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Interview: DAWN OF WINTER

Die deutsche Doom Metal Underground Institution DAWN OF WINTER lässt sich nichts zum Geburtstag schenken, sie schenken - nämlich 500 treuen Fans in Form einer schicken Vinly-EP. Sänger Gerrit P. Mutz (Foto, 2. von rechts) gibt sich dazu wie immer bodenständig, auskunftsfreudig, durchaus humorvoll und ebenso etwas engstirnig … ein echter Metaller eben!

Ein ungewöhnliches Geschenk (limitiertes Vinyl) zu einem ungewöhnlichen Geburtstag (22.) von einer ungewöhnlichen Band … seht Ihr Euch eigentlich als ungewöhnlich, weil Ihr in der heutigen Zeit eben immer noch eine traditionelle Band im ursprünglich metallischen Sinne seid?
Ich denke nicht, dass wir sonderlich ungewöhnlich sind. Wir versuchen halt, trotz der sich ändernden persönlichen Situationen und Lebensumstände der Bandmitglieder, das Ding einigermaßen am Laufen zu halten. Das wird anderen, lange existierenden Bands nicht wirklich anders gehen. Uns liegt sehr viel am Doom und wir wollen das eigentlich bis an das Lebensende aller Bandmitglieder durchziehen. Das geht nur durch viele, viele Kompromisse und Abstriche - nicht medizinischer Art - hier und da. Da wir alle beruflich sehr eingespannt sind und Doom nun mal Ruhe und Muse verlangt, ist es halt auch nicht möglich, einen Longplayer nach dem anderen zu veröffentlichen. Wir machen das, was möglich ist und qualitativ zumindest unseren Ansprüchen genügt. Für Quatsch sind wir zu alt.

Jeder der vier Songs basiert auf einer elementaren Charaktereigenschaft des Doom Metal. Steckte eventuell eine Art Absicht dahinter?
Sicher nicht. Wir setzen uns ja nicht hin und entwerfen einen "Designer-Masterplan" für unsere wenigen Releases und Songs. Die Songs entwickeln sich ganz natürlich und ungezwungen. Klar überlegen wir manchmal, ob wir jetzt nicht doch mal wieder einen ganz langsamen oder einen "schnellen" Song machen sollten, aber im Endeffekt kommt es ja meistens doch wieder ganz anders.

Mit "In Servitude Of Destiny" habt Ihr den Titel Eures 1996er Demos verarbeitet. Ein Song dazu existierte bis jetzt nicht. Hat der Titel für Euch eine besondere Bedeutung, dass er eine Vertonung benötigte?
Eine besondere Bedeutung hat der Titel durchaus für mich, da er meine Weltsicht relativ kurz und bündig zusammenfast. Jeder Mensch glaubt an irgendwas und ich bilde mir halt ein, dass es sowas wie Schicksal gibt. Kann Schwachsinn sein, tröstet aber, wenn einem mal wieder alles entgleitet. An Religion kann ich leider nicht glauben, dass lässt mein Resthirn noch nicht zu, aber das Schicksal ist ein schön schwammiger, undefinierter Begriff, den man für alles verantwortlich machen kann. Ist doch praktisch.
Und, je länger ich Texte schreibe, desto schwieriger wird es, mit guten, unverbrauchten Titeln um die Ecke zu kommen, da greife ich gern auf Altbekanntes, aber noch nicht Verwendetes zurück.

Dawn Of Winter sind ja nun ein paar Jahre älter als Sacred Steel, deren Vorläufer Variety Of Arts wiederum vor Dawn Of Winter starteten. Doch Sacred Steel sind schlussendlich die Band, die sich das größte Publikum erspielt hat. Eine natürliche Entwicklung oder war bei Dawn Of Winter die Marschrichtung von Anfang an anders?
Die Marschrichtung war komplett anders! Dawn Of Winter wollte ich immer bewusst unter der Oberfläche halten, als Liebhaberthema für Eingeweihte. Ich kann mich auch nicht erinnern, jemals in einem Sacred Steel Interview von mir aus Dawn Of Winter erwähnt zu haben. Mit Sacred Steel hatten wir vom Stand aus einen fetten Deal bei Metal Blade und gute Albumverkäufe und Touren gehabt, sowas lässt sich dann schlecht verheimlichen.
Als ich zu Variety Of Arts kam, war Dawn Of Winter bereits zwei Jahre am Laufen. Sacred Steel wurden dann tatsächlich direkt im Anschluss an Tragedy Divine gegründet.

Mal für die Außenstehenden, die nicht die Möglichkeit haben, direkt nachzufragen. Jörg verlässt Sacred Steel, startet My Darkest Hate, bleibt Dawn Of Winter aber erhalten und arbeitet dort weiterhin mit "seinem ehemaligen" Sänger zusammen. Wie funktioniert das sowohl menschlich, als auch musikalisch?
Jörg ist bei Sacred Steel ausgestiegen, da ihm keine Power Metal Songs mehr eingefallen sind. Ganz einfach. Und da er der Hauptsongwriter war, hat das natürlich auch die Band gebremst. Dawn Of Winter Songs fallen ihm aber ab und an noch ein und dann nehmen wir halt was auf. Da Jörg aber einen extrem stressigen Job hat und auch familiär voll ausgelastet ist, braucht es eben manchmal ziemlich lange, bis wir wieder ein paar Songs zusammen haben. Persönlich gab es keinen Krach zwischen Jörg und mir. Deshalb ist es ja auch nicht verwunderlich, dass wir weiterhin bei Dawn Of Winter zusammen doomen. My Darkest Hate hatte Jörg parallel zu Sacred Steel schon gestartet, da ihm halt damals einfach mehr Death Metal Sachen eingefallen sind und Spaß gemacht haben. Und Spaß ist ein ganz wichtiger Punkt, wenn man Musik nur macht, weil man es liebt.

Und weil wir alle doch nur Fans sind - drei simple Fragen:
Welches ist Deiner Meinung nach der beste Doom-Song bis zum heutigen Tag?
Ein Song? Pah. ziemlich unmöglich. Mir fallen auf Anhieb 20, 30 geniale Doom Songs ein. Dann nenne ich nicht den besten (obwohl er auch unter den zehn besten Songs ist) sondern den wichtigsten, da er für mich die Eintrittskarte in den Doom war:
"Solitude" von Candlemass. Erst mit der ersten Candlemass-Scheibe habe ich Doom verstehen gelernt.

Welche Doom-Band/Doom-CD sollte jeder Mensch in seinem Leben mal gehört haben?
Wieder nur eine? Oh Mann, das geht nicht. Ich nenne fünf und lasse dabei schon genug unter den Tisch fallen:
- Trouble "The Skull"
- Pentagram "Relentless"
- Saint Vitus "Hallow's Victim"
- Black Sabbath "Sabbath Bloody Sabbath"
- Winter "Into Darkness"

Welche Aktion (ob nun menschlich, geschäftlich oder musikalisch) hat Dich bei Deinen Doom-Lieblingen am meisten enttäuscht?
Das Trouble ohne Eric Wagner weitergemacht haben und das Kind weiterhin Trouble genannt haben. Kory "Vollhorst" Clarke oder wie der Eumel hieß, war einfach nur ein Witz als Trouble-Sänger. Ich hoffe, dass der Exhorder-Typ nicht auch so eine Niete ist. Ich freue mich jetzt auf "The Skull" auf dem Hammer Of Doom mit Eric am Mikro. Das sind für mich die wahren Trouble. Trouble ohne Eric geht einfach nicht. Das ist wie Motörhead ohne Lemmy oder King Diamond mit Doro am Mikro.

Vielen Dank schon mal im Voraus, für die Zeit, die Du in die Beantwortung gesteckt hast!
Aber gerne doch. Hab' ja Zeit heute am Feiertag.
Beste Grüße + Doom on!
Gerrit


Das Interview führte Siegfried Wehkamp (per Mail).