Impressum Startseite
Reviews Interviews Live Specials Jobs

Interview: COBRA

Die peruanischen COBRA haben mit ihrem zweiten Album "To Hell" zahlreiche gute Kritiken eingefahren - auch bei uns. Wer auf den unverfälschten Metalsound von einer wirklich hörbar hungrigen Band steht, darf dieses Album nicht unbeachtet lassen. Wir klopften mal bei der Band an und fragten nach dem Stand der Dinge, Gitarrist Nito (Foto, 2. von links) antwortete gerne.

Zuerst einmal darf ich euch zu "To Hell" gratulieren. Ich schätze, der traditionsbewusste Metalfan wird das Album bedingungslos lieben. Eure Einflüsse gehen rund um den Globus, bleiben dabei aber in den glorreichen Achtzigern, vom US Metal über die NWOBHM bis rüber nach Japan.
Und jetzt das Ganze in euren eigenen Worten.
Vielen Dank für die warmen Worte. Die Vision ist einfach aggressiven Metal zu machen. Wir spielen unsere Instrumente nicht mit Lichtgeschwindigkeit, brauchen auch keinen Eunuchengesang und generell keine hochtechnischen Dinge. Metal ist die Manifestation der Gewalt, da sind die eigenen Fähigkeiten eher zweitrangig. Dennoch, wir identifizieren uns nicht mit einem bestimmten Bereich des Metal. Wir können Bands dieser Art aus der ganzen Welt anhören.

Wie kam der Deal mit Ván Records zustande?
Das Label, welches sich um Cobra's Belange kümmert, ist Peruvian Austral Holocaust. Als wir die Promotion für "To Hell" gestartet haben, haben wir einige Labels aus der ganzen Welt angeschrieben, mit dem Vorhaben, einen guten Vertrieb zu finden. Irgendjemand von den angeschriebenen Personen kannte dann jemanden bei Ván Records und kurz nachdem die uns geschrieben hatten, war der Deal mit Peruvian Austral Holocaust klar, dass Ván Records "Lethal Strike" auf Vinyl und "To Hell" auf Vinyl und CD veröffentlichen werden.

Für alle, die eurer Debüt "Lethal Strike" (2011) nicht kennen: Habt ihr euer Qualitätsniveau gesteigert? Und wenn ja (was an sich schon eine komische Frage ist), wo und wie habt ihr euch weiterentwickelt
Ich glaube, wir haben immer noch die selbe Vision wie vor acht Jahren. Was sich aber entwickelt hat, ist der Songwriting-Prozess. Wir nehmen uns mehr Zeit, alles besser in das richtige Licht zu rücken. Ich mag auch den Sound der Scheibe. Es hat mich echt überrascht, dass ich in einigen Reviews lesen musste, wie den Schreibern das Ganze zu unpoliert und schwach produziert klang. Tatsächlich war das aber unsere Absicht. Ich finde, dass viele Alben heutzutage viel zu sauber klingen, als wenn da einfach der Dreck fehlt.

Durch das Internet wird Metal globaler denn je. E-Mail-Verkehr zwischen Deutschland und Peru ist nicht mehr der Rede wert. Aber wie sieht die Situation bei euch vor Ort aus?

1. Ist es schwer, eine Metalband in Peru zusammenzustellen?
Ja, man findet nicht gerade viele Metalheads. Die meisten werden dann doch vom Mainstream infiziert. Aber im Prinzip ist es wie überall auf der Welt - du findest zu viele Gitarristen, zu wenig Bassisten und am Ende den Drummer, der in acht anderen Bands spielt.
2. Wie sieht es mit Zensur von der Obrigkeit aus?
Heutzutage gibt es da keine Probleme mehr. Du kannst in den Texten fast über alles schreiben und keiner wird dir dazwischen funken. Ich erinnere mich aber an eine Geschichte mit Goat Semen, der Band unseres Produzenten Erick Neyra. Er hat seine Promo-Pakete ganz normal per Mail verschickt und bekam dann eine Nachricht, dass er sich für sein Produkt mal erklären müsse. Die waren wohl etwas aufgeregt, weil er das Wort "Terrorismus" benutzte und wir haben diesbezüglich eine traurige Vergangenheit aus den Achtzigern. Die wollten ihn wegen Glorifizierung von Terrorismus anklagen, aber weiter als bis zu einem einfachen Meeting ging es doch nicht.
3. Und was ist mit der Akzeptanz in der Öffentlichkeit ?
Unsere Fanbase hat sich über die Jahre hinweg immer vergrößert und wir hoffen, dass wir sie nicht enttäuschen. Wir wollen eigentlich nur auf die gleiche Weise weiterrocken.
4. Würdest du die Szene als groß bezeichnen?
Peru hat nicht unbedingt eine große Anzahl von Bands, aber ein paar davon sind richtig gut, speziell im extremen Metal-Bereich.
5. Welche Bands empiehlst du aus anderen Stilrichtungen?
Hadez, Mortem, Goat Semen, Anal Vomit, Mortuorio, Putrid, Death Invoker, Blasphemous Division, Bestial Possession, Evil Spectrum, Morbid Slaughter, Maze of Terror, Sexorcist, Vlad, Necrophagore.

Ihr seid bereits für das prestigeträchtige Keep It True Festival in 2015 gebucht, wo ihr die Bühne mit großen Namen wie Riot V, Titan Force, Exciter und Uli Jon Roth teilen werdet. Die Erwartungen müssen immens sein.
Wir sind echt aufgeregt, dass wir dabei sein dürfen. Wir wollten immer bei einem Festival dieser Art dabei sein, mit dieser Ausrichtung an Bands. Es erscheint uns wie das große Los. Ich kann es noch nicht glauben, dass wir da spielen. Also seid vorgewarnt, unsere Power wird sich kräftig entladen und es werden ihr einige Nacken zum Opfer fallen.

Vielen Dank für das Interview und auf ein Kennenlernen beim Keep It True!
Vielen Dank! Und auch an alle, die dieses Interview gerade gelesen haben. Wir hoffen, dass wir bald vor eurer Haustür spielen!


Das Interview führte Siegfried Wehkamp (per Mail).
Juni 2014