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Interview: CLAW

Die Schweizer Formation CLAW erscheint mit ihrem Debüt im Oktober als ein unbeschriebenes Blatt in der Szene. Dabei ist das Gesamtprodukt bereits so stimmig, dass man nicht wirklich schwerwiegende negative Dinge über die CD sagen kann. Wieso das so ist? Sänger/Gitarrist Niko Prensivelic gibt ausführlich Auskunft.

Der Release eures Debüt "Claw" ist jetzt schon gute zwei Monate her. Gab es irgendwelche positiven oder negativen Reaktionen, die dich überrascht haben?
Die Reaktionen waren hauptsächlich sehr positiv und haben uns in unserer Arbeit bekräftigt. Wir bekamen viele gute Kritiken, was eine Erleichterung ist, angesichts der jahrelangen Arbeit an dem Album. Es scheint, als hätten die meisten Schreiber den Punkt getroffen, in Bezug auf das, was wir mit Claw erreichen wollen: ein klassisches, aber modern klingendes Metal Album. Und wir folgen da keinen Trends. Wir wollen nicht ins Radio, wir sind nicht Metalcore, wir fabrizieren keinen extremen Underground-Sound aus den Katakomben, um die elitären Metalheads zu beruhigen. Wir sind einfach der Leidenschaft nachgegangen, die uns selbst zu dieser Musik brachte. Und das hat sich wohl ausgezahlt. Da bin ich wirklich erleichtert. Es wäre ziemlich deprimierend gewesen, wenn wir nur "so la la"-Reviews oder sonstige Verrisse bekommen hätten. Fazit: ein guter Start und natürlich versuchen wir, das zweite Album noch besser zu machen.

Stört es dich, wenn du überall mit deinem offensichtlichsten Einfluss konfrontiert wirst - Megadeth?
Überhaupt nicht. Ich bin stolz auf meine Einflüsse. Jeder Künstler wird ja von irgendjemandem beeinflusst. Megadeth waren meine Lieblingsband als Teenager, da ist es nur logisch, dass das auf die Musik abfärbt. Aber wir wollen keine Kopie sein. Abgesehen davon stammt die Hälfte der Songs eben aus meiner Teenager-Zeit. Du kannst sicher sein, dass das neue Material mehr eigene Note haben wird. Mit dem zweiten oder dritten Album werden wir wohl unseren Sound haben, so dass Fans sagen können, dass es nach Claw klingt. Einflüsse bleiben. Außerdem steckt in Claw ja noch mehr als nur Megadeth.

Ihr gehört zu den wenigen Bands, die eine hörbare Ähnlichkeit zu Megadeth haben. Die meisten tendieren zu Iron Maiden, Judas Priest, Metallica, Slayer - die ganz Großen. Aber die werden irgendwann auch verschwinden. Fallen dir drei (oder sogar fünf) heutige Bands ein, die sich einen ähnlich langfristigen Erfolg erarbeiten könnten wie "die Großen"?
Interessante und wichtige Frage, die ich mir auch oft stelle. Die Großen touren ja immer noch und haben sich einen Legenden-Status erarbeitet. Verdient natürlich. Sie kamen aus einer anderen Zeit, wo die Industrie noch anders war (da konnte noch Geld verdient werden!), wo man Pionier sein konnte und Sachen tun konnte, die niemand anderes vor dir gemacht hat. Wo das Aufnehmen von Musik für sich schon eine Errungenschaft war. Die Bands sind immer noch aktiv und ziehen auch weiterhin die Aufmerksamkeit auf sich. Wieso sollte man sich eine drittklassige Thrash Metal Band anhören, wenn du zum Ursprung gehen kannst und Slayer auflegst. Nicht, dass es keine guten Bands gibt (das würde ich aber auch sagen), aber …
Natürlich denkt man darüber nach, was passiert, wenn AC/DC, Metallica oder Iron Maiden nicht mehr da sind. Aber es sieht nicht so aus, als würden sie demnächst verschwinden. Verdammt, die Rolling Stones sind ja auch noch da.
Es sieht so aus, als wären wir momentan in einer Ära, wo jeder mit YouTube oder Facebook ein Mini-Star werden kann. Die Menschen haben eine kurze Aufmerksamkeitsspanne und schalten sekundenschnell von einer Sache zur nächsten. Und in Bezug auf Musik gehen die meisten zu den bewährten Acts. Ich kann dir keine Bands auf diese Frage nennen. Für neue Musiker ist das wirklich schwierig. Einige werden bestimmt größer und werden uns echt wegblasen, durch ihre Frische und neue Dinge … aber wer, wann und wie? Keine Ahnung. Mit Claw versuche ich einfach das Bestmögliche.

Das Claw-Konzept kommt sehr stimmig rüber - Cover, Design, Texte, Sound. So etwas passiert aber nicht über Nacht. Soll dieses Konzept in Zukunft weitergeführt werden?
Ein weitere interessante Frage, weil ich darüber noch gar nicht entschieden habe. Ich liebe das Konzept und ich glaube, da stecken noch viel mehr Möglichkeiten drin. Andererseits, so sehr so etwas die eigene Band von anderen unterscheiden kann - es kann dich auch einengen und dann werden wir zu "Mad Max Band", so wie Amon Amarth zum Beispiel die "Viking Band" sind. Ich möchte mich nicht limitieren. Eine Sache ist aber sicher, das Visuelle ist sehr wichtig dabei und wird immer dabei sein.
Ich glaube, wir können das Konzept noch weiterführen. Vielleicht mit ein paar verrückten Sachen etwas aufpeppen. Das ist zumindest meine Absicht. Ich habe schon ein paar Ideen gesammelt und kann gar es erwarten, sie weiter auszuarbeiten.

Was macht das Thema "(Post) Apokalypse" so interessant und auch so wichtig für euren Sound?
Ich schätze, ich fühle mich zu diesem Thema hingezogen, weil es sich sehr realistisch anfühlt, verglichen mit dem, was derzeit so passiert. Die Post-Apokalypse hat auch eine gewisse Ästhetik, die ich in gewisser Form sehr faszinierend und auch schön finde.
Speziell bei Thrash Bands ist es natürlich auch ein großes Klischee. Aber es ist spannend, damit zu spielen und es auf eine neue Art auszudrücken. Und offensichtlich passt es einfach zur Musik, die wir schreiben.

Ist das Ende eventuell schon näher als wir denken?
Sicherlich. Auch wenn es mich genau so verrückt klingen lässt, wie diejenigen, die an diesen 2012-Bullshit vor ein paar Jahren geglaubt haben, haha. Die Dinge werden echt gruselig und es ist durchaus möglich, dass unsere Generation Zeuge einer sehr großen Veränderung wird.
Die Erde hat eine Menge Zivilisationen kommen und gehen sehen, verschiedene klimatische Katastrophen. Also irgendwie waren ja schon ein paar "Apokalypsen" da.
Der einzige Unterschied ist, dass das Potential der Zerstörung noch nie auf einem so hohen Level stand. Gut, dass wir keine durchgeknallten, politischen Führer haben .. warte, doch - haben wir …
Sich "Mad Max" anzuschauen wirkt mit jedem vergangenen Tag immer mehr wie eine Dokumentation, als wie ein Science Fiction Film.
Auf der anderen Seite war die Menschheit immer überraschend gut darin zu überleben. Und dieser Satz ist nur dazu da, um das Interview mit einer positiven Note abzuschliessen.

Irgendwie rührend, wie ein Musiker auch wirklich mal an die Leser denkt.


Das Interview führte Siegfried Wehkamp (per Mail).
Dezember 2014