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Interview: REBELLIOUS SPIRIT

Bereits zum zweiten Mal sind REBELLIOUS SPIRIT mit Axel Rudi Pell auf Tour. Und bereits zum zweiten Mal hat die junge Band ein wirklich überzeugendes Hard Rock/Heavy Metal-Album abgeliefert. Grund genug, uns im Rahmen des Konzertes in Bremen mit der Band mal etwas eingehender zu unterhalten.
In einem gemütlichen kleinen Backstageraum trafen wir uns mit (von links nach rechts): Gitarrist Corvin Domhardt, Drummer Silvio Bizer, Gitarrist und Sänger Jannik Fischer, sowie Bassist Jens Fischer.

Ihr seid im Moment mit Axel Rudi Pell unterwegs. Kurzes Fazit bis hier hin?
Jens: Das läuft alles richtig super, da kann man echt nichts sagen. Die Konzerte sind natürlich sehr gut besucht, das Publikum ist immer richtig gut und auch immer gleich von Beginn an da. Mit Axel Rudi Pell und der Band und auch mit der ganzen Crew drumherum haben wir super Kontakt und sind mit denen mittlerweile auch schon richtig gut befreundet und das funktioniert alles toll. Wir haben jede Menge Spaß miteinander und das läuft alles nur positiv.
... und deswegen seid ihr nun auch schon das zweite Mal mit Pell auf Tour ...
Ganz genau. Weil der Kontakt eben schon da war und das alles so gut funktioniert.

Wie sieht der Touralltag bei euch so aus? Ich hab grad draußen gesehen, ihr fahrt ja nicht im Nightliner mit, sondern habt einen kleinen extra Bus.
Jannik: Das ist aber eigentlich ganz gemütlich. Wir haben halt einen normalen Van ... also so'n kleinen Bus, Van halt ...
Corvin: Einen Mercedes Vito.
Jannik: Ja, genau. Und auf dieser Tour machen wir das halt so, dass wir nach dem Gig ins Hotel fahren, morgens dann frühstücken, fahren danach dann gemütlich zur nächsten Location und schlafen dann im Bus meistens weiter. Wenn wir dann vor Ort angekommen sind, gibt's erst mal ein zweites Frühstück, dann kommt der Soundcheck, dann gibt's nochmal Essen, dann gehen wir auf die Bühne, danach gibt's dann ein, zwei Bier - und dann geht's wieder von vorne los.
Was macht man denn den ganzen Tag im Bus? Musik hören, Bücher lesen, Filme schauen?
Jens: Also unsere Hauptbeschäftigung ist schlafen. Aber klar, wir hören da auch Musik und haben auch so einen kleinen DVD-Player dabei. Was haben wir da letztens noch geschaut? (überlegt) Ach ja, "Total Recall". Also ganz normale Filme halt.

Hat man zwischendurch auch mal Zeit, sich von den ganzen Städten, in denen man immer ist, auch mal was anzuschauen?
Jens: Ja, ein bisschen schon. In Berlin haben wir z.B. so diese typischen Sachen mal abgegrast, also wir waren beim Brandenburger Tor, beim Reichstag, am Checkpoint Charlie...
Jannik: In Wien waren wir auch. Und in Prag. Da waren wir in einem Strip-Schuppen, haben also mal die "lokalen Sehenswürdigkeiten" angeschaut! (alle lachen)

Euer zweites Album "Obsession" ist nun gerade erscheinen. Was waren denn so die grundlegendsten Unterschiede, auch in Sachen Songwriting, im Vergleich zum ersten Album? Gab's da vielleicht sogar etwas Druck von Seiten der Plattenfirma?
Jens: Der Druck kam eigentlich eher von uns selber. Wir wollten halt einiges verbessern und auch einiges drauflegen, weil wir beim ersten Album noch sehr jung waren. Wir wollten diesmal halt einfach zeigen, was wir können. Wir sind jetzt erwachsen und im Musik-Business angekommen und dieses Album ist nun sowas wir unser Gütesiegel. Wir haben uns halt eben auch musikalisch weiterentwickelt, auch durch die Tour, also die erste Tour mit Pell im Februar. Wir sind das dieses Mal alles auch professioneller angegangen.
Corvin: Für das erste Album sind wir auch schon Ende 2011 ins Studio gegangen, aber das Album kam dann ja erst Mitte 2013 raus.
Jannik: Die Aufnahmen waren im Februar 2012 fertig. Und von da an hatten wir eben schon wieder Zeit, neue Songs zu schreiben.
Jens: Außerdem haben wir dieses Mal auch mehr zusammen als Band gemacht, also zusammen gejamt und auch insgesamt facettenreichere Songs kreiert und auch mehr experimentiert. Wir sind musikalisch nun auch etwas breiter aufgestellt, weil wir eben auch privat viele verschiedene Sachen hören und letztendlich eben irgendwie so unseren ganz eigenen Style daraus gemacht.

Auch wenn ihr euch musikalisch eher typisch im Bereich Hard Rock/Heavy Metal bewegt, so tauchen nun auch Begriffe wie Post-Grunge oder Dark Rock auf. Ist das dieser angesprochene eigene Style und letztendlich die logische Weiterentwicklung?
Jens: Ja. Wir hören ja gerne sowas wie Breaking Benjamin, was ja eben Post-Grunge ist, genau wie auch Nickelback. Und das ist in manchen Bereichen eben nicht immer so weit weg. Und was Dark Rock angeht, man kann durchaus auch mal sowas wie HIM oder Negative bei uns heraushören. Es haben auch schon viele Leute gesagt, sie würden bei uns The 69 Eyes heraushören.

Was war denn rückblickend eins der schlechtesten Erlebnisse, das ihr als Band bisher gemacht habt?
Corvin: Bis jetzt hatten wir eigentlich immer Glück ...
Jannik: Da fällt mir jetzt auch nicht unbedingt was ein. Okay, wir haben halt schon ein paar Verträge gesehen, die ziemlich "hässlich" waren, aber die haben wir dann auch gar nicht erst unterschrieben.
Jens: Im Grunde ist es ja wie bei jeder kleinen Band, die mal anfängt und in irgendwelchen kleinen Clubs vor zehn Leuten spielt ...
... für eine Kiste Bier.
(alle lachen)
Jens: Ja, genau! Die Geschichten kennt jeder.
Jannik: Wir mussten sowas auch mal mitmachen. Als wir damals das erste Mal in Holland waren, mussten wir uns im Auto umziehen ...
Jens: Das war aber noch gar mal nicht das Schlimmste. Wir haben mal ein Konzert in einer riesigen Reithalle gespielt. Das ist schon ganz lange her und da war es auch ultra-kalt. Das war so ne komplette Newcomer-Geschichte, der Eintrittspreis war viel zu hoch, da war dann auch fast nichts los und wir mussten dann erst gegen Mitternacht spielen, haben dann den ganzen Abend im einem kalten Backstageraum warten müssen, haben da mega gefroren und gezittert, um dann letztendlich vor irgendwie 20 Leuten zu spielen. Das war schon heftig. Aber so macht man halt seine Erfahrungen.

Und was waren auf der andere Seiten eure positivsten Erlebnisse?
Jannik: Da gibt's viel. Das Rock Of Ages-Festival 2012 zum Beispiel. Da haben wir mit Alice Cooper, Europe und eben auch mit Axel Rudi Pell gespielt. Da haben wir dann zum ersten Mal diese ganzen "großen" Bands gesehen, mit denen wir dann auch zusammen im Backstagebereich waren. Oder auch das Bang Your Head 2013. Das ist bis jetzt immer noch so mein Highlight. Die ganze Atmosphäre dort, die riesige Bühne - das war einfach mega.
Dann natürlich jetzt die Tour wieder, aber auch die Studiozeit macht immer viel Spaß.

Wie sieht's beruflich bei euch aus? Ist da noch Schule angesagt? Leben könnt ihr von der Band vermutlich ja noch nicht.
Jens: Mit der Schule sind wir jetzt alle durch.
Jannik: Ich hab jetzt im Juni mein Abi gemacht. Leben können wir von der Musik noch nicht, wir machen alle noch was nebenbei.
Corvin: Wir jobben oder fangen mit studieren an oder sowas.

Hat man es in Zeiten, wo die Kids ja eher HipHip oder Metalcore hören, eigentlich schwer in der Schule, wenn man Musik wie die eure macht?
Jens: Das war bei mir in der Schule eigentlich alles locker.
Jannik: Manche finden das schon etwas komisch, aber letztendlich haben die das alle verstanden. Wir waren da also auch nie so die Außenseiter. Die sind ja teilweise auch zu unseren Konzerten gekommen.
Jens: Wir sind ja nun aber auch nie so extrem gewesen. Wir waren ja nie so wie Steel Panther, haben das also alles auch nie so übertrieben, mit Leggings, Eyeliner und so. Vielleicht etwas, aber nie so, dass man sagen konnte, dass wir total die "Überfreaks" sind.

Wenn wir mal in die Zukunft schauen, wir sehen eure Ziele, Wünsche, Pläne aus?
Jens: Nach oben ist alles offen.
Jannik: Wir wollen immer weiter kommen mit der Band und der Musik.
Und wir wollen auch mal in einem Nightliner fahren! (alle lachen)
Nach Amerika wollen wir auch mal. Wir wollen einfach noch viel Erfolg haben und noch viele Alben aufnehmen.
Jens: Viele Touren spielen. Auch mal als Headliner.
Sind schon erste Ideen für das dritte Album vorhanden?
Jannik: Neue Songideen haben wir noch nicht. Da sind wir auch noch gar nicht zu gekommen.

Ich weiß zwar nun nicht, wieviele Interviews ihr schon gegeben habt, aber gibt es jetzt schon ein Thema, das immer angesprochen wird, das euch bereits ziemlich nervt und über das ihr am liebsten gar nicht mehr sprechen wollt?
Jens: Der ewige Vergleich mit Kissin' Dynamite.
... wie gut, dass ich das heute nicht angesprochen habe!
(alle lachen)
Aber ihr seid ja schon mit denen befreundet!?
Jannik: Ja. Die kommen ja auch aus der gleichen Ecke wie wir.
Jens: Mit denen haben wir auch schon lange Kontakt.

Gibt es andererseits etwas, was ihr noch nie gefragt wurdet, über was ihr aber gerne mal sprechen wollt?
(alle schweigen und überlegen lange)
Silvio: Wir campen gerne. Wir sind mal nach einem Auftritt auf den Campingplatz gegangen. Wir haben so ein großes Zelt, das aussieht, wie ein alter VW Bus ...
Jens: Das haben wir auch beim Videodreh zu "Lost" gemacht. Da haben wir dann auch im Zelt übernachtet.


Das Interview führte Marco Zimmer.
Bremen, 01. Oktober 2014