sie auf Gorthaur's Wrath reagieren?
Es ist unglaublich schwer, sich als Band zu entwickeln, weil wir einfach auf dem gottverdammten Land wohnen. Stell dir das Mittelalter in schweren Zeiten vor - genau da stehen wir, wenn es um gewisse Dinge geht (das Veröffentlichen von richtiger Musik, usw.).
Die Regierung ist korrupt bin ins Mark, manipulativ, betrügerisch, nur von Selbsterhalten getrieben und hinterhältig - so wie in Zeiten, als jeder gegen jeden kämpfte, nur für das nackte Leben, seine Position oder Titel.
Die meisten Menschen sind sehr engstirnig, leben gedanklich noch im Mittelalter und auf der anderen Seite kennt man unser Land als die rechte Hand des Vatikans. Das spricht ja schon für sich selbst. Wir haben das meiste unseres Landes, der Inseln, Banken und Unternehmen an irgendwelche fremden Investoren verkauft und die sagen uns auch noch, dass unsere Wirtschaft und unser Lebensstandard besser wird - Futter für die Hirngewaschenen. Wir sind nur ein Mikrokosmos von dem, wohin sich Europa, Amerika und ein Großteil der Welt entwickeln.
Die Kirche ist ein großer Einfluss auf fast alle politischen Bewegungen und wenn du nicht katholisch bist, gehörst du automatisch zu den Linken oder in vielen Fällen zu den Verrückten und Asozialen, was fast das Gleiche ist, ein Jude in einem Muslimen-Land zu sein - wir leben hier in einer ganz schlechten Version von Star Wars. Willkommen in Kroatien, dem Land der tausend Inseln … aber irgendetwas stinkt hier trotzdem gewaltig. Also wir haben seit dem ersten Tag die Arschkarte gezogen, aber wenn man das ist, was auch immer gerade angesagt ist, dann bist du "Top Of The Pops". Die meisten Menschen sind hier Sklaven des Fernsehens und der Zeitungen und sie haben offensichtlich vergessen, ihren eigenen Kopf zum Denken zu benutzen.
Kroatien hat eine lange und stolze Geschichte, aber das, wohin wir uns hin verändert haben, ist nichts anderes als miserabel. Ein verdammtes Loch voller Radikaler, Vorzeitmenschen und einer Mehrheit, die einer religiösen Gehirnwäsche unterzogen wurde. Wir hatten bis dato nur kleine Probleme mit ein paar religiösen Gruppen. Wir werden sehen, was passiert, wenn das neue Album rauskommt. Das wird mit Sicherheit interessant.

Reden wir über die Musik - es ist nun nicht Black Metal in seiner reinsten Form. Die Basis ist ja definitiv mehr Death Metal approach. Welche Bands haben dich am meisten beeinflusst?
Der Weg zu "Ritual IV" ist mit vielen Einflüssen gepflastert, da wir alle von verschiedenen Stilen beeinflusst werden. Was wir mit diesem Album versucht haben zu erschaffen, ist Musik, die wir gerne auch öfter hören wollen. Und das war in den letzten Jahren der Extrem Metal Szene einfach nicht da. Es war das erste Mal, dass mir unsere Songs so gut gefielen, dass ich sie mir sogar zu Hause angehört habe.
Wir kombinieren Death und Black Metal mit alten Thrash Riffs, aber trotzdem modernen Sounds, Samples und einigen düsteren Industrial-Sachen.
Wir sind keine Fans von Schubladendenken, aber eine Sache ist trotzdem sicher: Der Spirit des Black Metal wird immer in unserer Musik leben, solange wir leben und diese Musik erschaffen.

Euer Debüt soll im Oktober/November erscheinen. Gib uns bitte eine kurze Übersicht dazu: Songwriting-Prozess, die Studioarbeit, Produzent, usw.
Das ist eine Höllenstory - vielleicht sollte ich mal ein Buch darüber schreiben.
Das Songwriting und die Aufnahmen zogen sich über sechs Jahre hinweg. Es gab viele verschiedene Versionen der Songs, aber das sind jetzt die finalen Versionen, die bei dem englischen Label Casket Records rauskommen. "Ritual IV" hat sieben vollwertige Songs und ein Intro.
Der Produzent heißt Boris Rakamarić, der aus unserer Heimat Rijeka kommt. Er hat einen verdammt guten Job gemacht und uns während dieser gesamten Periode sehr geholfen.
Der Name symbolisiert unser viertes Album-Ritual. Die ersten drei waren Demos das hier ist unser Debütalbum. Dieses Material ist die Summe der letzten sechs harten Jahre und das Beste, was wir bis dato kreiert haben.

Die Metalbreed-Organisatoren Heavy Space Agency sind ja als weltweites Management für Gorthaur's Wrath tätig. Wie kam diese Zusammenarbeit zustande?
Nicole war die Erste von Heavy Space Agency, die uns kontaktierte. Ich hatte ihre MySpace-Seite vor Jahren mal entdeckt und sie half uns mit den ersten Kontakten, Tour-Bookings und allem was folgte. Sie ist eine tolle Person, und wenn sie an etwas glaubt, steht sie auch voll dahinter. Wir schulden ihr große Dankbarkeit für den bisherigen Erfolg und auch in Zukunft. Wenn es sie und ihren Verlobten Robert nicht gäbe, gäbe es auch kein Metalbreed-Festival. Nicole und Robert sind unser sechstes und siebtes Bandmitglied - das steht fest!

Am 06. März 2011 werden wir euch beim Metalbreed Winterfestival wiedersehen. Gibt es Tourpläne, die auf die Zeit zwischen den beiden Festivals oder um eines der beiden abzielt?
Natürlich! Wir haben uns zwölf Jahre lang vorbereitet und wir sind bereit für alles, was auf uns zukommt. Das Metalbreed Winterfestival wird wohl Bestandteil unserer ersten Europatour sein, die im Februar startet. Danach geht es weiter bis in den Sommer mit den ganzen Festivals - also uns werdet ihr schon bald auf den Bühnen sehen und vielleicht sogar mehr, als euch lieb ist.
Deutschland - wir werden uns sehr bald sehen … in Hamburg auf dem Metalbreed Festival!
Hail und vielen Dank für die interessanten Fragen!


Das Interview führte Siegfried Wehkamp (per Mail).