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Interview: WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER

Ob man nun Margarine oder Butter auf seinem Brot bervorzugt, ist Geschmackssache - genau wie die Musik, die WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER machen. Einst als Spaß-Duo angefangen, ist man mittlerweile zu einem ernsthaften Quintett und einer richtigen Band gewachsen.
Ich traf mich mit den fünf Jungs backstage im Osnabrücker Bastard Club, um diversen Fragen auf den Grund zu gehen und um ausführlich über das neue Album zu sprechen.

Im Nachhinein erwies es sich als reichlich komplizierte Herausforderung, aus einem 6-Personen-Smalltalk etwas Lesbares zu machen, wobei sich Gitarrist Marcel "Marci" Neumann (Foto, 2. von links) aber glücklicherweise als Hauptredner herausstellte.

Da euch viele Leute noch gar nicht kennen, könntet ihr euch zu Beginn mal eben kurz vorstellen, wer ihr seid, wo ihr herkommt, was ihr macht?
Also wir sind We Butter The Bread With Butter, wir kommen aus dem Spreewald, jetzt auch aus Berlin und wir machen Metal, richtig bösen Metal!

Wie hat das damals alles genau angefangen?
Also Tobi und ich haben uns eigentlich erst ziemlich spät kennengelernt. Wir waren in Sachen Musik anfangs unterschiedlich unterwegs. Ich hab angefangen mit Schlager, hab dann halt bei Roland Kaiser gespielt und bei Martin Kesici, und Tobi hat in anderen Metalcore-Bands Gitarre gespielt und gesungen und irgendwann haben wir uns dann halt kennengelernt, weil Tobi mit seiner Band bei uns aufnehmen wollte. Und da ich immer schon mal härtere Musik machen wollte, bin ich halt da in die Metalcore-Band mit eingestiegen, wir haben dann irgendwie alles zu zweit gemacht, also ich hab mich mit dem Songwriting beschäftigt, Tobi hat halt die Vocals eingesungen, hat auch diese ganzen Grafiken gemacht und so ging das halt dann irgendwie immer weiter.

Wir würdet ihr selber eure Musik beschreiben?
Hot Deathpop! Also sowohl lustig, als auch hart.

Gibt's da musikalische Einflüsse?
Malodorous! Kennst Du die?
Nein, nie gehört.
(Anmerkung: Nachforschungen haben ergeben, dass Malodorous eine Grindcore-Band aus den USA ist.)
Naja, die einzigen Fans sind auch wir Fünf! Haha!
Und was hört ihr privat für Musik?
Eigentlich alles. Pop, Jazz, Klassik, Electro, Filmmusik.

War das damals zu Beginn alles eher ein reines Spaßprojekt, oder in wie weit steckten da auch schon ernsthafte Absichten dahinter?
Also am Anfang war das wirklich so, wir haben gerade frei, was machen wir jetzt? Spielen wir mit Lego oder machen wir Musik? Es war überhaupt nichts geplant, oder irgendwie etwas Durchdachtes, und wir hatten anfangs auch nicht vor, eine CD bei einem Label herauszubringen oder mal live zu spielen, zumal wir ja eben auch nur zu Zweit waren. Aber mittlerweile ist das eben das schönste Hobby der Welt geworden. Man steckt da halt alles rein, seine gesamte Freizeit und so.

Ihr singt ausschliesslich deutsch. Stand englisch nie zur Debatte?
Wir können überhaupt nicht gut englisch! Wir waren letztens in Belgien. Da mussten wir während der Show ja auch englisch reden und das war dann ungefähr so: "Hello people, nice that you are here", "we have a great evening", "our last song is called blablabla", "thank you". Haha!
Also deutsch ist halt die Sprache, die wir am besten können und da können wir uns halt eben am besten mit ausdrücken, aber wir haben nun auch eh nie so eine wirkliche Message.

Gibt es einen irgendeinen Unterschied zwischen euch und anderen Bands, die musikalisch etwas Ähnliches machen?
Ja! Einen ganz grossen, wo ich auch immer ganz viel Wert drauf lege, obwohl ich ja sonst eigentlich auf gar nichts wert lege … okay, ausser auf Zähne putzen. Haha!
Wir benutzen den Electro dazu, dass die Musik einfach nur interessanter und schöner wird. Es gibt ja viele Bands, die jetzt auch mit Metal und Electro ankommen und das ist dann meistens so stressig, weil die immer probieren, so schnell wie möglich, so viele Effekte wie möglich aufeinander zu packen und noch ganz viele andere verrückte Sachen und im Endeffekt nervt und stresst das nur. Bei uns ist das eben so, dass die Songs durch den Electro nur unterstützt werden und dass das hinterher eben etwas Schönes wird und nicht nervt.

Studiert ihr eigentlich immer noch oder was macht ihr sonst so?
Also ich studiere noch, Tobi ist bereits fertig und die anderen drei machen gerade ihr Abi.

Wie sieht der typische Fan von euch aus, was für jemand ist das?
Da gibt's zwei spezielle Typen, die sind voll cool, die waren irgendwie schon auf 12 Konzerten von uns, und der eine hat immer so eine Mütze mit einem Propeller drauf und irgendwie sind die total irre, denn die fahren manchmal weiter, als wir.
Aber mal ganz allgemein, es gibt natürlich auch Leute, die nur so konventionelle Musik hören und bei unseren Auftritten mit verschränkten Armen irgendwo beim Techniker herumstehen und sich dann fragen, "was ist denn das für eine Scheisse?", aber ansonsten ist das total geil, wie breit gefächert das ist. Manchmal sieht man vorne echt so richtig geile Metaller mit AC/DC-Shirts, die am headbangen sind. Daneben stehen dann coole Kids mit bunten Shirts und das Geile ist eben, dass die dann alle zusammen Party machen.
Insgesamt kommt die Musik aber wohl vor allem bei den etwas Jüngeren an und findet dort großen Anklang. Und mit dem neuen Album hoffen wir natürlich, dass wir da auch vermehrt die etwas Älteren ansprechen können, weil das bei uns mittlerweile doch anspruchsvolle Musik geworden ist. Man muss aber auf jeden Fall neutral und ohne irgendwelche Vorurteile an unsere Musik herangehen und nicht gleich schon bei unserem Bandnamen abwinken.

Welches waren die Hauptunterschiede zwischen den Vorbereitungen und Aufnahmen beim neuen Album im Vergleich zum ersten?
Das war ein riesiger Unterschied. Das erste Album haben wir irgendwie in zwei Wochen geschrieben, aufgenommen und zum Pressen geschickt. Und das neue Album hat jetzt fast ein dreiviertel Jahr gedauert. Das war auch eigentlich schon im Herbst fertig, aber ich bin halt, was das angeht, so eine richtige Nervensäge und ich hab dann echt angefangen zu sagen, dass das grottenschlecht ist, das will ich so nicht, weil das einfach nicht gut genug ist. Also dann nochmal wieder alles von vorne und nochmal und im Endeffekt hab ich die letzten drei Monate 24 Stunden am Tag nur gemixt. Es ist diesmal alles viel durchdachter und es sind auch richtige Songs mit Songstrukturen und nicht nur, was fällt uns gerade mal so ein. Diesmal konnten wir aus rund 80 Titeln auswählen.

Diesmal habt ihr auch nichts gecovert, oder?
Nein, das sind diesmal alles eigene Sachen.

Kommen wir mal zum neuen Album. "Der Tag an dem die Welt unterging" erscheint in knapp fünf Wochen. Erzählt mir doch mal bitte kurz zu jedem einzelnen Titel, ob es da irgendeine Story zu gibt, worum es geht, oder was euch da sonst spontan zu einfällt.
Ah, das ist cool!

"Der Anfang vom Ende" - das ist vermutlich nur ein Intro?
Genau, das ist nur ein Intro. Da das Album ein Konzeptalbum ist, fängt es so an, wie es aufhört. Textlich fängt das so an: "Genieß den Tag, kauf Dir ein Schwein, denn es wird der letzte sein. Dein Schwein klatscht in die Hände, das es ist der Anfang vom Ende."

"Der Tag an dem die Welt unterging"
Da geht's halt um Weltuntergang. Fertig.

"Oh Mama mach Kartoffelsalat"
Ich glaube, das ist der allererste Indie-Metal-Song! Der hat so'n typischen Independent Beat und dann ist da auch noch ein bisschen Swing mit drin. Wir hatten da gerade Wii gespielt und dabei dachte ich, "hey, der Sound ist cool!", und dann hab ich daraufhin den Song geschrieben und das ging dann fast wie von alleine.

"Alptraumsong"
Als der Song vom Instrumentalen her fertig war, da klang der irgendwie schon so typisch nach Alptraum, also düster, böse, atmosphärisch, wie ein Raum mit Nebel und dann haben wir eben einen Text dazu geschrieben, der zur Thematik Alptraum passt.

Da möchte ich auch kurz nochmal eben etwas Allgemeines einwerfen: Wir singen zwar "Der Tag an dem die Welt unterging", aber eben auf eine ganz andere Art und Weise. Bei vielen Metalalben geht es immer um Mord, Vergewaltigung, Leichen - das wird dann irgendwie gefeiert und alle Fans schreien dann immer was von töten und so. Ich finde, das ist eine voll schlimme Sache. Sowas darf man doch nicht feiern!? Bei uns ist das alles eher ironisch gemeint. Und wir sagen zwar jetzt auch nicht, "hey, wir sind gar nicht true, wir singen nicht über töten und sterben", sondern das ist halt einfach keine schöne Sache, wenn jemand ermordet wird, und deswegen singen wir da auch nicht drüber.

"Superföhn Bananendate"
Der Song war schon zu Zeiten des ersten Albums fertig, aber der hatte es dann damals nicht mehr aufs Album geschafft. Ich hab den Song dann wiedergefunden und fand die Melodie einfach cool. Dann haben wir den Song ausgearbeitet und jetzt klingt der irgendwie völlig anders. Das ist mehr so der Partysong, also das komplette Gegenteil zum "Alptraumsong".

"3008"
Da geht's wieder mal um den Weltuntergang, haha! Die Maschinen reißen im Jahre 3008 die Macht an sich. Wir haben halt was gesucht, was sich reimt, also "die Maschinen ergreifen die Macht, in eintausend Jahren, naja nicht ganz, so 3008."
Und der Anfang vom Song ist der Text von einer Steuererklärung, haha! Die lag da halt so herum und da haben wir einfach nur abgelesen: "Wichtiger Hinweis: Das Erinnerungsverfahren wird maschinell abgewickelt." und das haben wir dann halt so weitergesponnen, dass die Maschinen die Macht ergreifen und keiner kann mehr selber denken usw.

"Glühwürmchen"
Das ist der musikalischste Song. Im Text geht es darum, dass die Glühwürmchen ihr Leuchten verloren haben und auf die Reise gehen, um ihr Licht wiederzufinden. Aber sie finden es nicht, weil sie dann irgendwann feststellen, dass sie eigentlich gar nicht leuchten können. Ja, das ist halt so die Message dahinter, haha!

"Sabine die Zeitmaschine"
Da geht's halt nur um eine Zeitmaschine, die Sabine heißt. Und die Person, die das singt, hat sich in die Zeitmaschine verliebt.

"Der kleine Vampir"
Der Song ist cool. Das ist ein reiner Electro-Song, da gibt's keinen Metal und auch keine Gitarren, aber das ist eben auch kein Techno oder übelst Party-Tralala, sondern einfach nur ein richtig schöner Electro-Song.

"Schiff ahoi" und "Wir gehen an Land" gehören vermutlich zusammen?
Ja genau, "Schiff ahoi" ist das Intro, und "Wir gehen an Land" ist ein Piratensong. Da geht's um saufende und rockende Piraten. Das ist der brutalste Song vom Album.

"Mein Baumhaus"
Schöner Dreiviertel-Takt und der Song ist auch schon ziemlich lange fertig. Aber den haben wir auch nochmal aufgefrischt, und ein paar Sachen neu gemacht, und dann war der auf einmal richtig cool.

"Feueralarm"
Oh, der ist heftig. Der prügelt von vorne bis hinten durch. Den kann man gar nicht anders beschreiben, als einfach nur heftig. Das ist ein cooles Metal-Lied.

"Das Ende"
Das ist eben sozusagen die Auflösung und das Ende der Welt.

Wie sehen bei euch die nächsten Monate aus, was ist geplant?
Wir haben echt das Glück, dass wir dieses Jahr die geilsten Festivals spielen können, also Rock am Ring, Summerbreeze, With Full Force, Vainstream. Dann steht ja in Kürze die Veröffentlichung des Albums an, dazu gibt's dann auch wieder neu entworfenes Merch und ansonsten halt Shows, Shows, Shows - wir sind immer ganz viel unterwegs.

Und wie sieht's langfristig in den nächsten Jahren aus? Wünsche, Träume?
Wir wollen auf jeden Fall auch noch in 50 Jahren auf der Bühne stehen, alle ganz dick und mit Bärten, haha!
Nee, aber das ist schwer, weil ich persönlich kann z.B. nie weiter als fünf Minuten denken. Wir sind ja damals ohne Erwartungen an das erste Album herangegangen und was danach alles passiert ist, damit hätten wir nie gerechnet und es ist letztendlich etwas ganz Anderes herausgekommen, als wir das vorher dachten. Und das wird diesmal wohl auch wieder so ein. Wir lassen uns immer einfach überraschen. Da haben wir keinen Plan, und auch noch nie gehabt.

Habt ihr abschliessend noch irgendetwas, was ihr gerne loswerden möchte, was ihr noch nie gefragt wurdet, und worüber ihr gerne mal reden wollt?
Mein Hund ist gestorben … das sollte man mal erwähnen.
(Schweigeminute)
Das ist aber echt schon krass, was wir für eine Unterstützung von den Fans bekommen. Weißt Du, da fährt man für ein Konzert in irgendeinen Ort und dann kommen da Leute, die das wirklich hören wollen und das ist so eine riesige Ehre für uns. Da kommt man dann auf die Bühne und denkt "danke, dass ihr hier seid", wobei gerade das natürlich auch ein Satz ist, den sowieso jeder bringt. Und egal, was man für Musik macht, ob man nun Quatsch-Musik macht, und über "Alle meine Entchen" singt, man drückt ja trotzdem immer auch irgendetwas von sich aus und wenn das dann Anklang findet und genau deswegen dann Leute zu einem Konzert kommt, ist das echt Wahnsinn! Z.B. gestern in Leer, da ist extra jemand aus Würzburg angereist (knapp 600 km), der ein großer Fan von uns ist und noch dazu im Rollstuhl sitzt … sowas ist halt die größte Ehre. Und wenn die Leute dann immer so viel Spaß haben, das ist wirklich faszinierend und macht das Leben gleich viel schöner.


Das Interview führte Marco Zimmer.
Osnabrück, 10. April 2010