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Interview: OCTOBER FALLS

Ist OCTOBER FALLS-Federführer M. Lehto nun ein kleiner Eigenbrödler oder einfach ein interessanter, kreativer Kopf, der einfach nur weiß, wie er mit sich und seiner Musik umgehen möchte? Im Zuge der neuen CD "A Collapse Of Faith" mussten wir doch mal nachfragen und die Antwort dürfte eindeutig sein.

Erst mal herzlichen Glückwunsch zu einem wundervollen Nachfolger für "The Womb Of Primordial Nature". Zu welchem Zeitpunkt war denn klar, dass es ein 42-minütiger Longtrack wird?
Vielen Dank! Das Ganze war nun wirklich nicht geplant. Allein der dritte Teil war nur als Outro vorgesehen. Doch das Arrangement hat sich eben so ergeben, wie es nun schlußendlich zu hören ist. Ich denke, das Album ist ein einziges großes Konzept, trotzdem haben wir drei unterschiedliche Parts, die wir dann auch so geteilt haben. Bei solchen Longtracks hat man natürlich schon einen Brocken, wenn man ihn komplett hört. Aber es hat sich halt so ergeben, dadurch musste auch nichts geändert werden.

Hat die Einteilung des Songs etwas mit den Texten zu tun? Quasi die drei Stufen eines "kollabierenden Glaubens"?
Ein bisschen, ja. Der beachtlichste Part ist eben der Dritte, wo die Texte ganz klar das Ende des Themas darstellen - quasi "The Last Stand". Beim Rest ist das thematisch nicht eindeutig getrennt. Da Part III wirklich als Outro angedacht ist, hätte ich ihn lieber in den zweiten Part integriert. Zumal es etwas frustrierend ist, zu sehen, dass gerade dieser Part als Beispiel für das gesamte Album vorgeschickt wird. Das entspricht nicht ganz der Wahrheit.

Titel und Texte kann man gut und gerne auch als Reflektion auf die heutige Gesellschaft sehen?!
Kann man sagen. Das ist sogar das erste Mal, dass jemand diesen Vergleich anstellt, denn es passt ja auch. Das Hauptkonzept basiert auf der Vergangenheit, zieht seine Kreise aber auch durch die Geschichte. Und wenn nicht gerade jetzt, wird es eventuell auch das heute und morgen reflektieren. Übergreifend geht es um verschiedene Kulturen und Nationen, die von Menschen betrogen wurden, die keinen Respekt vor der Kultur und ihrem Erbe haben und alles beschmutzen, was ihnen ihre Vorfahren gegeben haben. Diesen Menschen fehlt es an Hingabe und sie bezahlen früher oder später am Galgen. Ebenso geht es aber auch um eben jene, die die Stärke besitzen, das Erbe mit Stolz fortzuführen. Diese Ideale sind nun nicht an einen bestimmten Teil der Erde gebunden. Die Welt ist voller interessanter Kulturen, die nur oftmals vergehen, weil das moderne Bedürfnis nach Geld und Erneuerungen sich einmischt. Selbst wenn das nichts Gutes mit sich bringt. So sind schon manche Kulturen vergessen worden und langsam aus unseren Köpfen verschwunden.

Reden wir mal nur davon, wie die Musik an sich klingt - da scheint die Natur ein großer Einfluss zu sein. Mit Bands wie October Falls oder Wolves In The Throne Room stellt sich die Frage - ist der neue Black Metal neuerdings grün?!
Wenn wir nur rein über den musikalischen Aspekt reden, gibt es einige Bands, die sich an der Natur orientieren. Die hat es aber schon immer gegeben. Bei uns geht es wirklich über die Musik hinaus. Es gibt riesige Unterschiede bei den Bands innerhalb des gleichen Genres, Ideologien weichen ab und einige sind weit davon entfernt, überhaupt nur ansatzweise als Black Metal betitelt zu werden. Persönlich denke ich, dass es beim Black Metal um Satan geht und auf der Basis sind die meisten "grünen" Bands wohl kein Black Metal und October Falls kann man auch schwer so bezeichnen. Aber so einfach und eindimensional ist das Thema nun auch wieder nicht.

Eure www-Präsenz ist auf nur eine Homepage reduziert und das war es dann. Aber es muss doch schon eine gewisse Absicht geben, die Band weiter voranzutreiben. Erklär uns bitte, wie weit du gehen würdest, um eure Musik den Menschen näher zu bringen (Konzert, Promotion, größere Labels, usw.)
Ich respektiere Bands, die keinen Vertrieb haben, nicht live spielen und nicht mal offizielle Releases haben, aber ich bevorzuge für October Falls doch lieber einen vernünftigen Vertrieb und gute Promotion. Ich habe keinen Grund, meine Releases auf bestimmte Personenkreise zu limitieren oder meine Ideale zu verheimlichen. Aber ich habe immer eine gewisse Distanz zwischen der Band und anderen und das wird auch so bleiben. Klar, die Jahre vergehen und einige aus dem jetzigen Line-Up sind bekannte Musiker (Drummer M. Tarvonen kennt man u.a. von Chaosbreed, Thy Serpent, Barren Earth und Moonsorrow). Trotzdem verspüre ich nicht wirklich den Drang, die Band auf einen bestimmten Bekanntheitsgrad zu hieven. Man weiß nicht, was in Zukunft passiert und ich werde die Tür mit Sicherheit nicht vor größeren Labels oder Gig-Möglichkeiten verschließen. Doch für mich erscheint das eher unwahrscheinlich und nicht notwendig.


Das Interview führte Siegfried Wehkamp (per Mail).