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Interview: MOTORJESUS

Interview mit Sänger Chris Birx (Mitte).

Als ich das erste Mal den Opener "Trouble In Motor City" von eurem neuen Album "Electric Revelation" gehört habe, musste ich zwischendurch immer mal an "Fuel" von Metallica denken. Das ist ja scheinbar auch so eure Richtung, auch textlich, also "Fuel", Vollgas, Highway, Explosionen, usw., oder?
Sagen wir's mal so: Gerade textlich sind da natürlich häufiger mal irgendwelche alten Action-Filme, die mich da einfach eher inspirieren, als irgendwelche Herz-Schmerz-Geschichten oder sowas. Ich schau mir halt einfach lieber "Robocop" an, als über irgendwelche kaputten Beziehungen zu singen. Ich bin da eigentlich auch immer viel beeinflusst von so coolen alten Filmen und B-Movies und es macht mir einfach mehr Spaß, darüber zu texten. Wir haben ja auch unseren "Bruce Lee-Song", der "Fist Of The Dragon" heißt. Sowas finde ich halt immer witziger und selber auch viel cooler, als irgendwelche emotionalen und tiefgründigen Themen. Für mich das eben so'n Spaß-Ding und der Spaß steht weit oben in der Mucke - sowohl auf der Bühne, als auch textlich. Für mich passt das alles wunderbar zusammen und ergibt einen Kontext. Das ist auch eben alles sehr natürlich, also nicht so, dass ich mir da jetzt irgendwas überlegen muss. Ich hab dann z.B. grad wieder irgendso'n Horrorfilm gesehen oder irgendso'n Kack aus den 80ern und denke dann "ah geil, da kann man was drüber schreiben!".

Wo wir gerade schon bei Metallica waren: Ihr habt für eine CD im Zuge des 20jährigen Metal Hammer Jubiläums 2011 den Titel "Of Wolf And Man" gecovert. Warum habt ihr euch genau für diesen Song entschieden?
Wir sind vom Metal Hammer gefragt worden, ob wir an diesem Sampler mitwirken wollen. Da haben viele verschiedene Bands, auch aus verschiedenen Metal-Genres, eben das komplette "schwarze" Album gecovert. Wir haben halt zugesagt und uns schon relativ schnell für einen Song entschieden, der eher so in der zweiten Reihe steht. Wir wollten halt auf gar keinen Fall "Nothing Else Matters", wir wollten auf gar keinen Fall "Enter Sandman" und wir wollten auch nicht "The Unforgiven", weil das halt alles so runtergenudelt ist, also das komplette Album praktisch. "Of Wolf And Man" war erstens noch über, weil viele Songs auch schon vergeben waren, und zweitens hat es auch einfach gut gepasst. Letztendlich war das 'ne coole Idee.

Euer neues Album hat Dan Swanö gemixt, der ja nun nicht gerade als Mixer oder Produzent von deutschen Rockbands bekannt ist, sondern eher im skandinavischen Metal unterwegs ist. Wie kam es denn zu dieser Zusammenarbeit?
Dan Swanö ist uns von der Plattenfirma vorgeschlagen worden, weil es da irgendwie einen persönlichen Kontakt gibt, weil er schon mal Bands von unserem Label Drakkar gemixt hat und da kam dann eben der Vorschlag. Ich bin natürlich total ausgerastet, weil ich so'n alter Death Metal-Nerd bin und auch immer noch auf extremen Metal stehe und ich hab halt auch ganz viele von den Swanö-Alben. Also nicht nur die eigenen Sachen wie Edge Of Sanity oder Witherscape, sondern der hat ja auch gerade in den 90ern ganz viele Platten gemacht, also viel aus dem Death Metal, Black Metal, teilweise Gothic Metal und ich fand halt seine Arbeit immer geil und deswegen hab ich auch irgendwie 30 oder 40 Scheiben von ihm im Schrank stehen. Und als Drakkar das dann eben vorgeschlagen hat, bin ich sofort hellhörig geworden, hab dann den Jungs gleich gesagt, ich kenn die Arbeit von ihm, hab denen dann auch Platten vorgespielt und dann waren wir uns auch relativ schnell einig. Das war für uns auch eine Art interessantes Experiment, weil der Swanö eben eigentlich eher für extremere Sachen bekannt ist. Okay, er hat nun auch ein paar Millencolin-Platten gemacht, aber so'ne richtige Hardrock-Sache gibt's eigentlich fast gar nicht von ihm. Und für ihn war es eben auch irgendwie cool und er mochte uns auch von der Mucke her sehr gerne. Der hat sich da auch total reingekniet in die ganze Arbeit mit Motorjesus und hat auch wirklich versucht, alles rauszuholen aus der Platte und wir sind da auch sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Er hat echt einen klasse Job gemacht.

Auf mich wirkt das neue Album noch "heavier" und metallischer, als der Vorgänger. War das eine bewusste Entscheidung oder eher nur eine logische Konsequenz, die sich z.B. aus dem Songwriting heraus ergeben hat?
Das war eigentlich eine reine Bauchgefühl-Geschichte. Wir haben jetzt nicht gesagt, wir müssen diesen oder jenen Song jetzt hier heavier machen oder da kommerzieller. Wir haben uns gesagt, lass uns mit Dan Swanö einfach arbeiten, egal, wie das Ergebnis ausfällt. Es hätte ja auch sein können, dass es noch metallischer wird oder vom Sound her noch harscher und dreckiger. Aber er versucht da natürlich auch, den Bands den Sound so zu drehen, den sie benötigen. Wenn du dir mal alte Dissection-Platten anhörst, die klingen auch wirklich nach Black Metal beim Swanö. Und wenn er dann so'n Hardrock mixt, dann klingt das auch nach Hardrock oder Heavy Rock oder einer Mischung aus Metal und Rock. Wir haben da also im Vorfeld nicht gesagt, wir wollen jetzt diesen oder jenen Sound. Wir wollten vor allem, dass das Ding nach Motorjesus klingt.

Zwischen eurem 2. und 3. Album lagen damals vier Jahre und auch jetzt hat's wieder vier Jahre gedauert. Man könnte meinen, alles wie immer im Hause Motorjesus - aber es gab ja nun 2012 eine ziemlich große Geschichte mit Deiner Herz-OP.
Dazu erstmal die Frage: Bist Du wieder rundum topfit?
Ja. In der Theorie müsste es eigentlich alles viel besser funktionieren, als vorher. Ich bin also wieder komplett hergestellt. Es war nun auch immer klar, dass diese OP irgendwann gemacht werden muss. Für manche kam das vielleicht etwas überraschend, aber für mich war das halt mit Ansage. Dieser angeborene Herzfehler konnte zwar nun nicht komplett aus der Welt geschafft werden, aber die Ärzte haben halt praktisch den Urzustand wieder hergestellt und die Pumpe läuft nun wieder so, wie sie soll. Wie gesagt, in der Theorie müsste das jetzt alles besser laufen, als vorher, aber ich merke das schon manchmal noch, dass man mich da aufgemacht, "einmal umgerührt" und wieder zugemacht hat. Das wird sich aber sicherlich auch irgendwann wohl noch legen. Ich muss halt immer noch Tabletten nehmen, trinke auch keinen Alkohol mehr und so.

Wie hat denn das die Band beeinflusst? Es musste ja sicherlich vieles verschoben und umorganisiert werden?
Wir sind halt erst mal natürlich komplett aus dem Plan rausgekommen, den wir für das Album geschmiedet hatten. Wir hatten eigentlich vorgehabt, Anfang 2013 das Album aufzunehmen, so dass das dann in der ersten Jahreshälfte veröffentlicht werden kann. Naja, und da ist nun eben leider erst Februar 2014 draus geworden.
Das Songwriting war ja schon abgeschlossen und wir hatten auch schon die ersten Basics aufgenommen - also Schlagzeug, Gitarre, Bass - und mussten dann die Aufnahmen halt ziemlich Hauruck-mäßig komplett abbrechen und schauen, wie sich das bei mir gesundheitlich weiterentwickelt und haben dann auch alles weitere für die Produktion erst mal hinten angestellt, weil es auch einfach nicht anders möglich war. Nun ging das alles mit der Reha und meiner Fitness schneller, als erwartet und dementsprechend habe ich auch selber relativ schnell wieder Gas gegeben und zu den Jungs gesagt, lass uns mal weiter aufnehmen. Als ich halbwegs wieder fit war und stehen konnte, wollte ich eigentlich gleich wieder in den Proberaum und weitermachen. Wir haben dann auch zügig weitergemacht, sonst hätte es vermutlich noch länger gedauert. Ich wollte da auch einfach dran bleiben und nichts auf die lange Bank schieben.

Ich könnte mir vorstellen, dass einem durch so eine OP vieles bewusster wird, dass man das Leben mit anderen Augen sieht, dass man vielleicht auch bescheidener wird und auch eher mal die kleineren Dinge genießt. Ist das so und in wie weit hat Dich das persönlich verändert?
Ja, schon. Man nimmt halt nicht mehr alles so für selbstverständlich. Alleine schon, dass ich jetzt überhaupt noch Mucke machen kann und das wir als Band weitermachen können und ein Album herausbringen können oder das wir - wie heute - nochmal auf Tour gehen können, das war vor einem halben Jahr noch alles unklar. Und natürlich, wenn du mal an einem Punkt warst, an dem du mit deiner eigenen Sterblichkeit konfrontiert wirst, auf eine relativ harte Art und Weise, dann denkt man über manche Sachen echt etwas anders, man geht mehr in sich, man wird besonnener und man freut sich auch mehr über die einfachen Dinge. Ich muss sagen, man lebt schon echt bewusster, aber auch irgendwie besser. Ich bin echt happy, dass ich auch so im Denken meine Sichtweise so ein bisschen geändert habe. Okay, ums Bier trinken ist es manchmal natürlich schon etwas schade, aber das muss halt auch nicht sein. Ich kann halt auch keinen Spaß haben, ohne Alkohol zu trinken, haha!

Mal angenommen, Du hättest diesen Job bei Motorjesus nicht weitermachen können bzw. dürfen. Hättest Du einen Plan B gehabt?
(überlegt) Tja, nee. Hmm, Plan B … ich sag mal so, Plan A ist Motorjesus bei mir ja nun eigentlich auch nicht unbedingt. Ich hab ja neben der Musik noch ein Privatleben. Klar, die Musik füllt natürlich schon einen Großteil meines Lebens aus, aber ich bin ja auch noch Papa von einer Tochter und gehe auch ganz regulär arbeiten. Also wenn jetzt Musik gar nicht mehr drin gewesen wäre, dann wäre ich bestimmt in irgendeiner anderen Art und Weise kreativ geworden. Ganz genau kann ich das jetzt gar nicht sagen, vielleicht irgendwie Grafik-Kram oder irgendwas Künstlerisches.
Oder vielleicht hätte ich auch Gitarre gelernt und wäre Gitarrist geworden, haha!

Meine nächste Frage hast Du jetzt im Grunde schon beantwortet: Ihr könnt also nicht alleine von der Band nicht leben, sondern habt alle noch einen regulären Job?
Ja, klar. Wir sehen das auch nicht so, dass wir damit jetzt zwangsweise irgendwie Geld mit verdienen müssen. Wir sehen das alles als überdimensionales Hobby, was wir neben unserer Freizeit machen. Wir haben da auch gar nicht das Bestreben, dass wir sagen, wir wollen damit jetzt unseren Lebensunterhalt verdienen, zumal das auch sehr stressig ist, wenn man da in so eine Abhängigkeit gerät, dass man Geld verdienen muss. Das bringt einen ja auch in so eine Zwangssituation. Man muss also immer spielen und man muss immer schauen, dass die Kohle reinkommt.
So wie es jetzt läuft, haben wir eigentlich alles, was wir wollen. Wir haben eine gute Zeit, für die Tour nehmen wir uns Urlaub, aber wir haben halt auch alle Familie und unsere Pflichten zu Hause.
Wir sind da aber echt ganz entspannt. Wir schauen immer, was kommt und sind echt dankbar, dass wir einfach Musik machen können. Und solange wir Spaß an der Sache haben, machen wir auch weiter und werden Platten veröffentlichen, aber eben so, wie wir da Bock drauf haben. Wir haben halt auch keine Lust, uns da irgendeiner Sache unterzuordnen.

Ich hab irgendwo gelesen, dass ihr nicht unbedingt diese Rock'n'Roll-Klischees erfüllen wollt, aber wenn man diese Musik lebt und auch irgendwo für sie lebt - kommt das dann nicht ganz automatisch?
Also wenn man mal die Texte liest und das Artwork sieht und wenn man die ganze Motorjesus-Geschichte durchanalysiert, da sind natürlich auch ganz viel Rock'n'Roll- und Heavy Metal-Klischees, womit wir natürlich auch gerne immer mal ein bisschen herumspielen und uns natürlich auch gerne mal auf die Fahne schreiben, weil wir eben auch zu 50% Metaller sind. Wir sind ja auch irgendwo Musik-Fans, die ihre favourite Bands haben und die total abfeiern. Wir fahren auch auf Festivals und stellen uns da mit den Leuten zusammen in die erste Reihe, bei irgendeinem geilen Headliner. Wir sind also in erster Linie Musik-Fans und klar gehört da auch so ein bisschen Klischee dazu. Scheiße finde ich es immer, wenn es halt irgendwie jeder macht. Es gibt ja halt momentan so dieses Rock'n'Roll-Ding, das hat sich wieder richtig etabliert, ganz viele Bands machen das und ganz viele Bands wollen das. Eine Zeit lang war das ja alles so ein bisschen verpöhnt und da hat ja z.B. auch niemand mehr nach Mötley Crüe geschrien. Da hat sich 'ne ganze Zeit keine Sau für interessiert und jetzt ist das halt schon wieder dieses Gängige und alles ist wieder total 80er und Glam Rock und genau dann fängt es an, mich zu langweilen. Wenn das dann immer so losgeht, dass das dann jeder geil findet, dann finde ich das schon wieder scheiße.
Ich höre im Moment viel alte Entombed-Platten, Unleashed und so'n Death Metal-Kram und kaum noch Rock'n'Roll-Platten. Das interessiert mich gar nicht mehr. Also die Mucke liebe ich natürlich nach wie vor, ich bin z.B. ein riesiger Gluecifer-Fan, also so Schweinerock-Mucke, Turbonegro und sowas.

Ihr habt mit Platz 60 nun erstmals die deutschen Charts geknackt. In der heutigen Zeit, in der ja immer weniger Leute in ein Geschäft gehen, um sich eine neue Scheibe zu kaufen - ist da so ein Platz 60 im Jahre 2014 überhaupt noch etwas "wert"?
Keine Ahnung. Ich bin da jetzt auch nicht so, dass ich mir das irgendwie groß auf die Fahne schreiben muss, dass wir jetzt Platz 60 in den Charts sind. Ich glaube, das hat heutzutage auch gar nicht mehr so das Gewicht. So 'ne Platzierung klingt zwar nett, aber das kann man sich im Grunde auch an den Hut kleben. Das einzige, was cool ist, dass man daran vielleicht ein bisschen sieht oder merkt, okay, die Leute interessieren sich für Motorjesus, haben die Musik mal angetestet und es gibt scheinbar auch ein paar Leute, die das Ding gekauft haben. Das finde ich cool und das macht mich stolz, aber nicht die Platzierung an sich. So'n Kram interessiert mich überhaupt nicht.

Siehst Du für den typischen CD- oder Vinylkäufer eigentlich noch eine Zukunft oder wird das alles irgendwann nur noch auf Downloads und Streams hinauslaufen?
Also meine Tendenz ist momentan eher so, dass das so'n Misch-Ding wird. Die Vinylverkäufe steigen ja sogar und die Leute kaufen sich auch immer noch gerne so Special Packages. Früher war es das große Digipak mit 'ner Doppel-CD und 'ner DVD dabei und heutzutage kauft man sich halt gerne mal eine farbige Vinyl oder eine schöne Gatefold-LP. Ich glaube, es wird auch weiterhin CDs geben, aber ich sehe das auch bei mir selber - ich bin auch so'n Misch-Käufer. Ich kaufe zum Teil Schallplatten, weil manche Scheiben, die mir echt viel bedeuten, die hab ich dann gerne auf Vinyl und die lege mir dann gerne und in Ruhe auf den Plattenteller. Aber wenn's dann mal schnell gehen, z.B. die letzte Iced Earth, die hab ich mir dann aus dem Internet gezogen, weil die mich halt eben nicht so direkt überzeugt hat und da hab ich mir dann gedacht, die kaufe ich mir dann halt günstiger und digital. Und das war auch okay, weil so besonders fand ich die halt nicht.

Eine wichtige Einnahmequelle für Bands ist ja mittlerweile das Merchandising geworden. Legt ihr da auch besonders viel wert drauf?
Ja, schon. Wir wollen natürlich schon irgendwie coole T-Shirt-Designs haben. Ich selber bin ja ein Fan von diesem Gesamt-Package, das halt dieses gesamte Paket Motorjesus, also textlich, musikalisch, in Sachen Marketing, und dazu gehört ja dieses ganze Merchandise-Ding, dass das halt alles aus einem Guss kommt. Dazu gehört eben auch, dass man ein cooles T-Shirt-Design hat, das auch zum Album passt. Mir ist das eben wichtig, dass das alles irgendwie eine runde Einheit ergibt, auch thematisch.
Und klar, Merchandising ist für uns natürlich schon eine wichtige Einnahmequelle, gar keine Frage. Wir verdienen da halt hier und da immer noch ein bisschen was dazu. Es ist ja nun heutzutage auch so, dass der Live-Markt sehr überlaufen ist. Es gibt halt sehr viele Bands, die wollen alle auf Tour und jeder will ein Stückchen vom Kuchen haben und da muss man natürlich schon schauen, wo man hier und da noch ein bisschen was reinbekommen kann. Aber auf der anderen Seite sind wir auch immer für faire Preise und das alles bezahlbar bleibt. Ich finde das z.B. bei Iron Maiden völlig übertrieben, da bezahlst du dann irgendwie 30 Euro für so'n Stofffetzen. Das ist echt hart an der Grenze.

Ihr habt jetzt schon ein paar Konzerte mit dem neuen Album im Gepäck gespielt. Wie liefen denn die Konzerte in den letzten Tagen? Kann man schon sagen, wie die neuen Songs live ankommen?
Echt super! Wir sind sehr geplättet von den Reaktionen auf die neue Scheibe. Das ist ja heute erst das sechste oder siebte Konzert nach Veröffentlichung des Albums, also alles noch sehr frisch und man merkt halt schon, die Leute singen die neuen Dinger schon mit und freuen sich auf ein paar neue Lieder, die wir dann spielen. Also die Reaktionen sind sehr, sehr positiv und diese Mini-Tour, die wir jetzt gerade haben - du merkst da schon, dass die Leute halt auch wegen uns dahin kommen und da auch Bock drauf haben, uns live zu sehen. Unsere Platte ist halt frisch und man kann uns gerade zeitnah zur Veröffentlichung in einem kleinen Club sehen und das wird von den Fans auch sehr dankbar angenommen. Wir sind da selber echt etwas überrascht und da hätte ich auch gar nicht mit gerechnet. Ich dachte echt, wir spielen da immer vor fünf Nasen.

Wie muss man sich das Songwriting bei euch vorstellen? Trifft man sich im Proberaum und jeder bringt da seine Ideen mit ein oder wie läuft das?
Ja, so ähnlich. Ich sage immer gerne, wir haben da so Kreativ-Teams in der Band und das sind immer unterschiedliche Konstellationen. Manchmal treffe ich mich mit dem Andreas, unserem Gitarristen, dann machen wir uns einen gemütlichen Abend auf der Couch und riffeln dann auf der Akustikgitarre herum und spielen ein paar Ideen durch und bereiten schon mal so ein bisschen was vor, tragen das dann in den Proberaum, zeigen das dann den Jungs und arbeiten da dran weiter, bis dass das irgendwie so'n kompletter Song ist. Manchmal fangen wir auch erst im Proberaum an, komplett was zu schreiben. Manchmal bringt auch z.B. nur der Guido, unser anderer Gitarrist, ein oder zwei konkrete Songs mit in den Proberaum, die er zu Hause schon gemacht hat. Es sind immer so drei oder vier verschiedene Konstellationen, in denen das bei uns funktioniert. Das ist aber auch von Platte zu Platte immer etwas anders. Mal haben Andreas und ich den Großteil gemacht, mal haben wir alles zusammen gemacht - das kommt immer darauf an. Irgendwie funktioniert's auf jeden Fall immer.

Eure musikalischen Einflüsse scheinen ja recht vielfältig zu sein. Ist es da schwer, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen?
Das kommt immer darauf an. Wir haben natürlich schon alle recht unterschiedliche Musikgeschmäcker. Ich selber bin ja nun so die absolute Metal-Fraktion in der Band, mit dem härtesten Musikgeschmack von uns allen. Dann gibt's eben den Guido, der auch mehr so offen für Alternative Rock ist und sich auch mal gängige deutsche Sachen wie Die Toten Hosen oder sowas anhört. Roman (Bassist) ist wiederum mehr so im Stoner Rock, das ist seine Mucke, also Monster Magnet, Kyuss und sowas. Oliver (Drummer) ist auch eher so der Metaller, der hört sowas wie Pantera, Slayer oder Machine Head. Und jeder hat da halt so seinen Input und wir versuchen da schon, irgendwie eine Balance aus diesen unterschiedlichen Musikgeschmäckern zu finden. Wir schreiben da letztendlich immer so lange dran herum, bis alle glücklich sind. Also ich muss da immer meinen heavy Part drin haben, Roman muss da immer so seinen Stoner Rock drin haben und deswegen bauen wir da eben immer so lange, bis alle zufrieden sind. Und deswegen ist es eben mal etwas Metal-lastiger, dann wieder etwas Rock'n'Roll-lastiger, der nächste Song ist dann wieder eher Classic Rock, weil der Andreas so'n totaler 70er Jahre Fan ist. Ich glaube, darum sind die Motorjesus-Sachen auch immer so ein bisschen variabel im Songwriting, weil halt jeder unterschiedliche Schwerpunkte hat. Ich glaube, diese Mischung ist am Ende auch das, was Motorjesus eben ausmacht.

Wie sehen denn die weiteren Pläne für dieses Jahr aus?
Wir haben einen ziemlich vollen Zeitplan und erst mal viele Konzerte anstehen. Nach der Mini-Tour jetzt, machen wir noch ein paar Einzelkonzerte, also weitere Clubshows. Das finden wir auch echt cool, in diese kleineren Clubs zu gehen, aber da eben zu sehen, dass wir die auch voll bekommen, weil das natürlich von der Atmosphäre her echt cool ist.
Danach stehen dann natürlich die Sommerfestivals an. Da sind schon einige gebucht. Summer Breeze, Rock Harz, auf dem Dong Open Air spielen wir, das ist bei mir in der Gegend und da freue ich mich tierisch drauf. Es steht also dieses Jahr noch eine Menge live an. Und wir sind echt heiß darauf, der Rost ist runter und wir haben jetzt Blut geleckt und richtig Bock!

Müssen wir auf das nächste Album wieder vier Jahre warten?
Nein, dreieinhalb, haha!
Ich hoffe natürlich nicht. Die ersten Ideen kursieren bereits herum, aber wir sind halt eben auch so eine Band, die sich da keinen Stress macht. Wir sehen das so, dass die Qualität der Musik vorne stehen sollte und nicht dieses Veröffentlichungs-Gedrängel. Man bekommt ja oft von der Plattenindustrie irgendwas aufgedrückt, dass du am besten jedes Jahr ein Album haben sollst, aber ich meine mal ganz ehrlich: Wie viele Bands - Hand aufs Herz - liefern in diesem schnellen Rhythmus dann auch wirklich gute Alben ab? Da sind ganz viele Bands, die dann meiner Meinung nach nur noch so halbgare Sachen machen oder man hat dann nur drei oder vier gute Songs und das ist für mich als Musik-Fan ehrlich gesagt einfach zu wenig. Ich möchte ein komplett geiles Album haben und mal ohne Scheiß: Ich persönlich bin der Meinung, die Scheiben, die auch eine lange Zeit gebraucht haben, ich bin z.B. einen riesen Fan von Disillusion, die waren ein Jahr mit dem Album im Studio und haben daran geschraubt und das Ding ist dann auch das absolute Masterpiece, also die "Back To Times Of Splendor" von 2004. Das ist echt die reinste musikalische Offenbarung.
Musik braucht Zeit und muss reifen. Und ich sag auch ganz klar, auf so'n halbgaren Scheiß haben wir keinen Bock. Sowas werden wir nicht machen. Wir wollen geile Songs und ein rundes Album, das stimmig ist und wenn das dann drei oder vier Jahre dauert, dann dauert das eben so lange.

Kannst Du mir abschließend mal bitte drei CDs nennen, die man gehört haben muss oder die Dich vielleicht auch geprägt oder beeinflusst haben?
Also auf jeden Fall, wie gerade schon gesagt, die "Back To Times Of Splendor" von Disillusion, die so im progressiven Death Metal ein absolutes Meisterwerk ist. Auf der Platte ist echt super viel zu entdecken. Das ist 'ne Band aus Leipzig, die haben wir auch mal kennengelernt und haben mit denen auch mal zwei oder drei Konzerte gespielt. Ich hoffe mal ganz schwer, dass der Andy (Gitarrist und Sänger von Disillusion) nochmal den Arsch hockriegt und noch 'ne Scheibe macht, weil der echt ein absolutes Genie ist.
Dann empfehle ich, das ist so quasi meine Platte des Jahres 2013 gewesen, die letzte Soilwork, die "The Living Infinite". Das ist ein supertolles und musikalisch großes Album. Da gibt's auch super viel zu entdecken und viel zu hören, zumal das eben auch gleich eine Doppel-CD ist. Und rein kreativ gesehen, fand ich die Schweden eh schon immer hammer.
Und als dritte CD würde ich Dan Swanö's Witherscape empfehlen, also die "The Inheritance". Das ist auch ein ganz geiles Album und eben ein neues Projekt von dem Herrn, der unser Album gemixt hat. Das ist auch so Progressive, Rock, Metal, Death Metal und alles Mögliche ist da drin. Supergeile clean Gesänge, ein absolut empfehlenswertes Album und es wird da auch noch so ein kleines lustiges Kollaborationsding zwischen Motorjesus und Witherscape geben, aber da darf ich noch nicht so viel drüber verraten, aber da wird dieses Jahr noch was kommen.


Das Interview führte Marco Zimmer.
Oldenburg, 08. März 2014