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Interview: DER WEG EINER FREIHEIT

Im Rahmen der Hamburg Metal Dayz standen mir Gitarrist Nikita Kamprad (Foto, Mitte) und Schlagzeuger Tobias Schuler (Foto, links) von der deutschen Black Metal-Band DER WEG EINER FREIHEIT Rede und Antwort.

Black Metal ist ja ein recht weitläufiger Begriff. Mit welchen Bands definiert ihr das am ehesten?
Tobias: Dissection, Belphegor ...
Nikita: … also das Schnelle, Brutale, Aggressive ... mit Blastbeats - das ist halt so die eine Schiene, aber es gibt auch viele Leute, die Black Metal eher in dieser emotionalen Schiene oder manchmal auch im Ambient-Bereich sehen. Black Metal ist eher so ein bisschen zweigleisig. Für mich ist Black Metal zwar auch eher dieses Schnelle, aber vor allem auch das Melodische. Ein Riff oder eine Melodie muss dich halt packen, wie bei Emperor zum Beispiel.

Und das sind dann auch so die Bands, die euch inspiriert und beeinflusst haben?
Nikita: Viele, ja. Und bei mir ist es eben auch der deutsche Black Metal, wie Nocte Obducta oder Nagelfar, aber ansonsten ist es schon der skandinavische Black Metal.

Ein Schlagwort wie "Satanismus" ist für euch aber eher ein Fremdwort?
Nikita: Das muss man sicherlich unterscheiden, zwischen musikalisch und textlich bzw. imagemäßig. Wenn man sich uns z.B. anschaut, also nicht nur auf Bildern im Internet, sondern auch zu unseren Shows kommt, dann wird das eigentlich schnell offensichtlich, dass wir da so gar nicht in diese Schiene passen. Aber ich denke, musikalisch gibt es durchaus Bands, die in diese Ecke gehen, mit denen man uns vergleichen könnte, aber textlich und vom Image her eben gar nicht.

Und deshalb habt ihr auch mit diesem ganzen visuellen Drumherum, wie entsprechenden Klamotten, Corpsepaint, dicke Show mit Kunstblut usw. nichts zu tun?
Nikita: Genau. Wir wollen nichts aufsetzen. Ich meine, diese Bands laufen ja auch ganz normal durch die Strassen, also ohne Corpsepaint.
Tobias: Bei mir war das ja früher auch so, als ich 14/15 war. Also mit langen Haaren und diesem ganzen Drumherum, aber wird man wird ja irgendwann auch älter.

Ihr habt vorher in diversen anderen Bands gespielt, die teilweise auch musikalisch ganz anders waren. Ist Der Weg Einer Freiheit jetzt sowas wie das erklärte Ziel, also etwas, auf das ihr hingearbeitet habt?
Nikita: Ich mach die Musik erstmal, weil sie mir Spaß macht und genau das ist die Hauptmotivation. Ich hatte bei meinen ehemaligen Bands aber nie das Ziel vor Augen, ich will jetzt das und das erreichen.
Tobias: Außerdem ist das Ziel ja irgendwo auch ein Ende und wir sind noch nicht am Ende.
Nikita: Genau. Musik im Allgemeinen muss sich ja entwickeln. Man sollte sich über so etwas gar keine Gedanken machen.

Als ihr damals angefangen, seid ihr nur zu zweit gewesen und hattet einen Drumcomputer. Mittlerweile habt ihr einen richtigen Drummer und noch zwei Musiker, die euch live unterstützen. Ist das jetzt die Konstellation, mit der ihr rundum zufrieden seid?
Nikita: Ja, so wie wir jetzt stehen, sind wir sehr zufrieden. Diese ganze Studioarbeit geht aber schon nur von uns Dreien, also der Kernbesetzung aus.

Wie ist denn das Songwriting bei euch aufgeteilt?
Nikita: Das mach ich hauptsächlich alleine. Aber die anderen bekommen die Songs dann schon vorab als Demo und dann setzt man sich auch nochmal zusammen und arbeitet an ein paar Feinheiten …
… also ein Mitspracherecht gibt es wohl?
Nikita: Ja, das läuft bei uns alles komplett demokratisch … außer, ich bin von irgendetwas so überzeugt, dass ich sage, das muss so sein! (lacht)

Läuft das bei den Texten ähnlich?
Nikita: Auf dem Debütalbum kamen die Texte nur von mir und seit der "Agonie"-EP machen Tobias (Jaschinsky - Sänger) und ich die Texte zusammen. Wir haben ja immer zuerst die Musik und hinterher kommt dann der Text und wenn dann gerade jemand eine gute Idee hat, dann wird die halt umgesetzt.

Gibt es bei den Texten wiederkehrende Themen oder gar sowas wie einen roten Faden?
Nikita: Einen richtigen roten Faden gibt es nicht unbedingt, würde ich mal sagen. Wir überlegen uns nicht im Vorfeld, wie sich der Text letztendlich anhören soll. Wir versuchen da immer, Momentaufnahmen hineinzunehmen. Von daher verändert sich da schon recht viel von Text zu Text. Aber so vom Grundmotiv her, geht es meistens um den einzelnen Menschen. Also entweder um jemanden von uns und um jemand anderen. Um Ängste, Gefühle, Hoffnungen - also eigentlich um alles, was im Menschen so vorgeht.

Warum sind eure Texte ausschließlich deutschsprachig? Es wäre speziell im Ausland mit englischen Texten wahrscheinlich einfacher …
Nikita: Wahrscheinlich ja! (lacht) Für mich ist es einfach nur logisch, dass man in der Muttersprache textet und singt. Man kann sich da viel besser ausdrücken, weil man das halt alles beherrscht. Das ist viel besser, als wenn man da irgendwie jedes dritte Wort erst nachschlagen muss oder irgendwelche Synonyme für irgendwas finden muss.
Tobias: Außerdem klingt Deutsch viel brachialer und passt auch einfach sehr gut zu unserer Musik.

Wie kommt es eigentlich, dass auch viele jüngere Leute, die sonst eigentlich eher aus dem Core-Bereich kommen, eure Musik hören? Das ist ja recht ungewöhnlich. Gibt es da irgendeine Erklärung für?
Nikita: Einerseits ist das auf jeden Fall unsere Vergangenheit mit Fuck Your Shadow From Behind …
… die ja aber auch nie so richtig groß waren ...
Nikita: Ja, das stimmt wohl, aber zu der Zeit haben wir echt viele Leute kennengelernt und die wiederum kommen dann jetzt zu unseren heutigen Shows. Und andererseits ist es auch so, dass unser Label diese ganze Promo-Sache in verschiedene Richtungen lenkt, also nicht nur rein im Metal-Bereich, was ich echt gut finde, denn so erreicht man halt eine größere Bandbreite von Leuten.
Tobias: Ich denke auch, unsere Musik ist relativ leicht zugänglich. Wenn man das mal mit irgendeiner technischen Death Metal-Band vergleicht, das ist vielen Leuten viel zu anstrengend. Ich persönlich komme ja aus der Death Metal-Ecke und als ich das erste Mal Der Weg Einer Freiheit gehört habe … ich weiß auch nicht … das lässt einfach vieles schneller zu und reißt einen leichter mit.

Ihr habt in der Vergangenheit durchaus viel Lob bekommen, speziell von Leuten, die auch wirklich Ahnung haben, sei es z.B. von Mille von Kreator oder es wurden auch regelmäßig Vergleiche mit z.B. Wolves In The Throne Room angestellt, die ja groß angesagt sind. Wie geht man mit sowas um? Freut man sich darüber, ist einem das eher unangenehm oder letztendlich sogar egal?
Tobias: Mir ist das echt ein bisschen unangenehm. Ich meine, ich bin mit Kreator aufgewachsen und wenn ich jetzt höre, dass Mille die Musik, die ich produziere, gut findet, dann komme ich da irgendwie nicht drauf klar. (grinst)
Nikita: Manchmal wird man auch automatisch in eine Ecke gesteckt, wenn man mit irgendwelchen Bands verglichen wird, wie z.B. mit Wolves In The Throne Room. Das ist auch eine von diesen Bands, die neu aufgekommen ist und nun eine neue Schar von Hörern hat. Aber ich finde, musikalisch kann man uns mit denen kaum vergleichen, da gibt es andere Bands, wo ich eher Parallelen sehe ...
… zum Beispiel?
Nikita: Membaris. Die kennt eigentlich kaum jemand und ich glaube, die wollen auch gar nicht bekannt sein. Die kann ich echt jedem ans Herz legen.
Aber ansonsten haben wir ja auch viel Blast-Geballer. Die älteren Belphegor zum Beispiel, das ist ja wirklich melodisch und sowas hat mich bei unseren Stücken sehr beeinflusst.

Gab es demgegenüber auch vernichtende Kritik?
Nikita: Ich weiß jetzt grad nicht, was da mal in regulären und offiziellen Reviews drinstand, aber sowas gibt es natürlich auch. Es ist ja alles irgendwo auch immer persönliche Geschmackssache. Aber wen es interessiert, der kann sich ja mal unsere Shoutbox bei Last.FM anschauen. Das sind irgendwie 500 Seiten und da steht echt alles Mögliche drin. (grinst)

Ihr seid jetzt zwei Wochen auf Tour und wie geht's dann im Herbst/Winter weiter?
Nikita: Da das ist dann erstmal nichts Besonderes mehr geplant, denn irgendwann ist ja auch unser Urlaub ausgereizt. Wir müssen ja für eine Tour oder so immer Urlaub nehmen. Aber nächstes Jahr, im März, ist dann eine größere Tour geplant, mit zwei sehr, sehr vielversprechenden Bands …
… die du sicherlich noch nicht verraten darfst?
Nikita: Leider nicht, genau! (grinst)

Und die Arbeiten an einem neuen Album dürften dann vermutlich auch bald beginnen?
Nikita: Beim Songwriting ist es ja so, wenn es läuft, dann läuft es und wenn nicht, dann eben nicht. Wir wollen uns damit auf jeden Fall Zeit lassen. Also ich glaube, das wird wohl noch ein bis zwei Jahre dauern. Oder sagen wir mal besser ein Jahr.

Mal unabhängig davon, wie realistisch das wäre: Wenn ihr euch 3-4 Wunschbands für eine Tour aussuchen könntet, welche wären das?
(beide überlegen)
Tobias: Wichtig ist auf jeden Fall, dass es coole Leute sind …
Spontan würde ich jetzt sagen: Iron Maiden und Necrophagist. Oder auch Cannibal Corpse.
Nikita: Ich hab die zwar noch nie live gesehen, aber ich hab schon sehr viel Gutes von denen gehört: Archive aus England.
Archive? Das sagt mir jetzt irgendwas. Das ist aber keine Metal-Band, oder?
Nikita: Nein, genau. Das ist so'n Musiker-Kollektiv. Die bringen auch nur alle paar Jahre mal ein Album raus, was aber immer einen riesengroßen Umfang hat, so mit Orchester und allem Möglichen. Ich weiß gar nicht, wie man die Musik genau nennt, aber das geht so in Richtung Trip Hop, Alternative.


Das Interview führte Marco Zimmer.
Hamburg, 20. September 2012