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Interview: NEVERMORE

Instrumentalisten lieben ihre Arbeitsgeräte und Sänger sind Selbstdarsteller. Nicht ganz unwahre Klischees. Ist NEVERMORE's Warrel Dane eine Diva? Na, vielleicht ein klitzekleines bisschen. Er könnte aber auch anfänglich etwas schwer zu packen gewesen sein, weil eigentlich Gitarrist Jeff Loomis angekündigt war und das 15 Minuten vor dem Termin gekippt wurde. Da bleibt dem Interviewer nicht viel Zeit, um sich neu zu ordnen und ein erfahrener Warrel Dane merkt so etwas wohl auch. Fazit: Während Thaurorod den Opener der "Power Of Metal"-Tour geben, kam trotzdem irgendwie ein cooles Gespräch zustande.

Warrel, die erste Frage dürfte im Moment wohl die Wichtigste sein - wie geht es Jim (Sheppard - Nevermore-Bassist)?
Ihm geht es sehr gut.

Aber er ist doch nicht jetzt mit auf Tour. Man konnte kaum Infos finden, wer derzeit seinen Platz am Bass einnimmt.
Ihr Name ist Dagna. Sie ist ein wunderschönes, polnisches Mädchen. Also in Polen geboren, in Schweden aufgewachsen und lebt nun in Seattle. Jim selbst hat sie gefragt.

Und ihm geht es wieder richtig gut.
Ja. Er hatte sich ja einen Hirntumor entfernen lassen. Der war zwar gutartig - kein Krebs - ist aber schnell gewachsen. Daher mussten die Ärzte schnell handeln. Jetzt haben sie alles entfernt und er ist wieder auf dem Weg der Besserung.

Euer aktuelles Album "The Obsidian Conspiracy" ist jetzt fast schon ein Jahr alt. Was kannst du über Eindruck sagen, den es hinterlassen hat?
Es ist so gut geworden, wie alle es erwartet haben. Natürlich gibt es Menschen, die es nicht mögen, weil es ein wenig zu straight ist.

Und manche mögen eben genau diese Tatsache. Ist es am Ende einfach ein typischen Nevermore-Album?
Ich schätze ja. Ich meine, wenn wir "This Godless Rndeavor - Part 2" eingespielt hätten, hätten sich die Leute auch beschwert. Aber wir haben nie ein Album gemacht, welches genau wie sein Vorgänger klang.

Ist Attila Vörös immer noch bei euch?
Ja, ist er.

Wird diese Zusammenarbeit dieses Mal von längerer Dauer sein?
Hoffentlich! Wir hoffen wirklich, dass er unser Fluch-Brecher wird. Die Leute machen schon reihenweise Witze über uns und den Posten des zweiten Gitarristen (von denen Attila aktuell der Sechste ist).

Wie schaffst du es, Deine Stimme über all die Jahre so gut auf Kurs zu halten. Du hast ja für die Sanctuary-Reunion sogar wieder Gesangsstunden genommen, worüber sich einige Fans lustig machen, dass du so etwas nötig hast, um die alten Sachen wieder zu singen. Da ist doch nichts Schlimmes dabei.
Ist es auch nicht. Man ist doch nie zu alt, um noch mal was Neues dazu zu lernen. Das Ding ist, dass die Art zu singen bei Sanctuary ganz anders ist, als bei Nevermore. Und um das zu tun, muss man die ganze Zeit bei der Stange bleiben. Und ich habe in meinen hohen Tonlagen ja schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesungen - zumindest nicht dauerhaft. Und zur Sicherheit habe ich mich einfach zu diesen Stunden entschieden, weil man ja auch Sachen vergisst. Und es hat ja auch funktioniert.

Jeff (Loomis - Nevermore-Gitarrist seit Beginn der Band) war ja seinerzeit auch Teil des letzten Sanctuary- Line Up, aber nie auf einer CD zu hören.
In den letzten beiden Jahren.

Wie fühlt sich denn auf der Bühne an, wenn da eigentlich drei Fünftel Nevermore stehen, es aber trotzdem eine Sanctuary-Show ist?
Es fühlt sich schon echt komisch an, aber es sind Sanctuary. Allein durch die Songs. Und wir schreiben ja derzeit an einem neuen Sanctuary-Album, wo Jeff nicht im Songwriting involviert ist. Es kommt alles von Lenny Rutledge und klingt definitiv nach Sanctuary.

Wir sind aber jetzt hier mit Nevermore. Eine Tour mit fünf Bands und nur einer Stunde Spielzeit für euch. Ist denn für die nahe Zukunft nochmal eine separate Tour geplant, in der die Fans dann eine vollwertige Headliner-Show von euch zu sehen bekommen?
Darüber denken wir derzeit nach und hoffentlich klappt das auch. Uns stehen im Moment sehr viele Touren ins Haus. Wir werden 2011 ziemlich viel zu tun haben.

Ich möchte noch einmal auf deine Stimme zurückkommen. Es fällt auf, dass deine Sprech-Stimme weitaus tiefer ist als deine Gesangsstimme.
Ich bin von Haus aus ein Bariton. Und meine natürliche Gesangstimme ist das auch. Mein Vater war sogar ein Bass. Der sprach noch viel tiefer, so wie Peter Steele.

Hat er auch beruflich gesungen?
Nein. Er hat in einem Kirchenchor gesungen. Damit bin ich aufgewachsen, mit ihm zu den Chorproben zu gehen. Obwohl ich mich für Kirche nicht die Bohne interessiert habe, fand ich es immer toll, meinem Vater beim Singen zuzuschauen.

Fällt dir zum Schluss noch ein Thema ein, zu dem du noch nie gefragt wurdest, du aber gerne drüber gesprochen hättest?
Eigentlich nicht. Ich glaube, man hat mich schon so ziemlich alles gefragt.

In einem Interview für sechs Jahren sprach Jim Sheppard übers Kochen.
Kochen?! Oh, du kannst mich auch übers Kochen ausquetschen.

Im Ernst? Du gibst auch einen guten Koch ab?
Ja, Jim und ich hatten zusammen ein italienisches Restaurant in Seattle.

Und ihr beide habt die ganze Zeit hinter dem Herd gestanden.
Ja. Wir haben alle Rezepte gemacht, haben den anderen beigebracht, wie man was kocht. Wir haben 15 Jahre lang mit einem Italiener zusammengearbeitet, von dem wir selbst alles gelernt haben. Aber an einem gewissen Punkt mussten wir uns zwischen dem Restaurant und der Musik entscheiden. Ein Restaurant ist ja schließlich ein 24/7-Job. Während wir das Restaurant hatten, waren wir einmal auf Tour und haben den Leuten vertraut, die für uns arbeiteten. Aber das war ein verdammter Fehler! Wir kamen zurück und es fehlten sieben Fässer Bier, 22 Flaschen Hochprozentiges, die Rechnung für das Essen war irre hoch. Die haben wohl gedacht, wir sind eh nur von einer Metal-Band, wir feiern eh nur rum und merken das gar nicht, dass was fehlt. Da sind wir eben reihum gegangen, haben alle gefeuert und die haben blöd aus der Wäsche geschaut. Nun ja, die haben uns bestohlen - das ist dann das Ergebnis. An dem Punkt mussten wir das Restaurant einfach aufgeben.

Wenn ihr beide so gute Köche seid, wie kommt ihr denn mit dem Catering auf Tour klar?
(so wie er das Gesicht verzieht, wäre es der Brüller in einer Sitcom gewesen)
Jim kocht jetzt nicht so gerne, aber ich koche wirklich gerne.

Aber auf Tour kocht ihr selbst nicht?
Wenn wir mal eine Küche hätten. Ich würde gerne kochen, denn meistens ist das Essen wirklich übel. Ich bin da aber auch sehr penibel. Speziell wenn wir in Italien sind. Das Catering da … "Oh man, soll das ein Witz sein? Wir sind hier in Italien. Das Essen sollte hier gut sein. Was soll das denn bitte sein? Das Ding hier, was ihr hier vorsetzt, könnte ich im Schlaf besser machen! Und ihr nennt das auch noch Pasta?!"


Das Interview führte Siegfried Wehkamp.
Hamburg, 17. März 2011