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Interview: LEPROUS

Die noch junge Band LEPROUS sorgt mit ihrem dritten Album "Bilateral" für ordentlich frischen Wind in der Progressive Metal Szene, lässt sich ihre Musik doch schwer mit normalem Schubladendenken beschreiben. Der Erfolg beschert ihnen aber zumindest einen Support-Slot für die Deutschland-Dates mit den finnischen Düsterheimern Amorphis im Dezember. Gitarrist Øystein Landsverk gibt einen kurzen Einblick in das Leprous-Universum.

Es scheint unglaublich - so jung, doch schon so talentiert und mit dem dritten Album nun ein Deal beim angesehenen Progressiv Label Inside Out.
Habt ihr in Norwegen nichts Besseres zu tun, als euch den Allerwertesten abzuproben und solch wundervolle und zeitlose Musik zu erschaffen?
Vielen, vielen Dank!

In euren eigenen Worten: Was ist die musikalische Botschaft von Leprous?
Wenn es Botschaft gibt, dann wohl die, sich nicht limitieren zu wollen oder "nein" zu sagen. Einige der besten Ideen kommen hervor, wenn man nicht darüber nachdenkt. Genauso, wie man nicht darüber nachdenken sollte, in welchen Grenzen man steckt oder was von einem erwartet wird. Das ist sozusagen unsere Grundidee. Es ist weitaus schlimmer, etwas nicht auszuprobieren und dadurch etwas richtig Gutes zu verpassen. Wir schreiben weitaus mehr, als wir dann auch tatsächlich verwenden. Aber ich schätze, das ist normal.

Nur musikalisch gesprochen - ist im Leprous-Universum alles möglich? Oder gibt es vielleicht manchmal Momente im Proberaum, wo eine Idee vielleicht doch zu verrückt oder zu banal erscheint?
Nun, bis zu einem gewissen Grad, ja. Wir probieren alles, aber wir "erlauben" nicht alles. Es gibt definitiv Momente, wo wir nur rumjammen und experimentieren, was wir mit einer neuen Idee anfangen und am Schluss funktioniert es trotzdem nicht. Wir können nicht aus jedem Schnipsel irgendwas machen. Aber der Versuch hilft beim kreativen Prozess. Ich schätze, wir wurden auch besser bei der Einschätzung, was passt und was nicht. Dadurch wurde unsere Verrücktheit seit "Aeolia" etwas heruntergekühlt. Wir haben einfach Spaß dabei und können so unsere Musik unter die Leute bringen.

Wie kam die Arbeit mit Ihsahn zustande? Der Mann ist ja fast schon eine lebende Legende!?
Erst mal wohnen wir alle in der gleichen Stadt - Notodden. Wir kennen ihn schon eine ganze Zeit lang. Und ich schätze, wir waren die ernsthafteste Band in der Gegend, die am dichtesten an seinem Stil dran war. Da wir ja bereits eine eingespielte Band waren, machte das den Annäherungsprozess für ihn und uns natürlich weitaus angenehmer. Tor Oddmund und ich hatten vor Jahren bereits Gitarrenunterricht gehabt und Einar ist sein Schwager. Als er uns fragte, seine Backing Band zu sein, waren wir natürlich total happy und wir sind es immer noch. Er ist ein ungemein kreativer Songwriter und wir dürfen uns und seine Musik auf einigen der größten Metal-Bühnen der Welt präsentieren.

Was kann eine junge Band von einem Mann wie ihm noch lernen? Und war es quasi offensichtlich, dass er auf "Bilateral" in Erscheinung treten würde?
Wie bereits erwähnt, er ist wahnsinnig kreativ und das inspiriert natürlich. Er hat seine Arbeit sehr gut im Griff und die Erfahrung von ihm und seiner Frau mit dem ganzen Business-Kram kommt uns auch sehr zu Gute. Die beiden unterstützen uns wirklich sehr gut und sind immer da, wenn wir Hilfe brauchen.
Bezogen auf seinen Part auf "Bilateral" … das war nicht geplant. Nach der Aufnahme aller Instrumente hörten wir uns "Thorn" nochmal an und einigen Parts waren einfach nicht zufriedenstellend. Irgendetwas fehlte. Wir wussten, dass es zu spät war, den Song zu ändern, also mussten wir ihn etwas aufmotzen. Teil dieses Prozesses war die Hinzunahme der Trompete und ein paar Vocal-Parts "neu" zu gestalten. Ihsahn's Name fiel und er sagte ganz einfach zu.

Lass uns am Ende ein wenig rumspinnen: Wenn Protest The Hero wie Symphony X sind, sind Leprous dann wie Rush?!
Ich bin mir zwar nicht sicher, was du damit genau meinst, aber sind wir dann Rush auf Steroiden?

Eine kurze Frage bitte an Sänger Einar Solberg: Hat dir eigentlich schon mal jemand gesagt, dass deine Stimme eine leichte Ähnlichkeit mit André Carswell von Anyone's Daughter hat?!
Nein, noch nicht. Um ehrlich zu sein, ich kenne weder die Band noch den Sänger. Aber ich werde das gleich mal auf etwaige Ähnlichkeiten prüfe, hehe!


Das Interview führte Siegfried Wehkamp (per Mail).