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Interview: POSTMORTEM

Über 20 Jahre dabei und kein bisschen leise. Das Berliner Death Metal Bollwerk POSTMORTEM haut mit "The Bowls Of Wrath" seinen siebten Longplayer in die Gemeinde, die sich abermals über ein wahres Gemetzel freuen darf. Bassist Tilo (Foto, rechts) gibt Einblick ins aktuelle Geschehen.

Erst einmal Glückwunsch zum gelungenen Album. Die Reviews waren ja bis jetzt fast alle durchweg positiv. Für jemanden, der euch tatsächlich noch nicht kennen sollte, wie würdet ihr euren Sound beschreiben?
Herzlichen Dank! Wir sind auch glücklich, dass unsere eigenen Pläne und Vorstellungen so gut funktioniert haben. Unser Sound ist leider schwer zu beschreiben. Da tun sich ja alle schwer damit, aber irgendwo zwischen Death und Thrash trifft die Sache schon. Allerdings haben wir auch ständig sehr viele andere verschiedene Einflüsse drin. Wer uns noch nicht kennt, sollte am besten einfach mal reinhören!

Wie schafft man es eigentlich, nach fast 25 Jahren immer noch so aggressiv und angepisst zu klingen?
Wenn man sich unsere Texte ansieht oder anhört, merkt man, dass wir eigentlich schon immer das Böse, was auf dieser Welt in all seinen verschiedenen Arten vorhanden ist (und war), zum Thema haben. Da es in unserer heutigen Zeit nicht unbedingt besser wird, ist es doch klar, woher die aggressive und angepisste Ader kommt.

Reviews und Kritiken, sind das Dinge die ihr auch selber verfolgt oder lässt euch sowas völlig kalt?
Natürlich verfolgen wir die Reviews und Kritiken, haben aber nach so vielen Jahren den nötigen Abstand, um alles auch einzuordnen. Unserer Meinung nach berechtigte Kritik nehmen wir aber ernst und versuchen auch den jeweiligen Kritikpunk abzustellen. Hauptsächlich machen wir ja die Musik, damit sie uns gefällt. Wenn das so ist, sind wir zufrieden. Wenn es anderen auch gefällt - sehr schön. Wenn nicht - brauchen sie das Album ja nicht hören.

Viele Bands leiern ja immer den "Das neue Album ist unser bisher bestes Album!"-Spruch runter. Ist das etwas, was ihr über euer neues Album auch sagen würdet?
Ha ha, ja das ist wohl so. Aber wir müssen das leider (oder zum Glück) auch von unserem neuen Album behaupten! Womit wir bei der vorhergehenden Frage wären: wir haben versucht, berechtigte Kritik der letzten drei Alben zu verarbeiten, um es diesmal noch besser zu machen. Das ist aus unserer Sicht auch in Zusammenarbeit mit unserem Produzenten (Marc Wüstenhagen) sehr gut gelungen. Also wir sind auch mit Abstand, da das Album bereits im Juni aufgenommen wurde, sehr zufrieden mit dem Ergebnis!

Überrascht war ich beim Frauengesang im Song "Bowls Of Wrath". Wo kam die Idee her?
Wir mögen es, etwas Überraschendes auf dem Album zu haben. Wir hatten schon ein Klavier, Keyboards, ungewöhnliche Songstrukturen und vieles mehr auf den vorhergehenden Alben. Auf diesen Einfall kamen wir recht spontan im Studio, da auf dem Zwischenteil noch etwas drauf musste. Wir hatten die Möglichkeit, eine professionelle Opernsängerin (die schon mit Anna Netrebko auf der Bühne gestanden hat) zu bekommen. Sie hat ohne Vorbereitung einen sensationellen Part abgeliefert! Wir sind immer noch begeistert.

Kann man in Zukunft auch weiterhin das eine oder andere musikalische Experiment auf einem Postmortem-Output erwarten?
Ich denke JA! In welcher Art und Weise muss man sehen. Solche Ideen haben wir dann immer recht spontan.

Zu "Oops! ... I Killed Again" habt ihr ein Video gedreht. Das sah nach einer Menge Spaß aus und ist vor allen Dingen schön blutig ausgefallen. War bei dem Song gleich klar, dass man dazu ein Video drehen möchte?
Nein. Ursprünglich war der Videoclip zu "Among The Dead" geplant und das Script stand auch schon. Kurz vor Drehbeginn fanden wir aber, dass aus "Oops! ... I Killed Again" mehr rauszuholen geht und der auch besser passt. Die Produktionsfirma (Soffocazzo) hat dann schnell das neue Script nach unseren Vorstellungen geschrieben und unsere Ideen perfekt umgesetzt. Der Dreh selbst war natürlich das blanke Gemetzel. Was da so an spaßigen Dingen vorgefallen ist, würde jetzt hier den Rahmen sprengen, aber wir hatten drei Tage ordentlich Spaß, bis wir die blutige Halle reinigen mussten. ;)

Ohne zu viel zu verraten, aber ihr sterbt ja alle im Video. Wer wird denn jetzt überhaupt live für euch spielen und spreche ich gerade mit einem Untoten?
Da wir ja vor Jahren schon totgesagt wurden, spielen wir ja schon eine ganze Weile als Untote. ;)
Wir fühlen uns aber noch sehr lebendig! Allerdings waren einige Szenen in dem Video nicht wirklich gespielt und es gab schon etliche Blessuren.

Was ist bezüglich Live-Konzerten in nächster Zeit geplant und stehen da schon Termine? Vielleicht sogar mal bei uns im beschaulichen Oldenburg?
Erst mal wird es die beiden Release-Shows im Dezember geben. (13.12. in Erfurt und 27.12. in Berlin)! Es waren noch mehr geplant, aber die Veranstalter verdienen scheinbar mit Weihnachtsfeiern mehr Geld - schade! Für nächstes Jahr war eine Tour geplant, die sich aber aus zeitlichen und finanziellen Gründen zerschlagen hat. Fest stehen für nächstes Jahr etliche Festivaltermine - dazu einfach immer mal auf unserer Facebook-Seite vorbeischauen. Zu Oldenburg kann ich jetzt nichts sagen, aber wir spielen überall, wo wir eingeladen werden und die Konditionen stimmen ;)

In einem Interview, das ich von euch gelesen habe, habt ihr das Gespräch mit "Moin" angefangen. War mir überhaupt nicht bewusst, dass man sich in Berlin auch so begrüsst.
Berlin ist so eine zusammengewürfelte Gesellschaft, dass man sich da auch mal anpasst. Vielleicht waren wir auch zu oft mit nördlichen Bands auf Tour?

Ja ja, so etwas färbt schon ab. Besten Dank für das Interview!


Das Interview führte Sonja Tremmel (per Mail).
November 2014