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Interview: DESASTER

Ich bleibe dabei - das deutsche Black/Thrash-Kommando Desaster hat sich mit seinem neuen Album "The Arts Of Destruction" selbst übertroffen. Um den Titel "Album des Monats" zu überbringen, klopfte mega-metal.de mit ein paar Fragen bei Desaster-Drummer und Band-Sprachrohr Tormentor an, der wie immer mit ehrlicher Bodenständigkeit glänzt.
Vielen Dank! Wir freuen uns natürlich, dass das neue Album zu gefallen weiß! Anmerkungen usw. habe ich keine, es sei ja jedem selber überlassen, was er schreiben mag. Wir sind heute Nacht gerade aus Granada/Spanien wiedergekommen. Ich war um 2 Uhr im Bett und um 3.40 Uhr ging schon wieder der Wecker für die Maloche! Scheiß Karneval haben wir auch noch! Scheiß Narreköpp sollen alle verrecken! Haha!

Hängen die längere Zeitspanne seit "666 - Satans Soldiers Syndicate" und das nochmals gesteigerte Level an Entschlossenheit zusammen? Staut sich so etwas über die Jahre auf?
Ich denke einfach, dass man versucht, mit jeder Platte immer etwas besser zu sein, wie mit dem vorherigen Album. In den vergangenen fünf Jahren ist viel passiert. Viele coole Gigs weltweit, zwanzigster Geburtstag mit fetter Party, LP-Box, usw., einige Split und kleinere Releases. Auch so etwas kostet viel Zeit … da wir ja fast alles selber machen, haben wir immer verdammt viel zu tun.

Hat eine Band wie Desaster noch Einflüsse, die beim Schreiben neuer Songs durchbrechen oder kommt automatisch immer ein Desaster-Song dabei raus (nach 23 Jahren auch nur logisch)?
Klar haben wir unsere Einflüsse, die wir auch nicht verstecken können und wollen bzw. müssen. Ohne Einflüsse einiger wichtiger Bands, würde es die Band auch nicht geben. Ganz klar, wir sind keine innovative Band, die permanent versucht, etwas Neues zu kreieren. Das sollen andere machen! Wir spielen Metal so, wie er uns gefällt. Ich denke, wenn man unsere Scheibe hört, werden wieder einige Bandnamen fallen, was auch ruhig sein darf! Wir sind Metalfans und verarbeiten natürlich unsere Faves in unserer eigenen Musik!

Wo hat es Euch in den letzten 3 ½ Jahren denn live-mäßig überall hin verschlagen?
Das ist eine gute Frage … haha … wir waren in den USA, Schottland, haben viel in Europa gespielt. Auch einige Festivals mussten dran glauben. Aber jeden einzelnen Gig kann ich jetzt so nicht aufzählen.

Dass Ihr eine der bekanntesten Bands des europäischen Undergrounds seid, könnt auch Ihr nicht bestreiten. Wie sieht es denn mit Eurem Bekanntheitsgrad im Rest der Welt aus? In welchem Land hattet ihr die denkwürdigsten Auftritte? Wo sind bis dato die meisten CDs abgesetzt worden?
Keine Ahnung, ob wir wirklich eine der bekanntesten Bands im EU-Underground sind. Wenn es so ist, wäre es natürlich eine Ehre. Ich denke schon, dass wir in den letzten 23 Jahren den Namen Desaster weltweit bekannt gemacht haben. Südamerika, USA, Kanada, Asien … wir bekommen viele Merch-Bestellungen und Fanpost aus allen Herrenländern. Fast jeder Gig ist denkwürdig, da wir versuchen, dass jeder Desaster Gig etwas Besonderes bleibt - für uns und die Fans.
Etwas Besonderes war schon der erste Gig in Sao Paulo, oder der erste Gig in Serbien, letzte Mal Way Of Darkness hier in Deutschland, ach - es gibt so viele geile Momente!
Verkaufszahlen interessieren mich persönlich nicht. Ich habe keine Ahnung. Es kann sein, dass wir nur 100 oder vielleicht auch 1000 CDs verkauft haben … ich weiß es nicht. Ich mach Musik für mich … und so lange wir eine Plattenfirma haben, müssen wir ja ein bisschen verkaufen!

Hand aufs Herz: In welchen Situation denkst Du vielleicht doch mal darüber nach, wie erfolgreich Desaster sind und/oder was mit der Band vielleicht noch zu erreichen möglich wäre?
Diese Frage muss anders formuliert werden: Wie weit darfst du gehen, um immer noch du selbst zu sein und trotzdem Erfolg haben kannst?! Und ich glaube, dass wir das all die Jahre gut hinbekommen haben. Wir können weltweit Gigs spielen, treffen viele coole Leute und haben immer noch Spaß an unserer Musik. Keiner schreibt uns was vor, keiner "spielt" mit uns.

Desaster stehen neben vielen anderen Bands ebenfalls als Synonym für Beständigkeit. Daher mal eine "Szene-Frage" an einen beständigen Schwarzmetaller:
Was hältst von der aktuellen Okkult/Retro Rock-Welle mit Bands wie The Devil's Blood oder Ghost? Authentisch und wichtig für die Szene oder doch nur ein nerviger Hype?
Ehrlich gesagt, ist mir das ziemlich egal. Ich fand die 7" und die erste Mini von The Devil's Blood echt klasse, danach wurden die in meinen Augen etwas langweilig. Ghost find ich bis auf den einen Hit, den die haben, recht unspektakulär und versteh den ganzen Hype nicht. Ist mir nicht Metal genug! Nocturnal-Basser Vomitor hat vor geraumer Zeit mal Folgendes gesagt: "Ghost ist eine Entschuldigung für jeden Metaller Pop zu hören!" Das unterstreiche ich 100%!

Wer kam eigentlich auf die Idee "Cancer Fucking Cancer" von Cancer zu covern? Ganz nebenbei - eine wirklich exquisite Auswahl, die als "Vinyl Only"-Bonus speziell für die ganz eingefleischten Fans ein "Danke schön" sein könnte?!
"Cancer Fucking Cancer" wird nur auf Vinyl veröffentlich werden. Ich glaube, Infernal (Desaster-Gitarrist) kam mit der Idee, den Song zu covern. "To The Gory End" ist eine geile Scheibe. Und es gibt kaum Bands, die Cancer gecovert haben. Dann machen wir das halt!


Das Interview führte Siegfried Wehkamp (per Mail).