Impressum Startseite
Reviews Interviews Live Specials Jobs

Interview: METAL INQUISITOR

Na, wenn das mal nicht was Neues ist. Da schickt man ein paar Fragen per Mail und bekommt sogar Antworten von drei Metal Inquisitor-Mitgliedern. Und die haben bekannterweise auch einen guten Sinn für Humor, auch wenn man ihnen auf den Zahn fühlen möchte. Mit unserer 9 Punkte-Kritik im Rücken ist das aber auch etwas leichter. Doch lest selbst, was die Jungs dazu sagen.
El Rojo (Bild Mitte): Junge, Junge, tolle Kritik! Sowas liest man natürlich sehr gerne - vielen Dank für die Blumen! Was mich am meisten freut: Ich bin überzeugt, dass es der Autor ehrlich meint und es ist für uns natürlich großartig, wenn man echten Spaß mit unserer Platte hat. Ich denke, wenn es Leute, wie diesen Kritiker gibt, die beim Hören der Songs mit einem tiefen Grinsen im Gesicht ihren "Kopf schütteln", dann haben wir unser Ziel erreicht - vollkommen egal, wie viele es davon gibt. Klar, wenn es denn ein paar mehr sind, freut uns das natürlich auch noch mehr.

Mal ehrlich - das Album klingt wirklich, als hättet ihr es ganz lässig aus der Hüfte geschossen. Doch der letzte Longplayer ist über drei Jahre her. Was hat also so viel Zeit in Anspruch genommen?
Blumi (2.v.r.): Um genau zu sein, es waren 2,5 Jahre. Eines kannst du mir aber glauben: Keines der Lieder ist auch nur ansatzweise lässig entstanden. Dahinter verbirgt sich sehr viel Arbeit, da wir kein einziges Lied in kompositorischer Sicht vernachlässigen. Das braucht eine gewisse Zeit, denn gute Lieder benötigen einen ausreichenden Reifungsprozess.
T.P. (2.v.l.): Die Zeit verging wieder mal wie im Fluge. Man sollte nicht vergessen, dass wir zwischendurch auch Cliff (am Bass) eingearbeitet und 2011 für unsere Verhältnisse viele Shows gespielt haben. Es scheint bei uns scheinbar nicht schneller zu gehen. Und es ist nicht immer einfach, Band, Family und Job unter einen Hut zu bekommen. Es soll ja schließlich auch Spaß machen ...

"Ultima Ratio Regis" - "Das letzte Mittel des Königs"
Welche Message steckt dahinter in Bezug auf das Album oder ist es einfach ein Titel, der "passt und gut klingt"?
EL Rojo: Ich finde tatsächlich, dass er gut klingt! Und er hat auch eine tiefere Bedeutung:
Wie auf dem Titelbild angedeutet, repräsentiert unser "Mascot" das "äußerste Mittel des Königs" bzw. die ultimative Waffe des Königs: Die "Normalen" (verkörpert durch die Ritter) stehen Spalier, den Blick demütig geneigt vor ihm, der so machtvoll ist, dass selbst der König im Grunde davor scheut, ihn zu entfesseln. Denn er ist letztlich nicht zu kontrollieren und es besteht immer die Möglichkeit, dass er selbst dem König gefährlich wird: So wie der Krieg an sich, der, einmal losgetreten, auch denen den Kopf kosten kann, die ihn zu verantworten haben! Daher war der Satz "Ultima Ratio Regis" auch in die preußischen Kanonen des 18. und 19. Jahrhunderts geprägt: Als Drohung und Warnung zugleich ...

Der Musik hört man seit jeher deutlich an, dass ihr nur von den Besten "gelernt" habt. Ist es da schlichtweg normal, dass sich Riffs und Melodien einschleichen, die zwischendurch mal wie Band XY klingen?
Mir selbst fielen da ein paar Dinge auf, zu denen ich gerne eure Reaktion hätte. Und bitte nicht als Vorwurf verstehen! Ich bin einfach neugierig und will das nicht bewerten!

"Self-Denial":
"Trapped Under Ice" meets "Phantom Lord"?!
Blumi: "Self-Denial" hatten wir schon seit Ewigkeiten in der Schublade und sollte ursprünglich mal auf unserem Erstling "The Apparition" drauf sein. Ich hatte zu jener Zeit an alles gedacht, nur nicht an gute alte "Kill 'Em All"-Klassiker. So kommt's …

"Bounded Surface":
Das "Symptome Of The Universe"-Riff galant modifiziert.
Blumi: Ganz kalt! Hier wurde in der Tat Dio als Inspiritationsquelle herangezogen. Wenn das nicht mehr bemerkbar ist, haben wir sehr erfolgreich gearbeitet. Aber wer weiß schon, was so ganz tief in einer Musiker-Seele schlummert und bei dem Lied ungewollt mitschwingt.

"Second Peace Of Thorn":
Hat doch ziemlich viel "War Pigs" in der Gesangslinie.
El Rojo: Echt? Ich kenne "War Pigs" sehr gut (hab es auch schon in einer Cover Band vor 15 Jahren gesungen) und ich finde nicht, dass es danach klingt! Ich höre allerdings schon was "raus", aber keinen Song von Black Sabbath. Als ich bei der Entwicklung der Strophe die Melodie gesungen habe, hatte ich schon befürchtet, man würde mir einen Einfluss "vorwerfen", aber dass es "War Pigs" sein würde, habe ich nicht gedacht ... Interessant, dass Menschen sehr unterschiedliche Assoziationen haben! Wichtig ist - und das steht ja auch in Eurer Kritik, dass wir nicht "klauen"! Wenn man Metal im Stil der 80er macht, nutzt man die gleichen Noten, wie die Leute damals und da es eine "ergiebige" Zeit war, wird es wohl immer wieder Parallelen bzw. Ähnlichkeiten geben ...

"Black Desert Demon":
Im Ernst und auch wenn es weh tut - das Riff in der Strophe hätten Metallica zu "Load"/"ReLoad"-Zeiten doch mit Kusshand genommen.
Blumi: Jetzt wirst du aber echt unverschämt, haha! Und wieder mal ganz kalt. Bei dem Riffing standen eher alte 70er Judas Priest-Werke Pate. Aber wie gesagt, man kann das nur gering "bewusst" beeinflussen. Man greift sich das Waschbrett und klimpert drauf los und irgendwann entsteht irgendein neues Riff. Fertig.

Na dann erst mal vielen Dank für diesen amüsanten Exkurs. Dennoch sind Metal Inquisitor eine musikalische ernsthafte Band, die wohl definitiv zum eigenen Vergnügen und aufgrund der privaten Verhältnisse nicht zum Geld verdienen betrieben wird/werden kann. Wie entscheidet ihr da bei Gig/Tour-Anfragen?
T.P.: Wie ich schon erwähnt habe, ist es gar nicht so leicht alles unter einen Hut zu bekommen. Wir haben Familien und Jobs. Aber damit ist es noch nicht genug. Ich muss z.B. jedes zweite Wochenende arbeiten und kann nicht immer beliebig Urlaub nehmen. Cliff muss auch am Wochenende ran und El Rojo kann außerhalb der Wochenenden lediglich in den Ferien. Tour-Anfragen kommen nicht so häufig vor, aber Gig-Anfragen an meinen Dienstwochenenden. Damit müssen wir leider leben, aber mittlerweile haben wir uns fast damit abgefunden.
Einige Auftritte bekommen wir trotzdem hin und auf die freuen wir uns natürlich besonders. Vielleicht muss das bei uns auch so sein, damit wir immer wieder mit Spaß dabei sind.

Blumi hat ja immer noch den Löwenanteil beim Songwriting. Hand aufs Herz - wann gab es zum letzten Mal eine richtige Diskussion im Proberaum aufgrund der Musik?
Blumi: Die Frage sollte besser anders herum gestellt werden. Wann gab es zum letzten Mal keine Diskussion zu einem neuen Lied. Musikalisch kreativ zu sein, ist eben ein intensiver Prozess in einer Gruppe. In der Regel führen schwierige Prozesse aber zum besten Ergebnis. "Call The Banners" war anfangs ein richtiger Problemsong. Ich hätte im Ernst nicht daran gedacht, dass daraus noch was Gescheites entsteht.
T.P.: Mittlerweile nehmen wir zum Teil sogar schon kurze Ideen als Demo zu Hause auf, damit die Mannschaft leichter überzeugt wird. Zuletzt gab es sogar im Studio Diskussionen, ob das Intro eine zweite Stimme braucht oder doch nicht.

Ihr seid mit dem neuen Album nun bei Massacre Records untergekommen. Was versprecht Ihr Euch von der neuen Zusammenarbeit?
T.P.: Wir wollen endlich in die Charts! Nein, Quatsch. Wir waren gespannt, was passiert, wenn etwas mehr Werbung gemacht wird und man doch etwas bekannter wird. Es ist ja doch ganz schön, wenn viele Fans zu den Konzerten kommen. Außerdem war es wichtig, ein adäquates Budget für die Produktion in der Hinterhand zu haben.

Ist eigentlich mal im Gespräch gewesen, Eurem Keep It True-Gig 2008 quasi noch mal ein "Update" zu geben - eben mit Eurem eigenen Sänger?
El Rojo: Ich war damals krank - echt super doof, dass ich das verpasst habe! Da werden wir immer mal wieder drauf angesprochen ... ich würde sehr gerne nochmal auf'm KIT spielen!
T.P.: Ich auch. Leider ist das Billing schon lange komplett. Aber zum Glück habe ich für dieses Jahr schon eine Karte!


Das Interview führte Siegfried Wehkamp (per Mail).
März 2014