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Interview: DESASTERKIDS

Berlin, Hauptstadt Deutschlands, Anlaufstelle vieler Musiker und nicht zuletzt Heimatstadt der DESASTERKIDS. Auf der Tour mit One Morning Left hat sich mega-metal.de nicht die Chance entgehen lassen, die stark polarisierenden Newcomer direkt mit Fragen unter Beschuss zu nehmen und so einiges für euch herausgefunden. Rede und Antwort standen uns dabei Shouter Andi Phoenix und Gitarrist Iain Duncan.

Erst einmal ganz einfach: wie geht's euch?
Iain: Super, erste Show von der Tour, jetzt das zweite Mal in Berlin und das ist ja auch erst insgesamt unsere vierte Show jetzt.

Wie habt ihr eigentlich zusammengefunden?
Iain: Im Sommer 2012 haben wir intensiv gesucht ...
Andi: Das letzte Bandmitglied haben wir, glaube ich, zwei Wochen vor dem Musikvideo gefunden, das war echt knapp, aber ich würde jetzt an unserem Line-Up jetzt auf gar keinen Fall noch irgendwas ändern, das ist echt perfekt so, wie es ist.
Iain: Wie wir so zusammenkamen, ist einfach ein Traum, denn als es ernsthaft darum ging, nach Membern zu suchen, war irgendwie alles ein "Golden Goal", jeder war sofort richtig aufgehoben - es war richtig für jeden.

Aber zeitlich ging das ja dann schon alles schnell, Member gefunden und raus mit der EP, oder?
Iain: Naja, gefühlt war es eine halbe Ewigkeit, bis du überhaupt Leute gefunden hast, bis du dann anfängst, dich musikalisch zu definieren, bis du dann anfängst Songs zu haben, bis du dann darüber hinaus weißt: was für eine Band willst du sein, was willst du transportieren, "was willst du ausstrahlen-Imagefragen", wobei die Hälfte sich dabei von allein erledigt hat. Ja, solche Dinge sind halt Entwicklungsprozesse, aber ja, war noch relativ schnell.
Andi: Wir haben auch alles aufgenommen, waren quasi bereit, bevor wir nach draußen gegangen sind und es gezeigt haben.

Iain, du warst ja früher bei We Butter The Bread With Butter. Was konntest du daraus in die neue Band mit übernehmen, zum Beispiel Labelkontake, usw.?
Iain: Klar, damals waren WBTBWB bei Redfield Records und daher kennen wir uns schon seit geraumer Zeit. Für uns kann man sich nichts Besseres wünschen. Abgesehen vom Label, sind aber alle Partner neu. Das sind Menschen, die kannte ich bereits privat und die sind jetzt neu.

Zum Beispiel Tasters? (Deren Sänger hat die Desasterkids-EP gemixed und gemastered.)
Iain: Das ist nochmal eine ganz andere Geschichte. Die spielten mit Of Mice And Men in Berlin und die brauchten ganz einfach einen Schlafplatz. Dann hab ich mit denen ein bisschen was getrunken, gut verstanden, dann irgendwie gequatscht, ich glaub' über Slipknot oder so und dann die Jungs zu mir eingeladen. Dann haben wir bei mir bis um 5 Uhr gefeiert und sind seitdem einfach ständig in Kontakt geblieben und dann führte eins zum anderen. Dieser Mix ist auch einfach überwältigend stark geworden!

Und die Gastvocals von ihm?
Iain: Ach, das war einfach spontan. Wir hatten die Songs fertig und er fragte uns, ob wir etwas dagegen hätten, wenn er Gastvocals machen würde. Natürlich haben wir sofort zugesagt. Ich finde das auch toll, wenn man sowas mit europäischen Bands macht, um dieser amerikanischen Dominanz entgegenzuwirken. Und der Tommy Antonini, das ist der Gitarrist, der hat unser Video gedreht und ist dafür nach Berlin geflogen.

Wer ist denn bei euch eigentlich der Kopf des Ganzen?
Andi (zeigt auf Iain): Er ist unser "Hitler".
Soll ich das so schreiben ... ?
Iain: Auf jeden Fall! (lacht)
Andi: Also es ist nicht so, dass er uns alles vorschreibt. Ich versuche dann immer, ein paar andere Sachen durchzubringen.
Iain: Ich bin wahrscheinlich so ein Visionstyp, der immer erstmal seine Vision verwirklichen will, und jeder, der was anderes sagt, liegt erst mal grundsätzlich falsch. Aber dann gibt es da den Andi und den Jonas (2. Gitarrist), die einen ziemlichen Gegenpol dazu bauen - ich denke es ist ein gesundes Bandleben.

Also mehr "Band" oder "Iain plus Band"?
Iain: Band! Das andere will ich auch nicht. Ich bin, was das angeht, zur Zeit ein Materialscheißer, ich schreibe viel. Jonas kann Material immer sehr gut beurteilen, was z.B. fehlt. Und dann diskutieren wir immer viel. Wir proben Material auch immer gleich ein, um ein besseres Gefühl zu bekommen, wie sich ein Song, auch live, anfühlt.
Zusätzlich können mehr Konsumenten einen Song viel besser einschätzen.

Wo du schon von Konsumenten sprichst: wie hat sich das Ganze denn von Seiten der Fanbase gezeigt? Auch in Bezug auf die "Hater"?
Andi: Naja, wir haben bis jetzt ja erst drei Shows gespielt, online sind halt die Hater viel lauter, aber live sind die Fans viel präsenter.
Iain: Das Problem ist halt: In Deutschland ist die Hardcore-Polizei echt stark. Wenn du da ankommst und eine neue Band bist und ein Set-Up hast, wofür andere Jahre brauchen und du vielleicht aus einer anderen Band kommst, die auch ein Label hatte, dann finden die Leute das scheiße, weil es nicht ihrem "Prinzip einer ehrlichen Bandentwicklung" gerecht wird. Das kann ich auch verstehen, aber deswegen hören viele erst gar nicht wertfrei hin, sondern haben halt in ihrem Kopf das Vorurteil, weil die Leute das dann gar nicht erst hören, sondern nur aufs Image gehen.

Inwiefern ist denn euer Image "Sex, Beer, Breakdowns" real?
Iain: Wenn du es schon so herum drehst, das Image ist nichts, was wir vorher beschlossen haben, sondern vielmehr hat es sich im Laufe der Entwicklung der Band ergeben. Am Anfang war es nur ein Song, der so heißen könnte und dann irgendwann war es halt die EP, die so hieß, weil es einfach ein Teil von uns ist.

Also nicht aufgesetzt? Es gibt ja auch Bands, die sich da privat ganz stark von abgrenzen, wie zum Beispiel Eskimo Callboy.
Iain: Nein, bei uns ist es einfach so. Klar, privat speckt man da irgendwo ab, aber das ändert nichts daran, dass wir auch privat voll die sexistischen Schweine sind. Klar, so viel saufen wir jetzt nun auch nicht, dass wir uns irgendwie unsere Gesundheit ruinieren. Doch wir hauen gerne auf den Putz und lassen uns da auch nicht reinreden.

Und wie war das dann bei der Richtungssuche? Habt ihr es da einfach laufen lassen und warum trotz dieser Vorliebe für Breakdowns dann nicht beispielsweise auf Deathcore gesetzt?
Iain: Deathcore ist halt irgendwie kacke ... das kannst du auch gerne so schreiben, wirklich, haha! Irgendwie kacke.
Andi: Ja, wir sind halt nicht auf Djent oder Deathcore aus, sondern die Form von - ich nenn's mal Metalcore - ist halt genau unser Ding und deshalb gab es da auch nie irgendwie Streitigkeiten, ob wir da HipHop oder sowas mit reinbringen.
Iain: Wir haben auch, muss ich sagen, ziemlich wenig nach links und rechts gehört, damit ich nicht verwirrt werde. Wir haben zwar jeder so unsere Bands, die er gerne hört, aber wir versuchen eine eigene musikalische Identität zu gewinnen. Wir stellen jetzt untereinander fest, dass wir alle total gerne Slipknot oder Linkin Park hören, halt diese Nu Metal Klassiker, wovon wir jetzt irgendwie zehren, die sich langsam aber sicher in unseren Schreibprozess einschleichen.

Iain, du hast ja jetzt angefangen zu singen, das war ja vorher auch nicht der Fall, wie kam es denn dazu?
Iain: Ich hatte einfach Lust drauf! Ich wollte schon immer mal in einer Band Gitarre spielen und singen. Ich habe mir damit halt so einen kleinen Traum erfüllt. Ob es so weitergeht, ist jetzt noch nicht abzusehen.

Auch in Hinblick auf ein Album?
Andi: Ja, wir haben schon einige Songs, die mehr oder weniger feststehen, die dann auch ausschlaggebend sind für das nächste Album.
Iain: Natürlich kann man Kreativität nicht erzwingen, sonst kommt dabei eben Heino raus, aber irgendwo bringt uns das Anpeilen eines gewissen Zeitraumes schon etwas, weil einem das viel mehr ermöglicht. Guck mal: Ziel ist es, das Album noch vor dem nächsten Sommer rauszuhauen. Das ist jetzt noch fast ein Jahr Zeit, entsprechend dann auch nachzuliefern und an das anzuknüpfen, was man jetzt draußen hat.
Andi: Das Album wird lyrisch noch mehr "Sex, Beer, Breakdowns" als die EP.
Iain: Wir sind jetzt zum Beispiel auf so einem Trip, mit einem Lied übers Pumpen, weil Andi und Paul halt ständig ins Fitnessstudio gehen.
Andi: Halt so ein Shit, den man nicht zu ernst nehmen sollte.

Thema Soziale Netzwerke, wo ihr ja relativ präsent seid. Ist man mittlerweile schon genervt vom "Hate", wenn man was posted oder wie ist das bei euch?
Iain: Da haben sich die ganzen Hater einmal so richtig ans Bein gepisst: Ein "Hater" schreib etwas an unsere Pinnwand, der hatte viele Befürworter und sein Eintrag trat eine Diskussion los. Es kamen 50 Antwort-Kommentare unter seinen Post und so hat sich unsere Reichweite von der Seite irgendwie um 500% gesteigert und uns richtig ins Gespräch gebracht - durch Hate. Das finden dann natürlich sehr viele Menschen "kacke" und das können die auch gerne tun, ich finde auch vieles scheiße.
Andi: Also uns nerven tut das gar nicht, wir freuen uns, dass wir im Gespräch sind.
Iain: Die Hater sind halt unglaublich ausfallend und lehnen einfach mal alles ab, ich sag mir dann: Ja toll, geh zu Impericon, hol' dir ein Hatebreed-Shirt und dann geh Two-Step machen, dann brauchst du dich gar nicht mit uns auseinanderzusetzen. Dann sollen sie uns halt ignorieren, wobei ich find's besser, wenn sie es nicht tun, denn wenn die bei uns auf die Seite schreiben: "ihr seid scheiße!", dann sehen all ihre Freunde das und jeder hat somit mal Desasterkids gesehen - das ist halt auch irgendwo Promotion.

Ihr seid ja grad auf Tour. Ist schon mehr in die Richtung geplant?
Iain: Ja, da kommt nächste Woche noch was. Da sind coole Leute, mit denen wir zusammenarbeiten, wir sehen zu, dass wir auf die Straße kommen, wenn wir Glück haben, wird's viel, wenn wir weniger Glück haben, wird's nicht so viel, aber da scheint auf jeden Fall was zu sein. Ende des Jahres geht's auf eine längere Tour. Mehr kann ich aber nicht verraten, weil es alles auch noch nicht feststeht ... ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen werde: "mehr darf ich dazu nicht sagen" ...

Und wie kam die Zusammenarbeit mit One Morning Left?
Iain: Die kenn ich halt schon recht lange, fünf Jahre oder so. Ich war mal zu WBTBWB-Zeiten mit denen unterwegs. Die sind ganz schön durchgeknallt. Der Sänger von denen hat mal eine Bierflasche aus dem Auto geworfen, wurde dann von der Polizei angehalten, dann hat er denen den Arsch gezeigt und musste 900 Euro Kaution bezahlen, damit er aus dem Knast kommt. Da war natürlich bei WBTBWB ein riesen Aufschrei, aber jetzt inzwischen finde ich das ziemlich lustig und ich finde es auch gut, dass ich das lustig finden kann. Damals fand ich super, was wir mit WBTBWB gemacht haben, aber jetzt bin ich halt auch froh, dass ich freidrehen kann.

Was hältst du denn vom neuen WBTBWB-Album?
Iain: Ich finde es ehrlich gesagt echt gut. Es ist richtig gut. Es wird komisch angenommen, aber es chartet, ich finde es ziemlich gelungen. Ich freu mich für die, dass sie es in die Charts geschafft haben und ich bin auch irgendwo stolz, dass ich mal dabei war. Ich habe viel gelernt und es hat mich auch zu dem Menschen gemacht, der ich jetzt bin. Aber ich würde am liebsten vor jedem Interview sagen: Lass uns nicht über WBTBWB reden. Ich will halt nicht, dass wir immer verglichen werden, es ist halt was Neues und alle sollen chillen.

Noch letzte Worte?
Iain: Alle sollen mal chillen. Wer uns nicht mag: Es gibt genug andere Bands. Geht hin und macht euren blöden Two-Step und eure Windmühle und ihr könnt voll Hardcore sein, eure Socken bis zu den Knien ziehen, Bauchtasche umsetzen und Vegan leben - um mal das Klischee zu benutzen. Jeder soll halt sein Klischee bedienen.


Das Interview führte Hannes Fleisch.
Berlin, 19. September 2013