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Interview: THE FORESHADOWING

Der Düstergemeinde wird ausgerechnet aus dem normalerweise klischeebeladenen Italien eine ernstzunehmende Band vorgesetzt, die sich bereits mit dem 2010er "Oionos" als sehr erwachsene Melancholic Gothic Doom Band präsentierte. Das neue Album "Second World" untermauert diese Entwicklung und streicht bei uns abermals neun dicke Punkte ein. Klarer Fall - mega-metal.de fragt, Gitarrist Alessandro Pace antwortet.

"Gothic" und "Italien" - die Szenepolizei schaudert und rennt um ihr Leben …
Ehrlich - The Foreshadowing sind anders. Seid ihr immer noch amüsiert darüber, wenn Menschen positiv überrascht sind, obwohl sie eigentlich etwas Negatives erwartet haben?

Warum sollten sie etwas Negatives erwarten, haha! Wenn wir über Gothic Metal sprechen, haben wir wohl derzeit eine der berühmtesten Bands der Welt - Lacuna Coil. Ein paar Weitere, die man nennen sollte, wären Novembre, Canaan, Klimt 1918 … bezogen auf diese Sparte sind es wenige Bands in Italien, die aber mit richtig guter Qualität.

Wenn ich Bands wie (alte) Paradise Lost, Saviour Machine, Funeral nenne - wäre das eine gute Beschreibung für The Foreshadowing? Wo kommt ihr musikalisch her?
Wir sind definitiv mit den Gothic Doom Metal Pionieren aufgewachsen, da stimmt es schon, Bands wie Paradise Lost oder Funeral als anfänglichen Einfluss zu nennen. Aber unser Hauptziel seit dem ersten Album war es, eine starke Persönlichkeit in Bezug auf Stilistik und Songwriting zu erreichen, um genauso eigenständig hervorzustechen - auch aus Respekt vor diesen Namen.
Ich persönlich habe bis jetzt nie Saviour Machine gehört. Aber da du nicht der Einzige bist, der diese Band nennt, werde ich ihnen auf jeden Fall ein Ohr mehr leihen.

Im Vergleich zu den klassischen Doom Bands, haben The Foreshadowing die (wie ich sie gerne nenne) "lebendigen Drums", die eben nicht den "langweiligen" Standardmustern folgen, weil es das Genre so vorgibt. Ist das etwas, was bei euch auf natürlichem Wege geschehen ist?
Aber natürlich! Während der Rehearsals und der Vorproduktion investierten wir viel Zeit in die Drum-Arrangements. Unser Drummer Jonah hat einen exzellenten Job abgeliefert. Auf unserem ersten Album "Days Of Nothing" fehlte das noch ein wenig, da es geschrieben und arrangiert wurde, bevor wir einen echten Drummer einstellten. Aber er hat trotzdem gute Arbeit geleistet, wenn man sich vor Augen hält, dass wir wenig Zeit hatten und damals nicht die Chance hatten, im vollständigen Line Up zu proben.
Generell kann ich bestätigen, dass unser Drummer ein weiteres Element ist, um den Unterschied in unserem Sound darzustellen.

Erzähle uns ein bisschen über die Texte. Alles klingt sehr apokalyptisch, ziemlich verzweifelt, und beschreibt etwas, wo sich unsere Welt offensichtlich hin entwickelt - ein ziemlich schlimmes Ende?! Einfach gefragt - was ist die "Zweite Welt", die ihr ansprecht?
Natürlich beziehen sich die Texte auf das Konzept der Apokalypse. Das ist quasi die Basis von allem, wo der Mensch als Protagonist und Herr über die Natur auftritt, um sie für seine Bedürfnisse zu nutzen. So wird aus einem unversehrten Land ein industrielles und mechanisches. Aber die Natur vergibt den Menschen nicht und straft sie mit Naturkatastrophen um die Menschheit zu vernichten. Nur die sogenannten "Überlebenden" bleiben, um ein neues Leben voller Reinheit zu beginnen, die "Zweite Welt", die wir meinten. Das ist im Grunde die ganze Basis. Andere Unterthemen sind Religion, Kolonisation, die Zeit selbst oder auch etwas persönlichere und intimere Themen. Ich schätze, die Technik haben wir von den vorherigen Alben adaptiert. Es passt und wird daher auch nicht geändert.

Mit einem Orchester arbeiten, Frauen-Gesang einbeziehen - viele Bands des düsteren Bereiches fügen an einem gewissen Punkt diese Dinge ihrem Sound hinzu oder möchten es zumindest. Habt ihr auch schon darüber nachgedacht oder ist das ein absolutes "no-go"?
Nun, den Frauen-Gesang nicht im Moment. Obwohl ich zugeben muss, dass es bestimmt interessant wäre, aber tatsächlich gibt es schon zu viele Bands, die eine Frauenstimme haben, da würde es einfach nur noch langweilig und banal klingen.
Das Orchester - das dürfte wesentlich interessanter werden, auch wenn die Kosten für eine Realisierung im Moment einfach zu hoch sind. Es wird also ein Traum bleiben, bis wir ein höheres Budget vorliegen haben.

Italiener sind bekannt dafür, stolz auf ihr Land und ihre Kultur zu sein. Denkt man über das Tourleben und Live-Gigs auf fremden Bühnen nach - was vermisst du aus deiner Heimat am meisten?
Ehrlich gesagt - gar nichts! Ich liebe es, außerhalb zu spielen (besonders in Deutschland!), neue Menschen und Orte kennenzulernen. Ich habe zu viel Zeit meines Lebens hier in Italien verbracht (vielleicht auch vergeudet), so dass ich sehr oft auf Tour gehen möchte. Tatsächlich hatten wir einige Probleme hier. Meiner Meinung nach ist Italien definitiv kein gutes Land für ein schönes normales Leben.


Das Interview führte Siegfried Wehkamp (per Mail).