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Interview: PAGANIZER

Als hätte man nicht eh schon das Gefühl, Rogga Jonhansson würde gefühlt jeden Monat ein neues - qualitativ ansprechendes - Produkt auf den Markt werfen, nein, just dieser Tage erscheint die PAGANIZER Best Of "20 Years In A Terminal Grip", die mit 46 Songs in knapp 160 Minuten ein echte Bombe ist. Dieser Mann muss einfach mal genauer beleuchtet werden.

"20 Years In A Terminal Grip" - der Titel spricht ja für sich. Hast du jemals gedacht, dass du es so weit schaffen würdest?
Das ist eine gute Frage und ich weiß wirklich nicht, was ich sagen soll. Ich schätze - ja! Ich habe nie in Betracht gezogen, keine Musik zu machen, obwohl es mir, wie bei jedem anderen auch, mal zu viel werden kann und ich mal müde werde. Aber das Bedürfnis, etwas zu schreiben ist irgendwie immer da. In dem Sinne - ja, ich dachte, wir würden noch dabei sein, vielleicht nicht mit Paganizer direkt, aber jetzt, wo es so weit ist, ist es in der Tat ziemlich cool.

In deinen eigenen Worten - wie hat sich der Stil von Paganizer mit den Jahren entwickelt?
Am Anfang in den Neunzigern ging es nur um Industrial Death Metal. Die ersten Demos - unter dem Namen Terminal Grip - waren mit einem Drumcomputer. Auch wenn wir die Growls und die tiefer gelegten Gitarren hatten, sollte es ein industrielles, maschinelles Feeling haben. Als dann der richtige Drummer kam, wurden mehr Heavy Metal Elemente integriert. Die erste EP war Death Metal mit sehr starken Exciter-Einflüssen, während wir auf dem Debüt wieder hochgestimmt haben und so mehr Thrash Einflüsse dabei hatten. Das zweite Album ging zurück zum simplen Death Metal, dabei mit Melodie und auch Thrash. Dazu noch ein bisschen Crust, aber das ist etwas, was wir immer mit an Bord hatten.

Die Anzahl der Bands und Projekte, in denen du mitwirkst ist immens. Nervt es dich nicht manchmal, so viele Ideen im Kopf zu haben?
Haha, ja, es nervt manchmal ein bisschen. Mich nicht so sehr, aber die Labels mit denen ich arbeite! Und ich verstehe es auch, dass die Leute mich manchmal ein wenig "über" haben. Aber so habe ich jahrelang gearbeitet und ich bin schon stolz darauf, dass die Menschen es mögen und sie auch Interesse haben, es zu veröffentlichen.

Gibt es eventuell ein Geheimnis, mit der du die Riffs den jeweiligen Bands zuordnest?
Nicht wirklich. Ich setzte mich sehr oft mit der Absicht hin, etwas ganz bestimmtes für eine bestimmte Band zu schreiben. Und das funktioniert ziemlich gut. Manchmal kommt dabei auch etwas anderes heraus, dann verwahre ich das Riff halt für die Zukunft. Mit den ganzen Aufnahmeprogrammen für den Computer ist das heutzutage ja auch sehr einfach. Vor Jahren waren es noch Unmengen von Kassetten mit tonnenweise Riffs drauf - finde da mal etwas, was du irgendwann aufgenommen hast. Ich habe immer noch Tapes mit ungenutzten Riffs für Paganizer, haha!

Und trotzdem hast du noch Zeit für die Familie? Ziemlich beeindruckend!
Haha, danke! Aber so, wie die Familie wächst, merke ich schon, dass ich weniger Zeit für die Musik habe und das fühlt sich gut an. Für die Zukunft hoffe ich auf weniger Bands und Projekte, aber mit der gleichen oder sogar besseren Qualität. Ich glaube, dass wäre auch gut.

20 Jahre - was war dein persönliches Paganizer-Highlight?
Und vielleicht - was war der schlimmste Moment in der Paganizer-History?
Wieder eine schwierige Frage, es waren so viele gute Zeiten. Aber die Tour durch Spanien und Portugal vor fast zehn Jahren war schon etwas Besonderes. Dorthin zu reisen und in einer überwältigenden Art behandelt zu werden, war klasse. Viele Shows waren wirklich der Hammer, da haben wir uns schon besonders gefühlt. Die Aufnahmen zum dritten Album im Sunlight Studio waren auch sehr cool. Da befanden wir uns ja auf klassischem Boden. Und die Zusammenarbeit mit Mieszko Talarzcyk war auch beeindruckend, ein echt netter Typ. Einige unserer Alben sind ebenfalls Highlights, vom künstlerischen Standpunkt aus gesehen. Auf "Dead Unburied" und "No Divine Rapture" werde ich immer sehr stolz sein. Die beschissenen Momente waren eigentlich immer die, in denen wir keine vollständige Band waren. Abgesagte Touren oder Shows, so etwas nimmt dir auch immer etwas den Spaß an der Sache. Wir leben in einem kleinen Ort. Da ist es verdammt schwer, immer wieder neue Leute zu finden, die diese Musik auch machen möchten.

Gerade wurde die News veröffentlicht, dass du bei BONE GNAWER ausgestiegen bist (die Kollaboration von Rogga mit ex-Massacre Fronter Kam Lee veröffentlichte 2009 den Longplayer "Feast Of Flesh").
Was kannst du uns dazu sagen?
Ich denke, die werden auch gut ohne mich klarkommen. Ich hatte einfach keine Zeit und auch keine Lust mehr. Das neue Album ist schon komplett aufgenommen, aber ich habe so gut wie gar nichts dazu beigetragen. Da ist der Zeitpunkt, die Band zu verlassen, eigentlich genau richtig.

Die letzte Frage ist unvermeidlich - was kommt als Nächstes von Rogga?!
Es sind schon Alben aufgenommen für Revolting, The Grotesquery und Johansson & Speckmann (die beiden??!! Genial!), die alle nächstes Jahr erscheinen werden. Daneben mache ich nicht viel. Ich habe ein paar Kleinigkeiten, aber keine großen Sachen. Ich habe für mich auch entschieden, dass ich mit Ribspreader und Those Who Bring The Torture ebenfalls getrennte Wege gehen werde und ein paar andere Projekte werden ad acta gelegt. Mit Paganizer an der Spitze werde ich mich nur noch um eine Handvoll Bands kümmern.

Na, das reicht doch noch für eine Veröffentlichung pro Quartal.


Das Interview führte Siegfried Wehkamp (per Mail).
November 2014