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Interview: UNDER THAT SPELL

Zwei CDs - zwei Mal 9 von 10 Punkten. Mehr braucht man über die Qualität der deutschen Black Metal Formation UNDER THAT SPELL eigentlich nicht sagen. Nach "Apotheosis" (2010) kam vor Kurzem das neue Werk "Black Sun Zenith" auf den Markt. Selbstredend, dass wir mal tiefer bohren möchten. Gitarrist und Federführer Dionysos (Foto, rechts) gibt bereitwillig Auskunft.

"Black Sun Zenith" klingt ein Stück weit aggressiver, düsterer, aber zeitgleich auch erhabener als sein Vorgänger "Apotheosis". Gibt es dafür eine bestimmte Erklärung oder ist das die natürliche Entwicklung der Band?
Das ist schwierig zu beantworten. Ich versuche mich beim Songwriting nicht von solchen Gedanken ablenken zu lassen, alles soll so natürlich wie möglich entstehen. Ich gebe Dir aber absolut Recht, dass das neue Album diese Extreme noch weiter auslotet als das Debüt. Ein Song wie "Zenith" oder auch "Sun" hätte auf "Apotheosis" sicherlich keinen Platz gehabt.

Der Song "Black" war schon ein Hit auf "Apotheosis". Rechnet man das großartige "Sun" und das übermächtige "Zenith" dazu, hat man den aktuellen Albumtitel zusammen. Könnte da vielleicht etwas Absicht dahinterstecken?
Natürlich ergibt der Albumtitel einen Zusammenhang aus den genannten Songtiteln. Dieser ist aber weniger in der Qualität der Songs zu suchen, sondern vielmehr in deren Aussage an sich. Sie beziehen sich aufeinander, bzw. stellen einen übergeordneten Rahmen für die Entwicklung von Under That Sepll dar. Es lohnt sich absolut, unsere Texte einmal genauer zu studieren.

Schielt man mal zum Prog-Bereich rüber, fragt man sich manchmal, wie die auf so viele durchgeknallte Ideen kommen (mitunter in einem Song!). Ihr hingegen schreibt einen Song wie "Sinister Circle", der eben durch seine Monotonie erst richtig zur Geltung kommt. Wie ergibt sich so etwas?
Prog ist im Moment ja das Wort des Jahres, plötzlich machen ja alle progressive Musik, die mehr als drei Parts in einem Song verbraten, egal ob es passt oder einfach nur schrecklich zusammengeschustert klingt. "Sinister Circle" fordert Dich als Hörer enorm. Es ist kein einfacher Song, er quält Dich und verlangt von Dir in seiner Monotonie und Einfachheit einiges ab. Gerade wenn Du denkst, es reicht, kommt mit dem nächsten Song die Erlösung. So ist auch das gesamte Album aufgebaut. Alles steht im Kontext zueinander, die Songs funktionieren nur in dieser Reihenfolge wie gewünscht. Alles in allem ist das neue Album eben definitiv kein Album zum nebenbei Hören. Es verlangt Deine volle Aufmerksamkeit und dann dürfte auch jedem die enorme Emotionalität deutlich werden.

Textlich reitet Ihr definitiv nicht auf den gängigen Black Metal Klischees herum. Ein düsterer Charakter ist zwar gegenwärtig, generell strotzen die Texte vordergründig durch ordentliches Selbstbewusstsein. Gibt es einen Grundtenor, der sich in allen Texten wiederfindet oder steht jeder Song für sich?
Wir beklagen in den Lyrics generell das "nicht-Zurechtkommen" der Menschen in unserer heutigen Zeit. Das Leben als Fluch, als Bann, in dem jeder gefangen ist und einen individuellen Weg finden muss, damit umzugehen. Dies stellt ja auch der Bannkreis in unserem Logo dar, in dem jeder der Bandmitglieder mit seinem persönlichen Zeichen gefangen ist. Auf dem neuen Album sind die Texte hierzu allerdings weitaus persönlicher als auf "Apotheosis". Wichtig ist mir, nicht nur zu jammern und mich zu verstecken. Nach einer kurzen Phase von Trauer oder Verzweiflung kommt die Wut, eine Art Aggression. Sie hilft mir, gegen die Dinge, die mich einengen oder angreifen, aktiv vorzugehen. Das kommt in den Texten dann wahrscheinlich eher selbstbewusst rüber. Menschen, die nur klagen und jammern, aber nichts an ihrer Situation verändern, sind genauso klein und schwach, wie die, die sie in diese Situationen gebracht haben.

Mit zwei solch starken Alben sollte es doch etwas leichter sein, ansprechende Tour-Slots zu bekommen. Zum letzten Alben war Eure Live-Präsenz etwas rar (darunter trotzdem das renommierte Party.San Open Air in 2010). Eure Homepage kündigt bereits eine Tour für 2012 an? Gibt es schon konkrete Infos, die Ihr nennen könnt? Und wenn Träumen erlaubt ist - welche Band wäre Euer Wunschkandidat, für die Ihr am liebsten eröffnen würdet?
Wir versuchen, was wir können, aber der Konzertmarkt ist total kaputt. Wenn alles klappt, spielen wir im Januar/Februar 2012 eine Tour mit unseren Freunden von Wandar und auf diversen Festivals, die Verhandlungen laufen auf Hochtouren. Wunschkandidat für mich wären Motörhead, völlig unrealistisch, klar ... aber du sprachst ja von Träumen ...


Das Intervieew führte Siegfried Wehkamp (per Mail).