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Interview: CHUNK! NO, CAPTAIN CHUNK!

Anfang April trafen die Franzosen CHUNK! NO, CAPTAIN CHUNK! in Berlin ein, um als Support-Band für Bury Tomorrow quer durch Europa ihre Shows zu spielen. Im Comet-Club stellte sich Sänger Bertrand Poncet (Foto, Mitte) unseren Fragen.

Euer Bandname ist ja ein Zitat aus dem Film "Die Goonies" - warum habt Ihr von all den möglichen Bandnamen gerade diesen ausgewählt?
Naja, grundsätzlich ist es so, dass wir eigentlich erwachsene Kinder sind. Wir sind jetzt alle etwa 25, aber wir leben immer noch wie die Kinder, die wir früher waren. Und dieser Film ist für uns einfach eine Verbindung zu unserer Kindheit. Es ist natürlich nicht der Grund, warum wir die Band gegründet haben, aber wir dachten, es wäre ein guter Bezug zu dem Kindheits-Ding.

Wie ist das für dich als Sänger, fühlst du dich wie der Kopf der Band, zumal du ja auch immer die Interviews gibst?
Dass ich die Interviews mache, hat den ganz einfachen Grund, dass ich am besten Englisch spreche, haha, aber das Konzept einer Band, in der einer der Chef ist, gefällt mir irgendwie nicht. Ich denke, bei uns hat jeder in der Band seinen Platz und jeder ist wichtig, auch für die Band an sich. Wir sind schließlich eine Band und keine Einzelperson, wir sind ja auch Freunde.

Bei euch ist es ja so, dass ihr seit eurer Gründung 2007 immer noch in der gelichen Besetzung spielt. Gibt es dafür ein Geheimrezept oder sogar einen Tipp für andere Bands?
Ich denke, das Geheimnis ist, die Band mit deinen Freunden zu starten. Denn ganz ehrlich, gerade in diesem Genre ist es so, dass die ganz großen Bands aus unterschiedlichen Orten zusammenkommen, nur um eine Band zu sein, aber sie sind keine Freunde. Wir sind Freunde, die eben gemeinsam Musik gemacht haben und so wurde dann etwas daraus.

Dein Bruder ist ja auch in der Band. Ist das für dich eine Art Erleichterung, speziell in Sachen Familie oder sogar Heimweh?
Also in Europa ist es eigentlich nicht so, dass ich mich nach Frankreich zurücksehne, aber wenn wir mal in Amerika auf Tour sind, dann wünsche ich mir schon, dass ich auch mal einen Tag zu Hause sein kann. Jetzt hier in Deutschland ist es immer noch irgendwie wie zu Hause, aber in den Staaten sind die Leute einfach anders und dann hat man eher Heimweh, ja. Aber jetzt gerade ist es ja erst die dritte Show, also ist das alles noch nicht so schlimm.

Gefällt es dir hier in Deutschland?
Tatsächlich war ich schon oft hier, zunächst mit meiner Familie. Ich hatte nämlich in der Schule Deutschunterricht und dann waren wir im Schwarzwald, aber danach kam ich auch öfter mal wieder. Für "Touristenkram" nach Berlin vor etwa zehn Jahren und dann, vor etwa drei Jahren haben wir genau in diesem Ort hier schon einmal gespielt.

Habt ihr für die Zukunft schon neue Projekte geplant? Ein Album oder vielleicht auch nur eine EP?
Wir werden bald neues Material herausbringen, also wirklich wirklich bald, aber ich darf dazu noch nichts sagen, sonst bekomme ich Probleme, haha, ich sage nur so viel: Keiner wird das erwarten. Und nein, keine EP. Aber nächstes Jahr, etwa um die gleiche Zeit, wollen wir ein neues Album veröffentlichen

Mehr in die harte Richtung oder wird es poppiger oder ganz anders?
Wir wollen nicht plötzlich ganz andere Musik machen, wir wollen unseren Stil stärker definieren und das umsetzen, was uns wichtig ist, nur eben etwas weiterentwickelt, aber nicht völlig verschieden.

Und wie steht es mit Gastvocals, singst du gerne für andere Bands?
Ehrlich, ich helfe sehr gerne anderen Bands, vor allem wenn diese sagen "hey ihr seid eine große Inspiration für uns, willst du nicht mal Gastvocals machen?", dann sage ich normalerweise: Klar, gerne! Selbstverständlich höre ich mir vorher die Band an, aber ich möchte gerne anderen helfen, weil ich weiß, wie schwer es gerade in diesem Genre ist, richtig Fuß zu fassen. Ich habe zum Beispiel für Hearts & Hands schon Vocals aufgenommen.

Singst oder shoutest du dann lieber?
Auf der Bühne schreie ich lieber. Ich finde, das ist live sinnvoller, als im Studio und auf CD. Natürlich singe ich auch gerne, auch wenn das wesentlich komplizierter ist. Aber das ist ja genau mein Ding, zwischen dem Pop-Gesang und den harten Growls zu wechseln. Vor allem überrasche ich gerne Leute. Wenn sie uns zum ersten mal sehen, dann sehen die da diesen kleinen, schmalen Typen - aber dann zeig ich meine Low-Vocals und alle sind überrascht. Also es ist jedes mal eine andere Atmosphäre. Wenn ich aber eins auswählen müsste, dann wohl Singen.

Wenn du die Wahl hättest, dir für euer nächstes Album irgendjemanden zu holen, egal wen, wer wäre das?
Egal wen? Da würde ich sofort nach ganz oben gucken: Blink 182, New Found Glory, Four Year Strong - die haben uns sehr beeinflusst.

Welches war das beste und das schlechteste Konzert, das ihr je gespielt habt?
Oh, das beste war vor ungefähr einem Monat in Moskau. Wir waren die einzige Band, die an dem Abend gespielt hat, ohne Vorband, ohne alles, nur wir. Alle kamen also nur für uns und es war mit 800 Leuten ausverkauft. Die sind richtig ausgeflippt, von einem Balkon aus ,sind die immer nach unten gesprungen und dann bei einem Song haben Cheerleader dazu getanzt, das war genial.
Das schlechteste war in Amerika, ich glaube das war Mississippi. Da hat der Veranstalter richtig Mist bei der Promotion der Show gemacht, deshalb kam niemand, weil niemand wusste, dass wir spielen. Es war also niemand da und ich sagte: Komm, wir spielen die Show, aber dafür muss ich sehr betrunken sein. Das Problem war dann, dass ich zu betrunken war und nur noch gelacht und nicht mehr gesungen habe. Das war schrecklich ...

Welcher eurer Songs bedeutet dir persönlich am meisten?
Das ist "Miles and Decibels". Darin geht es um das Tourleben, Heimweh haben, eben unser Leben. Aber auch "Bipolar Mind" ist einer meiner Lieblingssongs. Er spiegelt auch wieder, wie sich unser Leben trennt, denn auf Tour bin ich jemand ganz anderes, als im Privaten. Diese beiden Leben sind für mich total verschieden und man kann sie nicht miteinander vergleichen. Zu Hause, zum Beispiel, habe ich mein Business, in dem ich als Musik-Produzent arbeite und wenn ich auf Tour bin, dann ist das keine Arbeit, sondern Spaß und Party. Mein soziales Leben findet also auf Tour statt und in Paris ist es dann eben die Arbeit, was irgendwie komisch ist. Aber ich könnte mich nicht entscheiden, wenn ich mich für ein Leben entscheiden müsste. Es ist komisch, aber auch grandios und eben mein Leben.

Wenn du drei CDs auf eine einsame Insel mitnehmen würdest, welche wären das?
Eine CD, die mir sehr wichtig ist, ist von Blink 182 "Take Off Your Pants And Jacket". Dann die "Homesick" von A Day To Remember. Die haben mich dem Metal sehr viel näher gebracht, waren also auch ein großer Einfluss für mich. Und als drittes vielleicht das erste Album von Four Year Strong, "It's Our Time“.

Dann vielen Dank für das Interview und ich hoffe, du genießt den Tag in Berlin!
Danke und dir viel Spaß bei der Show nachher, ich hoffe es gefällt dir!


Das Interview führte Hannes Fleisch.
Berlin, 04. April 2014