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Interview: VOODOO GODS

Mit "Anticipation For Blood Leveled In Darkness" ist den VOODOO GODS ein ordentliches Debüt im grenzübergreifenden Death Metal Bereich gelungen. Dass sich in dieser Truppe bekannte Namen tummeln, soll aber nicht überbewertet werden, wie uns Drummer und Mitbegründer Alex "Voodoo" von Poschinger erklärt.

Erst mal herzlichen Glückwunsch zum ersten Voodoo Gods-Longplayer. Der VÖ-Termin hier in Deutschland ist nicht mal ein Monat her. Wie sehen die Reaktionen bis jetzt aus? Viel, wenig, mehr gut, mehr vernichtend?
Mahlzeit!
Wir bin sehr zufrieden mit den Reaktionen ... 90% waren sehr positiv und der Rest fand das Album "okay". Bis jetzt habe ich nur zwei negative Reviews gefunden.
Ich habe vor einiger Zeit mit Corpsegrinder gesprochen, der gerade mit Cannibal Corpse auf den Rockstar Mayhem Festivals durch die USA tourt und er meinte: Die fragen mich hier alle nur nach Voodoo Gods! Das war für mich die beste Resonanz, denn wir haben noch kein Label und keinen Vertrieb in den USA. Wir sind also alle sehr froh.

Die Liste Deiner (ex-) Musiker ist beeindruckend. Das Internet macht ein "Zusammenspiel" heutzutage einfacher, aber ohne persönliche Überzeugungsarbeit geht es ja nun mal nicht. Waren alle leicht zu begeistern?
Bei uns ist es völlig anders abgelaufen. Ich kenne Seth, Nergal und George schon seit über 17 Jahren und auch Hiro kenne ich nun seit über zehn Jahren. Wir waren in erster Linie Freunde, die einfach Bock hatten, zusammen Metal zu spielen. Seth und Tony (Tony Norman, ex Monstrosity, Morbid Angel und Terrorizer) waren eh von Anfang an dabei, nur damals hießen wir noch Shrunken Head und ich lebte in den USA. Hiro und Nergal stießen 2005/2006 dazu, da ich nach Polen zog, um meine Merchandise Firma weiter auszubauen.
Corpsegrinder bekam eine SMS von mir geschickt und er schrieb zurück: Klar, bin dabei!
Den Einzigen, den wir aus dem Netz gefischt haben, war David (Shankle/ex-Manowar). Jean wurde mir von Steve DiGiorgio empfohlen, da er keine Zeit hatte und gerade mit Sebastian Bach im Studio war.
Die wollten aber erst das Material hören (teilweise noch auf Tape und Demo Versionen), bevor sie einwilligten.
Dieses ganze All Star-/Supergroup-Gehabe ist albern ... Labels benutzen das heute gerne als Marketing Slogan. Wir sind alles echte Freunde und ich sehe Voodoo Gods eher als: Die Band mit den Kumpels, die auch zufällig gute Musiker sind!

Satanismus hier, Okkultismus da, Tod und Teufel überall. Das Thema "Voodoo" taucht im Verhältnis weniger im Metal-Bereich auf. Du hast Dir das Thema aber bestimmt nicht aufgrund seines exotischeren Charakters ausgesucht?!
Voodoo ist bei mir eher eine Symbolik. Ein Statement, das sich gegen die Kirche und deren abgefuckte Missionierung richtet. Voodoo und meine Ansichtsweise von Glaube und Religion haben natürlich sehr viel Gemeinsamkeiten.
Ja, als Afrikaner (bin in Kenya geboren) habe ich mich jahrelang mit Natur und der Geisterwelt beschäftigt. Naturgötter und die Elemente sind ein riesiger Einfluss auf die afrikanische Kultur und deren Glaube. Auch verbringe ich die Winterzeit immer in Haiti oder der Dom. Seite der Insel ... da sieht man sehr skurrile Dinge! Ich sage dazu immer: The Ancient Ones.
Ich möchte hier nicht zu weit ausholen, denn Vieles würde dann eventuell missverstanden und fehlinterpretiert werden. Das ist kein Gespräch von zwei Stunden ... und zudem sehr persönlich! Fazit: Voodoo passt zu meiner Sicht der Dinge...

Du hast bereits abseits der Musik eine bewegende Reise hinter Dir. Wo war denn während dessen der erste Berührungspunkt mit Heavy Metal? Und wann kam der "Wendepunkt" zum Death Metal?
Ich war zehn, als ich schon ein großer Fan von Queen wurde und intensiv Platten sammelte. Mein ältester Cousin hatte Platten von Krokus und Motörhead, die habe ich mir dann immer auf Tape überspielen lassen. Viele meiner Klassenkameraden hatten ältere Brüder, die auf Punk, Metal und Kiss standen.
Viele von denen haben gegen Queen Tapes getauscht und einige stiegen um auf den Disco Crap wie Samantha Fox, Wham etc. ... die haben mir dann ihre alten Platten für wenig Geld verkauft. Der Wendepunkt zum Death bzw. Extreme Metal, kam aber erst, wo ich ein Demotape von Combat (später zu Napalm umbenannt) bekam, dann kam ich ziemlich schnell über Slayer zu Obituary, Napalm Death und Death. Ich höre aber bis heute noch Queen und vom NWOBHM bis hin zu Suffocation. Meine wahre Passion ist und bleibt aber der Thrash Metal!

Ich liege hoffentlich richtig, dass der Name "von Poschinger" von Deinen Adoptiveltern kommt. Ein "von" klingt für Außenstehende erst mal sehr wohlhabend, nach mehr Geld und Personen, von denen man in der breiten Öffentlichkeit (Medien) schon mal hört. Eine Familie also, die man kennen müsste?
Sorry, diese Frage ist mir zu persönlich. (was wir selbstverständlich akzeptieren)
Ich bin aber von einer Schweizer Mutter und einem Deutschen Vater 1975 in Kenia adoptiert worden. Mein Dad war damals als Entwicklungshelfer für Landwirtschaft dort tätig. Wir sind dann 1983 nach Deutschland gezogen.
Meine Eltern leben heute im Rheinland und ich bin auch wieder seit zwei Jahren dort wohnhaft.

Nun kann man im Internet heutzutage viel und eigentlich fast alles über einen Künstler herausfinden, wenn man nur tief genug buddelt, womit Interviews manchmal irrelevant erscheinen.
Gibt es ein Thema, zu dem Du bis jetzt noch nie befragt wurdest? Egal was, hier und jetzt ist Deine Plattform dafür:
Ja, ich hätte gerne das Thema Voodoo ausführlicher beantwortet ... leider wäre das ein sehr langes und aufwändiges Thema. Es würde sicherlich mehrere Seiten in Anspruch nehmen, doch es wird sehr oft missverstanden und durch die Medien fehlinterpretiert. Vielleicht könnt ihr ja mal ein Special darüber bringen.

Ach ja, meine fünf Alltime Alben (nicht in Reihenfolge, denn sie sind alle ''anders'' gut):
Sepultura - Arise
Kreator - Extreme Aggression
Deicide - Deicide
Bon Jovi - These Days
Stratovarius - Visions

Vielen Dank für euren Support und euer Interesse an Voodoo Gods ... cheers!


Das Interview führte Siegfried Wehkamp (per Mail).
August 2014