Impressum Startseite
Reviews Interviews Live Specials Jobs

Interview: CYNIC

CYNIC's Paul Masvidal erhörte die Nachfragen der Progressive-Fans und veröffentlichte vor Kurzem die vor 18 Jahren entstandenen "Portal"-Tapes. Ein paar nähere Auskünfte gibt er bei uns.

Wer hatte letztendlich die Idee, "Portal" nach all den Jahren der Öffentlichkeit zugänglich zu machen?
Auf unserer letzten US-Tour haben wir bereits eine limitierte Auflage in Eigenregie verkauft. Aber ich schätze, dass die Nachfrage der Fans über all die Jahre so stark war, dass Season Of Mist bei uns angefragt haben, die Sache endlich offiziell zu machen

Wie ist es seinerzeit denn dazu gekommen, dass dieses Album entstand?
"Portal" haben wir noch in dem Jahr aufgenommen, als wir "Focus" gemacht haben. Wir haben uns als Menschen entwickelt und auch geändert und diese Musik war das Ergebnis aus dieser Entwicklung. So waren wir als Künstler rund um '94/'95.

Obwohl ganze 18 Jahre dazwischen liegen - ist es nicht interessant zu sehen/hören, dass Portal damals bereits viel mit den Cynic von heute gemein haben?
Das ist es in der Tat. Es zeigt doch, wie wir trotz großer Entwicklungen doch irgendwie die Selben geblieben sind.

Können die Fans auf einer nächsten Europa-Tour damit rechnen, einige "Portal"-Songs zu hören?
Da bin ich nicht sicher. "Cosmos" haben wir ja bereits gespielt. Vielleicht bringen wir das Stück wieder mit und wenn es sich gut anfühlt, eventuell auch noch das eine oder andere.

Du bist Bestandteil der "Death To All"-Shows, die in den Staaten laufen, wo es darum geht, das Musikerbe des unvergleichlichen Chuck Schuldiner (R.I.P.) und seiner Band Death zu ehren.
Wo kam die Idee her?
Unser Freund Anton hatte diese Vision, Originalmitglieder zusammenzutrommeln und so Chuck's Musik aufleben zu lassen. Er hat aber auch gute Absichten dabei, denn diese Konzerte kommen auch "Sweet Relief" zu Gute, einer US-Organisation, die kostenlose medizinische Versorgung für Musiker bereitstellt, die sich diese nicht leisten können.

Besteht ein Grund darin, dass an diesem Projekt nur Musiker der post-"Human"-Ära beteiligt sind?
Ehrlich gesagt weiß ich nicht, wie es so kam. Anderseits waren dies genau die Musiker, die für diese bestimmte Tour zur Verfügung standen. Abgesehen davon war ich bereits auf der "Leprosy"- und auf der "Spiritual Healing"-Tour dabei. So haben wir zumindest einen, der auch in der Zeit dabei war.

Es gab Gerüchte, dass James Murphy an einem ähnlichen Projekt arbeitet.
Ja, davon habe ich auch gehört.

Wer ersetzt den unvergessenen Chuck Schuldiner?
Wir haben Charles Elliott von Abysmal Dawn/Bereft und Steffen Kummerer von Obscura.

Versteh die Frage bitte nicht falsch. Aber bezeichnest du dich selbst als "Metal"? Vielleicht als Metal-basierend mit einem sehr weiten Horizont?
Ich weiß nicht genau, was man als "Metal" bezeichnet. Im allgemeinen Sinne wohl eher Nein. Das waren wir nie. Aber sprechen wir von progressivem, experimentellem Metal, dann natürlich ein Ja. Musikalisch haben Cynic Momente, in denen wir am Metal kratzen und dann wieder etwas völlig anderes machen. Unsere persönlichen Eigenarten und sehr ungewöhnlichen Einflüsse, haben Cynic zu dem gemacht, was sie jetzt sind.

Obwohl deine Musik wirklich über viele Grenzen hinausgeht, dabei trotzdem von Anfang an die Aufmerksamkeit fordert, kann man sie schlichtweg als brillant bezeichnen. Aber wie verdient ein brillanter Kopf sein Geld?
Gott sei Dank kann ich von der Musik leben. Wenn ich nicht mit Cynic arbeite, komponiere ich Musik für Film und Fernsehen, dazu auch für Werbung oder Bibliotheken. Ich schreibe auch Musik für andere Künstler und seit Kurzem kümmere ich mich mehr um das Produzieren und Entwickeln ganz neuer Musik.


Das Interview führte Siegfried Wehkamp (per Mail).