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Interview: SCHEEPERS

Ralf Scheepers gehört zweifelsfrei mit zu den größten und bedeutendsten Sängern, die der deutsche Metal zu bieten hat. Seine Stimme veredelte u.a. die ersten drei Alben von Gamma Ray (1989-1993). Seit 1997 ist er Sänger bei Primal Fear und nun erscheint sein erstes Solo-Album.

Ralf, seit Deinem Debüt als Sänger (Tyran Pace, "Eye To Eye") sind mittlerweile stattliche 28 Jahre vergangen und mit Primal Fear wirst Du vermutlich ausgelastet genug sein. Wo nimmt man da noch die Motivation und Zeit her, ein solches Album aufzunehmen und zu veröffentlichen?
Die Motivation muss man sich gar nicht aufzwingen, die ist immer vorhanden. Mit der Zeit sieht es da etwas anders aus, deswegen hat es ja auch etwas länger gedauert bis alles im Kasten war. Ich hab schon vor ca. acht Jahren mal daran gedacht, die Songs, die es nicht auf eine Primal Fear-CD geschafft haben, meiner Meinung nach aber gutes Potential hatten, richtig aufzunehmen und zu veröffentlichen. Letztendlich haben wir (Mat, Magnus, Sander, Alex und ich) verstärkt in den letzten zwei Jahren an weiteren Songideen gearbeitet, so dass man sagen kann, dass 80% der Scheibe in den letzten zwei Jahren entstanden. Alle anderen Ideen, die nur aus meiner Birne kommen, sind schon zum Teil bis zu zehn Jahre alt!

Gibt es sowas wie einen roten Faden oder gar Konzept auf dem Album oder kannst Du ein bisschen etwas zu den Hintergründen und der Entstehungsgeschichte erzählen?
Jeder Song hat eine abgeschlossene Story, es ist kein Konzeptalbum. Es sind teilweise sehr persönliche Dinge von mir darin verarbeitet, teilweise aber auch frei erfundene Geschichten die einfach nur unterhalten sollen (Hollywood, Science Fiction). Zur Entstehung hab ich ja oben schon was erzählt.

Was sind Deiner Meinung nach die Hauptunterschiede zu Primal Fear? Songs wie "Locked In The Dungeon" oder "Play With The Fire" hätte ich mir auch sehr gut auf einem Primal Fear-Album vorstellen können.
Das siehst Du genau richtig. Es war auch nicht unbedingt meine/unsere Intention, so sehr weit weg von Primal Fear zu sein, denn wo Scheepers draufsteht, da kommt meistens auch Metal raus. Es hätte eh keinen Sinn gemacht ein "Ballad Only" Album zu schreiben. Dennoch sind auf dem Album Songs, die wohl eher nicht auf einem Primal Fear Album zu finden wären. Ich denke da an "The Pain Of The Accused" und "Compassion".
Das von Dir erwähnte "Play With The Fire" war sogar ein Song, der in der "Black Sun"-Ära auf dem Zettel der engeren Auswahl für eine Primal Fear-CD stand. Wenn wir als Band demokratisch eine Songauswahl treffen, heißt das ja nicht automatisch, dass die Songs, die es nicht auf eine CD schaffen, schlecht sind.

Du hast Dir u.a. mit Tim Owens, Kai Hansen oder auch Victor Smolski einige namhafte Gastmusiker ins Boot geholt. War das ein spezieller Wunsch von Dir oder wie kam es zu der Zusammenarbeit?
Nun, Mat und ich haben über die Jahre im Business jede Menge nette Leute und Talente kennengelernt. Es sind natürlich größtenteils Musiker, die in irgendeiner Form etwas mit meiner Vergangenheit zu tun haben. Angefangen von Snowy Shaw für den ich schon vor ca. 20 Jahren bei einem Therion-Album ausgeholfen habe, weiter über meinen ex-Bandkollegen und Freund Kai Hansen. Victor Smolski - mit dem ich schon mal die Ehre hatte zu touren (Rage), Mike Chlasciak (Halford), der schon mal auf einer unserer Primal Fear-Alben mitgespielt hatte und der ein regelrechter Metalkumpel wurde. Dann natürlich die Männer, denen ich zusammen mit Mat am meisten menschlich und musikalisch Traue, Magnus Karlsson und Alex Beyrodt. Weiter geht's über das Supertalent Sander Gommans (ex-After Forever), der mir über Mat vorgestellt wurde und der zwei Supertracks geliefert hat, für die ich binnen 30 Minuten Melodie und Text hatte. Und last but not least natürlich Tim Owens, den ich mal auf einem Festival in Spanien kennengelernt habe und mit dem sich über die Jahre eine Freundschaft entwickelt hat.
Ich bin natürlich mächtig stolz, dass all die oben genannten Jungs mir ihr Talent zur Verfügung gestellt haben, um an der CD mitzuwirken! Vielen Dank nochmals an dieser Stelle an alle!

Mit "Before The Dawn" findet man auf dem Album eine Cover-Version von Judas Priest. Dieser Titel ist ja eher unbekannter und somit auch etwas ungewöhnlich. Verbindet Dich mit diesem Titel etwas Besonders oder warum fiel die Wahl genau auf dieses Stück?
"Before The Dawn" bot sich regelrecht an, weil mir der Vibe des Songs schon immer gefiel und weil ich eh so der Lagerfeuerakustikgitarrenshredder bin ...
Ich wollte damit auch einen kleinen Tribut an die Band zollen, die mich damals am meisten inspiriert hat, Musik zu machen. Zwar mit einem völlig Priest-untypischen Song, aber das macht ja genau das "etwas Andere" aus. Noch dazu, weil ich bis auf das geniale Gitarrensolo von Victor auch noch alle Instrumente selbst eingespielt habe. Dadurch hat der Song noch eine ganz persönliche Note von mir mit bekommen.

Ist dieses Album eine einmalige Sache oder wird man zukünftig noch mehr erwarten können? Sind vielleicht sogar Live-Auftritte geplant?
Es dürfte schwierig werden, meine kompletten Gäste auf eine Tournee einzuladen. Wir müssen auch erst noch mal die Reaktion der Fans und des Marktes auf das Album abwarten, bevor wir hier voreilige Entscheidungen treffen. Klar ist, dass Primal Fear immer Top Priorität hatte und auch immer haben wird! Was einen Nachfolger des Scheepers Debüts betrifft, kann ich schon jetzt sagen, dass es gewiss einen geben wird. Allerdings wird das wieder eine Weile dauern, weil wir uns jetzt mit Primal Fear erst mal 100% auf Südamerika (Bolivien, Argentinien, Chile und Brasilien) und dann auf neue Songs konzentrieren werden.


Das Interview führte Marco Zimmer (per Mail).