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Interview: DREAD SOVEREIGN

Alan Averill Nemtheanga dürfte so langsam einigen mehr Menschen auf diesem Erdball bekannt sein. Als Sänger und Sprachrohr für die irische Institution Primordial, als Sänger der ursprünglich als Bathory-Tribut gestarteten Twilight Of The Gods und nun hat der Mann Bock auf richtig dunklen Doom Metal - und den hat er mit DREAD SOVEREIGN auch richtig gut drauf. In unserem Review zu "All Hell's Martyrs" war zu lesen, dass der Ire prinzipiell "keine halben Sachen" macht. Das kann man im folgenden Interview auch gut erkennen.

Alan, vor sechs Jahren haben wir uns das letzte Mal für ein Interview getroffen und ich überreichte dir eine Liste mit "Irischen Weisheiten" aus einem nicht ganz so ernst zu nehmenden Buch. Direkt reagiert hast du auf die Folgenden:

"Nimm dir die Zeit zu denken, denn es ist die Quelle für Stärke."
"Allein sein ist besser als schlechte Gesellschaft."
"Dreh dein Gesicht zur Sonne und deinen Rücken zum Sturm."

Meinst du, diese Sprüche haben in den letzten sechs Jahren an Bedeutung gewonnen?
Ich schätze schon, obwohl ich die Frage, ob das wirklich irische Weisheiten sind, sicherheitshalber lieber nicht beantworten möchte. Dennoch - das "Allein sein ist besser als schlechte Gesellschaft" sticht in Bezug auf die letzten Jahre besonders heraus. Das Leben geht einfach weiter und was mich betrifft, habe ich einfach versucht, noch fokussierter und kreativer zu sein.

Und in den letzten sechs Jahren ist ja auch einiges passiert. "Redemption At The Puritan's Hand", "Fire On The Mountain" und nun "All Hell's Martyrs". Vergleicht man mal diese drei Alben, ist "All Hell's Martyrs" vielleicht ein musikalischer und auch ideologischer "Schritt zurück" in Richtung Underground, wo die beiden anderen doch mehr den Weg zu einem breiteren Publikum gingen?
Dread Sovereign sollen nicht mit Primordial verglichen werden, darum geht es gar nicht. Wer das tun möchte, bitte. Aber für mich ist das ganz simpel. Es ist eine Doom Metal Band, in der ich 90% der Musik und Lyrics schreibe und mich eigentlich um alles kümmere. Nicht mehr und nicht weniger. Primordial sind natürlich so etwas wie mein Lebenswerk und existieren gewissermaßen im "Mainstream", aber ich vergleiche sie nicht.

Ich las im Vorfeld, dass die Idee zum Start von Dread Sovereign schon vor vielen Jahren aufkam. Gab es dafür einen speziellen Grund?
Nun, ich war schon immer ein ziemlich schlechter Gitarrist und das Riff schreiben und Ideen ausarbeiten passierte eher in meinem eigenen Kopf. Primordial hatten immer Ruhezeiten zwischen den Alben und viele Proben fanden auch nicht statt, also haben unser Drummer und ich ein wenig gejammt. Keine besonderer Grund, aber Grund genug.

Und wenn ich hinzufügen darf - du hast deinen Gesang in den letzten Jahren in erstaunlicher Weise entwickelt. Ich schätze, so wie du vor 15 Jahren gesungen hast, würde das zum jetzigen Dread Sovereign-Sound gar nicht passen. Ein weiterer Grund?
Daran habe ich in den letzten fünf bis sieben Jahren echt hart gearbeitet. Aufhören, nur ein Hobby-Sänger zu sein oder sich zu entschuldigen, nur fast ein Sänger zu sein, sondern einfach alles daran setzen, aus mir herauszuholen, was möglich ist. Ich bin nicht Dio, aber ich kann versuchen, der bestmögliche Nemtheanga zu sein. Und ich fühle, dass ich immer noch lerne und daran wachse. Es stimmt, 2005 hätte ich bestimmt nicht das singen können, was wir heute mit Primordial oder Dread Sovereign machen.

Und bei Dread Sovereign spielst du ja auch noch Bass. War das von Anfang an so geplant.
Yeah! Es musste anders als Primordial sein. Ich hatte nie die Absicht, hier wieder nur der Sänger zu sein, so stand das von Anfang an fest.

Dann sprechen wir mal über das Album. Meinen Glückwunsch zur Produktion. Speziell, wenn das Material etwas schneller wird ("We Wield The Spear Of Longenius" und "Cathars To Their Doom"), liegen zwar die Vibes der aktuellen Okkult Rock Welle in der Luft, aber der Sound ist so dermaßen heavy, dass dem Hörer "einfacher Rock" gar nicht erst in den Sinn kommen kann. Noch eine Vorgabe auf dem Weg ins Studio?
Erst mal vielen Dank! Ich habe mit einem jungen talentierten Schweden namens Ola Ejsford wirklich hart daran gearbeitet. Wir waren dabei in den Sun Studios in Dublin. Was ihr hört, ist wirklich so nah wie möglich an dem, was ich mir vorstellte. Ich wollte es live und sehr roh, und vergiss nicht, dass wir noch auf C runter gestimmt haben. Das macht es eh noch heavier, als das meiste der Okkult Rock Welle. Alles sollte live sein, Fehler sind drin geblieben und die Sounds verschmolzen richtig miteinander. Speziell den Bass wollte ich richtig massiv und dreckig haben.

Euer Gitarrist Bones kommt ja aus einer ganz anderen Ecke der Rock Musik. Wie habt ihr euch denn kennengelernt und was bringt ihn auf einmal zu solch düsterem Doom?
Er ist mehr der gradlinige Punk/Rock'n'Roll Typ. Er wurde mir von einem Freund empfohlen und wir haben ein wenig gejammt. Er bringt etwas von der notwendigen Rock‘n'Roll-Attitüde zu sowohl dem Spiel als auch dem Sound, eine Art, die einige Metal Gitarristen nicht verstehen. Es hat diese losgelöste, den 70ern ähnelnden Vibes. Und ich bringe ihn zum dunklen Doom.

Textlich geht es scheinbar sehr unreligiös und sehr düster zu Werke. Ein Satz von Twilight Of The Gods hieß "I never had time for preachers until I knew I was one." Also - was predigest du hier?
Nein, kein Predigen auf diesem Album. Vergiss nicht, ich habe über zehn Alben mit Texten versehen und brauchte einfach mal eine neue Sichtweise. Der Grundton hier ist Blasphemie, geheimnisvolle und okkulte Themen oft geschrieben aus einer historischen oder persönlichen Sichtweise. Kein Eskapismus und keine Fantasie. Einige Songs drehen sich zum Beispiel um die Rebellion der Katharer im 13. Jahrhundert. Es geht irgendwie um unsere Beziehung zum Märtyrertum, jedoch sehr stark auf eine feierliche, Satan huldigende Art der alten Schule geschrieben.

Dread Sovereign haben die Warm Up Show für die diesjährige HELL OVER HAMMABURG Ausgabe gespielt. Das Festival selbst zeigt ja eine enorme Bandbreite von Satan bis The Ruins Of Beverast. Geht ihr absolut konform mit der Art, wie die Veranstalter die Bands aussuchen?
Ja, total! Und es war cool mit Stallion und Death Alley zu spielen - zwei starke und aufstrebende Bands. Es hat alles gut funktioniert und wir können nur Gutes über das Hell Over Hammaburg und alle Involvierten sagen. Hoffentlich sind diese Art der Veranstaltungen die Zukunft, damit die Leute weg kommen von diesen Viehmarkt Metal Festivals.

Alan, herzlichen Dank für die Zeit, die du dir genommen hast. Und während ich das hier schreibe, lese ich dein Faceboook-Posting (welches zum Zeitpunkt der Fragenausarbeitung gerade zwei Stunden zurück lag) bezüglich eurer Rehearsal Kassette mit den Cover-Versionen von 1991/92 … und deiner Frage "Wo sind denn schon wieder die letzten 22 Jahre hin?".
Du machst dir doch keine Sorgen, oder?!
Sorgen um was? Mein Leben zu verschwenden? Haben wir nicht alle diese Momente des näher kommenden mittleren Alters und des Realisierens, dass ein Großteil unseres Lebens bereits vorbei ist. Ich bin ein zynischer Fatalist und habe hoffentlich noch viel Leben, viele Kämpfe und viel Kreatives vor mir … aber nagel mich nicht darauf fest, haha.

Bist du vollends stolz auf das, was du bis jetzt erreicht hast ohne dabei über eventuelle falsche Entscheidungen in der Vergangenheit nachzudenken?
Ich schaue nicht mit Reue zurück, Scheiß drauf! Alles, was wir getan haben, haben wir ohne Kompromisse zu irgendjemandem getan und auf das alles bin ich auch stolz!

Kannst du Sentimentalität ohne ihre gelegentlichen negativen Nebenwirkungen genießen?
Klar kann ich! Es kann echt schön sein, mit alten Freunden alte Geschichten und große Momente wieder zu erleben. Man muss nur auch neue Momente kreieren und nicht in der Vergangenheit stecken bleiben.

Also aus meiner Sicht brauchst du erst mal nur weiterhin solch wundervolle Musik machen und die Zukunft wird ein paar richtig gute Freunde für dich bereithalten.
Hoffentlich! Bleib beständig.


Das Interview führte Siegfried Wehkamp (per Mail).
März 2014