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Interview: SAPHENA

Mit "Das Ende einer Wahrheit" ist der deutschen Band SAPHENA ein sehr interessantes und wirklich gutes Album gelungen. Schlagzeuger Axel Kunz hat uns dazu ein paar Fragen beantwortet.

Da euch viele Leute noch gar nicht kennen, könntet ihr bitte mal grob erzählen, wer ihr seid, wo ihr herkommt, wie die Band entstanden ist und was euer Ziel mit eurer Musik ist?
Servus, wir sind Andi, Joki, Rob und Axel und kommen ursprünglich fast alle aus der Chemnitzer Gegend, wo auch immer noch der Proberaum ist. Mittlerweile wohnen wir aber in ganz Deutschland verstreut.
Wir haben alle vorher schon in anderen Bands gespielt, aber Saphena vor zehn Jahren gestartet, mit dem Ziel, von Anfang an keine Kompromisse einzugehen. Das betrifft den musikalischen Anspruch und die zwischenmenschliche Ebene. Bei beidem sind wir sehr empfindlich, was auch schon zu unseren Zielen führt. Wir haben zuerst mal großen Bock, zusammen Musik zu schreiben und im Proberaum zu schrauben. Diese einfache Motivation hält uns auch nach zehn Jahren noch zusammen. Mit unserer Musik wollen wir, so abgedroschen das klingt, Leute bewegen, überrollen oder einfach nur gut unterhalten. Sie soll das auslösen, was wir selbst von guter Musik erwarten. Das ist für jeden etwas anderes, aber wenn wir hören, dass wir es schaffen, Atmosphäre zu erzeugen, finde ich das schon nah am Ziel.

Euer neues Album "Das Ende einer Wahrheit" ist nach zehn Jahren erst das dritte Album. Das ist vergleichsweise eher wenig. Ist Saphena eher ein Hobby, dem man neben seinem "normalen" Job nachgeht, und wie kommt das?
Ganz klar: Professionelles Hobby. Wir haben alle Jobs, die uns auch ganz gut fordern. Die Band füllt dann eigentlich auch den Rest der Zeit. Mit unserer Musik ist es ja recht illusorisch, den Lebensunterhalt für vier Leute zu verdienen. Und wir wollen auch noch mehr mit unserer Zeit anstellen. Trotzdem haben wir einen professionellen Anspruch was die Platten, unser Live-Auftreten oder das gesamte Konzept angeht. Dass es erst das dritte Album ist, hat auch damit zu tun, dass wir die letzten fünf Jahre durch ein paar Tiefen gegangen sind. Umbesetzungen, Motivationstäler usw. Gerade als kleine Band ist ja nicht wirklich Druck vorhanden, eine neue Platte zu machen. Außerdem muss man ja immer den logistischen und finanziellen Aufwand stemmen. Wir haben uns auch diesmal bewusst Zeit gelassen, um ein Album zu schreiben, mit dem wir alle 100% zufrieden sind. Bisher sieht es so aus, dass es ganz gut gelungen ist. Das heißt, wir wollen mit Saphena immer so viel wie möglich erreichen, und setzen uns erstmal keine künstlichen Grenzen.

2008 und auch in diesem Jahr haben euch zwei langjährige Bandmitglieder verlassen (müssen). Gab es da irgendwann mal die Überlegung, die Band komplett aufzulösen oder stand das nie zur Debatte?
Silvia und Ralph sind ja aus unterschiedlichen Gründen gegangen und es war eher ein Prozess über längere Zeit. Die Band aufzulösen stand nie zur Diskussion. Allerdings tun wir uns schon schwer, neue Leute zu holen, weil wir ja schon festgefahrene alte Männer sind, haha.
Mit Joki konnten wir aber einen Freund der Band dazu holen und ich glaube, alle Beteiligten finden das hervorragend.

Zwei Punkte in euren Songs sind eher etwas ungewöhnlich: Die deutschen Texte und die markanten elektronischen Klänge. Ist das sowas wie euer Markenzeichen und war diese musikalische Ausrichtung von Anfang an so geplant?
Die deutschen Texte haben wir schon im zweiten Bandjahr eingeführt und sind konsequent dabei geblieben. Wir legen viel Wert auf Texte und sind mit der Muttersprache einfach sicherer und variabler. Es war keine strategische Entscheidung im Sinne etwas anderes machen zu wollen, aber wir fühlen uns damit sehr wohl. Die Sprache hat durchaus auch die Musik beeinflusst und bietet sich ja für unseren Sound auch gut an. Die elektronischen Klänge sind eigentlich erst mit dem aktuellen Album und durch Jokis Funktion als Produzent eingeflossen. Das eröffnet uns natürlich ganz neue Möglichkeiten, die wir auch live nutzen. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir das weiter ausbauen werden.

Welches sind allgemein eure musikalischen Einflüsse?
Persönlich wird von uns von elektronischen Sachen bis Black Metal eigentlich alles mögliche gehört. Über die Jahre haben sich die Vorlieben und Einflüsse der einzelnen Leute eher auseinander entwickelt. Wir schaffen es aber mit vielen Diskussionen, das wieder zusammenzuführen. Die Haupteinflüsse unserer Songschreiber sind vor allem im technischen Metal und Post Metal angesiedelt. Das reicht ungefähr von Meshuggah über Cult Of Luna, bis hin zu Bands wie Dredg und Deftones. Zur Inspiration müssen dann auch einige Filmmusikschreiber herhalten. Unser Gitarrist und Hauptideengeber Rob verfolgt da einen sehr strikten Weiterbildungsansatz, was seine Entwicklung angeht.

Welches sind die Hauptunterschiede von "Das Ende einer Wahrheit" im Vergleich zum Vorgängeralbum?
Der Ansatz war viel freier. Klar hat man nie Vorbilder und klingt total individuell … mittlerweile kriegen wir es ganz gut hin, nicht darüber nachzudenken, wie dies und jenes ankommt. Die besten Sachen sind nachts im Proberaum am Rechner entstanden und kamen uns meistens unglaublich kitschig vor. Wenn wir es am nächsten Tag immer noch gut fanden, haben wir's genommen. Das Songwriting war also auch ein anderes. Wir haben mehr am Laptop geschrieben und Andi, unser Sänger, hat diesmal auch viele Ideen geliefert.
Das Album ist unserer Meinung nach vom Songwriting her viel ausgereifter. Außerdem haben wir beim Gesangsstil einiges geändert, mehr mit Harmonien gearbeitet und auch sonst viel mehr am Detail gefeilt. Wir konnten diesmal erstmalig entspannt mit einem Produzenten arbeiten und so das Beste herausholen, auch weil wir uns nicht an teure Studios gebunden haben. Außerdem haben wir auch mit dem Sound diesmal das erreicht, was wir wollten. Alles in allem reflektiert das Album also viel besser das, was wir wollen und können, als das vorherige.

Gibt es auf "Das Ende der Wahrheit" sowas wie ein Konzept oder einen "roten Faden"? Oder wovon handeln speziell die Texte?
Die Suche nach einem Titel hat uns eigentlich dazu gebracht. Dieser sagt einiges über den roten Faden. Es geht um Fragen stellen, Selbstreflektion und darum, dass wir nicht (mehr) bereit sind, sogenannte feste Wahrheitsgebäude zu akzeptieren. Sehr viel mehr wollen wir nicht über die Texte sagen, das kann sich ja jeder selbst erschließen. Generell versuchen wir, Saphena insgesamt in einem Konzept passieren zu lassen. Musik, Design und Inhalte müssen sich so gut wie möglich ergänzen und jeder von uns muss sich komplett damit identifizieren können. Das ist der rote Faden.

Wie geht es mit euch zukünftig weiter? Kann man vielleicht noch mit einer etwas ausgedehnteren Tour rechnen?
Mit dem Album arbeiten wir erstmalig mit einer etwas breiter angelegten Promotion. Unser Label Whirlwind Records hängt sich da gut rein. Wir sind selber positiv von dem Album überrascht und wollen das natürlich auch dementsprechend auf die Bühne bringen. Also arbeiten wir gerade hart daran, dem Album live Taten folgen zu lassen. Danach fangen wir dann sicher auch schon an, ans nächste Album zu denken, um nicht wieder fünf Jahre vergehen zu lassen.


Das Interview führte Marco Zimmer (per Mail).