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Interview: KORZUS

Im Rahmen der "Road To Redemption"-Tour mit Ektomorf, waren die brasilianischen Thrasher von KORZUS ein Garant für heiße Action drinnen bei kalten Temperaturen draußen. Beim Zwischenstopp im Leeraner Zollhaus gab es einen unterhaltsamen Plausch mit Gitarrist Antonio Araújo (Foto, 2. von rechts) und Bassist Dick Siebert (Foto, 2. von links), der zu Anfang gleich zu unterhalten weiß.

Sorry, but my English sucks. Aber Antonio wird ein paar Sachen übersetzen, wenn ich nicht ganz mitkomme.
Sympathisch von Anfang an. Dann starten wir mal gleich ganz simpel. Ungarn, Brasilien, Kroatien - wenn das mal nicht eine exotische Tour ist. Wie kommt ihr alle miteinander zurecht?
Dick: Es ist eine wundervolle Zeit. Es ist wie eine große Familie. Das sind echt unsere Freunde!
Kanntet ihre euch bereits vorher bzw. habt ihr euch schon mal vorher getroffen?
Antonio: Wir haben Zoltan schon vor längerer Zeit getroffen, da er schon ein paar Mal in Brasilien war. Und beim letzten Mal haben wir ihn nach Sao Paolo eingeladen. Daraus wurde dann auch sein Part zu unserer CD "Discipline Of Hate" - er hat einen Gesangspart auf dem europäischen Bonustrack. Durch diese Zusammenarbeit kam dann auch seine Einladung für diese Tour.

Versteht mich bitte nicht falsch, wenn ich frage, wie es sich anfühlt, "die alten Herren" auf dieser Tour zu sein. Ich schaue dabei natürlich in deine Richtung, Dick und auch zu eurem Sänger Marcello.
Dick: Verdammt gut. Ich fühle mich im Moment wie 20!
Antonio: Wenn man Thrash Metal spielt, wird man nicht alt.

Das passt. Manche sagen, Thrash Metal wäre die ehrlichste Musik?!
Dick: Ich denke, Thrash Metal kommt wirklich aus dem Herzen. Du kannst diese Musik nicht spielen, wenn du nicht daran glaubst und nicht dieses Gefühl von Zorn verinnerlichst, welches durch die Musik transportiert wird.

Zur Geschichte - Korzus existiert nun seit 1983! Ich meine, das ist das Geburtsjahr von "Kill 'Em All". Klar der Deal mit AFM Records verschafft euch jetzt weltweit Gehör, aber ihr habt ja bereits unzählige CDs raus, DVDs sogar und ward vorher nie außerhalb Brasiliens tätig?
Dick: Nicht ganz. Wir waren 1992 zum ersten Mal hier und haben eine richtige Underground-Tour gespielt. Nur wir allein! Wir haben einen Gig mit Agnostic Front in Berlin im SO36 gespielt. Wir wurden damals von ihnen eingeladen. Das war ein richtig cooler Auftritt. Da waren ja nur Hardcore-Fans und Skinheads (was er natürlich anders meint, als üblicherweise angenommen) und dann waren eben wir da, wir langhaarigen Headbanger, haha!

Ein skurriles Bild. Nochmal zurück zum Anfang - 1983!
Dick: Yeah! Das waren ja noch die Anfangszeiten des Thrash. Wir hatten ja keine Möglichkeiten zu vergleichen, keine Referenzen, keine Videos.
Antonio: Und allein die Möglichkeiten, den Sound so hinzubekommen. Zu der Zeit einen Marshall-Verstärker zu kaufen, bedeutete ein Vermögen. Das war unmöglich. Wenn also jemand eine Slayer-CD mitbrachte, war erst mal die Frage: "Wie schaffe ich es, dass das bei mir auch so klingt?" Da wurde wahnsinnig viel herumexperimentiert. Mit allen möglichen Verzerrern oder eine Ecke aus dem Verstärker rausschneiden, damit das Ding mehr rasselte, oder einfach Plektren aus Metall nehmen.
Diese Band sind echte Krieger des Metal in Brasilien. Du musst wissen, ich bin ja nicht seit Beginn der Band dabei, sondern erst seit drei Jahren. Tatsächlich bin ich sogar ein Jahr jünger als die Band selbst!

Dann darf ich wohl sagen, dass du quasi mit deinen Helden auf der Bühne stehst!
Antonio: Na sicher! In Brasilien waren sie immer Helden. Für mich ist es eine Ehre!

Wenn wir über Thrash Metal in Brasilien sprechen kommen wir natürlich unweigerlich bei Sepultura an. Wer ist denn nun älter?
Dick: Wir haben ein Jahr früher angefangen.
Antonio: Und es gibt noch viel ältere Bands. Die ersten Bands gehen meines Wissens bis 1979 zurück.

Wir wollen es mit dem Thema Sepultura nicht übertreiben, aber sie waren ja offensichtlich zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Welche Rolle spielte denn der Erfolg von Sepultura in der Geschichte von Korzus? Haben sie die Türen geöffnet oder vielleicht sogar Wege damit blockiert?
Antonio: Sie haben die Türen für den brasilianischen Metal im allgemeinen geöffnet. Sie haben das Land sozusagen zum Existieren gebracht.
Dick: Die Jungs sind unsere Freunde. Aber sie sind ja nach Amerika gegangen und haben sich am richtigen Ort aufgehalten. Während wir in der Heimat geblieben sind, wo ja nichts passiert ist. Ich denke, für brasilianische Bands ist es prinzipiell fünf Mal schwerer etwas zu erreichen. Alles was wir tun müssen, um nach Europa zu kommen, kostet eben eine Menge Geld. Vielleicht macht uns das aber auch gerade deswegen noch mehr stolz.

Wie kam denn der Deal mit AFM Records zustande?
Antonio: Wir haben sie kontaktiert durch unser Management. Es gab einfach diesen Moment, wo wir merkten, dass Korzus jetzt etwas auf weltweiter Ebene tun muss. Wir haben dann Leute des Labels zu einen unserer Auftritte nach Brasilien eingeladen und der Rest ist ja schon Geschichte.

Ein gutes Stichwort. Lasst uns zum Abschluss noch ein wenig in der Metal-Geschichte wühlen.
Hand aufs Herz - bestes Thrash Metal Album: "Reign In Blood" (Slayer) oder "Bonded By Blood" (Exodus)?
Dick: Die sind beide die Besten. Das sind meine ersten Alben! Das ist meine Schulzeit. Aber ich sage "Bonded By Blood".
Antonio: Ich stehe zu "Reign In Blood". Ich bin einfach ein riesiger Slayer-Fan!

Etwas weiter zurück - wer war der größere Einfluss auf den Metal, so wie wir ihn heute kennen: Judas Priest oder Iron Maiden?
Dick: Priest!
Antonio: Dann bleibe ich eben bei Maiden. (schallendes Gelächter) Im Ernst, ich bin ein Maiden-Fanatiker.
Dick: Und ich ein Priest-Fanatiker!

Dick, dann hättest du bei der ersten Frage aber eigentlich "Reign In Blood" nennen müssen, weil die sich ja eindeutig auf Judas Priest berufen, oder?
Dick: Eigentlich ja.
Antinio: So etwas muss man nicht verstehen. Hier geht es nur um Leidenschaft!

Yeah! Passend dazu die Kirsche auf den Kuchen. Der Beginn des Metal - Deep Purple oder Black Sabbath?
(dieses Mal beide) Sabbath!
Warum? (was eigentlich eine rhetorische Frage ist …)
Antonio: Weil sie einfach Sabbath sind. Toni Iommi hat das Riff und das Böse im Riff erfunden.


Das Interview führte Siegfried Wehkamp.
Leer, 11. Februar 2011