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Interview: DOWN AMONG THE DEAD MEN

Ein neues Projekt vom schwedischen Death Metal-Tausendsassa Rogga Johansson ist heutzutage schon fast an der Tagesordnung. Für DOWN AMONG THE DEAD MEN kam es aber zur Zusammenarbeit mit keinem Geringeren als ex-Benediction/ex-Bolt Thrower-Frontmann Dave Ingram (Foto, links). Schön, dass auch gerade der in Dänemark lebende Brite für Interviews bereit steht und eine Menge zu erzählen hat.

Dave, willkommen zurück im Metal Zirkus!
Einige Fans werden vielleicht meine letzten Erinnerungen an dich teilen. Die Bolt Trower-Tour mit Crowbar, diverse Nuclear Blast-Festivals und die Support-Tour mit Death. Was hast du in den ganzen Jahren danach getrieben?
Du sagst "willkommen zurück", aber die Wahrheit ist, dass ich kaum weg war. Nachdem ich Bolt Thrower verlassen habe, habe ich hier in Dänemark mit einer Band namens Downlord angefangen. Die Band hat die EP "Grind Trials" und das Full-Length Album "Random Dictionary Of The Damned" veröffentlicht. In 2006 haben wir sogar mit Bolt Thrower getourt. Wir beendeten die Band, als wir unsere Ziele erreicht hatten. Es war also Zeit für das nächste Projekt - Internet Radio.
Mit meinem guten Freund Donovan Spenceley begann ich eine Metal Show für das Internet Radio, die "Metal Breakfast Radio" heißt. Wir starteten als simples Podcast mit einer Hörerzahl von Null und sind jetzt soweit, dass wir bei fünf Radio-Stationen (von denen wir wissen!) "eingebunden" wurden, mit teilweise bis zu 3000 Downloads pro Woche. Es ist nicht die stinknormale Radiosendung, da Donovan und ich für die Musik, die uns zugesendet wird, auch Kommentare und Punkte vergeben. Und wenn es uns nicht gefällt, fliegt es auch raus. Die positive Form von Kritik selbstverständlich - und das gilt für jede Band. Manche regen sich schon mal darüber auf. Aber wenn sich jemand über solche Kritik aufregt, ist er im falschen Geschäft. Nun, wir haben meistens ein paar Bierchen, wenn wir die Show aufnehmen. Da kann es schon mal etwas lustiger zugehen. Wir machen das jetzt seit fünfeinhalb Jahren jede Woche und ich denke, wir werden auch nicht aufhören.
Zusätzlich mache ich noch eine Sendung, die sich "Lamberts Basement" nennt. Hier fröne ich meiner anderen musikalischen Leidenschaft: Big Band Jazz. Hier kommt wundervolle Musik einer vergangenen Zeit zu Wort.
Und ein paar Gast-Beiträge als Sänger hatte ich dann auch noch. Nur um eine paar zu nennen - Necrodemon (USA), Anton (Italien), Iron Fire (Dänemark) und erst kürzlich Just Before Dawn (Schweden). Außerdem arbeite ich noch an einem Buch, wenn es die Zeit zulässt.
Du siehst - ich war also kaum weg. Habe nur andere Dinge gemacht. Wenn Du ein bisschen recherchiert hättest, hättest du das auch heraus gefunden.

In einem ganz alten Interview hast Du mal erwähnt, du hättest als Buchhalter gearbeitet. Hat dir das im Metal Business irgendwie geholfen?
Haha! Wie lange ist das denn her? Das war ja 1990! Ich habe damals in einem einfachen Büro gearbeitet und man hat mir auch eine Karriere in Aussicht gestellt. Aber die Chance in einer Band zu spielen war da und ich habe sie genutzt. So war mein Leben doch um einiges erfüllter und ich bereue gar nichts. Und Buchhaltung im Metal hilfreich? Machst du Witze?

Sprung in die Gegenwart: Es gibt so viele Projekte da draußen. Was war an Down Among The Dead Men so faszinierend? Und wie kam der Kontakt mit Rogga Johansson zustande?
Rogga hatte mich angeschrieben und mich nach einem Beitrag für einen Song zu einem neuen Projekt von ihm gefragt. Während ich an den Texten gearbeitet habe, die er mir geschickt hat, dachte ich über ein vollständiges Album mit ihm nach und habe ihn auch gleich gefragt. Und nach ein paar Tagen mit einigem hin- und her-Mailen war Down Among The Dead Men geboren. An solch einem Projekt wollte ich schon seit Längerem arbeiten, deshalb ist es wohl so faszinierend.

Ich nenne Rogga scherzhaft den "Toni Iommi of Death Metal". Überrascht oder vielleicht erschreckt dich seine Kreativität sogar?
Weder noch. Warum sollte mich ein talentierter Musiker überraschen. Erschrecken? Nochmal - machst du Witze? Ich bin stolz darauf, mit ihm zu arbeiten. Ich bin ein Fan seiner Band Paganizer und es war klasse, mit ihm etwas Neues auf die Beine zu stellen.

Wie stark war dein musikalischer Einfluss bei Down Among The Dead Men? Oder war es rein Rogga's Input mit deinen Vocals
Ich habe drei Songs für das Album geschrieben. Ein bisschen hat Rogga daran aber noch optimiert. Den Rest hat er mit Dennis (Drums) geschrieben. Die Texte kommen alle von mir. Dabei habe ich Rogga extra gesagt, er sei herzlich eingeladen, auch ein paar Texte beizusteuern. Obwohl er wohl ganz glücklich ist, dass ich das gemacht habe.

Dein Sohn Oliver hat ein paar Backing Vocals für den Titelsong beigesteuert. Nun … wir haben eine Cavalera Conspiracy, Max' Sohn Zion spielt auf der neuen Soulfly. Ist da ein "Ingram-Institut" im Anmarsch? Und überhaupt - bevorzugt der Sohnemann die gleiche Musik wie der Herr Papa?
Seine musikalischen Vorlieben sind seine und ich werde ihm da in keinster Weise reinreden. Er liebt alle Bands, in denen ich spiele - aus der Vergangenheit und Gegenwart. Und er zeigt seinen Freunden (und den Lehrern in der Schule!) jede Menge YouTube-Videos von mir. Wenn er es wünscht, wird es eine erneute Zusammenarbeit geben. Es war wundervoll, ihn auf dem Album zu haben und mit ihm an meiner Seite im Studio zu arbeiten.

1993 wurde das in meinen Augen beste Benediction-Album veröffentlicht: "Transcend The Rubicon". Hier sind wir nun 20 Jahre später. Wenn du diese Zeiten bezüglich der Metal Szene miteinander vergleichst: Wo mögen wohl die besten und/oder schlimmsten Veränderungen liegen?
Metal verändert. So erhält er sich seine Langlebigkeit. Und diese Veränderungen werden von den einen geliebt und von den anderen gehasst. Ich? Mich berührt das nicht. Denn ich weiß, es wird sich immer weiter bewegen und gedeihen. 20 Jahre sind vergangen und Bands leben immer noch von vergangenen Blütezeiten, obwohl sie eigentlich nach vorne streben sollten. Stehenbleiben und stagnieren oder weitermachen und nach vorne schauen. Deshalb überleben nur die Starken.

Du warst 1995 hierzulande mit Death auf Tour, kannst also direkte Fakten berichten. Da muss ich einfach fragen: Wie war Chuck Schuldiner wirklich?
Chuck war ein ruhiger, freundlicher und höflicher Mensch. Er liebte seinen Old School Metal und hat fantastische Musik geschrieben, die sehr viele inspiriert hat. Es war eine Ehre für mich, mit ihm auf Tour zu gehen.

Vielen Dank, Dave, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast.
Ich danke dir für das Interview.


Das Interview führte Siegfried Wehkamp (per Mail).
November 2013