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Interview: THE GROTESQUERY

Grunz-Ikone Kam Lee (ex-Massacre) ist ein charmant eigenwilliger Mensch. Man darf ihn nicht auf seine ex-Kollegen von Massacre ansprechen (worauf man uns im Vorfeld des Interviews auch hinweist). Aber wenn es um Horror, Albträume und aufstrebende neue Helden im Death Metal geht, ist die Welt immer in Ordnung. Das Foto zeigt übrigens seine "Krankenhaus-Akte" nach der Fertigstellung des zweiten THE GROTESQUERY-Albums "The Facts And Terrifying Testament Of Mason Hamilton: Tsathoggua Tale".

Die Tatsache, dass The Grotesquery jetzt mit ihrem zweiten Album am Start sind, könnte bedeuten, dass die Band im Moment wichtiger ist, als Bone Gnawer (die seinerzeit mit dem Debüt eher dran waren). Oder waren einfach nur die entsprechenden Ideen zum richtigen Zeitpunkt da?
Überhaupt nicht. Mit Bone Gnawer hängen wir im Moment quasi in der Luft, weil wir kein Label haben. Rogga und ich haben mit beiden Bands parallel gearbeitet, doch es schien, als wäre das Faninteresse an einem neuen The Grotesquery-Album etwas größer. Also haben wir Bone Gnawer vorerst zur Seite gepackt. Aber Bone Gnawer kommt zurück.
The Grotesquery sind immer noch bei Cyclone Empire, so wie Rogga auch mit vielen seiner Bands (u a. Paganizer, Demiurg). Daher war die Label-Unterstützung von Anfang an da.
Mit Bone Gnawer waren wir ja bei Pulverised Records. Ebenfalls ein gutes Label. Wenn sie uns zurück möchten und mit unserem Aufnahme-Budget klarkommen, wären wir glücklich, wieder zu ihnen zurückzugehen.
Rogga hat genauso wie ich einige Bands am Start - ich nur eben ein paar weniger - aber wir nehmen jede Band sehr ernst, mit der wir arbeiten.

Verblüfft es dich nicht manchmal, wie Rogga immer wieder mit Ideen um die Ecke kommt, die einfach alles platt walzen und trotzdem nicht an Qualität verlieren?
Er ist eine schwedische Death Metal Maschine! Ich schwöre, er isst, trinkt, pisst und scheißt Death Metal. Der träumt wahrscheinlich auch von Riffs, wenn er schläft. Und ich glaube, er hat seine Seele an Cthulu oder einen anderen dunklen Gott verkauft, damit er solch fantastische Riffs schreibt. Oder vielleicht ist er auch aus der Zukunft, wie der Terminator. Ein Android, um die Menschheit durch die Macht von Death Metal Riffs zu versklaven.

Reden wir kurz über die Stories, die du in beiden The Grotesquery-Alben erzählst. Wenn du einen Film darüber drehen dürftest, wie wäre der? Mehr etwas für Erwachsene - nackter Horror, Splatter-mäßig? Oder eher mit einer angsteinflößenden, unterschwelligen Atmosphäre mit Bildern, die eben nicht alles preisgeben?
Bei beiden geht es ja immens um Atmosphäre. Vieles spielt ja in der Vergangenheit. Das erste Album spielte um 1920 in einem alten Haus. Wobei das zweite Album in den 1940ern direkt nach dem zweiten Weltkrieg zu finden ist. Es hat diese Irrenhaus-Atmosphäre, aber vieles würde auf einem Schiff spielen und einer Insel. Und dort wahrscheinlich hauptsächlich unter der Erde. Obwohl es auch Blut zu sehen gäbe, denn dieser Horror geht schon in die Eingeweide. Speziell bei "Tales Of The Coffin Born" müsste man direktere Bilder nehmen, um die Horror Momente zu veranschaulichen. Bei "The Facts And Terrifying Testament Of Mason Hamilton: Tsathoggua Tales" würde ich es klaustrophobischer filmen, sehr dicht und viele Close Ups. Mit verstörenden Licht- und Ton-Effekten. Die Kreaturen wären der Schlüssel. Man würde einige in dunklen Höhlen und in spärlich ausgeleuchteten, unterirdischen Arealen zeigen. Da kommt der unterschwellige Horror ins Spiel. Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich sie ganz oder nur Teile von ihnen zeigen würde. Speziell Tsathoggus, Atlach Nacha, und Shud M'ell - das sind gigantische Wesen. Da wäre es besser, sie nicht vollends zu zeigen.
Aber das grundlegende Gefühl … denk mal an Filme wie Desecent und wie beklemmend und einengend sich das angefühlt hat … und trotzdem hat man da einige starke Kreaturen gesehen. So würde ich mir eine Verfilmung des neuen Albums vorstellen. Abgesehen davon wäre der wirklich einzige Regisseur, der das überhaupt hinbekommen könnte, Guillermo Del Torro.

Hast du dir jemals überlegt ein Buch zu schreiben, ohne es mit Musik zu untermalen?
Ja. "Tales Of The Coffin Born" begann als (Dreh-)Buch, welches ich nie zu Ende führte. Da gibt es noch so viele Details auszuarbeiten. Das Album ist eine wirklich kleine und stark editierte Version der ursprünglichen Story. So viele Details wurden ausgelassen, um es in eine Albumform zu pressen. So viel, was ich noch erzählen und erklären wollte, aber nicht in diesem Format unterbringen konnte.
Beim zweiten Album hatte ich eine Idee im Kopf, aber nichts Geschriebenes. Da lauern noch so viele Geschichten in meinem Geist.
Nach diesem Jahr - was jetzt schon ziemlich hektisch war - plane ich den Versuch, wieder zu schreiben. Wer weiß … solange mir dieses Death Metal Ding kein Geld beschert … vielleicht meine Wandlung zu Horror-Autor. Nun, zumindest kann ich hoffen und träumen … haha!

Wachst du nachts manchmal auf, weil du einen Albtraum von deinen eigenen Geschichten hattest?
Haha! Nein, meine Albträume würden die meisten Menschen zum Lachen bringen. Wenn ich von Monstern und Horror träume, dann ist das kein Albtraum für mich. Meine "Monster" und Albträume kommen in menschlicher Form.
Wenn ich einen Albtraum habe, reflektieren sie meistens meine Frustrationen im "richtigen" Leben … nicht in der Lage zu sein, einen verdammten Idioten, den ich hasse, den Kopf abzuschlagen, weil ich Angst davor habe, im Gefängnis in bester "Gang Bang"-Manier meinen Hintern aufgerissen zu bekommen. Siehst du? Das ist mein Albtraum. Es fängt immer gut an. Ich zertrümmere die Schädel meiner Feinde mit einem Hammer oder schneide sie mit einer Kettensäge in Scheiben und dann geht es los … wenn ich verhaftet werde, im Gefängnis lande mit einer Horde nackter, bestens ausgestatteter dreckiger Kerle. Das ist mein Albtraum. Es hat nicht mal etwas mit Homosexuellen-Feindlichkeit zu tun, sondern viel mehr dieses Szenario einer Vergewaltigung im Gefängnis.

Wo jetzt das dritte Lee/Johansson-Produkt in den Regalen steht, dürfte es mal langsam Zeit werden, Europa für ein paar zünftige Death Metal Live-Massaker einen Besuch abzustatten. Können wir da in naher Zukunft etwas erwarten?
Ja, Rogga und ich haben darüber schon sehr viel gesprochen. Wir brauchen einfach nur einen Tourdrummer. Das Problem mit Brynjar (The Grotesquery-Drummer, der aus beruflichen Gründen nicht touren kann) - wir würden nie daran denken, ihn in der Band zu ersetzen. Aber wir suchen einen Drummer, der gewillt ist, mit uns zu touren und mit der Rolle als Tourdrummer auch klarkommt. Natürlich sollte er auch in Schweden wohnen, damit wir zusammen proben können.
Ich komme gut damit klar, einfach ohne Vorbereitung loszulegen. Das mache ich schon sehr lange. Ich fühle mich gut aufgehoben, solange die Musiker musikalisch tight sind, da komme ich auch fast ohne Rehearsals aus.

Du hast kürzlich ein paar exzellente Gast-Vocals abgeliefert. Und zwar bei der holländischen Death Metal Vernichtungsmaschine Bodyfarm. Die haben den Massacre-Song "Cryptic Realms" gecovert. Wie lief diese Zusammenarbeit ab?
Tatsächlich haben sie zuerst Rogga kontaktiert. Doch der hat ihnen gleich meine Adresse gegeben. Und sie haben mich in einer Mail schlichtweg gefragt, ob ich Lust zu dieser Aktion hätte. Ich habe zugestimmt, solange ich mir die Version erst mal anhören könnte. Die mp3-Datei hatte ich dann umgehend. Und ich fand die Version echt großartig. Sie blieben nah am Original, trotzdem hat die Version den Charakter ihrer Band. Danach konnte ich mir ihr eigenes Material anhören und wurde sofort ein Fan der Band. Ich würde Bodyfarm sogar als eine meiner Lieblingsbands aus der neuen Zeit nennen und ihr Debüt gehört zu meiner persönlichen Auswahl für das beste Death Metal Album in diesem Jahr!


Das Interview führte Siegfried Wehkamp (per Mail).